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Nr. 130 - Literatur Leben im Kloster Hauterive Fotos: Paul Joos 128 Seiten, 104 s/w Fotos (Duplex), fester Einband,
Fadenheftung, Format: 27,6 x 23,6 cm Das Leben im Kloster gehört immer noch zu den Themen, die
faszinieren. Bücher, die darauf setzen, kommen manchmal etwas aufdringlich mit
dem Zauberwort Stille daher, ohne die damit geweckten Erwartungen immer zu erfüllen.
Störend schiebt sich oft eine verklärende Optik zwischen das Leben und seine
Darstellung. Dieser Gefahr ist der Bildband „Leben im Kloster Hauterive“
nicht erlegen – jedenfalls weitgehend. Der Einband mit dem stimmungsvollen
Bild der durch den Kreuzgang wandelnden Mönche – die sich vom Betrachter
entfernen! – ist ästhetisch schön, bringt aber noch nicht zum Ausdruck, was
dann im Schauen und Lesen immer mehr spürbar wird: Hier ist eine Mönchsgemeinschaft,
die sehr bewußt das Gespräch mit den Menschen unserer Zeit sucht und sich
nicht nur halbherzig bei einem Fototermin über die Schulter schauen läßt. Auf ca. 30 Seiten finden sich aus verschiedenen Perspektiven Zugänge zum Leben im Kloster Hauterive, die zudem kompakt und spirituell ein Bild des monastischen Lebens an sich zeichnen. Nach einem kurzen Vorwort des Präsidenten der „Vereinigung der Freunde der Abtei Hauterive“, stellen acht Kapitel das Leben der Gemeinschaft mit den äußeren und inneren Voraussetzungen dar und die Geschichte des Klosters seit der Gründung 1138; fünf Beiträge sind von Mönchen verfaßt, zwei von langjährigen Gästen, einer von einer Kunsthistorikerin. Gleich der erste Beitrag thematisiert das Anliegen der Gastfreundschaft. Das wirkt programmatisch. Der Weg mit suchenden Menschen heute ist den Mönchen „so wichtig, daß sie Menschen einladen … Darum gibt es das Kloster mit seinem Gästehaus.“ Von der Gottsuche der Mönche ist in späteren Kapiteln die Rede und sie ist ja auch das Erwartete unter diesem Titel; überraschend ist, daß sich dieser „Ort der Suche nach dem Leben“ zuerst als ein „Zu-Hause“ (nach einem Novalis-Zitat) für den Gast darstellt. In den beiden folgenden Beiträgen geben Gäste ein sehr persönliches Zeugnis. Originell sind die Parallelen, die ein Chirurg zum Leben eines Mönchs zieht – Verfügbarkeit ist eine – und wie ihn das Vorbild des monastischen Lebens in seinem Berufsethos als Arzt bestärkt. Von den allesamt interessanten Kapiteln sei nur noch aus der Darstellung des Priors das aktuelle Problem erwähnt, den Lebensunterhalt unter veränderten Bedingungen zu sichern. „Sinkende Rentabilität im Agrarsektor … zwingt die Mönche, ihren Erfindungsgeist zu üben … Unser Angebot beruht auf technischen, handwerklichen oder künstlerischen Sachkenntnissen, deren praktische Anwendung den Brüdern ein Gefühl der Zufriedenheit gibt. In dieser Hinsicht stellen also die neu entwickelten Produkte eine beachtliche Quelle menschlicher Entfaltung dar, die zugleich ein sicherer Garant für Qualität ist“ (S.18). Der Mensch steht im Mittelpunkt – diese Sicht vermitteln
auch die Bilder. Ihre Themen wechseln in der Abfolge der 104 Fotos mehrmals
zwischen Feier der Liturgie und alltäglichen Arbeitssituationen, zwischen
Motiven, die den Vorrang der Einsamkeit zeigen, und Bildern gelebter
Gemeinschaft. Das wirkt lebendig und schärft den Blick für die Spannungspole
des monastischen Lebens. Auf einigen gegenüberliegenden Seiten sind diese
Kontraste direkt betont: Brüderliches Gespräch – Abt im Kapitelsaal (S.
62/63), Mahlzeit im Schweigen – Besuchergruppe im Kreuzgang (S. 92/93), Mönche
und Gäste beim gemeinsamen Kaffee – stille Lektüre in der Bibliothek (S.
120/121), um nur einige zu nennen. Die Fotos von Paul Joos sind informativ und künstlerisch
auf hohem Niveau. Leider entsprechen die Bildunterschriften nicht immer dieser
Qualität. Das asketische Schwarzweiß – wie sollte man Zisterzienser auch
anders abbilden! – ist durch den Duplexdruck weich und nuancenreich; damit
entspricht die formale Gestaltung ganz dem Anliegen einer differenzierten
Darstellung mönchischen Existenz. Erwähnt werden müssen noch die sehr schönen
Ansichten der Architektur und die Detailaufnahmen. Das Maßwerk mit seiner
Strenge und Leichtigkeit erscheint wie das Symbol der Lebensform, die in diesem
Buch „Leben im Kloster Hauterive“ faszinierend sichtbar
wird. Sr. Charis Doepgen, Kellenried |