Sommermusiken im Kloster Alexanderdorf 2010

1. Mai

Traditionsgemäß begannen am 1. Mai 2010 wieder die Sommermusiken in der Benediktinerinnenabtei Alexanderdorf – ein wohltuend friedvoller Maibeginn außerhalb der demonstrationsüberhitzten Situation in Berlin.

Auf dem Programm standen Teile eines höchst anspruchsvollen Werkes von G. F. Händel (1685-1759) aus der zweiten Londoner Zeit – drei der elf überlieferten Chandos-Anthems, Psalmentexte für Chor und Soli mit Instrumentalbegleitung, die allen Interpreten ein Höchstmaß an Konzentration abforderten.

Solisten waren Heike Peetz (Sopran), Christian Mücke (Tenor), Tobias Hammer (Bass), der Chor (in diesem Fall beinahe gleichbedeutend mit den Solisten, was die Herausforderung betraf) Renée Pietzsch und Niniane Rheinfurth (Sopran), Dietmar Hiller (Tenor) und Ludger Montag (Bass), Wolfgang Kube (Oboe), Irmgard Hundgeburth und Kerstin Erben (Violine), Christian Beuse (Fagott), Miriam Wittulski (Kontrabaß) und Wolfgang Flügel (Orgel), die Leitung hatte Michael Witt.

Wahrscheinlich kam Händel im Januar 1717 zum zweiten Mal nach London. James Brydges, Earl of Carnarvon, später Duke of Chandos, machte ihm das Angebot, auf seinem Schloß Cannons bei Edgware zu wohnen, und verpflichtete ihn zu seinem Kapellmeister, Organisten und Komponisten von Kirchenmusik. In der Ruhe von Cannons entstanden sozusagen als Vorläufer seiner großen Oratorien die Chandos-Anthems, die in der Tradition von Henry Purcell (1658-1695) stehen.

In Italien hatte Händel die Vesperpsalmen Dixit Dominus, Laudate pueri und Nisi Dominus komponiert, angelegt für großen Chor, Solisten und aufwendiges Orchester.  Die Chandos Anthems sind entsprechend dem kleinen zur Verfügung stehenden Ensemble trotzdem groß angelegt – nach der einleitenden Symphonie wechseln jeweils Chor und Solisten und enden mit einem vollklingenden Chorsatz. So sind diese Anthems nicht etwa intimer in der Wirkung als die vorherigen Psalmvertonungen, sie verlangen nur wesentlich mehr Präsenz, Subtilität und Intonationssicherheit von allen – ihre Aufführung ist eine kräftezehrende Aktion.

Den (am 1. Mai musizierenden) sieben Sängerinnen und Sängern und den sechs InstrumentalistInnen – jeder war da als Solist gefordert − atemberaubend der geforderte Einsatz des Tenors – gelang die Herausforderung wie der Applaus bewies, alle Zuhörer waren begeistert. Danke!


Gerlinde Redzich, Berlin