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Gregor
Baumhof, Gesänge der Stille. Mit dem Gregorianische Choral meditieren. „Das
Buch ist bestimmt für all jene, die ein Bedürfnis spüren, sich ihr
geistliches Leben von der Kraftquelle des gregorianischen Chorals her vertiefen
und bereichern zu lassen“. So beschreibt Fr. Gregor Baumhof OSB aus der Abtei
Niederaltaich, mit welcher Absicht er sein Buch und die darin befindliche CD veröffentlichte.
Es ist sicher als eine Frucht seiner engagierten Kurs- und Vortragstätigkeit zu
sehen. In
Notenschrift, hörbar gemacht, in Textdeutung und musikalischer Betrachtung
werden Gesänge des Weihnachtsfestkreises an 10 Stationen vorgelegt. Meist
beginnt eine solche Station mit einer Introitusantiphon gefolgt von einer
einfachen Form wie einem kleinen Responsorium oder einer Antiphon des
Stundengebetes. Manchmal schließt ein Hymnus eine Station ab. Die 5. Station
ist ganz den O-Antiphonen gewidmet, die auch ins ganze Buch eingestreut auf
farbigen Doppelseiten in Glasfenstern von Bernhard Schlagemann, mit Bezugstexten
aus der Hl. Schrift und einer ausgeweiteten Übertragung des lateinischen Textes
zu einer weiteren Betrachtung vorgelegt werden. Diese Seiten, das Format des
Buches und die Typographie der Texte geben dem Buch eine besonderen ästhetischen
Wert. Die
Meditatio, die Übung, wie es im Werktitel des Buches heißt, soll so vonstatten
gehen: In Stille soll das einzelne Stück ein- bis dreimal gehört und danach
die Übersetzung gelesen werden. Dann kann wieder ein Hinhören erfolgen, dann
die Lektüre der (fast) jedem Stück zugefügten „Textdeutung“ und die
„musikalische Betrachtung“. Bei der Textdeutung bedient sich Fr. Gregor
besonders der Erkenntnisse der tiefenpsychologischen Ausdeutung, in der Bilder
und Symbole als allgemeine Sprache der menschlichen Tiefenschichten verstanden
werden können. Hier wird dann auch die therapeutische Funktion von Text und
Musik berührt. Den
Introitusantiphonen und den Offiziumsanthiphonen fügt Fr. Gregor St. Galler
Neumen (E121, H390/391) hinzu. Sie werden jedoch nicht als Interpretamente des
Textes angesehen, die die „Lautung“ des Textes bezeugen und damit dem
Sprecher (Sänger) und Hörer in ihrer pronuntiatorischen Funktion, in ihrer
Sprechdynamik und Sprechmelodie, den Sinn des Textes erschließen.
Textmeditation war in der Antike und im Mittelalter lautes Erlesen eines Textes.
Bei
den Offiziumsantiphonen, deren Druckbild dem neuen Antiphonale Monasticum
entnommen wurde, ist die Hinzufügung der Neumen darum besonders wertvoll. Aus
ungeklärten Gründen wurden dort in der Quadratnotation die waagerechten
Episeme eliminiert. So sind mit Hilfe der zugefügten Neumen, die episemierten
Einzeltonneumen und Einzelgruppenneumen wieder zu erkennen. Auch die ebenso
nicht begründete Einführung des Tones „b“ statt „h“ im AM hat Fr.
Gregor bei den O-Antiphonen zwar im Druck übernommen, gesungen aber hat er im
Hochpunkt der Antiphon doch das „h“. Das
Buch wendet sich an Leser und Hörer ohne theoretische Vorkenntnisse. Diesen
wird es einen Zugang zu den gregorianischen Gesängen eröffnen. Die Fachleute
werden sich über manche gelesene oder gehörte Deutung zu Wort melden wollen.
Auch das ist gut. Kann es doch ein Anstoß sein zu einem fruchtbaren Gespräch. P.
Michael Hermes, Meschede |