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Nr. 132 - Literatur WEISUNGEN DER VÄTER Band
3: Evagrios Pontikos, Über die acht Gedanken. Es ist sehr zu begrüßen, dass die „Weisungen der
Väter“ in Bd 3 und Bd 4 eine Fortsetzung gefunden haben. Beide Bände führen
uns zu den Ursprüngen des Mönchtums. Die kleine Schrift „Über die acht
Gedanken“ von Evagrios Pontikos
gehört wohl zu den beliebtesten Werken des pontischen Mönchs, wie man aus der
großen Zahl der Übersetzungen schließen kann. Sie behandeln die acht
Hauptversuchungen des Bösen und zeigen ihre unterschiedlichen
Erscheinungsformen als „Dämon“, als „versucherischer Gedanke“ oder als
„Leidenschaft“. Der Band „Über die acht Gedanken ermöglicht einen
authentischen Einblick in die Spiritualität der Wüstenväter, die zum
bleibenden Fundament der heutigen monastischen Welt wurde. Wie die Mehrzahl der Werke des Evagrios besteht auch
dieser Traktat aus einer mehr oder weniger losen Aneinanderreihung von kurzen
Kapiteln, die je für sich gelesen und betrachtet sein wollen. Sie gleichen
darin den „Sprüchen der Wüstenväter“ auf deren literarische Fixierung
Evagrios zweifellos einen großen Einfluss ausgeübt hat. Über die Herkunft des
„Lasterkataloges“ ist viel geschrieben worden. Als Quelle könnte man an Mt
12,43-45 denken, der uns jenen „unreinen Geist“ beschreibt, der bei seiner Rückkehr
„sieben schlimmere Dämonen“ mitbringt. Die literarische Form, die Evagrios
wählt, und die er meisterhaft beherrscht, erinnert auch an die Sprüche
Salomos. „Der Spruch ist ein Wort, welches mittels sinnlicher Wirklichkeiten
intelligible Wirklichkeiten bezeichnet“ (S. 14). Die Übersetzung ist von P.
Gabriel, einem der besten Kenner des Evagrios, in einer schlüssigen,
pointierten Form geboten. Wenn man als Frau diese Texte liest, dann muss man
doch auch sagen: es kommt da eine sehr distanzierte oder gar frauenfeindliche
Haltung zum Ausdruck, etwa in diesem Vers: „Der Anblick einer Frau ist ein
vergifteter Pfeil; er verwundet die Seele und senkt sein Gift hinein, und je länger
er dauert, eine desto größere Vergiftung bewirkt er“ (Kap 2, IV,6). Den
Apophthegmata zufolge haben auch Frauen in der Wüste gelebt, von drei Frauen
sind Sprüche und von Synkletika gar eine Vita überliefert. Vielleicht haben
diese Äußerungen bei Evagrios auch biographische Züge. Aber diese Anmerkung mindert nicht die wertvolle
Arbeit am frühen Mönchtum, die P.Gabriel uns überliefert. Band 4: Antoine Guillaumont, An den Wurzeln des
christlichen Mönchtums, Aufsätze. Ins Deutsche übertragen von Hagia
Witzenrath OSB, Beuroner Kunstverlag 2007, 208 S., 14,90 €; ISBN
3-8707-1162-0. Dieser Band vermittelt uns, erstmals in deutscher
Sprache, wichtige Forschungen zum frühen Mönchtum. Die Wurzeln des Mönchtums
reichen bis in die apostolische Zeit zurück. Dies war bereits im 4. Jahrhundert
allgemeine Überzeugung. Im 3. Jahrhundert tritt das Mönchtum in der Person des
Antonius des Großen ins helle Licht der Geschichte, und zwar in einer Form, der
eine große Zunkunft beschieden sein sollte. Unter den monastischen Zentren Ägyptens
im 4. - 5. Jahrhundert nahmen die ägyptischen Anachoretensiedlungen der Sketis
und der Kellia eine herausragende Stellung ein. Die ehedem sehr abgelegenen Kellia haben die
arabische Eroberung Ägyptens im 7. Jahrhundert nicht lange überlebt. Sie sind
schon im 8. Jahrhundert aufgegeben worden und bald unter dem Wüstensand
verschwunden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte man nur vage Vorstellungen
von ihrer ursprünglichen Lage bis Antoine Guillaumont (1915-2000) sie 1964
wiederentdeckte und mit den bis heute andauernden Ausgrabungen begann. Die hier ausgewählten Schriften sind ursprünglich
weit verstreut in verschiedenen Zeitschriften erschienen. Ich möchte M. Hagia
Witzenrath OSB sehr danken für die hier geleistete Übertragung, die uns diese
wichtigen Forschungen zugänglich macht. In 13 Kapiteln wird uns hier sozusagen
das Lebenswerk eines Forschers vorgestellt. Es geht hier sowohl um die
Vermittlung der Lebensformen der Wüstenväter wie auch um die inhaltiche
Vermittelung der Spiritualität. Es geht da z.B. um die Fragen: Wie sah eine
Zelle von innen aus? Wie viele Räume hatten die Mönche? Es wird darin auch
deutlich, dass die Mönche sich beim Gebet nach Osten wenden. Der Raum, der sich
im Osten befand, war das Oratorium. Die Ausstattung und das Mobiliar der Zelle
war sehr dürftig. Dass es ein Bett gab, war außerordentlich selten. Bei der
ganzen Ausgrabung der Kellien wurde nur ein Bett gefunden, das aus Backsteinen
gefertigt war. Ein Wort ist bei den Forschungen von Guillaumont sehr
wichtig und taucht häufig auf: die Hesychia. Der Mönch sucht durch die
Anachorese sich die Hesychia zu verschaffen, das ist ein Zustand ohne
Ablenkungen. Die Wüste ist der günstigste Ort für die Hesychia, welche die
Grundlage für das Mönchsideal war. Die Hesychia, die der Mönch sucht, ist
eine innere Verfassung und Lebensart, die für den „Umgang mit Gott“ am
geeignetsten ist. Ein Apophthegma des Antonius sagt: „Der, der in der Wüste
wohnt und in der Hesychia lebt, ist einem dreifachen Kampf enthoben: Dem Kampf,
der ihm vom Gehör, vom Gerede und vom Gesicht kommt. Aber es bleibt ihm der
Kampf des Herzens“ (S. 96). Über dieses Ergebnis der Forschung freue ich mich
ganz besonders. Denn es wird für mich eine Gemeinsamkeit mit Basilius deutlich.
Basilius schreibt in Ep. 14 an Gregor von Nazianz: „Als höchsten Vorzug haben
wir der Gegend nachzurühmen, dass sie dank ihrer günstigen Lage nicht nur alle
möglichen Früchte hervorbringt, sondern die mir von allen Früchten süßeste
erzeugt, die Hesychia“. In der Hesychia verwirklicht sich auch für Basilius
das Mönchsideal. So kann man sagen: auch zwischen den Anachoreten und den
Koinobiten gibt es diese Gemeinsamkeit der Suche nach der Hesychia. Diese Aufsätze von Guillaumont vermitteln uns
wichtige Erkenntnisse zum frühen Mönchtum. Die Herausgabe unter den
„Weisungen der Väter“ ist ein großer Schatz, den wir den Herausgebern
verdanken. Sr. Pia Luislampe, Dinklage |