Was erwartet der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog von Nonnen und Mönchen?
Grußwort des Präsidenten des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog (PRID), Erzbischof Michael Fitzgerald,  zum 25-jährigen Bestehen der DIM-MID

1. Die Unterstützung der DIM-MID vom PRID von Anfang an
Das interreligiöse monastische Treffen 1968 in Bangkok war das erste Mal, daß der PRID sich am interreligiösen monastischen Dialog beteiligt hat. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung betonte der damalige Präsident des Rates, Kardinal Pignedoli, 1974 in seinem Brief an Abtprimas Rembert Weakland die Bedeutung des Engagemgents von Nonnen und Mönchen im interreligiösen Dialog und würdigte sie als Brücke zwischen Kulturen und Religionen.
Drei Elemente wurden dabei während des Treffens in Bangkok und im Schreiben Kardinal Pignedolis hervorgehoben:
1. Das kontemplative Leben ist unbedingt notwendig für die wirksame Existenz der Kirche in einem Land. Eine Kirche ohne kontemplatives Leben ist keine voll entwickelte Kirche. Dies wurde vor allem in Asien erkannt, wo es eine lange Tradition des Gebetes und der Suche nach dem Absoluten gibt, und wo die Kirche oft als eine soziale Organisation gesehen wurde, manchmal auch heute noch gesehen wird, und nicht als eine Gemeinschaft des Gebetes.
Um die Wichtigkeit des kontemplativen Lebens für die Kirche ein wenig zu erläutern, möchte ich ein Beispiel aus meinem eigenen Kontext nennen. Ich bin Titular-Erzbischof von Nepte (Nefta), einer Oase in Tunesien, in der seit Jahrhunderten keine Kirche mehr existiert. Das Christentum ist aus Nordafrika praktisch verschwunden. Nur im Osten Nordafrikas, in Ägypten, ist das Christentum lebendig geblieben, und ich denke, daß einer der Gründe dafür die starke monastische Tradition des koptischen Christentums ist.
2. In seinem Schreiben an Abtprimas Rembert Weakland unterstreicht Kardinal Pignedoli die Möglichkeit, daß Nonnen und Mönche eine Brücke zu anderen Religionen schlagen können. Der Grund dafür ist, daß sie sich von ihrer eigenen Lebensform her mit den Mönchen und Nonnen und den monastischen Traditionen anderer Religionen verbunden fühlen, denn die monastische Berufung ist Audruck einer fundamentalen Sehnsucht des Menschen, nämlich seines Durstes nach Gott, seines Durstes nach einem, der größer ist als er selbst.
3. Zwischen dem PRID und den klösterlichen Einrichtungen findet eine wechselseitige Befruchtung statt. Der PRID ermutigt die Nonnen und Mönche, sich anderen religiösen Traditionen gegenüber zu öffnen, umgekehrt ist der PRID von den Erfahrungen der Nonnen und Mönche auf diesem Weg sehr beeinflußt worden. Dies zeigt zum Beispiel das Dokument "Dialog und Mission" von 1984, das vier Formen des Dialogs unterscheidet, und u.a. den Dialog auf der Ebene der geistlichen Erfahrung anführt. Ohne die Erfahrungen monastischer Gruppen auf dieser Ebene wäre es kaum zu einer ausdrücklichen Erwähnung des interreligiösen Dialogs im Rahmen der geistlichen Erfahrung gekommen.

2. Die Unterstützung durch die Klöster: Was erwarten wir von den Klöstern in Blick auf den interreligiösen Dialog?
Wir erwarten uns die Unterstützung durch das Gebet und vertrauen darauf, daß die klösterlichen Gemeinschaften für gute Beziehungen zu den Menschen anderer Religionen beten.
Wir erwarten Gastfreundschaft, die Art von Gastfreundschaft, wie sie im Unternehmen des Geistlichen Austauschs der DIM-MID seit Jahren erprobt wird. Mitunter kann dies sich auf recht praktische Dinge, wie das Erlernen einer Sprache oder eines Handwerks, beziehen.
Ein weiterer Aspekt der Gastfreundschaft betrifft die Aufnahme und Begleitung von Menschen, die sich auf einer geistlichen Pilgerschaft befinden, Menschen, die vielleicht weit vom Christentum entfernt zu sein scheinen, die aber nach etwas suchen. Klösterliche Gemeinschaften sollten bereit sein, mit ihnen, in einer ihnen verständlichen Weise, etwas vom Reichtum der christlichen Tradition zu teilen.
Wir erwarten eine Vernetzung. Das scheint ein wenig paradox zu sein, weil jede Abtei unabhängig und selbstständig ist. Aber sie sind untereinander vernetzt. Das Netzwerk der DIM-MID ist sehr hilfreich, besonders für jene, die sich noch nicht für dieses Netzwork geöffnet haben.

3. Benediktiner von weitem Geist
Ich denke, daß es richtig ist, daß die DIM-MID sich auf den Bereich der benediktinischen Familie beschränkt, doch ich weiß auch, daß sie nicht ausschließend ist. So habe ich selbst 1990 vom Austauschprogramm profitiert - und ich war nicht der einzige Nicht-Benediktiner in diesem Programm. Ich würde mir wünschen, daß die Erfahrung des geistlichen Austauschs sich auch auf andere geistliche Gemeinschaften ausweiten würde, und sie ermutigte, den interreligiösen Dialog in ihre Tradition einzubringen. Die Karmeliten in England haben mich zu einem Vortrag eingeladen, und ich kann mit ihnen etwas teilen, was ich durch die DIM-MID erfahren habe. Ich möchte die DIM-MID ermutigen, ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen, ohne die Besonderheit des monastischen interreligiösen Dialogs aufzugeben.
Der monastische interreligiöse Dialog hat sich vor allem dem Buddhismus zugewandt - das ist verständlich, da es dort ein lebendiges Mönchtum gibt. Aber ich bin froh, daß es auch immer mehr Kontakte zu Hindus und Muslimen gibt; vor allem der Kontakt mit geistlich geprägten Muslimen, wie den Sufis, sollte vertieft werden. Natürlich sehe ich ein, daß die DIM-MID nicht alles machen kann. Am meisten Sinn macht es, sich den Menschen und Gruppen zuzuwenden, die in der Nähe sind. Wenn die DIM-MID versucht, alles zu tun, wird sie nichts richtig tun. Mein Wunsch an sie ist vor allem, daß sie niemanden ausschließt.  

4. Die Tradition entdecken
Wir halten den geistlichen Austausch oft für etwas, das sich nur auf der Ebene der Erfahrung befindet, aber wir sollten nicht die theologischen Zusammenhänge und Elemente vernachlässigen. Es besteht ein großer Gewinn in der wechselseitigen Erforschung unserer theologischen Schriften und ein wichtiger Bestandteil des monastischen Austausches könnte das Teilen der Texte sein, die unserem geistlichen Leben Nahrung geben. Buddhisten haben bereits einen Kommentar zu Teilen der Benediktsregel (Benedict's Dharma) und zu den Evangelien verfaßt. Christen könnten ebenso buddhistische Texte kommentieren, vorausgesetzt dies geschieht in wechselseitiger Akzeptanz. Dieses Teilen der Schriften und die Kommentare zu ihnen könnten in elektronischer Weise vorangebracht werden. In Spanien gibt es bereits per E-mail einen gegenseitigen Austausch von Christen und Muslimen, die in verschiedenen Ländern leben, verschiedene Bücher sind schon aus diesem Austausch hervorgegangen.

5. Das ideale Kloster für den interreligiösen Dialog: Stille, Liturgie, stabilitas
Wenn jemand ein Kloster aufsucht, möchte er einen Ort finden, der anders ist. Es sollte ein Ort von besonderer Nüchternheit und Strenge sein. Die Atmosphäre sollte einladend und herzlich sein, aber gleichzeitig soll es zum Wesentlichen führen. All dies gilt besonders für den wahren interreligiösen Dialog, wo man sich öffnet für etwas, was jenseits von einem liegt.
Die Stille ist keine absolute oder bedrohliche, denn sie findet ihren Ausdruck in der Feier der Liturgie, in Gesängen und Riten. Vorausgesetzt sie wird in angemessener Weise vollzogen, kann sich eine solche Liturgie selbst jenen, denen die Worte unverständlich sind, mitteilen.
Die stabilitas, die ich hier meine, ist die einer konkreten klösterlichen Gemeinschaft, die sich im Dialog mit Menschen anderer Religionen befindet. Anders gesagt, es sollte klar sein, daß der interreligiöse Dialog nicht einfach nur das Hobby einer Person ist, sondern eher etwas, was von der ganzen Gemeinschaft getragen wird und so stabilitas und Kontinuität verleiht.  

Aus dem Englischen übersetzt von P. Cosmas Hoffmann, Königsmünster