Das Ekkehard-Haus Huysburg

Vortrag von P. Antonius Pfeil (Trier-Huysburg) bei der Einweihung des Tagungs- und Gästehauses der Huysburg am 21. Januar 2007 (gekürzt)

Was ist das Ekkehard-Haus?

Zunächst ganz konkret: Das Tagungs- und Gästehaus Ekkehard-Haus Huysburg umfaßt die Gebäude rechts und links vom großen dreibogigen Eingangstor zur Huysburg:
Auf der linken Seite des Tors sind schon seit Ostern 2002 15 Zimmer eingerichtet. Gerade fertig geworden sind jetzt auf der rechten Seite des Tores, in dem etwas niedrigeren Gebäudeteil, wo in der Barockzeit Metzgerei und Bäckerei untergebracht waren, 10 Zimmer. Vorwiegend in dem großen Barockhaus, in dem wir uns hier befinden – gibt es noch einmal 5 größere Zimmer. Insgesamt stehen 50 Betten zur Verfügung.
Der Speisesaal umfaßt 60 Personen. Er ermöglicht auch Reise-Gruppen, die nicht hier übernachten, die Verpflegung am Mittagstisch oder mit Kaffee und Kuchen.
Es gibt mehrere Gruppenräume und die zwei großen Säle, den Kaisersaal und den Jagdsaal. Er befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Treppenhauses. Die Säle können bei Kursen als Arbeits- und Gruppenräume genutzt werden und erlauben darüber hinaus auch die separate Gestaltung von Festen, Empfängen und Feiern, Vorträgen und Tagungen.

Das Haus hat ein eigenes Kurs-Angebot, das noch ausgebaut wird. Es steht dann natürlich kirchlichen Gruppen zur Verfügung, an deren Programm wir auf Anfrage mitarbeiten, und es ist offen für Beleggruppen, die ihr eigenes Programm gestalten. Darüber hinaus können, je nach Kapazität, Einzelgäste die Zimmer buchen.

Wirtschaftlich-organisatorischer Träger des Hauses ist die Klosterverwaltung Huysburg GmbH. Der Betrieb des Hauses im Rahmen der GmbH ermöglicht die wirtschaftliche Unterstützung des Tagungs- und Gästehausbereichs durch andere Geschäftszweige. Die Leitung des Hauses liegt bei der Benediktinerabtei St. Matthias Trier-Huysburg im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem Bistum Magdeburg. Zum Teil werden wir Mönche selber die Referenten stellen, und es gibt einen kleinen Stamm von Mitarbeitenden von außen.

Was wollen wir mit dem Ekkehard-Haus?

Also welche inhaltlichen Anliegen verbinden wir mit dem Haus – wir: das heißt die Verantwortlichen in der Leitung hier vor Ort in Abstimmung mit den Verantwortlichen des Bistums:

Lassen Sie mich, um das etwas näher zu erläutern, beginnen mit der Schilderung einer ganz einfachen kleinen Episode, die man hier auf der Huysburg immer wieder erleben kann:
Einzelne Menschen oder Gruppen – Spaziergänger aus der Umgebung, Besucher aus der Region oder Touristen von weiter her – sprechen einen von uns Mönchen, den sie draußen auf dem Hof oder vor dem Kircheneingang treffen, mit der Frage an:
„Ist die Kirche offen? Und darf man denn da auch reingehen?“
Wir bejahen das selbstverständlich und antworten mit der Einladung,
jederzeit – vom frühen Morgen bis zum Einbruch der Dunkelheit – einzutreten,
sich umzuschauen, oder auch Platz zu nehmen und eine Zeit lang zu bleiben.

Natürlich ist an dieser Szene nichts besonders Großartiges, und ich will sie auch nicht künstlich mit Bedeutungsgewicht überfrachten. Aber vielleicht ist es doch erlaubt, in dieser Episode etwas Exemplarisches zu sehen: Ich meine, sie kann einmal ein Bild sein dafür, wie nicht wenige Menschen unserer Umgebung sich zu Kirche einstellen; und sie kann zeigen, in welche Richtung unsere Antwort an sie gehen sollte.

Deshalb ist sie wichtig für die Frage, welche Anliegen wir mit der Huysburg, mit dem Ekkehard-Haus, verbinden. Ich komme darauf zurück.  

Das Ekkehard-Haus als Teil eines Ganzen – der Huysburg

Aber zunächst noch ein anderer, grundsätzlicherer Gesichtspunkt:

Wir sehen das Ekkehard-Haus als Tagungs- und Gästehaus vor allem eingebunden in die Gesamtheit der Huysburg. So gehen wir – wie auch in der eben angesprochenen Szene deutlich wird – nicht einfach nur von den Gästen eines klassischen Bildungshauses aus. Wir haben nicht nur sie im Blick. Ja, wir verstehen das Ekkehard-Haus nicht als noch ein weiteres Bildungshaus, wie es eine Reihe anderer schon gibt in unserem Bistum und darüber hinaus, sondern wir meinen: das Ekkehard-Haus hat schon eine ganz eigene Prägung und wird sie immer mehr gewinnen. Das ist jedenfalls unser Bestreben, und wir sehen dafür gute Chancen.

Diese Chancen liegen zuerst in der Huysburg selbst, in der hier gegebenen einzigartigen Verbindung zwischen Natur und christlicher Lebenskultur, die es möglich macht, hier in ganz eigener Weise Erfahrungsräume zu öffnen.

Die besondere Schönheit der NATUR im Huy ist offenkundig.

Der große, zusammenhängende Wald mit seiner spezifischen Pflanzen- und Tierwelt liegt buchstäblich unmittelbar vor der Tür und lädt ein, sich in Bewegung zu bringen und durchzuatmen. Die Stille hat schon machen Gast und Besucher überrascht und trotz relativer Stadtnähe den wohltuenden Eindruck vermittelt, „ganz weit weg“ zu sein.

Der andere Pol, die CHRISTLICHE LEBENSKULTUR, wird hier in zwei Elementen erfahrbar:
Einmal ist es die romanische (und auch barocke) Kloster-Architektur.

Das Ansprechende an ihr tritt immer deutlicher zu Tage. Daß die Huysburg eine der wenigen fast vollständig erhaltenen Klosteranlagen aus dem 12. Jahrhundert ist, verstärkt die Wirksamkeit und Fruchtbarkeit dieser Verbindung von Natur und Architektur. Inmitten der schönen Natur haben hier Menschen seit Jahrhunderten Bauwerke gestaltet, die schon als solche – vor allem in Gestalt des Kirchengebäudes – daran erinnern, daß unsere Welt und unser menschliches Leben ein „Mehr“ haben, das über das Zählbare und Greifbare, das Machbare und Planbare hinausgeht: ein Ort der Erinnerung an Gott.

Das zweite Element christlicher Lebenskultur macht das Besondere aus: Es ist das lebendige Kloster, also der Jahrhunderte alte und bis in unsere Zeit immer wieder neue Versuch, das Evangelium Jesu zu leben in Gestalt einer benediktinischen Mönchsgemeinschaft. Auch die Gemeinde hier vor Ort und die Christen, die sich hier versammeln aus unserem Bistum Magdeburg, aus unserer Kirche und aus der Ökumene prägen diesen Ort mit.

Wer hierher kommt, hat die Chance, nicht nur Natur und Architektur zu erleben. Sondern die Huysburg ist ein Ort der Begegnung – auch wenn sie nicht immer glückt, ein Ort der Begegnung mit denen, die versuchen, diesem Ort ein Gesicht zu geben; und mit anderen, die auch hierher kommen; und schließlich ein Ort der Begegnung mit Gott.

Wir möchten diese Chancen der Huysburg fruchtbar machen für alle, die hierher kommen, in Gruppen oder einzeln,

- als Besucher
- als Touristen entlang der Straße der Romanik
- als Pilger auf dem nach und nach auch hierzulande wieder entdeckten Jakobsweg,
für die, die in unserer Umgebung wohnen
und eben auch ausdrücklich für die Gäste des Ekkehard-Hauses.  

Der Auftrag des Ekkehard-Hauses

Die oben angesprochene Episode mit den Menschen, die fragen, ob die Kirche offen sei, und ob man auch reingehen darf, kann unseren Blick schließlich noch weiter führen, als nur auf die Gegebenheiten und Chancen dieses Ortes. Damit können ausdrücklich die Menschen in den Blick kommen, um die es hier geht.

Zunächst illustriert diese Szene dabei ganz einfach etwas, was unsere Umgebung und ihre Menschen charakterisiert: viele – wir wissen: hierzulande sind es 80% – sind nicht vertraut mit Religion und christlichem Glauben, geschweige denn damit verbunden.

Die Frage „Ist die Kirche offen?“ kommt mir vor wie ein Beispiel, wie eine dieser Chiffren für eine Ahnung, für ein Interesse, das sich vielleicht doch nicht in banaler Neugier erschöpft. Jedenfalls sehe ich darin die Herausforderung, Anknüpfungspunkte zu suchen.

Gleichzeitig veranschaulicht die kleine Episode für mich, daß es bei dieser Herausforderung, Anknüpfungspunkte zu suchen der Einladung bedarf. Es braucht die Ermutigung, oder noch deutlicher: die immer mal wieder ausdrückliche Vergewisserung, daß das Fragen der Menschen willkommen ist, daß auf diesem Gebiet auch so genannte „dumme“ Fragen gestellt werden dürfen, ohne daß man Gefahr läuft, nicht ernst genommen zu werden, oder etwas falsch zu machen. 

So haben wir in unserem Leitbild für das Ekkehard-Haus formuliert:

Wir nehmen die Herausforderung an, unsere Aufmerksamkeit den Menschen zuzuwenden, die nicht mit dem Glauben und dem kirchlichen Leben vertraut oder verbunden sind. Das ist unser vordringliches Anliegen.

Das bedeutet dann für den Auftrag des Ekkehard-Hauses aber auch, wie es weiter in unserem Leitbild heißt:

Deshalb tragen wir dazu bei, daß in unserer Kirche die Aufmerksamkeit für die Menschen Kraft gewinnt, die nicht mit dem Glauben vertraut oder verbunden sind.
Dazu stellen wir uns in den Dienst der Einzelnen und der kirchlichen Gruppen, die dieses Anliegen selbst verfolgen und weiter tragen wollen.  

Aus dieser Grundentscheidung einer – ich nenne es jetzt mal – „Option für die nicht-christliche Mehrheit unserer Gesellschaft“ und für alle in der Kirche, die sich auch dafür engagieren wollen, ergeben sich Ziele und Schwerpunkte der inhaltlichen Arbeit im Ekkehard-Haus.

Aus diesen Zielen und Schwerpunkten möchten wir konkrete Konzepte entwickeln.