Nr. 132 - Literatur

WEISUNGEN DER VÄTER 

Band 3: Evagrios Pontikos, Über die acht Gedanken.
Eingeleitet und übersetzt von P. Gabriel Bunge OSB, Beuroner Kunstverlag 2007, brosch., 9,90 €; ISBN 3-8707-1161-2. 

Es ist sehr zu begrüßen, dass die „Weisungen der Väter“ in Bd 3 und Bd 4 eine Fortsetzung gefunden haben. Beide Bände führen uns zu den Ursprüngen des Mönchtums. Die kleine Schrift „Über die acht Gedanken“  von Evagrios Pontikos gehört wohl zu den beliebtesten Werken des pontischen Mönchs, wie man aus der großen Zahl der Übersetzungen schließen kann. Sie behandeln die acht Hauptversuchungen des Bösen und zeigen ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen als „Dämon“, als „versucherischer Gedanke“ oder als „Leidenschaft“. Der Band „Über die acht Gedanken ermöglicht einen authentischen Einblick in die Spiritualität der Wüstenväter, die zum bleibenden Fundament der heutigen monastischen Welt wurde.

Wie die Mehrzahl der Werke des Evagrios besteht auch dieser Traktat aus einer mehr oder weniger losen Aneinanderreihung von kurzen Kapiteln, die je für sich gelesen und betrachtet sein wollen. Sie gleichen darin den „Sprüchen der Wüstenväter“ auf deren literarische Fixierung Evagrios zweifellos einen großen Einfluss ausgeübt hat. Über die Herkunft des „Lasterkataloges“ ist viel geschrieben worden. Als Quelle könnte man an Mt 12,43-45 denken, der uns jenen „unreinen Geist“ beschreibt, der bei seiner Rückkehr „sieben schlimmere Dämonen“ mitbringt. Die literarische Form, die Evagrios wählt, und die er meisterhaft beherrscht, erinnert auch an die Sprüche Salomos. „Der Spruch ist ein Wort, welches mittels sinnlicher Wirklichkeiten intelligible Wirklichkeiten bezeichnet“ (S. 14). Die Übersetzung ist von P. Gabriel, einem der besten Kenner des Evagrios, in einer schlüssigen, pointierten Form geboten.

Wenn man als Frau diese Texte liest, dann muss man doch auch sagen: es kommt da eine sehr distanzierte oder gar frauenfeindliche Haltung zum Ausdruck, etwa in diesem Vers: „Der Anblick einer Frau ist ein vergifteter Pfeil; er verwundet die Seele und senkt sein Gift hinein, und je länger er dauert, eine desto größere Vergiftung bewirkt er“ (Kap 2, IV,6). Den Apophthegmata zufolge haben auch Frauen in der Wüste gelebt, von drei Frauen sind Sprüche und von Synkletika gar eine Vita überliefert. Vielleicht haben diese Äußerungen bei Evagrios auch biographische Züge.

Aber diese Anmerkung mindert nicht die wertvolle Arbeit am frühen Mönchtum, die P.Gabriel uns überliefert.

Band 4: Antoine Guillaumont, An den Wurzeln des christlichen Mönchtums, Aufsätze. Ins Deutsche übertragen von Hagia Witzenrath OSB, Beuroner Kunstverlag 2007, 208 S., 14,90 €; ISBN 3-8707-1162-0.

Dieser Band vermittelt uns, erstmals in deutscher Sprache, wichtige Forschungen zum frühen Mönchtum. Die Wurzeln des Mönchtums reichen bis in die apostolische Zeit zurück. Dies war bereits im 4. Jahrhundert allgemeine Überzeugung. Im 3. Jahrhundert tritt das Mönchtum in der Person des Antonius des Großen ins helle Licht der Geschichte, und zwar in einer Form, der eine große Zunkunft beschieden sein sollte. Unter den monastischen Zentren Ägyptens im 4. - 5. Jahrhundert nahmen die ägyptischen Anachoretensiedlungen der Sketis und der Kellia eine herausragende Stellung ein.

Die ehedem sehr abgelegenen Kellia haben die arabische Eroberung Ägyptens im 7. Jahrhundert nicht lange überlebt. Sie sind schon im 8. Jahrhundert aufgegeben worden und bald unter dem Wüstensand verschwunden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte man nur vage Vorstellungen von ihrer ursprünglichen Lage bis Antoine Guillaumont (1915-2000) sie 1964 wiederentdeckte und mit den bis heute andauernden Ausgrabungen begann.

Die hier ausgewählten Schriften sind ursprünglich weit verstreut in verschiedenen Zeitschriften erschienen. Ich möchte M. Hagia Witzenrath OSB sehr danken für die hier geleistete Übertragung, die uns diese wichtigen Forschungen zugänglich macht. In 13 Kapiteln wird uns hier sozusagen das Lebenswerk eines Forschers vorgestellt. Es geht hier sowohl um die Vermittlung der Lebensformen der Wüstenväter wie auch um die inhaltiche Vermittelung der Spiritualität. Es geht da z.B. um die Fragen: Wie sah eine Zelle von innen aus? Wie viele Räume hatten die Mönche? Es wird darin auch deutlich, dass die Mönche sich beim Gebet nach Osten wenden. Der Raum, der sich im Osten befand, war das Oratorium. Die Ausstattung und das Mobiliar der Zelle war sehr dürftig. Dass es ein Bett gab, war außerordentlich selten. Bei der ganzen Ausgrabung der Kellien wurde nur ein Bett gefunden, das aus Backsteinen gefertigt war.

Ein Wort ist bei den Forschungen von Guillaumont sehr wichtig und taucht häufig auf: die Hesychia. Der Mönch sucht durch die Anachorese sich die Hesychia zu verschaffen, das ist ein Zustand ohne Ablenkungen. Die Wüste ist der günstigste Ort für die Hesychia, welche die Grundlage für das Mönchsideal war. Die Hesychia, die der Mönch sucht, ist eine innere Verfassung und Lebensart, die für den „Umgang mit Gott“ am geeignetsten ist. Ein Apophthegma des Antonius sagt: „Der, der in der Wüste wohnt und in der Hesychia lebt, ist einem dreifachen Kampf enthoben: Dem Kampf, der ihm vom Gehör, vom Gerede und vom Gesicht kommt. Aber es bleibt ihm der Kampf des Herzens“ (S. 96).

Über dieses Ergebnis der Forschung freue ich mich ganz besonders. Denn es wird für mich eine Gemeinsamkeit mit Basilius deutlich. Basilius schreibt in Ep. 14 an Gregor von Nazianz: „Als höchsten Vorzug haben wir der Gegend nachzurühmen, dass sie dank ihrer günstigen Lage nicht nur alle möglichen Früchte hervorbringt, sondern die mir von allen Früchten süßeste erzeugt, die Hesychia“. In der Hesychia verwirklicht sich auch für Basilius das Mönchsideal. So kann man sagen: auch zwischen den Anachoreten und den Koinobiten gibt es diese Gemeinsamkeit der Suche nach der Hesychia.

Diese Aufsätze von Guillaumont vermitteln uns wichtige Erkenntnisse zum frühen Mönchtum. Die Herausgabe unter den „Weisungen der Väter“ ist ein großer Schatz, den wir den Herausgebern verdanken.

Sr. Pia Luislampe, Dinklage