Gesund bleiben – gesund werden. Salutogenese im Kloster
Infirmarentagung in Gerleve: 17. bis 20. November 2003

A. Infirmarentagung in Gerleve  
Vom 17. bis 20. November 2003 fand im Gästehaus Ludgerirast der Abtei Gerleve die 4. Infirmarentagung der Beuroner Kongregation statt. Den Mönchen der Abtei Gerleve sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt für die herzliche und großzügige Gastfreundschaft. Sie trug nicht unwesentlich zu der warmen, schwesterlich-brüderlichen Tagungsatmosphäre bei.  
In seinem Begrüßungswort, das Abt Pius Engelbert
an die 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung richtete, lenkte er seinen Blick auf das 36. Kapitel der Regel Benedikts und sprach von den Eigenschaften timens deum – diligens – sollicitus (RB 36,7), die Benedikt vom Infirmar (servitor) verlangt. Abt Pius hob auf die Wichtigkeit der ganzheitlichen und spirituellen Dimension infirmarischen Dienens ab, neben aller Bedeutsamkeit medizinischer und pflegerischer Fähigkeiten. Die von ihm angesprochenen infirmarischen Kompetenzen spiegelte die Wahl der Tagungsthemen wider.

Die Themenfelder waren:
1. Gesund bleiben – gesund werden. Salutogenese im Kloster (Referent: Prof. Dr. theol. Christoph Jacobs, Paderborn).
2. Koronare Herzerkrankung – Angina pectoris – Myokardinfarkt: Diagnostik – Therapie – Prävention (Referent: Dr. med. Frank-Michael Schweers, Coesfeld).
3. Gesprächskreis: Für und Wider eines ambulanten Pflegedienstes im Kloster, Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege, u.a.

Im Folgenden soll auf das zentrale Thema der Tagung, die Salutogenese, genauer eingegangen werden. Der Referent der Tagung, Herr Prof. Dr. Christoph Jacobs, hat sich durch eine umfassende Darstellung eines pastoralpsychologischen Modells zur Salutogenese im Rahmen seiner Dissertation[1] bei Prof. Dr. Isidor Baumgartner, Passau, als Experte auf diesem Gebiet ausgewiesen. Ihm ist mit seiner Arbeit ein eindrucksvoller Brückenschlag zwischen den Gesundheitswissenschaften (in denen das Salutogenese-Konzept etabliert ist) und der Pastoralpsychologie gelungen.  
Um einem größeren Leserkreis das – aus meiner Sicht sehr interessante und für klösterliche Gemeinschaften gewinnbringende – Konzept der Salutogenese zu erschließen, soll das Modell in seinen Grundlinien kurz skizziert werden. Grundlage dafür ist – unter Berücksichtigung der gemeinsamen Tagungsarbeit – die eigene Beschäftigung und Auseinandersetzung mit der Salutogenese aus medizinischer und benediktinischer Perspektive[2].

B. Das Salutogenese-Konzept  
1. Heilsgeschichtlicher Kontext


Das Wort „Salutogenese“ (Anm.: Der Begriff wurde von Aaron Antonovsky in die fachwissenschaftliche Diskussion eingeführt) enthält das lateinische Wort salus, welches im Deutschen sowohl Gesundheit meint, als auch das theologische Wort Heil beinhaltet. Es bietet sich daher geradezu an, die Frage „Was macht gesund?“ in einem ersten Gedankenschritt in den heilsgeschichtlichen Kontext zu stellen und auf die Frage „Was macht heil?“ auszuweiten. Als Fundament aller weiteren Überlegungen sei mit Chr. Jacobs[3] formuliert:

w Der Mensch wird heil und gesund im Lebensraum des geschenkten Heils.  
w
Heil bringt den positiven Sinn des rettenden Christusgeschehens zum Ausdruck. (J.Ratzinger)  
w
Das Heil des Menschen ist Person: Jesus Christus!  
w
Im Glauben an Jesus Christus gewinnt der Mensch Ganzheit. Er wird mehr Mensch. Sein Leben „glückt“. (G.Greshake)  
w
Das Heil ist weniger ein theologischer Fachbegriff, sondern ist vom Alltag des Menschen her zu verstehen und eröffnet so den Zugang zum Zentrum des Glaubens.

Als biblische Grundlagen verweist Chr. Jacobs u.a. auf folgende Stellen[4]:

w „Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.“ (Gen 1)  
w
Verheißung des Shalom: „Heilsein der menschlichen Existenz in allen ihren Möglichkeiten.“  
w
„Ich bin gekommen, daß sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10)  
w
Die Heilung eines Blinden. (Joh 9)  
w
Die Christusbegegnung von Maria Magdalena. (Joh 20)

Neben einer biblischen Verankerung der Heilsperspektive ließe sich eine solche natürlich gleichermaßen an der Regel Benedikts aufzeigen. Hingewiesen sei etwa (stellvertretend für viele andere Stellen, die hier zu nennen wären) auf die Sicht des Mönchslebens als Weg des Heils (Prol 48), auf die Bezeichnung des Klosters in diesem Kontext als Schule für den Dienst des Herrn (Prol 45), worin sich – wie auch in der Wegmetapher – der dynamische, prozeßhafte Charakter sowie der Gemeinschaftsbezug von Heilsein bzw. Gesundsein ausdrückt. Zu nennen wäre auch die Frage Benedikts am Beginn seiner Regel: „Wer ist der Mensch, der das Leben liebt, und gute Tage zu sehen wünscht?“ (Prol 15). Erwähnt werden könnte hier auch die Mahnung an den Abt, über das Heil der ihm Anvertrauten nicht hinwegzusehen oder es gering zu schätzen und sich größere Sorge zu machen um vergängliche, irdische und hinfällige Dinge (RB 2,33), oder ganz allgemein die ausgesprochene Christozentrik der Regel Benedikts, die Christus als eigentlichen „Autor“ der Regel ausweist (Chr. Schütz)[5]. Man könnte die Regel geradezu als eine konkrete Anleitung zum Heilwerden bzw. Gesundwerden lesen.  

2. Von der Pathogenese zur Salutogenese

Die traditionelle, schulmedizinische Denkrichtung kann kurz gesagt als krankheits- und defizitorientiert charakterisiert werden. Sie fragt nach den Ursachen von Krankheiten und sucht nach Wegen der Therapie (pathogenetische Orientierung); sie entwickelt Strategien, wie Krankheiten verhindert bzw. vorgebeugt werden können, oder wie sich Komplikationen und Rezidive bei chronisch Kranken verhindern oder zumindest eingrenzen lassen (Prävention).
Ohne die Bedeutsamkeit der pathogenetischen Orientierung zu negieren (Krankheiten sind nun mal nicht aus der Welt zu schaffen; somit bedarf es ihrer Erforschung, der Prävention und Therapie), versteht sich die salutogenetische Perspektive als ein Komplementärmodell dazu. Ihre Fragestellung lautet: Wie entsteht oder erhält sich Gesundheit? Welche Faktoren fördern Gesundheit? An diesen Fragen zeigt sich, daß die Salutogenese im Vergleich zu einer an Krankheit orientierten Medizin einen Paradigmenwechsel eröffnet. Denn das Salutogenese-Modell beschreibt Kräfte bzw. Talente, die dem einzelnen Menschen helfen, Gesundheit zu entwickeln. Es versteht Gesundheit als eine Fähigkeit, kreativ mit sich und seiner Umwelt umzugehen. Diese neue Sicht vom Menschen und seinen Möglichkeiten, an der eigenen Gesundheit mitzuwirken, geht auf Aaron Antonovsky zurück.  

3. Der Begründer des Salutogenese-Modells: Aaron Antonovsky

Aaron Antonovsky, der Begründer des Salutogenese-Modells, wurde 1923  in Brooklyn/USA geboren. Er studierte an der Yale-Universität Soziologie. Sein wissenschaftliches Interesse galt zeitlebens der Streßforschung. 1960 wanderte er nach Israel aus, wo er seine Studien verstärkt auf dem Gebiet der Medizinsoziologie fortsetzte. Im Rahmen einer soziologisch-sozialpsychiatrischen Studie, welche die Frage nach der Anpassung von Frauen an die Menopause untersuchte, stieß A. Antonovsky auf ein interessantes Phänomen: Bei einer Gruppe von Frauen, die einen Konzentrationslageraufenthalt überlebt hatten, waren 29% trotz des hinter ihnen liegenden Lageraufenthalts bei relativ guter psychischer Gesundheit. Dieses Ergebnis veranlaßte A. Antonovsky, sich mit der Frage zu beschäftigen, woher diese Frauen die Kräfte genommen hatten, trotz dieser extremen psychisch-physischen Belastungen gesund zu bleiben; oder im Kontext des Salutogenese-Modells formuliert: Welches sind die Bedingungen von Gesundheit überhaupt? Diese Frage war für A. Antonovsky – der stark von seinem tiefen jüdischen Glauben geprägt war – ganzheitlich gestellt als Frage nach dem Heil des Menschen.

4. Grundlinien salutogenetischer Orientierung [6]

 Die Salutogenese geht von der systemtheoretischen Überlegung aus, daß Gesundheit ein labiler Zustand ist, der aktiv erhalten werden muß. Gesundheit entsteht demnach in der aktiven Auseinandersetzung des Einzelnen mit seiner Umwelt. Sie ist ein komplexes, mehrdimensionales, ganzheitliches, dynamisches und prozessuales Geschehen. Oder mit den Worten von V.v.Weizsäcker: „Die Gesundheit des Menschen ist eben nicht ein Kapital, das man aufzehren kann, sondern sie ist überhaupt nur dort vorhanden, wo sie in jedem Augenblick des Lebens erzeugt wird. Wird sie nicht erzeugt, dann ist der Mensch bereits krank.[7]“ (Gesundheit als Prozeß)

Die Salutogenese verwirft die für die pathogene Orientierung typische dichotome Klassifizierung vom Menschen als gesund oder krank. Gesundheit und Krankheit werden als zwei Endpunkte eines Kontinuums verstanden, zwischen denen sich relatives Gesundsein oder Kranksein bewegt. Jeder Mensch ist aus dieser Sicht teilweise krank und teilweise gesund. Salutogenese beschäftigt sich also mit allen Menschen, die sich irgendwo auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum bewegen, und nicht ausschließlich mit Kranken. Die ganze Person mit ihren objektiven medizinischen Daten und ihrem subjektivem Befinden, mit ihrer Lebensgeschichte, den ihr Leben bestimmenden Risikofaktoren und mit ihrem sozialen Kontext steht im Focus des Interesses und nicht nur eine bestimmte Krankheit. (Gesundheits-Krankheits-Kontinuum)

Die Salutogenese stellt in den Mittelpunkt ihrer Fragestellung die Faktoren, auch „heilsame Ressourcen“ genannt, die einem Menschen die Bewegung hin auf den gesunden Pol ermöglichen, bzw. die Einhaltung der aktuellen Position unter widrigen Gegebenheiten ermöglichen. (Ressourcenorientierung)

Die Salutogenese kennt eine Vielzahl von Ressourcen. Sie sind Eigenschaften einer Person und bzw. oder der Umwelt. Die Ressourcen lassen sich nicht nur für einen einzelnen Menschen ausmachen, sondern auch für Gruppen (z.B. auch Ordensgemeinschaften) oder gar eine Gesellschaft. Wichtige Ressourcendimensionen sind:

w materielle Ressourcen (z.B. Geld, Wohnung)  
w
körperliche Ressourcen (genetische, konstitutionelle Kräfte)  
w
kognitive Ressourcen (z.B. Intelligenz, Wissen, Bildung)  
w
Psychische und psychosoziale Ressourcen (z.B. Ich-Identität, Ich-Stärke, Bindung, Flexibilität, Rationalität, Weitsichtigkeit, Zusammenhalt, Engagement, Hingabe, soziale Beziehungen)  
w
spirituelle Ressourcen (Jesus Christus als  d i e  zentrale Ressource christlichen bzw. benediktinischen Lebens!) (Ressourcendimensionen)

Die Salutogenese geht grundsätzlich von einer Welt aus, die voller Stressoren ist. Stressoren werden nicht von vorneherein als pathogen gewertet, im Gegenteil: Sie gelten als Herausforderungen, die – richtig verarbeitet – gesundheitsfördernd wirken können. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die Ressourcen, die zu einer produktiven und kreativen Bewältigung von belastenden oder widersprüchlichen Alltagssituationen führen und die Überführung von Spannung in Streß verhindern. (Stressoren als „Gesundheitserreger“)

5. Salutogenese im Horizont heilsgeschichtlichen Denkens

Im Kontext heilsgeschichtlicher Betrachtung bedeutet dies mit Chr. Jacobs folgendes:

Salutogenese gründet in der heilsamen Beziehung des Menschen zu Jesus Christus und ihrer Entfaltung in menschlicher Gemeinschaft.
Salutogenese impliziert damit auch das Ja zum Leiden, Sterben und Auferstehen mit Christus, die Sehnsucht nach dem ewigen Heil. Und das bedeutet auch: Gesundheit ist nur  e i n  Baustein von Heilsein. Sie ist nicht alles im Leben!  
Salutogenese stellt die Dynamik des Heils in einem Kontinuummodell dar. Der Einzelne befindet sich zwischen den beiden imaginären Polen vollkommenen Scheiterns bzw. Gelingens.  
Salutogenese stellt in den Mittelpunkt ihres Interesses Talente und Charismen (vgl. Lk 19, 11-27) als von Gott geschenkte, Heil wirkende Instrumente.

6. „Die kranken Brüder“ (RB 36) aus salutogenetischer Sicht

Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu wollen, seien einige Gedanken formuliert, die veranschaulichen sollen, wie RB 36 aus salutogenetischer Sicht gelesen werden könnte:

Salutogenese hilft, die Kategorisierung in gesund und krank zu überwinden und öffnet den Blick für eine ganzheitliche Menschensicht. Alle Glieder der Gemeinschaft befinden sich – salutogenetisch gesehen – auf irgendeinem Punkt des Gesundheits-Krankheits-Kontinuums und so gilt: Nicht nur die Sorge für die Kranken, sondern die Sorge für jeden (egal, wo er sich auf dem Kontinuum befindet) muß vor und über allem stehen. „Man soll ihnen so dienen, als wären sie wirklich Christus“ (RB 36,1).

Aufgabe des Abtes, des Infirmars sowie aller Glieder der Gemeinschaft ist es, wachsam zu sein für Signale, die auf Bewegungen in Richtung Krankheit deuten, Maßnahmen zu ergreifen, den Prozeß hin zum Krankheitspol zu stoppen und die Dynamik in Richtung Gesundheit in Gang zu halten. Dementsprechend gilt es, dem Einzelnen zu helfen, seine Ressourcen wahrzunehmen und sie zu aktivieren, bzw. ihm den Gebrauch zu ermöglichen. Hilfreiche Fragen könnten in diesem Kontext sein: Wo liegen die Ursachen der Bewegung zum Krankheitspol? Welche Gesundheitsfaktoren sind geschwächt oder nicht mehr vorhanden? Wer oder was hat zu dieser Entwicklung beigetragen?

Salutogenese will den Kranken motivieren, sein Leben nicht aus der Krankheits- und Defizitperspektive zu betrachten, d.h. sich und sein Leben in der Gemeinschaft von den fehlenden bzw. geschwächten Ressourcen her zu definieren, vielleicht gar unter Fixierung auf den mit der Erkrankung verbundenen sekundären Krankheitsgewinn (Befreiung von bestimmten Observanzen bzw. Gemeinschaftsarbeiten (z.B. Spüldienste, Putzarbeiten und andere körperliche Arbeiten), gewisse Erleichterungen im Arbeitsbereich, reduzierte Arbeitszeiten, u.a.). Kein Mensch ist nur krank bzw. nur gesund. A. Antonovksy sagt einmal: „Wir sind alle sterblich. Ebenso sind wir alle, solange noch ein Hauch Leben in uns ist, in einem gewissen Ausmaß gesund“[8]. Für jede Situation ist die Wahrheit des biblischen Satzes zu entdecken: Christus ist gekommen, „damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10)!

Aufgabe des Infirmars ist es, den „saluto-diagnostischen Blick“ einzuüben, wozu ihm nicht zuletzt die Eigenschaften timens deum – diligens – sollicitus (RB 36,7) dienlich sind. Er soll dem Kranken helfen, möglichst nicht in eine Haltung „übertriebener Ansprüche“ (RB 36,4) zu verfallen und jede noch so geringe Entwicklung hin auf den gesunden Pol unterstützen. Das klingt vielleicht leichter, als es im konkreten Fall oftmals sein wird. Auch gilt es zu bedenken, daß manche Erkrankungen eine salutogenetische Haltung vielleicht nur minimal oder vorübergehend gar nicht möglich machen, da der Kranke nicht in der Lage ist, Ressourcen zu aktivieren. Hier könnte dann im Mittelpunkt des Infirmarendienstes das Mit-Leiden stehen.

Salutogenese fordert vom Einzelnen Eigenverantwortung und verlangt Eigeninitiative. In Bezug auf die klösterliche Arbeit könnte dies z.B. bedeuten: Bei der Ausführung der ihm aufgetragenen Arbeit ist der Einzelne in der Lage, die Arbeit konzentriert, zügig und in entspannter Haltung zu erledigen – und dies konstant und treu. Hohe Belastungen vermag er – ohne gleich in Streß zu geraten – für sich positiv umzudeuten. Arbeitsabläufe und  -geräte kann er derart nutzen, daß er gesund bleibt und sich nicht etwa durch ein Fehlverhalten (z.B. Nicht-Einhalten einer Balance von An- und Entspannung) auf den kranken Pol hin bewegt. Die eigene Wahrnehmung einer Verschiebung in Richtung kranker Pol spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Ihre Einübung kann durch die tägliche Gewissenserforschung gefördert werden. Wird er mit Arbeiten konfrontiert, die ihm weniger liegen bzw. Freude machen (obprobria – RB 58,7), hat er auf dem Fundament seiner Berufung Ressourcen parat, diese Arbeiten in einen geistlichen Kontext zu stellen und ihnen von den übergeordneten Werten und Zielen seiner Gemeinschaft aus Bedeutung abzugewinnen. So wird er den anfänglichen Spannungszustand nicht in Streß, sondern in einen gesundheitsfördernden Prozeß umwandeln können. Folgende Bemerkung des Psychologen M. Csikszentmihalyi mag als Kommentar dienen: „Selbst die banalste und anspruchloseste Beschäftigung kann unsere Lebensqualität steigern, anstatt sie zu schmälern, wenn man an sie ohne allzu viele kulturell geprägte Vorurteile herangeht und sich entschließt, sie so zu gestalten, daß sie für uns persönlich einen Sinn ergibt“[9].

Wird allerdings der Einzelne mit Aufträgen konfrontiert, die ihn trotz Aktivierung aller Ressourcen nach seinem Eindruck überfordern und eine Bewegung in Richtung auf den kranken Pol auslösen, so ist er – aus der Verantwortung für sich und die Gemeinschaft heraus – verpflichtet, seine Situation in angemessener Weise dem Abt vorzulegen (RB 68).

Salutogenese fordert auf, sich ganz einzubringen, alle Ressourcen auszuschöpfen. Forschungen haben ergeben, daß sich gesunde Menschen gerade dadurch auszeichnen, daß sie sich ganz hingeben und ihre Ressourcen nicht schonen. In der Hingabe liegt somit – darauf weist der Psychologe M. Csikszentmihalyi hin – ein wesentlicher Schlüssel zum Glücklichsein: „So merkwürdig es klingen mag: In dem Moment, wenn egoistisches Vergnügen und persönlicher Erfolg nicht mehr die wichtigsten Ziele sind, wird das Leben heiter und erfreulich. Wenn sich das Selbst in einem transzendenten Ziel verliert – sei es, um ein wundervolles Gedicht zu schreiben, um ein schönes Möbelstück zu bauen oder um Kinder glücklicher zu machen –, wird es nahezu unverwundbar gegenüber den Ängsten und Rückschlägen des normalen Lebens“[10]. Aus christlicher Sicht hört man hier unweigerlich das Jesus-Wort heraus: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten“ (Mt 8,35).

Salutogenetisch gesehen genügt es nicht, ärztliche Therapien zu befolgen, vielleicht auch noch bestimmte Risikofaktoren zu vermeiden. Eine salutogenetische Haltung verlangt mehr: U.a. das Vertrautwerden und den achtsamen Umgang mit den persönlichen Ressourcen, das Ausbalancieren dieser Kräfte, die gezielte Einübung des positiven Umgangs mit Belastungen, die Formulierung klarer persönlicher Ziele, die Übernahme der Verantwortung für die eigenen Handlungen, den  bewußten Umgang mit den eigenen Gedanken und Gefühlen, bzw. ihre Ausrichtung auf Christus (RB 4,50). Dazu gehört weiter die Wahrnehmung des Körpers, die Realisierung von Spannungszuständen, das rechtzeitige Wahrnehmen von Anzeichen einer Überlastung, und die Entwicklung persönlicher Strategien zur Entspannung.

Salutogenese macht auch deutlich, wie wichtig für eine gesunde Entwicklung bzw. für Gesundwerden die äußere Einbindung ist (im Gegensatz zur heutigen Single-Gesellschaft und Einzelkämpfer- bzw. Konkurrenzmentalität). Die lebendige Teilnahme und –habe am Gemeinschaftsleben wird als eine wichtige Voraussetzung für Gesundsein dargestellt. Die Aufgabe der Verantwortlichen, nicht zuletzt des Infirmars, besteht also auch darin, mit dem Kranken den Weg zurück in die Gemeinschaft zu gehen, seine gemeinschaftsbezogenen Ressourcen zu stärken, bzw. dafür Sorge zu tragen, daß insbesondere die chronisch Kranken oder auch die Alten nicht am Rande der Gemeinschaft stehen (RB 4,16). Die Qualität einer Gemeinschaft wird sich besonders an diesem Punkt ablesen lassen.

Salutogenese betont die Wichtigkeit der Bereitstellung externer Ressourcen. Nicht nur der Einzelne trägt Verantwortung für seine Gesundheit, vielmehr ist Gesundheit auch eine Gemeinschafts-Aufgabe. Im Kontext von RB 36 werden an äußeren Ressourcen konkret genannt: entsprechende räumliche Gegebenheiten (RB 36,7); eine gesunde Ernährung bzw. Diät (RB 36,9; 37,2); Anwendungen (RB 36,8); Berücksichtigung des individuell hilfreichen Zeitrhythmus bei den Mahlzeiten (RB 37,3); eine Arbeit, welche die Balance zwischen Anforderung und Ressourcen gewährleistet (RB 48,24); Rücksichtnahme auf die verschiedenen Bedürfnisse bzw. Ressourcen ohne Ansehen der Person (RB 34,2). Nicht zuletzt sind als zentrale externe Ressourcen der Abt bzw. die geistlichen Vätern zu nennen, die es verstehen, „eigene und fremde Wunden zu heilen, ohne sie aufzudecken und bekannt zu machen“ (RB 46,6).

7. Das Kohärenzgefühl

Das allen Widerstandsressourcen Gemeinsame ist – so das Forschungsergebnis von A. Antonovsky –, daß sie Sinn erfahren lassen: einen Sinn für das Verstehen und Gestalten des Lebens sowie für das Engagement im Leben. A. Antonovsky formulierte aus diesen Erkenntnissen heraus als theoretisches Konstrukt den sogenannten Kohärenzsinn („sense of coherence“ – SOC), auch Kohärenzgefühl oder Gefühl der Verankerung genannt. Der Kohärenzsinn  beschreibt eine subjektive Grundeinstellung, die zum Ausdruck bringt, wie eine Person – auf der Basis von Zuversicht und Vertrauen in die Welt und das eigene Leben in ihr – Stressoren aller Art antizipiert und bewertet. „Gemeint ist eine Art Sinn für den Zusammenhalt der Welt und des Lebens, ein Verankertsein in der Tiefenstruktur des Lebendigen oder auch ein Verankertsein in dem guten Willen Gottes (» religio) oder des Schicksals“[11]. Der Kohärenzsinn ist das Herzstück der Salutogenese, wie auch – so Chr. Jacobs – das Herzstück der Heilwerdung des Menschen.

A. Antonovsky definiert den Kohärenzsinn folgendermaßen: „Das SOC (Kohärenzgefühl) ist eine globale Orientierung, die ausdrückt, in welchem Ausmaß man ein durchdringendes, andauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, daß

1. die Stimuli, die sich im Verlauf des Lebens aus der inneren und äußeren Umgebung ergeben, strukturiert, vorhersehbar und erklärbar sind;  
2. einem die Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Anforderungen, die diese Stimuli stellen, zu begegnen;  
3. diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Anstrengung und Engagement lohnen“[12].

Analog zu diesen drei Elementen des Kohärenzgefühls lassen sich auch die Ressourcen drei Kategorien zuordnen:

Sinnressourcen  
„Sie stärken das Vertrauen in die Verständlichkeit der Lebenserfahrungen. Sie ermöglichen es, die Erfahrungen des Lebens sinnvoll zu interpretieren. Sie machen das Leben strukturiert, vorhersagbar und erklärbar“[13]. Probleme und Belastungen können in einem größeren Zusammenhang gesehen werden. Unvorhergesehene Ereignisse lösen nicht gleich „Chaos- oder Weltuntergangsstimmung“ aus. Der Gebrauch dieser Ressourcen führt zur Verstehbarkeit der Umwelt (= kognitive Komponente des Kohärenzsinns). Klärungsfragen: Was/wer macht mir mein Leben sinnvoll, verständlich? Was sind meine wesentlichen Grundsätze für mein Leben? Wie konkretisiert sich dies im Alltag des Leben?

Gestaltungsressourcen  
„Sie führen zum Vertrauen, daß eine Vielzahl von Möglichkeiten (in den eigenen Händen oder denen vertrauter Personen) zur Verfügung steht, um handeln und die realen Anforderungen meistern zu können“[14]. Sie helfen, daß man sich nicht in die Opferrolle gedrängt, oder vom Leben ungerecht behandelt fühlt. Dieses Vertrauen begründet den Sinn von Gestaltbarkeit (= instrumentelle Komponente des Kohärenzsinns). Klärungsfragen: Woher nehme ich meine Kraft? Was sind meine Stärken? Wer hilft mir?

Motivationsressourcen  
„Sie führen zu der Überzeugung, daß Anforderungen Herausforderungen darstellen und zu dem Willen, diese zu bewältigen, zur Motivation, sich zu engagieren und anzustrengen“[15]. Diese Überzeugung führt zum Erleben von Bedeutsamkeit (= emotionale Komponente des Kohärenzsinns). Klärungsfragen: Was/ wer motiviert mich? Wofür möchte ich mich engagieren? Warum lohnt sich (wer lohnt mir) mein Engagement? Was fordert mich (heraus)?

Diese drei Komponenten (Verstehbarkeit, Gestaltbarkeit, Bedeutsamkeit) machen in ihrem Zusammenspiel den Kohärenzsinn aus, wobei der Bedeutsamkeit das größte Gewicht zukommt. Sie sind Quelle von Gesundheit bzw. von gelingendem Leben. Der Kohärenzsinn entwickelt sich im Lauf des Lebens. Auch hier kann von einem Kontinuumkonzept ausgegangen werden: Die meisten Menschen werden sich irgendwo im mittleren Bereich bewegen. Für eine Person mit einem hohen SOC-Wert wäre nach dem Gesagten kennzeichnend, daß sie bei unvorhergesehenen und belastenden Ereignissen eher in der Lage sein wird, aus den ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen eine geeignete Kombination zu erwählen und angemessene Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Sie wird die Situation eher als verstehbar wahrnehmen, stark motiviert sein, sie zu lösen, und wohl auch eher von einer erfolgreichen Bewältigung überzeugt sein.  
Ein SOC-Wert läßt sich nicht nur für Einzelpersonen ausmachen, sondern auch  für Gruppen wie z.B. eine klösterliche Gemeinschaft. Eine Gruppe mit einem hohen SOC-Wert beschreibt A. Antonovsky folgendermaßen: „Eine Gruppe, deren einzelne Mitglieder dazu tendieren, die Gemeinschaft als eine zu sehen, die die Welt als verstehbar, handhabbar und bedeutsam ansieht und zwischen denen ein hohes Ausmaß an Übereinstimmung bezüglich dieser Wahrnehmungen besteht, ist eine Gruppe mit einem starken SOC“[16]. Interessant und bedenkenswert erscheinen die Beziehungen zwischen dem SOC des Einzelnen und der Gemeinschaft, die A. Antonovsky vermutet[17]:

w Menschen mit einem hohen SOC werden wohl eher von Gemeinschaften angezogen, die selbst auch einen hohen SOC haben.  
w Ein niedriger Gruppen-SOC wird wohl langfristig auch zu einer Erniedrigung des SOC einer einzelnen Person führen.  

8. Merkmale einer salutogenen benediktinischen Gemeinschaft

A. Antonovsky gebraucht gern zur Verdeutlichung seiner Lebensphilosophie die Flußmetapher als Bild für das Leben. Er sagt: Wir alle befinden uns in einem Fluß; niemand geht sicher am Ufer. Leid, Tod gehören zur menschlichen Existenz. Wir alle sind von der Geburt an bis zu dem Moment, an dem wir die Kante des Wasserfalls passieren, um zu sterben, in diesem Fluß. Kein Fluß ist friedlich. Es gibt gefährliche Stromschnellen, Gabelungen, kalte Strömungen, Verschmutzungen, u.a.. Die entscheidende Frage lautet nun: „Wie wird man, wo immer man sich in dem Fluß befindet, ein guter Schwimmer?“[18].  
Nimmt man als „Wesen des Flusses“, um im Bild von A. Antonovsky zu bleiben, eine benediktinische Gemeinschaft, so lassen sich als Merkmale einer salutogenetisch orientierten Gemeinschaft bzw. als Voraussetzungen dafür, daß die Glieder der Gemeinschaft „gute Schwimmer“ werden bzw. bleiben können, nennen:

w Die Gemeinschaft weist sich durch hohe Authentizität aus im Lebensvollzug benediktinischer Spiritualität.  
w
Zu ihren Leitfragen gehören: Was unterstützt und fördert unsere Gesundheit?; was führt uns alle voran auf dem Weg des Heils?; was gibt uns allen Zukunft?  
w
Gesundheit wird als ein dynamisches Gleichgewicht verstanden zwischen den Ressourcen des Einzelnen einerseits und dem klösterlichen Alltag mit seinen Gegebenheiten und Anforderungen andererseits. Im Focus der Aufmerksamkeit steht sowohl die gegenseitige Förderung der Ressourcen (RB 72,7; u.a.) wie auch die allgemeine Sorge für gesundheitsfördernde, heilende Alltagsbedingungen (RB 72,4; u.a.). Als lernende Gemeinschaft (Prol 45) von Lernenden (RB 73,1)  sucht sie – wohl wissend, daß Gott es ist, der das Gute in uns wirkt (Prol 4) – mit Kreativität und Flexibilität den beständigen dynamischen Entwicklungsprozeß in Richtung auf ein gelingendes, gesundes Leben für den Einzelnen als auch für die Gemeinschaft zu erhalten. Entsprechend wird ihr Krankenstand niedrig sein. Interessant wäre es, diese Gedanken speziell auf die älter werdenden Gemeinschaften hin zu explizieren.  
w
Fehlende oder schwach vorhandene Ressourcen Einzelner werden durch die anderen Glieder der Gemeinschaft ausgeglichen (RB 72,5).  
w
Die Gemeinschaft hat klare Kriterien, welche Ressourcen unabdingbar nötig sind für potentiell gelingendes und gesundes Mönchslebens. Entsprechend fördert bzw. prüft sie die Novizen mit Blick auf die Gesunderhaltung des Einzelnen und der Gemeinschaft (RB 58). Umgekehrt können die Novizen am Lebensvollzug der Gemeinschaft ablesen, in welchem Maße sie – in einem umfassenden Sinn – gesund ist.  
w
Eine salutogene Gemeinschaft sorgt für gesundheitsfördernde Personal- und Organisationsstrukturen (RB 35,3.4; u.a.). Hierzu gehören auch die materiellen Ressourcen.  
w
Unter der Führung des Evangeliums (Prol 21) und auf der Grundlage des Opus Dei (RB 43,3) formuliert die Gemeinschaft ihre Ziele und verfolgt diese gemeinsam mit Engagement.  
w
Die Führungspersonen (Abt – Prior – Offiziale) zeichnet aus, daß ihre Entscheidungen, ihr Handeln und Führen als sinnvoll, transparent und nachvollziehbar erfahren wird.  
w
Schwierigen oder unvorhergesehenen Ereignissen wird offen begegnet. Sie werden als Herausforderungen gewertet; gemeinsam wird nach Lösungsstrategien gesucht, begleitet von Vertrauen, Hoffnung und Zuversicht auf einen guten Ausgang (RB 3). Den Abt zeichnet dabei u.a. aus, daß er weder ängstlich, engstirnig oder maßlos ist (RB 64,16), sich wegen des vielleicht allzu geringen Klostervermögens nicht beunruhigen läßt (RB 2,35), sondern vorausschauend und besonnen entscheidet (RB 64,17).  
w
Arbeit wird als eine wichtige Quelle der Gesundheit gesehen. Ihrer Auswirkungen besonders auf das geistliche Leben ist sich die Gemeinschaft bewußt. Entsprechend ist die Arbeitsatmosphäre allgemein geprägt von einer hohen Kommunikations- und Informationskultur wie auch Streitkultur (RB 4,73), von guter Zusammenarbeit und klaren Absprachen. Der Einzelne hat die Möglichkeit, mitzugestalten und selbständig zu arbeiten. Er hat den nötigen Freiraum, die Arbeit nach seiner persönlichen Art (mit seinen Ressourcen) erledigen zu können. Auch sollte er über den zeitlichen Ablauf der Arbeit selbst entscheiden können. Auf diese Weise kann die Arbeit – unabhängig von ihrem Inhalt – als etwas „Eigenes“ erfahren werden. Der Abt sorgt dafür, daß sich der Einzelne nicht durch Unter- oder Überlastung (z.B. RB 64,19) auf den kranken Pol hin bewegt, und daß er die Aufgaben bewältigen kann, bzw. daß ihm die nötigen Ressourcen für gesundes Arbeiten zur Verfügung stehen (z.B. bestimmte Hilfsmittel und Arbeitsgeräte, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, Internet, Supervision). Der Einzelne erfährt Wertschätzung in und mit seiner Arbeit. Und nicht zuletzt: Die Gemeinschaft sorgt für eine Balance zwischen Arbeit, Gebet und Lesung (RB 48,1).
w
Gesundheitsfördernde Aktionen Einzelner (z.B. Eutonie, Unterbrechung der Arbeit durch Körperübungen (z.B. Yoga, Thai-Chi), Gymnastik, tägliche Spaziergänge, künstlerische Betätigungen, Musik, Hobbys) werden gefördert. Der Abt geht durch sein gesundheitsförderndes Verhalten mit gutem Beispiel voran (RB 2,12).  
w
Gegenüber (kritischen) Anfragen bzw. Anregungen von außen zeigt sich die Gemeinschaft offen und interessiert. Sie fragt nach ihrem Auftrag in heutiger Zeit (RB 61,4).  
w
Gesundheitsvorsorge ist ihr ein großes Anliegen (gesunde Ernährung auf der Basis moderner Erkenntnisse), gesunder Eß-, Schlaf-, Tagesrhythmus, discretio in allen Lebensvollzügen, Gewichtskontrolle, Bewegung (tägliche Spaziergänge, Radfahren, Gartenarbeit u.a.), Zeiten der Erholung (unter weitestmöglicher Berücksichtigung interindividuell differierender Belastungsgrenzen), Muße, Raum für Gebet und Meditation, Ergonomieprogramme, eine der Alterstruktur angepaßte Tagesordnung, etc.).

9. Verletzlich, aber unbesiegbar![19]

Verletzlich, aber unbesiegbar – mit diesen Worten wurde eine Studie überschrieben, welche die Entwicklung von Kindern mit vielen Risikofaktoren und Belastungen untersuchte. Zum Erstaunen aller entwickelten sich die Kinder ziemlich normal. Man nannte sie daher die „Unverwüstlichen“[20].  
Verletzlich, aber unbesiegbar, damit läßt sich auch der Kern des salutogenetischen Ansatzes wiedergeben. Salutogenese zeigt, zu welcher Fülle des Lebens Gott den Menschen beruft. Salutogenese lädt ein, dieses Geschenk zu ergreifen. Salutogenese ermutigt, den Weg des Heils zu beschreiten – trotz und in aller Fragmentarität menschlichen Lebens bzw. Gemeinschaftslebens –  hin zum ewigen Heil. Mit den Worten des Apostels Paulus: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, daß das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird“ (2 Kor 4,7-10).

Sr. Sophia Schwede, Herstelle


[1] Jacobs, Chr.: Salutogenese. Eine pastoralpsychologische Studie zu seelischer Gesundheit, Ressourcen und Umgang mit Belastung bei Seelsorgern. Würzburg 2000.

[2] Insbesondere die Abschnitte 6 und 8 gehen auf eigene Überlegungen zurück.

[3] Jacobs, Chr.: Tagungsmaterial 2003.

[4] Ebda.

[5] Vgl.: Puzicha, M.: Kommentar zur Benediktusregel. Mit einer Einführung von Christian Schütz. Im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz. St. Ottilien (2002) 18. Die Regelstellen werden nach dieser Ausgabe zitiert.

[6] Vgl. dazu ausführlich z.B.: Schüffel, W./ Brucks, U./ Johnen, K./ Köllner, V./ Lamprecht, F./ Schnyder, U. (Hg.): Handbuch der Salutogenese. Konzept und Praxis. Wiesbaden 1998.

[7] Zitiert nach: Jacobs, Chr.: Tagungsmaterial 2003.

[8] Antonovsky, A.: Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Tübingen (1997) 23.

[9] Csikszentmihalyi, M.: Lebe gut! Wie Sie das Beste aus Ihrem Leben machen. München (2001) 83.

[10] Csikszentmihalyi, M.: Dem Sinn des Lebens eine Zukunft geben. Eine Psychologie für das 3. Jahrtausend. Stuttgart (1995) 375f.

[11] Jacobs, Chr.: Salutogenese. Das Leben gesunder Menschen bereichern. In: Grün, A./ Müller, W. (Hg.): Was macht Menschen krank, was macht sie gesund? Münsterschwarzach (1997) 71-108. Hier: 83-84.

[12] Antonovsky, A.: a.a.O. 36.

[13] Jacobs, Chr.: Tagungsmaterial 2003. Ebenso sind jeweils die Klärungsfragen dieser Quelle entnommen.

[14] Ebda.

[15] Ebda.

[16] Antonovsky, A.: a.a.O. 157-158.

[17] Vgl.: Antonovsky, A.: a.a.O. 160.

[18] Vgl. Antonovsky, A.: Gesundheitsforschung versus Krankheitsforschung. In: Franke, A./ Broda, M. (Hg.): Psychosomatische Gesundheit. Versuch einer Abkehr vom Pathogenese-Konzept. Tübingen (1993) 3-14.

[19] vgl. auch Jacobs, Chr.: a.a.O. (2000) 616-617.

[20] vgl. Antonovsky, A.: a.a.O. (1997) 55-56.