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Literaturhinweis
Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“
(Lk 24,5)  
Der Auferstandene, Eichenholzplastik aus dem Kloster Wienhausen, um 1300

Halt! Ist da nicht etwas durcheinander geraten? Würden wir nicht eher sagen: Was sucht ihr den Toten bei den Lebenden? Vorbei ist vorbei. Man muß vergessen, nicht immer die alten Geschichten aufwärmen. Das Heute anpacken, ins Morgen schauen! Loslassen können!
- Ja, es geht um das Loslassen, auch an Ostern. Und unsere Frage am Anfang führt uns hinein in diesen Prozeß. Es ist die Frage der Engel am leeren Grab, als die Frauen am Ostermorgen kommen, um den toten Leib Jesu zu salben. Ihre unglaubliche Erfahrung ist der Anfang einer ganzen Reihe von Erzählungen. Sie alle berichten davon, wie schwer es für die Jünger Jesu ist, zu glauben, daß er lebt. Sie waren doch dabei, als er verhaftet und verhört wurde. Sie haben das Urteil gehört, und einige - sehr Mutige - haben sich bis fast unter das Kreuz gewagt. Jetzt ist es aus, ganz aus,
und sie tun gut daran, sich schnell an die neuen Verhältnisse anzupassen. Was soll da das Geschwätz dieser aufgeregten Frauen,
die von einer Erscheinung reden?

Lk 24,36-48 berichtet von Unglaube und Zweifel der Jünger. Und als Jesus selbst in ihre Mitte tritt, haben sie Angst. Da wird nicht nur eine gewisse Bangigkeit beschrieben, die es immer wieder einmal im Leben gibt. Nein, sie meinen, einen Geist zu sehen. Das ist eine existentielle Bedrohung, ihr Aufschrei nur zu verständlich.
Wenn wir weiterlesen, erleben wir mit, wie Jesus sie zum Glauben und Vertrauen führt, so daß sie ihre Sicht der Dinge loslassen können. Das ist ein nicht einfacher Weg.
Nirgends im Text wird gesagt, daß die Jünger an diesem oder jenem Punkt zum Glauben kamen. Ausdrücklich ist Jesus der Handelnde: "Er öffnete ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift": Der Messias mußte leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen (Lk 24,45f). Sein Name wird allen Völkern verkündet werden zur Umkehr und Vergebung der Sünden. Diese Verkündigung ist ihre Aufgabe: "Ihr seid Zeugen dafür."
Vielleicht stehen jetzt wir an dem Punkt, wo wir loslassen müssen: Dieser verschreckte Haufen ungläubiger und begriffsstutziger Leute soll der Welt das Heil bringen? - Diese Kirche, bis heute Männer und Frauen, die nur zu oft am Alten haften, die sich eingerichtet haben im immer schon Bekannten, soll heute bei den Menschen ankommen?  

Ostern ist neue Schöpfung: Der Tote lebt. Angst wandelt sich in Freude, Resignation in Begeisterung. Die Zweifelnden gehen mit der Botschaft Jesu hinaus - bis an die Grenzen der Erde.