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Literatur
Christoph Joest, Über den geistlichen Kampf. Katechesen des Mönchsvaters Pachom (Weisungen der Väter, Bd. 9), Beuron 2010, 134 S. broschiert, 13,90 €; ISBN 978-3-8707-1210-5.
Pachomius ist uns aus der Mönchsgeschichte
bekannt als einer der ersten Begründer des koinobitischen Mönchtums. Er war ein
genialer Organisator und hat uns die erste Mönchsregel hinterlassen, aus der
auch Benedikt geschöpft hat. Nun erkennen wir in Bd. 9 der Weisungen der Väter,
daß Pachomius uns auch zwei Katechesen hinterlassen hat, die in diesem Bändchen
erstmals auf Deutsch veröffentlicht werden. Die erste Katechese richtet sich „an einen grollenden Mönch“ und greift so ein Problem auf, das im gemeinsamen Leben nicht ausbleiben kann, weil zwischenmenschliche Konflikte unausweichlich sind. Auf die Frage, wie man damit geistlich umgehen soll, gibt die Katechese eine Antwort. Sie ist sehr lang, weil spätere Generationen daran weiter gearbeitet haben, was beweist, daß das Grund problem immer aktuell ist, wo Menschen miteinander leben. Die Katechese beginnt mit einer Einladung: „Mein Sohn, höre und sei weise (Prob 23,29), und nimm zu dir die wahre Lehre (Sir 6,23; 16,24). Denn es gibt zwei Wege.“ (1) Das ist ein Motiv, das schon in der Didache, einer frühchristlichen Gemeindeordnung vom Ende des 1. Jahrhunderts vorkommt. Das ist ein Hinweis, daß Pachomius an frühchristliche Unterweisung anknüpft. Es ist auch interessant, daß in den ersten Abschnitten der Katechese biblische Gestalten wie Abraham, Isaak und Jakob auftauchen. Abraham war für Pachomius ein Vorbild, der sich in sozialen Konflikten zurückzunehmen wußte, und so stand er für die späteren Generationen als „Vater der Menge“ neben Pachomius, der ja auch zum „Vater der Menge“ geworden war. Die Katechese gliedert sich in 61 Kapitel, wobei zu beachten ist, daß ab Kapitel 36 ein Stück aus den Schriften des Athanasios übernommen wird, das mit Kapitel 51 endet. Im Text sind wörtliche Übereinstimmungen mit einem Brief des Athanasios von Alexandrien zu finden. Der Katechese sind auch Erläuterungen und ein Kommentar zugeordnet. Die zweite Katechese stellt eine Einladung der Brüder zum jährlichen Osterkapitel der Pachomianer dar, einer der beiden Hauptversammlungen der gesamten Bruderschaft im Jahr. Sie will die Mönche innerlich darauf vorbereiten, mit „geheiligten Seelen und Leibern“ das Paschamysterium zu feiern. In einem Exkurs werden die Laster bei Pachomius behandelt. Pachomius kennt noch nicht die Systematisierung aller Versuchungen und ihre Zusammenfassung zu acht Hauptlastern, wie sie Evagrios Pontikos durchgeführt hat. Bei Pachomius stehen die Begriffe in einer Reihe mit einer Anzahl weiterer Laster: Feigheit, Unglauben, Lüge, Betrug, Krämergeist etc. Insgesamt darf man sagen, daß diese kleine Schrift, in der Aufmachung wie Br. Franziskus sie darstellt, einen guten Einblick in das Pachomianische Mönchtum gibt. Sr. Pia Luislampe, Dinklage Adalbert de Vogüé, Unter
Regel und Abt. Schriften zu Benedikt und seinen Quellen (Weisungen der Väter,
Bd. 10), Beuron 2010, 191 S. broschiert, 13,90 €; Es ist zu begrüßen, daß die Reihe Weisungen der Väter unter Bd. 10 einen Blick in die Arbeit von P. Adalbert de Vogüé tun läßt. Sr. Hagia Witzenrath ist zu danken, daß sie die Mühe auf sich genommen hat, den reichen Fundus der Arbeit von P. Adalbert de Vogüé den deutschen Lesern zugänglich zu machen. Wenn man sich von der Fülle der Arbeiten ergreifen läßt, dann wird deutlich, auf welchen Reichtum wir uns in der Tradition der Väter stützen können. In den neun Beiträgen kommen Aspekte der Regelforschung zum Ausdruck, die durch die Fülle der Arbeiten von P. Adalbert de Vogüé eine neue Leuchtkraft erhalten. Der erste Beitrag „Psalmodie und Gebet“ behandelt ein Thema, das P. Adalbert de Vogüé in modifizierter Form bereits im spirituellen Kommentar behandelt hat (Die Regula Benedicti. Theologisch-spiritueller Kommentar, Hildesheim, 1983). Hier in Bd. 10 ist die Darstellung noch weit differenzierter. Der zweite Beitrag „Septies in die laudem dixi tibi“ weist darauf hin, wie vielfältig diese Psalmeninterpretation verstanden und gedeutet worden ist. Kassian ist ein Vertreter der „spirituellen“ Deutungen des septies und denkt an ein „wörtliches“ Verständnis als Zyklus von sieben Gebetszeiten. Kassians Interpretation wird vom Magister und Benedikt übernommen. Besonders wichtig ist die Frage, welche Rolle die Eucharistie im frühen Mönchtum spielte. In den frühen Zeugnissen fällt vor allem das Schweigen über Eucharistiefeier oder Kommunionfeier auf. Bei Pachomius und Basilius sind erste Hinweise deutlich. Pachomius kennt die sonntägliche Feier. Basilius behandelt in einer eigenen Frage in seinem Kleinen Asceticon die gläubig empfundene Ehrfurcht, mit der wir die Gnade des Leibes und Blutes Christi empfangen sollen. Die Untersuchung des ganzen frühen Mönchtums zu dieser Frage läßt deutlich werden, daß es eine weite Entwicklung vom frühen Mönchtum bis zur täglichen Konventmesse von heute ist. In dem Beitrag „Das Fasten lieben“ wird für eine mögliche und in unserer Zeit notwendige Observanz geworben. Der Beitrag über die stabilitas ist über Benedikt und den Magister hinaus eine differenzierte Untersuchung der stabilitas und ihrer Deutung für das frühe Mönchtum. Die Ausführungen über die lectio divina und die Regel des heiligen Basilius bringen wesentliche Vertiefungen der monastischen Spiritualität zum Ausdruck. Einen ganz besondern Hinweis möchte ich dem letzten Beitrag widmen. P. Adalbert de Vogüé untersucht in diesem Text das Mysterium der Trinität in der Magisterregel. Hier sind besonders wichtig die Nennungen Christi im großen Kommentar zum Pater noster. Christus ist „unser Vater“. Ebenso erklärt der Anfang des Abtskapitels, daß der Abt die Stelle Christi einnimmt, denn er wird wie dieser abbas genannt, wobei Röm 8,15 zitiert wird. Wie Christus „unser Vater“ ist, so ist er auch unser „Schöpfer“ und der Lenker unseres Geschickes. Christus wird auch am letzten Tag unser „Richter“ sein und unsere „Beseligung“ in der Ewigkeit. Aus den nur kurz genannten Hinweisen auf die Christologie des Magisters wird deutlich, daß der Magister fast nie vom „Vater“ spricht. Vom Vater wird fast nur im Verhältnis zum Sohn und dessen Gehrosam gesprochen. Der Heilige Geist wird öfter ins Bewußtsein gehoben: „... dadurch, daß der Vater und Herr in unseren Seelen sein Zelt baut und den Heiligen Geist darin wohnen läßt, damit Gott auf die Herzen hilfreich herabschaut und alllzeit durch seine Gegenwart behütet.“ Damit schließt der Kommentar zur ersten Bitte des Pater noster. So läßt sich sagen: Die dritte göttliche Person ist in ihrer Bedeutung weniger in den Hintergrund abgedrängt als man bei der Seltenheit ihrer Nennung annehmen möchte. Hingegen ist die erste Person fast ganz verblaßt vor der des Sohnes, des Christus, des Herrn. Es ist sehr zu begrüßen, daß die hier vorgelegten Beiträge von P. Adalbert de Vogüé in diesem Bändchen vorgelegt werden. Sie geben Einblick in die reiche Vielfalt seiner Regelforschung. Sr. Pia Luislampe, Dinklage Enzo Bianchi, Lectio
divina. Zur Theologie und Praxis der geistlichen Schriftlesung. Mit einem
Vorwort von Michael Schneider (Edition Cardo. Studien des Patristischen Zentrums
Koinonia- Oriens, Bd. CXVI), Köln 2004,
116 S. gebunden, z.Zt. vergriffen; Dieses Buch ist eine Neuauflage von Dich finden in deinem Wort. Die geistliche Schriftlesung, Freiburg 1988 und: Enzo Bianchi, Gott im Wort. Die geistliche Schriftlesung, Eichstätt 1997. Dieses kleine Bändchen besticht vor allem dadurch, daß es mit einer tiefen Überzeugungskraft von der Notwendigkeit der lectio divina spricht. Der Verfasser, der ja auch Gründer der Gemeinschaft von Bose ist, spricht von einer gelebten Praxis seiner Gemeinschaft. Es geht nicht um vermehrte, erweiterte und vertiefte Schriftkenntnis, sondern um eine persönliche Begegnung. Wenn Gott in dem Text Abraham oder Mose beruft, so muß dieser Ruf eine Stimme werden, die meinen Namen ruft. Die lectio divina ist nicht nur den Mönchen vorbehalten; sie gehört der ganzen Kirche. Wir werden nach einem Wort Gregors des Großen aufgefordert, im Wort Gottes das Herz Gottes zu suchen. Vor der Lesung der Heiligen Schrift betete Johannes Chrysostomus: „Öffne die Augen meines Herzens, damit ich deinen Willen erkenne und erfülle ... erleuchte meine Augen mit deinem Licht.“ Nach Kassian führt uns die richtige Lesung zum Verständnis, zur Einsicht in die Schrift, zur wahren Erkenntnis. Wilhelm von Saint-Thierry mahnt uns in seinem „Goldenen Brief“, die Lesung zu bestimmter Stunde zu halten. Wie man zu festgesetzten Zeiten lesen soll, so soll man auch bestimmte Stellen lesen. Man darf nicht aufs Geratewohl in der heiligen Schrift herumblättern und je nach Laune von einem Abschnitt zum anderen wechseln. Nur wenn man die Schrift fortlaufend liest, kann man ohne einen Leseplan auskommen. In der Lesung muß man tatsächlich suchen, das heißt meditieren. Sicher ist der wichtigste Teil dieser Suche die ruminatio, das Kauen und Wiederkäuen des Wortes. Der Ausdruck stammt aus dem Sprachschatz des Pachomius und bezieht sich auf das Wort, insofern es durch Lesen, Hören und Verstehen schließlich assimiliert wird und ins Innere eindringt. D.h. „Kosten und Sehen, wie gut der Herr ist“ (Ps 34). Wilhelm von Saint-Thierry drückt es so aus: „Für jedes Buch der Heiligen Schrift gilt, daß die aufmerksame lectio sich so von einer gewöhnlichen Lesung unterscheidet wie die Freundschaft von einem flüchtigen Gastaufenthalt oder wie die brüderliche Liebe von einem Höflichkeitsgruß.“ Die Meditation besteht darin, das Wort Gottes ins Leben zu übertragen, damit es ein Instrument für das Gebet wird. Klopft an im Gebet, und ihr geht ein in die Kontemplation. Wir können die Kontemplation nicht durch persönliche Anstrengung erreichen. Sie kommt nicht von außen auf uns zu, ist vielmehr die natürliche Frucht, die aus dem Keim unserer betenden Lesung hervorgegangen ist. Anthony Bloom bemerkt dazu: „Nachdem die Meditation uns in die Kontemplation geführt hat, wird Denken und Suchen überflüssig. Es ist töricht, über Gott nachzudenken, wenn er gegenwärtig ist! Die Väter warnen uns oft davor, die Begegnung mit Gott mit Gedanken über Gott zu verwechseln.“ Die Lectio divina ist nicht nur eine Gebetsschule, sondern auch eine Lebensschule. Gott lädt uns darin ein, spricht zu uns und weckt unsere willige Antwort, um uns dann hinauszusenden und uns zu Beauftragten und Gesandten in der Welt zu machen.So will diese kleine Schrift eine geistliche Praxis vermitteln, die unser Leben vertiefen kann. Sr. Pia Luislampe, Dinklage Michael Casey, Einführung in die Benediktusregel. Ein geistliches Ausbildungsprogramm. Aus dem Englischen übersetzt von Daniel Tibi, St. Ottilien 2010, 283 S. gebunden, 24,80 €; ISBN 978-3-8306-7415-3. Gleich beim ersten
Durchblättern hält das Buch eine Überraschung bereit. Der auf dem Cover
angegebene australische Trappistenmönch und Erfolgsautor Michael Casey ist nicht
der einzige Verfasser. Nur knapp die Hälfte der Kapitel und etwas mehr als die
Hälfte des Textes sind von ihm geschrieben. Für den Rest zeichnet David Tomlins
verantwortlich, ein Mitbruder Michael Caseys und wie dieser Mönch der Abtei
Tarrawarra in Australien. Die entstandene Publikation ist als „Ausbildungsprogramm“ zur Benediktusregel gedacht. Sie wendet sich an „Anfänger“ der Regelrezeption und möchte Grundlagenwissen zur RB vermitteln. Die Kapitel des Buches folgen in ihrer Anordnung in etwa der Themenfolge in der Benediktusregel (Prolog, Gehorsam, Lehre über den Abt, Demut ...), allerdings nicht streng. Zum Teil werden Themen kapitelübergreifend behandelt, z.B. Hinführung zum Gebet, Armut und Lebensstandard, gegenseitiger Dienst, Ausbildung, Gemeinschaft, Eschatologie ... Zu den jeweiligen Abschnitten wird meist eine Auswahl der einschlägigen Quellen vergleichend beigezogen (Magisterregel, Cassian, Apophtegmata Patrum, u.a.), wobei ein gewisses Augenmerk auf der Magisterregel liegt, deren Erforschung durch Adalbert de Vogüé zur Entstehungszeit des Ausbildungsprogrammes gerade aktuell war. Zudem werden die Regeltexte für heutiges Verständnis und moderne monastische Lebensweise erschlossen. Manchmal ist noch die ursprüngliche Form des Vortragsmanuskriptes erkennbar, wenn verschiedene Aspekte einfach stichpunktartig aufgereiht werden. Der Ertrag der thematischen Einheiten ist unterschiedlich ergiebig. Insgesamt bewegen sich die Beiträge im Rahmen der heute gängigen Regelauslegung auf der Grundlage von Schrift und Mönchstradition. So bilden sie für Anfänger tatsächlich ein gutes Begleitprogramm zur Ausbildung in Sachen Benediktusregel. Auch für die in der Formation Tätigen stellt das Buch brauchbare Anregungen zur Verfügung. Am Ende jedes Kapitels wird weiterführende Literatur angegeben. Es handelt sich dabei durchweg um neuere deutschsprachige Titel und Aufsätze, die in monastischen Kreisen gut bekannt und „erreichbar“ sind. Außerdem schließt jedes Kapitel mit einer oder mehreren „Aufgaben“ zur Rekapitulation und Vertiefung des Dargebotenen, die auch zur Gruppenarbeit verwendbar wären. Sr. Bernadette Pruß, Alexanderdorf |