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Vera Lúcia Parreiras Horta OSB Drei Wünsche. Von
Erfahrungen und Hoffnungen im Dienst der Leitung Im März 2006 besuchte Priorin Johanna Domek (Köln-Raderberg) die
Benediktinerinnen von Salvador-Bahia. Mit dem 1977 gegründeten Kloster
(1997Erhebung zur Abtei) bestehen langjährige Kontakte. Priorin Johanna fragte
Äbtissin Vera Lucia nach den Wünschen, die sie für sich im Dienst der Leitung
ihrer Gemeinschaft hat.
Mein erster Wunsch ist, dieses innere Wissen als den Hauptstrom meines Lebens zu bewahren, daß ich mich immer darauf verlasse: In allem, was geschieht und geschehen wird, wird Er sich als mein Hirte und der Hirte der Gemeinschaft erweisen. Ich wünsche mir, daß ich das Vertrauen in Seine Gegenwart und Führung vertiefe und es niemals verliere. Im Laufe der Jahre hatte ich wie ein Leitmotiv die Frage: Wie kann ich mein eigenes Gebetsleben finden und vertiefen, wie kann ich mitten in den so fordernden Rhythmen des Lebens meinen Rhythmus des Gebets finden. Immer wieder habe ich mich das selbst gefragt. Auch andere Menschen, die ich traf und die Verantwortung in anderen Gemeinschaften übernommen hatten, habe ich das gefragt. Und ich habe in Büchern nachgelesen. Ja, ich habe mich sehr bemüht, eine Antwort zu finden. Aber im Lauf der Jahre habe ich immer mehr entdeckt, daß Gott nahe war. Manchmal was es mir dabei auch, als bekäme ich neue Einsichten in das Leben des hl. Benedikt, der bei all seinen Anforderungen doch ein Mystiker war. Von seinem „Turm“ her war er immer ein Mann Gottes, ein Mann der unterscheiden konnte, ein weiser Führer. Das wünsche ich mir, daß die übernommene Verantwortung für mich immer ein Weg der Gotteserfahrung sei, trotz allem – besser gesagt: in all den Herausforderungen, die sich zeigen mögen. Bei meinem zweiten Wunsch geht es mir um die Verantwortung. Man kann das auch mit „empowerment – Befähigung“ übersetzen. Ich nehme wahr, daß es für Obere eine große Versuchung ist, sich selbst für alles und jedes in der Gemeinschaft verantwortlich zu fühlen: für die Qualität des Lebens, das Gebet der Schwestern, die Qualität der Arbeit, die Anwesenheit in der Kirche und das Dasein in der Welt. Da fühlen wir uns manchmal, als ob die ganze Welt auf unseren Schultern liege. Wenn wir in diese Richtung weitergehen, ist das aber viel zu viel für einen Menschen. Kürzlich fand ich, wie ein Echo darauf, es war nach der Wahl Papst Benedikt XVI., daß er gesagt hat, er verlasse sich in seinem Amt auf die Hilfe der Gemeinschaft der Heiligen, er vertraue aber auch darauf, daß die Freundschaft, das Interesse, das Gebet jedes Menschen in der Kirche ihm helfen werde. Es scheint mir, die oben beschriebene Versuchung geht da in zwei Richtungen. Einmal geht sie dahin, alles so zu nehmen, als sei ich der einzige Mensch der da zu antworten habe. Beim Zweiten handelt es sich um das genaue Gegenteil davon, nämlich alles den Schultern der anderen aufzubürden, alles den anderen anzulasten. So ist mein zweiter Wunsch, daß ich mich niemals weigere, meine eigene Verantwortung je neu anzunehmen. Meine eigene Verantwortung, das bedeutet hier, immer wieder offen zu sein für alles, was mich befähigen kann, meine Weise zu führen weiterzuentwickeln. Auf der anderen Seite bedeutet es auch aufmerksam zu sein auf jede einzelne Schwester wie auch auf die Gemeinschaft insgesamt, damit wir die Ziele anstreben und erreichen, die wir als monastische Gemeinschaft haben. Die Qualität der Gemeinschaft liegt an jedem einzelnen ihrer Glieder. So möchte ich wohl immer die Balance finden zwischen der Annahme meiner eigenen Verantwortung und der Ermutigung der Schwestern, ihre Verantwortung zu übernehmen. Mögen wir das alles immer vor dem bewußt wahrgenommenen Horizont des Reiches Gottes tun. Dann werden wir zu dem finden, was wir tun sollen. Zum
Dritten möchte ich gerne ein Ziel erreichen, einen Traum, den ich habe. Es geht
mir um die Reife im geistlichen Leben, in der monastischen Tradition. Dahin
kommt es, wenn ein Mensch auf dem Weg des monastischen Lebens den Schritt vom
Schülersein zur Vater- und Mutterschaft tut und zu einem Pneumatophorus wird.
Das ist für mich das Ziel. Nicht daß ich wagen würde zu sagen, ich sei eine
geistliche Mutter, als solche will ich mich wirklich nicht hinstellen. Bis heute
fühle ich eher, daß da manches in mir nicht dem angemessen ist, und spüre den
Abstand zwischen dem, was ich sein sollte und dem, was ich bin. Und trotzdem
nehme ich auch Zeichen wahr, daß ich diese Ebene des monastischen Lebens
irgendwie doch immerhin berühre. Vielleicht
kommen diese Zeichen mehr von außen als von innen. Aber wenn ich mir gegenüber
ehrlich bin, gibt es auch innen solche Zeichen. Was die äußeren Zeichen
angeht, erinnere ich mich wie eines Jahres wie aus heiterem Himmel plötzlich
Anrufe kamen und von Menschen nach geistlicher Leitung gefragt wurde, mit denen
ich bis dahin gar nicht in Kontakt stand. Auf
der einen Seite war ich darüber erstaunt, auf der anderen Seite nahm ich das
sehr schlicht als ein Zeichen des Geistes und des Willens Gottes an. Und bis auf
wenige Ausnahmen kommen diese Menschen wieder und halten den Kontakt. Ich überblicke
nicht, was insgesamt geschieht, aber indem ich zuhöre, hier und da auf etwas
aufmerksam mache, in dem ich Fragen stelle, geht Gott seinen Weg mit ihnen in
ihrem Leben. So muß ich wahrnehmen, daß ich da irgendwie ein Kanal für Gott
bin für die, die sich mir nähern. Auf der anderen Seite habe ich eine große
Ehrfurcht davor, wie Gott im Herzen eines jeden Menschen gegenwärtig ist, und
wie durch dieses Teilen das Leben Reifung kommt. Damit meine ich keine Vollkommenheit und Perfektion, ganz im Gegenteil. Tag für Tag habe ich mit meiner Bekehrung zu tun und wieder und wieder bin ich in der Versuchung, das Ziel zu verfehlen. Ich meine, es wäre ein Zeichen von Reife, daß ein Mensch trotz all dem immer tiefer umkehrt zu den eigenen Überzeugungen und Entscheidungen. Das ist gleichzeitig ein Geschenk und eine Herausforderung, eine Quelle der Freude wie auch eine Quelle der Verantwortlichkeit. – Es ist der tiefe Ruf, das Leben neu zu empfangen und mit anderen zu teilen. |