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Literatur
Scheiba, Manuela. Gehorsam gegenüber dem Abt. Ein Beitrag zur Auslegungsgeschichte der Benediktus-Regel im 20. Jahrhundert = Regulae Benedicti Studia Traditio et Receptio, Band 22, St. Ottilien 2009, 592 S., 68,- €; ISBN 978-3-8306-7336-1. Die umfangreiche Untersuchung der Alexanderdorfer Benediktinerin stellt eine unter der Anleitung von Sr. Aquinata Böckmann am Monastischen Institut von Sant`Anselmo entstandene und von der Theologischen Fakultät der dortigen Päpstlichen Hochschule im Jahr 2007 angenommene Dissertation dar. Sie bildet den Auftakt der in „Traditio et Receptio“ umbenannten Nebenreihe der „Regulae Benedicti Studia“, deren Programmschwerpunkt in der Erhellung der Rezeptions- und Wirkungsgeschichte der Regel Benedikts liegt. Damit wird in der Regelforschung eine neue Seite aufgeschlagen. Während das vorbenediktinische und zeitgenössische Umfeld der Regula eine angemessene Beachtung gefunden hat und findet, ist die Aufmerksamkeit auf das Echo ihrer Auslegung und Überlieferung bislang ausgeblendet gewesen. Im Rahmen einer umfassenden und genuinen Hermeneutik der Regel legt das unerlässliche wissenschaftliche, historische und spirituelle Interesse seinen Finger auf diese Lücke. Aufgabe und Erfahrungen der vom Zweiten Vatikanischen Konzil angestoßenen „zeitgemäßen Erneuerung des Ordenslebens“ (Perfectae caritatis 2) verstärken diese Blickrichtung. Die in diesem Zusammenhang anstehende „ständige Rückkehr zu den Quellen jedes christlichen Lebens und zum Geist des Ursprungs der einzelnen Institute“ (ebd.) erweist sich als ein langwieriger und komplizierter Prozess mit vielen Facetten. M. Scheiba unternimmt einen ersten mutigen Schritt in Richtung Erforschung der Geschichte der Regelauslegung. Als Aufhänger wählt sie dafür die Thematik des Gehorsams gegenüber dem Abt, ein Aspekt jenes Gelübdes, da heute als das am meisten verschwiegene gilt. Zu diesem Zweck werden ausgesuchte Regelkommentare des 20. Jahrhunderts einer eingehenden Prüfung unterzogen. Als Auswahlkriterien dafür dienten die Berücksichtigung der gesamten Regel, die kritisch-wissenschaftliche Orientierung der Auslegung, ihre Veröffentlichung und der monastische Adressatenkreis. Im Vorfeld der Präsentation der einzelnen Positionen wird der Hintergrund der Regelkommentierung abgeklärt. Ihr historischer Standort wird durch die Restauration des benediktinischen Mönchtums repräsentiert. Mit ihr verbindet sich die ekklesiologische Neubesinnung, die Hinwendung zur Schrift und zu den Quellen der Regel, das Aufkommen der historisch-kritischen Regelforschung und das Ringen um eine Theologie des monastischen Lebens. Die Autoren, die als Regelkommentatoren zu Wort kommen, sind: Paul Delatte, Ildefons Schuster, Ildefons Herwegen, Anselmo Lentini, Basilius Steidle, Garcia M. Colombás, Adalbert de Vogüé, Georg Holzherr und Terrence Kardong, ein internationales Ensemble. Ihren Erklärungen geht eine synchrone Regula-Benedicti-Exegese voraus, die um die Kapitel 5; 7,19-25.31-33.34.35-43 und inhaltlich verwandte Passagen Prol 2f; 2 und 63,13; 3,5-8; 4,59-61; 58,7f.17; 71,1-4 und 72,6 kreist. Diese Einsichtnahme wird in einer diachronen Behandlung durch Hinweise auf wichtige patristisch-monastische Texte ergänzt, die bei den untersuchten Regelinterpreten erwähnt werden. In diesem Kontext tauchen folgende Namen und Zeugnisse auf: Vitae Patrum V; Pachomius – Praecepta 30; Basilius – Kleines Asketikon; Ps-Basilius – Admonitio ad filium spiritualem 6; Augustinus – Praeceptum; Hieronymus – Epistula 22,35; Sulpicius Severus – Dialoge; Johannes Cassian – Instituta 4 und 12, Conlationes 16, 18, 19 und 24; Regula Magistri 7; 3; 10 (passim); 90; Faustus – Homilia 38 ad monachos. Das Raster, das der Vorstellung und Untersuchung der einzelnen Regelkommentare zugrunde gelegt wird, umfaßt die Schritte: Leben und Werk des Verfassers, sodann Hintergrund und Rezeptionsgeschichte sowie hermeneutisch bedeutsame Grundauffassungen, Ziele und Adressaten des Kommentars; daran schließt sich der Kommentar selber mit den weiteren einschlägigen Regelpassagen; es folgt eine Auswertung und Vorstellung der tonangebenden hermeneutischen Leitlinien der jeweiligen Kommentierung. Bei Regelerklärungen, die Neuauflagen oder Neubearbeitungen erfahren haben, werden gesondert Ergänzungen, Korrekturen und modifizierte Akzentuierungen behandelt. Dieses exakt differenzierende Vorgehen fördert in hohem Maß die Übersichtlichkeit der Darstellung und die inhaltliche Transparenz der einzelnen Auslegungen. Die von der Aufgabenstellung her gegebene schwerpunktmäßige Verlagerung auf die Regelkapitel 5, 7 und 68 wirft die Frage auf, wie sich die betreffenden Aussagend der Regel und deren Deutung von Autor zu Autor in den Rahmen des Abts- und Mönchsbilds sowohl der Regel wie des Kommentators fügen. Ein Blick auf die Auswertung der verschiedenen Kommentare und deren hermeneutische Leitlinien bestätigt auch in diesem Fall, wie sehr sich in der Regelerklärung die dazugehörige Zeit- und Geistesgeschichte widerspiegelt. Es ist ein von humanistischer Bildung, den Ausläufern der Devotio moderna, der neuscholastischen philosophisch-theologischen Reflexion, einem individualistischen Heiligkeits- und Frömmigkeitsideal geprägter Horizont, bei dem die Darstellung der Interpretation des Gehorsams gegenüber dem Abt, wie die Regula Benedicti ihn fordert, startet. Die Auslegung selber gestaltet sich zunächst mehr als Paraphrase, die mit eher regelfremden Verweisen und Begriffen operiert. Apologetische Bemerkungen dienen sowohl der Abwehr mißverständlicher Auffassungen wie der eigenen Selbstvergewisserung des klösterlichen Gehorsams. Ein Vorzeichen, unter dem der Gehorsam dem Abt gegenüber mit einer gewissen Vorliebe behandelt wurde, ist das der Askese, erläutert und präzisiert durch Hinweise wie Heroismus, Opfer, Leiden, Verzicht, Martyrium, Abtötung, Kreuz, Reifung, Nachfolge Christi, Lohn oder Verdienst. Eine Askese, als Gehorsamsaskese verstanden, kann sich sowohl der negativen wie der positiven Seite zuneigen. Im ersten Fall kann sie leicht zu einem negativen Asketismus entarten, der sich einem pessimistischen Menschenbild, speziell einer pessimistischen Sicht des menschlichen Willens verpflichtet weiß und auf der Absage an den eigenen Willen besteht. Im anderen Fall tritt der pädagogische Aspekt des Gehorsams in den Vordergrund, sofern er der menschlichen Reifung und Erziehung dient. Es ist nicht zu verkennen, daß bei den unterschiedlichen Akzentuierungen der Regelerklärungen die persönlichen Optionen und Erfahrungen der einzelnen Kommentatoren mit einfließen. Dem Faden der Auswertungen entlang läßt sich unschwer beobachten, wie sich das Verständnis von Autorität wandelt: von einer patriarchalen, die Autorität betonenden über eine pneumatische Sicht und quasisakramentale Konzeption bis zu einer relativierenden realistischen und redimensionierten funktionalen wie dialogischen Fassung. Als den untersuchten Kommentaren relativ gemeinsamer Zug erweist sich der Verweis auf Christus, sei es als asketisch-moralisches Vorbild und Beispiel, sei es als Fundament, Mitte und Ziel des Gehorsamsweges, sei es als gelebte Nachfolge und Teilhabe an der Kenosis, Leben, Weg und Sendung des Herrn. Die Erforschung der Regelerklärungen eines Jahrhunderts gleicht einem geistig-geistlichen Abenteuer, dessen Weg man mit wachsender Aufmerksamkeit verfolgt und das aufzeigt, wie sich Schritt für Schritt eine ihrer selbst bewußt werdende Hermeneutik der Regel entwickelt. Ihre Anfänge werden in dem Bemühen greifbar, die Regel mit Hilfe der Regel zu deuten. Die werk- und textimmanenten Ansätze lenken das Interesse auf das Umfeld und die Quellen der Regel, teil- und ausschnittweise auf ihre Auslegungs- und Wirkungsgeschichte. Einer gewissen Präferenz erfreuen sich im Kontext der altkirchlichen Spiritualität und der patristisch-monastischen Tradition die Zeugnisse der ägyptischen Wüstenaskese und –anachrese. Mehr und mehr und verstärkt seit dem „benediktinischen Erdbeben“ von 1938 bricht sich die Achtsamkeit auf die heilige Schrift als Quelle und auf die Regula Magistri als Vorlage für die Regel Bahn. Der Fortschritt und die Verfeinerung der Regelhermeneutik finden ihren Niederschlag in Unterscheidungen, die zwischen einer streng wissenschaftlichen, spirituellen, psychologischen oder existentiellen Hermeneutik differenzieren. Damit berührt sich teilweise die Frage, welchem bzw. welchen Kapiteln man innerhalb der Regel eine oder die Schlüsselposition zuweist. Das Studium der Kommentare fördert mehrere Möglichkeiten zu Tage: die Anfangskapitel, die Kapitel der „geistlichen Kunst“ oder die Endkapitel 71 und 72. Es ist eine mehr als berechtigte Anfrage, ob nicht die bestehenden Formen der Regelhermeneutik dazu verführen, die Regel als Basisdokument unseres Lebens zu sehr retrospektiv zu sehen und nur von der Vergangenheit her und zu wenig auf Zukunft hin zu interpretieren. Regelkommentare machen und schreiben Geschichte, Geschichte der Spiritualität, des klösterlichen und monastischen Lebens, im Blick auf ganze Klöster und Kommunitäten wie auch der einzelnen Nonnen und Mönche; insofern üben sie einen oft übersehenen prägenden und erzieherischen Einfluß aus. Auch unter diesem Aspekt löst die Untersuchung von M. Scheiba allerhand Fragen aus. Sie ruft nach Fortsetzungen, die nach vorne weisen und ihre Einsichten in ein Leben des Gehorsams heute und morgen „übersetzen“. In den Dank für die Mühe, die Denkanstrengungen und den Fleiß, denen sie sich in ihrer Arbeit unterzogen hat, sei ausdrücklich auch der für die verschiedenen Register einbezogen, wobei das Stichwort „Gehorsam“ ein anschauliches Kompendium des Ganzen darstellt. Abt em. Christian Schütz, Schweiklberg / Neustift
Christian Schütz (Hrsg.), Smaragdus von Saint-Mihiel, Diadem der Mönche, EOS-Verlag, St. Ottielien 2009, 276 S. brosch., 18,50 €; ISBN 878-3-8306-7386-2. Noch vor einigen Jahren wurden die Autoren des frühen Mittelalters im Vergleich zu den Kirchenvätern mehr oder weniger abwertend als Kompilatoren oder gar Abschreiber ohne eigenständiges Profil beschrieben. In neuerer Zeit wird ihrer kulturellen und geistlichen Leistung wieder größeres Interesse entgegengebracht. Davon zeugen Publikationen und Editionen, die ihre Werke gerechter wahrnehmen und würdigen. Dies gilt insbesondere für die Repräsentanten der karolingischen Renaissance. Ein Großteil des geistigen Erbes, das durch die Stürme der Völkerwanderungsepoche hindurch aus der Frühzeit der Kirche auf uns gekommen ist, verdanken wir den Kopisten und Bearbeitern in den frühmittelalterlichen Klöstern. Sie haben dieses Erbe wiederbelebt, mit großer Ehrfurcht bewahrt und die Impulse, die sie daraus empfingen, für ihre eigene Gegenwart fruchtbar gemacht. Einer der einflußreichen Vermittler der spirituellen monastischen Tradition im 8./9. Jh. war Smaragdus, Abt des fränkischen Kloster Saint-Mihiel (bei Verdun). Sein Diadem der Mönche, ein Werk, dem zu seiner Zeit eine große Popularität beschieden war, ist jetzt in deutscher Erstausgabe erschienen. Abt em. Christian Schütz (Schweiklberg / Neustift) besorgte die Übersetzung und Herausgabe und versah das Werk mit einer hilfreichen Einleitung. Die kleine Schrift gehört zur sogenannten Centurienliteratur, d.h. sie ordnet ihren Stoff in einhundert Kapiteln an. Angelegt wurde sie für eine bestimmte Frömmigkeitspraxis, welche in der Regel Benedikts verankert ist: die in Gemeinschaft stattfindende geistliche Lesung (vgl. Einl. S. 20). Die Themen der Kapitel reichen von der Gottes- und Nächstenliebe über Buße, Tugend- und Lasterlehre bis hin zur eschatologischen Hoffnung. Dabei folgen die Gegenstände zwar keiner strengen Systematik, sie entbehren jedoch auch nicht „jede(r) systematische(n) Note“ (S. 24). Oft sind sie durch Stichwortverknüpfung einander zugeordnet. Jedes Kapitel entwickelt zu seinem Thema eine kleine Konferenz aus Schriftstellen, Väterzitaten und Apophtegmata der Wüstenväter. Es fällt auf, „daß darin eine Fülle von Texten anderer Autoren, vor allem der Kirchenväter, nahezu nahtlos aneinandergereiht wird“ (S. 22). Den Grundstock dafür bildeten wohl Florilegien, die als Frucht der geistlichen Lesung entstanden waren und für die weitere meditatio festgehalten wurden. In diesem Geist der meditativen Lesung will das Werk auch aufgenommen und ausgekostet werden. In ihm kann es zur Quelle spiritueller Vertiefung werden. Bisweilen ist für heutige Leser freilich auch der geschichtliche Abstand zur Entstehungszeit des Diadems spürbar. Bestimmte Sinnfindungen, die der altfränkische Abt zusammenstellt, sind dem modernen Weltempfinden nur noch bedingt plausibel, so etwa das ungebrochene Zutrauen zum biblisch-weisheitlichen Tun-Ergehen-Zusammenhang, oder die Rechtfertigung von Schicksalsschlägen und Leid als „Geißelhiebe Gottes“, welche der Besserung und Läuterung dienen sollen (vgl. z.B. Kap. 29 bis 31). Sie erzeugen angesichts der Gewalterfahrungen des letzten Jahrhunderts eher einen bitteren Beigeschmack. Doch stellt sich dieser Eindruck nur selten ein. Im Ganzen ist die Lektüre unbedingt gewinnbringend und vermittelt insbesondere einen guten Einblick in die geistige Welt des karolingischen Reformmönchtums, dem wir eine entscheidende Formung des monastischen Lebens verdanken. Abt Christian Schütz bedauert im Vorwort, daß es ihm nicht möglich war, eine textkritische Ausgabe zu erstellen, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügte. Zweifellos wäre auch ein zweisprachiges Textkorpus von Wert gewesen. Doch hat der Herausgeber mit den ermittelten Quellen und Abhängigkeiten schon Respektables zur Erschließung der Schrift geleistet. Das Diadem der Mönche erfreute sich im Mittelalter europaweiter Verbreitung und Wertschätzung, auch außerhalb der Klöster. Die vorliegende Edition im handlichen Kleinformat von 16,5 x 11 cm, die in fast jeder Tasche unterzubringen ist, legt eine Verwendung als geistlicher Wegbegleiter nahe. Es wäre zu hoffen, daß das Büchlein auch in heutiger Zeit über die monastischen Kreise hinaus eine aufgeschlossene Leserschaft findet.
A. Pr.
Benediktinerkongregation von St. Ottilien (Hg.) Missionsbenediktiner. Ein
Klosterführer durch vier Kontinente, EOS-Verlag, St. Ottilien 2008, 124 S.
brosch., 14,80 €; ISBN 978-3-8306-7325-5. Im Hauptteil des Klosterführers werden die 55 Gemeinschaften der auf vier Kontinenten vertretenen Benediktinerkongregation von St. Ottilien vorgestellt. Nach Ländern in alphabetischer Reihenfolge geordnet, steht für jedes Haus eine Doppelseite zur Verfügung, unabhängig von Alter oder Größe der Niederlassung. Jeweils auf der rechten Seite informiert ein kurzer Text über Geschichte, Tätigkeit und Umfeld des Klosters. Dabei fällt auf, daß in den letzten 20 Jahren zahlreiche Neuaufbrüche erfolgten; auch die noch ganz in der Gründungsphase stehende Niederlassung in Kuba ist schon zu finden. Als Beispiel sei das 2006 von der Abtei Waegwan (Korea) gegründete Haus „St. Benedikt“ genannt. Wegen der Knappheit an Baugrundstücken konnte ein 4,5 ha großes Gelände mit einem wie eine Autobahnraststätte wirkenden Gebäude erworben werden. „An Baulichkeiten ist ein Gasthaus samt zwei Schwimmbädern und einem Angelteich vorhanden. Das Haus ist bereits soweit umgebaut, daß die kleine Gemeinschaft dort Gottesdienst und Stundengebet feiern kann“, heißt es auf S. 47 des Klosterführers. So unterschiedlich wie die Gebäude sind auch die Tätigkeiten der Mönchsgemeinschaften. Von Studien- und Exerzitienhäusern, Schulen und Internaten, über große Abteien mit den verschiedensten Handwerken und landwirtschaftlichen Betrieben bis zu kleinen Niederlassungen, die zum Teil eher kontemplativ ausgerichtet sind oder in sehr engem Kontakt mit den Menschen ihrer Umgebung leben, wie die Stadtcella „Sankt Benedikt“ in Hannover (S. 14/15) findet sich eine große Bandbreite. Auch Mönchsgemeinschaften, die, wie zu Zeiten der Gründung der Kongregation, Menschen erstmalig mit dem Evangelium in Kontakt bringen, gibt es noch. So tun es beispielsweise Mönche der Cella „Sankt Petrus der Fischer“ im nordkenianischen Ileret, die im dortigen Wüstengebiet versuchen, dem Nomadenstamm der Dasanetch die Frohe Botschaft zu verkünden (S. 34/35). Außer der Missions- und Bildungsarbeit dienen etliche der Klostergründungen auch in wirtschaftlicher Hinsicht als Entwicklungsmotor für die Umgebung. Sie sind oft der einzige größere Arbeitgeber in strukturschwachen Regionen oder stärken die Infrastruktur ganz direkt als Betreiber eines Linienbusses in die Provinzhauptstadt, die den Dorfbewohnern den Marktbesuch ermöglicht – so das Priorat „Sankt Theresia“ im sambischen Katibunga (S. 70/71). Von jeder vorgestellten Gemeinschaft ist zusätzlich die Postadresse, Telefon- und Faxnummer sowie die E-Mail-Adresse angegeben, was zur Kontaktaufnahme einlädt. Den informativen Texten sind auf jeder Seite Fotos beigefügt, die einen Eindruck von den Klostergebäuden, dem monastischen Leben, der Tätigkeit oder der umgebenden Landschaft vermitteln. Zum Teil erhält man dabei auch einen kleinen Einblick in das von Deutschland aus gesehen sehr andersartige kulturelle Umfeld, wenn beispielsweise in einem Altersheim im koreanischen Kumnam die betagten Bewohner in traditioneller Weise gemeinsam ihre Mahlzeit am Boden sitzend von niedrigen Tischen einnehmen (S. 49). Auf der jeweils linken Buchseite finden sich faszinierende Landkarten, die neben Texten und Fotos eine vertiefte Kenntnis der Umgebung vermitteln. Eine kleine Übersichtskarte zeigt den Standort des Klosters im Land, während der große detaillierte Landkartenausschnitt Straßen, Berge, Flüsse und vor allem Entfernungen erahnen läßt. Bei Niederlassungen in Städten ist zusätzlich noch ein kleiner Stadtplanausschnitt beigefügt, bei größeren Klosterkomplexen ein Lageplan. Diese Karten verdanken sich der sicher nicht alltäglichen Kooperation der Herausgeber (der Missionsprokura von St. Ottilien) mit der Fakultät für Geoinformation der Hochschule München. In einem eigenen Beitrag am Schluß der Broschüre erläutert der für den Studiengang Kartographie / Geomedientechnik zuständige Professor R. Buzin das mit Studenten durchgeführte, sicher für beide Seiten bereichernde Projekt. Besondere Herausforderungen boten dabei die entlegenen Regionen Afrikas, wo aus Mangel an aktuellen Karten teilweise auf Material aus der Kolonialzeit zurückgegriffen werden mußte (S. 122f). Einführende kurze Beiträge über den hl. Benedikt, seine Regel und den nach ihm benannten Orden sowie über die Geschichte und Gegenwart der Kongregation der Missionsbenediktiner von St. Ottilien runden die lesens- und anschauenswerte Publikation ab. Es bleibt zu wünschen, daß zu gegebener Zeit auch ein Klosterführer der Missionsbenediktinerinnen von Tutzing erscheint, deren Tätigkeit, wie in der Einführung auf S. 11 erwähnt, von Anfang an das Wirken der Mönche begleitete. Dieser könnte dann entsprechend der weit größeren Zahl der Niederlassungen etwa den dreifachen Umfang haben ... Ch. R. |