das jahr der bibel "Suchen. Und finden." Eingang
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Literaturhinweis
"Adam, wo bist du? "
(Gen 3,9)
"Der Logos erschafft den Menschen", Santiago de Compostela, um 1100

Wir alle kennen diese Erfahrung: einen Schrecken, der unseren Atem stocken und unser Herz schneller schlagen läßt, wenn wir plötzlich entdecken, daß wir etwas verloren haben?
Schon bei kleinen Dingen geht es uns so, um wieviel mehr einer Mutter, deren Kind im Gedränge eines Kaufhauses oder Jahrmarktes abhanden gekommen ist.

Die Bibel greift dieses eindrückliche Bild auf, um uns das Verhältnis Gottes zu uns Menschen nahe zu bringen.
Schon ganz am Anfang hören wir Gott rufen – nach dem Herzstück, der Krone seiner Schöpfung, nach dem Menschen, den er nach seinem Bild geschaffen hatte:

„Wo bist Du?“ Gott stockt der Atem, weil sich der Mensch vor ihm versteckt hat. Von diesem Augenblick an ist Gott auf der Suche nach dem Menschen, hält der Mensch ihn in Atem.
Ein großer Spannungsbogen durchzieht die ganze Geschichte Gottes mit den Menschen, bis er seinen Sohn in die Welt schickt. Er ist der gute Hirt, der das verlorene Schaf auf seine Schulter nimmt und es heimträgt. Jesus selbst sagt von sich, daß er gekommen ist, zu suchen und zu retten, was verloren ist (Lk 19,10).
Auch mich sucht Gott, denn er will jeden Menschen einbeziehen in die Gemeinschaft mit sich. Dieses Suchen und Finden ist eine der tiefsten menschlichen Erfahrungen.
Seitdem das Verhältnis Gottes zum Menschen durch die Sünde gestört ist, hat der Mensch keinen freien Zugang mehr zu Gott. Obwohl er sich nur von Gott finden zu lassen braucht, ist er – bewußt oder unbewußt – ständig auf der Suche nach IHM. Letztlich, so erfahren wir es aus der Heiligen Schrift, ist dies ein „Spiel der Liebe“, ein Werben Gottes um den Menschen.
Am Ende der Bibel wird uns ein Ausblick gegeben, daß diese Suche nicht vergebens ist und in der hochzeitlichen Vereinigung von Gott und Mensch im Himmel an ihr Ziel kommt.
Es liegt an uns, wann diese letzte Erfüllung für uns persönlich anbricht. Durch die Intensität unseres Suchens und durch unsere Sehnsucht können wir Gottes Ankunft „bescheunigen“, wie der Apostel sagt (vgl. 2Petr 3,12).
Durch den Propheten Jeremia verspricht Gott: „Sucht ihr mich, so findet ihr mich. Wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, lasse ich mich von euch finden“ (Jer 29,13).
Und Jesus lädt uns ein: „Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet“ (Mt 7,7).