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Referat
„Frieden mit mir selbst“
Impulsreferat von Sr. Hedwig Willenbrink (Tutzing / Dresden)
beim Internationalen Kommunitätentreffen des Ökumenischen
Christophorus-Netzwerks in Mirfield, August 2009
1. Einige Blicke auf den Begriff „Friede“ in der hl.
Schrift und bei Benedikt
In der hl. Schrift ist „Friede“ ein Wort, eine Sehnsucht,
eine Verheißung, in der deutlich wird, Friede ist viel mehr als Abwesenheit von
Krieg. Bei „Shalom“ geht es um ganzheitliches Heil, das letztlich von Gott
kommt, das Er uns schenken will. Wenn immer wieder von „Jerusalem als Stadt des
Friedens“ die Rede ist, ist das ein Blick auf das end-gültige Heil im Reich
Gottes. Da heißt es in der Offenbarung des Johannes: „Jetzt wohnt Gott mitten
unter den Menschen! Er wird für immer bei ihnen bleiben, und sie werden sein
Volk sein. Ja, von nun an wird Gott selbst in ihrer Mitte leben. Er wird alle
ihre Tränen trocknen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid und keinen
Schmerz. Weinen und Klagen wird nie mehr zu hören sein; denn was einmal war, ist
für immer vorbei.“ (Offb 21,3f)
In Jesus Christus erhalten wir Anteil an dieser Verheißung. Sein Friede ist sein
zentrales Geschenk, das uns heute noch inmitten von Tränen, Schmerz und Not
zuteil wird – und doch auch schon sehr real erfahren werden kann.
Für den hl. Benedikt ist „Friede“ ebenfalls Sehnsucht, Verheißung und auch das
Mühen, Schritte in die Richtung des Friedens zu tun. Die pax benedictina
ist bis heute ein Begriff, der in weiten Teilen der Welt bekannt ist. In der
Umgebung von benediktinischem Leben sollte etwas von heilendem Frieden erfahrbar
sein.
Schauen wir auf ein Ereignis aus dem Leben Benedikts, daß
der hl. Gregor im 2. Buch seiner Dialoge beschreibt. Dort heißt es über
Benedikt: habitavit secum – „er wohnte in sich selbst.“
Es ist hier die Rede von einem Punkt seines Lebens, an der er schlechte
Erfahrungen mit Mönchen von Vicovaro gemacht hatte. Sie hatten ihn als Abt zu
sich gerufen – entgegen seiner Warnung. Es stellte sich schnell heraus, daß ihre
Vorstellungen vom Mönchtum sehr anders waren als die Benedikts. Als sie
versuchten, ihn zu vergiften, verläßt er sie, geht wieder nach Subiaco. Er
„kehrte er in sich selbst zurück; er wohnte in sich selbst“.
Man könnte meinen, daß das ein Ausdruck tiefer Resignation,
Enttäuschung, Bitterkeit war. In den Dialogen ist es anders geschildert:
„Benedikt rief die Brüder zusammen und sagte mit friedfertigem Blick und
gelassenem Sinn: der Herr erbarme sich euer…“
Das, was da an Frieden aufleuchtet, steht am Anfang eines neuen Wegabschnittes,
nachdem ein anderer Abschnitt im Frieden zurückgelassen werden kann.
Bei dieser Erfahrung Benedikts in Vicovaro können wir uns
an das Wort Jesu bei der Aussendung der Jünger erinnern: „… wenn sie euch aber
nicht hören wollen, dann kehre der Frieden, den ihr ihnen gewünscht habt, zu
euch zurück…“ (Mt 10,13). So kann es ein Weg zum eigenen Frieden bei Mißerfolgen
sein: in Demut anerkennen, daß ich mit meinen Möglichkeiten ans Ende gekommen
bin. Ich vertraue die anderen der Barmherzigkeit Gottes an, bleibe meinem Weg
treu und trenne mich von ihnen. „Er kehrte zu sich selbst zurück“, wie es vom
verlorenen Sohn gesagt wird, als er sich auf den Weg zum Vater macht und sich
von den falschen Wegen abwandte.
Benedikt lebt in Subiaco im Angesicht Gottes, unter den
Augen seines Schöpfers. Er läßt sich anschauen und schaut auf zu Gott und zu
Jesus. So findet er zu seiner wahren Identität. Der Mensch ist ja geschaffen als
Gottes „Abbild“ (vgl. Gen 1,26) Zur Identitätsfindung gehört, daß das Abbild mit
dem Urbild zusammenstimmt. Dieses „Zusammenstimmen“, das dem
Schöpfer-ähnlicher-werden und zugleich das „Mehr-ich selber-werden“, ist ein
Prozeß, nicht einfach eine Willensentscheidung, etwas das ich selbst machen
könnte. Aber er beginnt mit einer Entscheidung, nämlich: unter den Augen Gottes
zu weilen, auf ihn zu hören, zu schweigen, Gott jeden Tag zu suchen, sich mit
seinen Augen sehen zu lernen, bis ich immer mehr zu der werde, als die ich von
Gott gedacht bin. Der Friede, der mir zugesagt ist, wird bei diesem Lernen
wachsen.
Als Benedikt als erfahrener Abt seine Regel schreibt, ist
Friede ein wichtiger Aspekt. So rät er z.B., „nach einem Streit noch vor
Sonnenuntergang Frieden zu schließen“, in pacem redire, „in den Frieden
zurückkehren.“ Die Bereitschaft für das Geschenk des Friedens Jesu darf nie aus
den Augen verloren werden. Das lohnt alle Anstrengung.
2. Grundhaltungen, die helfen, das Geschenk des Friedens
anzunehmen
Friede mit sich selbst – das könnte sich so anhören, als ob
man, wenn man ihn denn einmal „erreicht“ hat, ihn leben kann in großer
Ausgeglichenheit und unangefochten. Ist das mit Frieden gemeint?
Nehmen wir Jesus in den Blick. Er lebt durchaus nicht in der großen
„Windstille“, unberührt und distanziert. Er ist vielmehr enttäuscht über seine
Jünger: „Habt ihr immer noch nicht verstanden?“, fragt er nach der
Brotvermehrung. Er weint über Jerusalem. Er treibt die Händler aus dem Tempel.
Er ist tief berührt und traurig über den Tod seines Freundes Lazarus. Das
Ringen Jesu mit dem Vater am Ölberg zeigt uns ihn in der Erfahrung größter Not.
Viele ähnliche Stellen fallen uns ein.
Friede ist also nicht: Unberührt bleiben von den Menschen, die mir begegnen und
von den Situationen, in denen ich mich vorfinde.
Friede heißt nicht, Freisein von Angst, Ärger, Zorn, Mitleid, Trauer,
Enttäuschung, Not – nicht im Leben Jesu und nicht in unserem Leben.
Ich erkenne vermutlich unschwer, wie viel Unausgeglichenheit, Widersprüchliches
in mir ist. Ich erschrecke vor eigenen Gedanken. Und ich bin froh, daß man sie
mir nicht am Gesicht ablesen kann. Ich erschrecke vor manchen Gefühlen, die in
mir aufsteigen können.
Angst, Ärger, Zorn und Trauer kennen wir, wie Jesus sie gekannt hat.
Frieden zu finden, wenn wir im Alltag vielfach angefochten
sind, ist Geschenk. Und doch bleibt die Frage: Wie finden wir zur Disposition
für dieses Geschenk: Frieden, der in Freiheit leben läßt? J. Bours, der
ehemalige Spiritual des Priesterseminars in Münster, antwortet auf diese Frage:
Jesus Christus anschauen – mit Konsequenzen! (consequi heißt: Folgen!
Nachfolgen!) Einen großen Teil der Exerzitien des hl. Ignatius macht das
Anschauen und Meditieren der Worte und Taten Jesu aus. Der Übende soll durch
sein intensives und beteiligtes Anschauen Jesu so zu sich selbst geführt werden,
daß er seine Wahl treffen kann, daß er entscheidet, wie sein Leben sich
erfüllen kann in der Nachfolge Jesu!
Unsere Identität und unseren Frieden finden wir bei dem,
der wie kein Mensch sonst sagen kann: Ich bin. Ich bin da für euch!
Gottes Name (Ex 3) „Ich bin da“, in der Übersetzung von M. Buber: „Ich bin, wo
du bist“, klingt eindeutig durch in Jesu Aussagen: „Ich bin“, „Ich bin der Weg.
Ich bin die Wahrheit. Ich bin das Leben. Ich bin der gute Hirt“. In der großen
Herausforderung am Beginn seines Leidensweges vor Pilatus sagt er auf dessen
Frage ebenfalls: „Ich bin es“. Er lebt in Übereinstimmung mit dem Vater und ist
doch ganz er selbst. In der Verbindung mit Jesus werden wir zu uns selbst und
zum Frieden finden.
Wer Jesus im Blick hat, kann zu seiner Identität und zum Frieden finden wie der
blindgeborene Mann in Joh. 9, der nach seiner Heilung durch Jesus zu den
Leuten, die ihn anfragen, sagen kann: „Ich bin es“, im Blick auf Jesus kann er
das sagen. – Petrus verliert dagegen Jesus bei der Verleugnung aus dem Blick. Er
antwortet auf die Frage der Magd ob er nicht auch einer von denen sei, die zu
Jesus gehören: „Ich bin es nicht“. Er verliert seine Identität und seinen
Frieden, weil er Jesus aus dem Blick verloren hat. Und erst der Blick Jesu kann
ihn zur Bekehrung und zu sich selbst zurückführen.
In der täglichen Lectio divina, die dem hl. Benedikt so sehr am Herzen
liegt, sind wir dazu aufgerufen, mit den Ohren des Herzens zu hören auf die
Worte der hl. Schrift, mit den Augen des Herzens zu schauen auf Jesus Christus,
uns immer neu an ihm auszurichten, ihm nachzufolgen.
Die Evangelien weisen immer wieder darauf hin, daß dem
Hören und Schauen das Tun folgen muß: „Ich habe euch dazu bestimmt, daß ihr zu
den Menschen hinausgeht und meine Liebe weitergebt“ (Joh 15,16). Es sei an die
Fußwaschung erinnert! Je unbedingter der Weg der Jesusnachfolge beschritten
wird, umso mehr führt er uns hin zu dem „Für euch“! Und umso mehr finden wir
unsere Identität und unseren Frieden.
Nicht vergessen dürfen wir: weil er uns zuerst angeschaut hat, können wir ihn in
den Blick nehmen! Wir denken an den reichen jungen Mann, den Jesus anschaute und
ihn lieb gewann. (Mk 10,21)
Das, was ein Mensch den geliebten Seinen hinterlassen möchte, ist normalerweise
etwas ihm besonders Wertvolles, ihm Wichtiges. So sagt Jesus in den
Abschiedsreden „Ich verlasse euch jetzt, aber habt keine Angst. Ich schenke euch
zum Abschied den Frieden. Es ist mein Friede, den ich euch gebe; ein Friede, den
sonst niemand auf der Welt euch geben kann. Macht euch also keine Sorgen.“ ( Joh
14,27) Ganz eng damit verbunden ist die Freude, die aus dem Frieden resultiert.
Jesus bietet uns innigste Verbundenheit mit ihm an. „Wie mich der Vater liebt,
so liebe ich euch. Bleibt offen für meine Liebe. Wenn ihr nach meinen Geboten
lebt, dann seid ihr geborgen in meiner Liebe… Das alles sage ich euch, damit ihr
euch ebenso freuen könnt wie ich und eure Freude und euer Glück vollkommen
werden ...“ „Meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt ihn gibt ...“ (Joh
15,9) – Friede ist die Gabe des Auferstandenen. „Der Friede sei mit
euch“, das ist sein Gruß, immer wieder.
Und in Phil 4,7 heißt es: „Gott wird euch seinen Frieden schenken, den Frieden,
der alles menschliche Begreifen weit übersteigt; er wird unser Denken und Wollen
im Guten bewahren und in der Verbundenheit mit Jesus Christus.“
Es lohnt sich, diesen Vers auswendig zu lernen – to learn by heart!
Friede ist Geschenk des auferstandenen Herrn. Es ist sein Friede, ein Friede,
der stärker ist als Angst, Ärger, Enttäuschung, Zorn; ein Friede, der aus den
Händen des Vaters kommt, der seinen Sohn nicht im Tod läßt. Es ist ein Friede,
„der alles menschliche Begreifen weit übersteigt.“ Er umfaßt unser Denken und
Wollen, das durch ihn im Guten bewahrt bleibt. Alle unsere Widersprüchlichkeiten
werden zur Ruhe kommen in der Verbundenheit mit Christus Jesus. Sie werden in
diesem Leben nicht einfach weg sein, sie werden immer wieder auftauchen, aber
wer das Geschenk dieses Friedens einmal erfahren hat, wird es nicht vergessen.
Was kann uns helfen, uns für das Geschenk des Friedens zu
öffnen?
Hören wir beim hl. Benedikt nach:
Schon gleich am Anfand des Prologs ist die Rede von der Umkehr des Herzens. Nur
das hörende, aufmerksame und sehnsüchtige Herz wird die oft leisen Töne des
werbenden Gottes wahrnehmen, des Gottes, der immer schon auf dem Weg zu uns ist,
noch ehe wir uns aufmachen, ihn zu suchen.
Sehr hilfreich dazu ist der „gute Eifer, den die Mönche haben sollen“, von dem
Benedikt am Ende der Regel spricht. Im „Eifer“ klingt Aufmerksamkeit, Lust und
auch Mühe mit. Dieser Eifer braucht Übung, unser ganzes Leben lang.
Eine der wichtigsten Übungen ist nach der Überzeugung Benedikts die Demut. Ihr
widmet er ein langes Kapitel.
Von dem großen Zisterzienser-Theologen Wilhelm von Thiery stammt das Wort:
„Erkenne dich, weil du mein Ebenbild bist, und so wirst du mich, dessen Bild du
bist, erkennen und du wirst mich bei dir finden.“
Friede hat demnach mit Wahrheit zu tun, oder man könnte auch sagen mit Demut,
mit dem Erkennen, was meine Wirklichkeit ist. Meine Wirklichkeit ist all das
Widersprüchliche in mir, meine Fähigkeiten, Charismen, vielleicht auch Tugenden
..., aber auch Schuld, Kleinlichkeit und Versagen. Meine Wirklichkeit ist, daß
Gott in mir zu finden ist! Und meine Wirklichkeit ist: „Ich bin geliebter
Sünder / geliebte Sünderin“ – mit der Betonung auf beidem: „Sünder/in“ – und
„geliebt“!
Ein besonders gutes Beispiel für echte Demut kommt uns im
Magnificat entgegen. Maria singt: „Großes tut an mir der mächtig
ist, heilig ist sein Name“. Maria sagt nicht (und muß nicht sagen) „Ich schaffe
alles allein“, aber auch nicht: „ich bin nichts wert“. Ihre – und unsere! –
Wahrheit ist: Großes tut an mir, der mächtig ist. Das ist ihre und unsere
Wahrheit, die uns keineswegs klein macht. Die Demut läßt uns unseren Platz
finden, unseren Frieden und unsere Freiheit!
Für den Frieden ist die Übung der Versöhnung unerläßlich. „Noch vor
Sonnenuntergang Frieden schließen“ sagt Benedikt. Unversöhntheit steht dem
Frieden diametral entgegen, zuerst auch dem Frieden mit mir selbst! Auch das
kennen wir vermutlich aus der eigenen Geschichte. Selbst wenn ich mir gute
Gründe einrede, warum ich nicht den ersten Schritt zu einem klärenden Gespräch
tun muß – der Friede bleibt mir verschlossen, wenn ich Versöhnung aufschiebe.
Vielleicht auch deswegen sagt Jesus: „Wenn dein Bruder etwas gegen dich hat, laß
deine Gabe vor dem Altar und versöhne dich. Dann komm und opfere deine Gabe“ (Mt
5,23f). (Nicht: „wenn du etwas gegen deinen Bruder hast!“) Selbst wenn ich „im
Recht bin“, soll ich den ersten Schritt tun – und die Erfahrung des Friedens
machen dürfen. „Wer’s merkt, ist dran“ kann eine gute Devise sein. Es gilt,
täglich Wege zum Frieden zu gehen. Das Verlocktwerden dazu ist Geschenk des
Geistes Jesu und sein Mitgehen dabei ist uns gewiß.
Haltungen, die für den Frieden öffnen, sind Dankbarkeit,
Zufriedenheit und Humor. Dankbarkeit ist eine Antwort auf empfangene Freude. In
der Dankbarkeit teile ich diese Freude. Sie zu üben macht das Herz großmütiger,
weiter und eben: zufriedener. Humor hilft mir, mich nicht so schrecklich ernst
zu nehmen, weil ich weiß: um mich sorgt sich einer, der das viel besser kann als
ich selbst!
3. Erinnerungen wachrufen an Erfahrungen von „Im-Frieden-sein“
Wie Israel sich immer wieder der großen Taten Gottes
erinnert und dadurch Hoffnung und Glauben an den immer treuen Gott wach hält, so
tut es gut, sich an Gottes Mitgehen unserer Wege zu erinnern.
Eine ganz persönliche Erfahrung war für mich: Mitten in einer lebensbedrohlichen
Situation habe ich existentiell erfahren dürfen: Angst und Mutlosigkeit waren
nicht mehr alles beherrschend. Vertrauen und Hoffnung wurden neu geschenkt und
eine große Sicherheit: Er wird mich niemals vergessen, ich bin sein eigen. Diese
Sicherheit kam durch die plötzliche Erinnerung an ein gefühlvolles
amerikanisches Lied, das Verse aus Jes 49 aufgreift („I will never forget my own“).
Amerikanische Mitschwestern hatten es bei einem unserer Generalkapitel in Rom
gesungen, und wir nüchternen Deutschen hatten uns ein wenig mokiert über die
Melodie. Gerade dieses Lied wurde mir eine unvergeßliche Stütze!
Das heißt nicht, daß es nicht erneut Ängste, Ungeduld, Widerstände, u.ä. geben
würde. Es gibt sie immer wieder, aber ich vergesse nie die Erfahrung dieser
Nacht. Durch die Erinnerung wird mir auch jeweils neu Hoffnung und Zuversicht
geschenkt.
Ich bin überzeugt, wir alle werden im eigenen Leben
Beispiele finden. – Einige Fragen dazu:
− Wann habe ich mich im Frieden mit mir erlebt?
− Wie waren die Umstände?
− Wie hat sich dieser Frieden angefühlt?
− Welche Bedeutung hat diese Erfahrung heute für mich?
Wenn es möglich ist, Glaubenserfahrungen miteinander zu teilen, geben wir uns
die Chance, uns auch wieder mit eigenen Erfahrungen zu verbinden und sie zu
er-innern. Glauben und Leben zu teilen kann eine wichtige Quelle für Wachstum
sein!
4. Annahme meiner selbst, meiner Lebensgeschichte.
− Wenn ich immer wieder gegen etwas kämpfe, das zu mir gehört (z.B.
schmerzliche Erfahrungen, mangelndes Wahrgenommensein, aber auch eine aktuelle
Krankheit), dann liege ich im Streit mit einem Teil von mir, dann lebe ich im
Unfrieden. Diese Un-zu-Frieden-heit könnte dann auch zum hilfreichen Indikator
werden. Er könnte zeigen, daß der Friede mit mir selbst in Gefahr ist.
− Ich stehe dann noch nicht ganz zu mir und ich habe einen teilweise negativen
Ansatz für meine Identität.
− Ich bin eingeladen zu lernen, mich so anzunehmen, wie ich (geworden) bin, weil
Gott mich so annimmt, und weil er mein wahres Maß für meine Identität ist.
Es ist eine Lebensaufgabe, sich immer wieder der eigenen Wahrheit zu stellen.
Die Wahrheit macht frei, das kann sicher jede/r von uns bezeugen. Sich der
eigenen Lebensgeschichte zu stellen, ist ein Weg dahin; sich zu fragen, wie ich
verschiedene Abschnitte annehme, wie ich im Frieden mit ihnen bin, wie ich
akzeptiere, daß sie zu mir gehören – mit Akzent auf beidem: Ich bin schwach und
ich bin geliebt! Das zu erkennen, anzuerkennen und darüber zu staunen, ist ein
Weg, Christus in mir zu begegnen – und damit Frieden zu finden.
In Gen 1,31 heißt es: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und es war sehr
gut“. Dieses Wort steht auch über meinem Schöpfungstag. In Jes 43 heißt es: „Er
hat dich herrlich gemacht!“
Vielleicht kann es hilfreich sein, immer wieder „in den
Spiegel zu schauen“
und Gottes Zusage an mich zu hören: Iich habe dich herrlich gemacht!“ So spricht
ein Liebender, der mit dem Herzen sieht – nicht ein Modedesigner! Wenn ich daran
zweifle, daß dieses Wort auch für mich gilt, ist das nicht Demut, sondern
Unglauben! Es kann hilfreich sein, mit Realitätssinn und Humor in den Spiegel zu
schauen. |