Nr. 130 - Literatur

Bernd Jaspert, Mönchtum und Protestantismus. Probleme und Wege der Forschung seit 1877, Band 2: Von Karl Heussi bis Karl Barth, St. Ottilien 2006 (RBS.S 15), 1084 S. gebunden, 78,- €; ISBN 3-8306-7229-2. 

„Die Geschichte der Erforschung des Mönchtums im Protestantismus darzustellen, damit man versteht, warum sich im Vergleich zum älteren im modernen Protestantismus ein Wandel von der Ablehnung zur Bejahung des Mönchtums vollzogen hat“ (Mönchtum und Protestantismus, Band 1 = RBS.S 11, S. 13) – das ist die Zielsetzung, die der evangelische Theologe und langjährige Präsident der Internationalen Regula-Benedicti-Kongresse Bernd Jaspert mit seinem ursprünglich auf zwei Bände angelegten Publikationsvorhaben verfolgt (ebd., 37f.). Ein bereits im Jahr 2005 veröffentlichter erster Band (RBS.S 11) umfaßt die Forschungsgeschichte von Hermann Weingarten (1834-1892) bis Heinrich Boehmer (1869-1927).

Angesichts der verbleibenden gewaltigen Stoff-Fülle hat sich Jaspert inzwischen sinnvollerweise für eine nunmehr vier Bände umfassende Gesamtkonzeption entschieden: Band 3 wird die neuere protestantische Forschungsgeschichte seit Karl Barth bis zur Gegenwart fortführen, Band 4 Position und Verständnis des Mönchtums in der Ökumene seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil beschreiben.

Der hier zu besprechende zweite Band enthält insgesamt 17 Werkportraits und stellt Forscher verschiedenster Provenienz vor. Neben Kirchenhistorikern und Patristikern kommen ein Orientalist, ein Religionshistoriker sowie Vertreter der neutestamentlichen, systematischen und praktischen Theologie zu Wort. Sowohl die Auswahl als auch die Beschreibung, Deutung und Wertung der unterschiedlichen Forschungsbeiträge darf als gelungen bezeichnet werden und ist in dieser Zusammenschau einmalig.

Friedrich Heiler, Hermann Dörries, Ernst Benz und Walter Nigg werden in ausführlichen, mitunter über 100 Seiten umfassenden Darstellungen gewürdigt. Neben Dietrich Bonhoeffer oder Wilhelm Stählin begegnen dem Leser auch eher unbekanntere, aber gleichwohl anregende Theologen wie Friedrich Parpert. Von besonderem Interesse ist der Blick in eine bislang unveröffentlichte Vorlesung Erik Petersons zur Geschichte des Mönchtums aus dem Jahr 1922 (267-276) und Karl Barths Stellungnahme zum monastischen Leben, die der reformierte Theologe 1966 auf Bitten von Abt-Koadjutor Gabriel M. Brasö (Montserrat) verfaßte (885-888). Mit Nachdruck hebt Jaspert die Bedeutung Barths hervor, wenn er den Textteil des zweiten Bandes mit folgenden Worten beschließt: „Mönchtum auf dem Fundament des Wortes Gottes als exemplarisches Christsein in der Kirche, als Dienst für alle Brüder und Schwestern in Christus – das war nach Barth in einem aggiornamento der Kirche möglich und hilfreich, auch für evangelische Christen“ (901, kursiv von B. Jaspert).

Jaspert erweist sich in seiner Publikation als „historicus monachizans" (so Johannes Schilling – allerdings mit deutlich kritischem Unterton – in seinem Literatur- und Forschungsbericht „Reformation und Mönchtum", in: ThLZ 132 (2007) 235-250, hier 237), der die wissenschaftliche Darstellung von Mönchtum und Protestantismus mit der Offenheit für ein theologisch verantwortetes Mönchtum im Protestantismus verbindet. 

Man darf gespannt sein, ob in Aufnahme der Forschungsergebnisse Jasperts auch das Mönchtum zukünftig zum „protestantischen Profil“ gehören wird, wie es evangelische Kirchenführer in Deutschland seit einiger Zeit mit einer gewissen Vehemenz einfordern. Diese in ökumenischer Hinsicht zu erhoffende Diskussion zu dokumentieren und zu kommentieren, könnte ein eigenes Unterfangen werden – u. U. bedarf es dazu dann eines fünften Bandes. 

P. Augustinus Sander, Maria Laach