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Bruno
Fromme, Der Liebe zu Christus nichts vorziehen. Anstöße aus der Regel
des hl. Benedikt, Verlag Himmerod Drucke, Großlittgen 2004,
381 S., 6 Abb., geb., 17,80 €; ISBN 3-921632-39-0. Das Buch will kein Kommentar sein, wenn „Kommentar“ bedeutet, daß die Quellen systematisch und erschöpfend befragt, die textimmanenten Bezüge erhellt und spätere Interpretationen wissenschaftlich aufgearbeitet werden. All das ist dem Zisterzienserabt aus Himmerod nicht unbekannt, und Vieles aus diesem Bereich hat er gelesen und in den Text einfließen lassen; aber das geschieht nicht in der Bemühung um akribische Vollständigkeit, sondern eher in der Weise des Hausvaters, der Altes und Neues aus seinen Vorräten hervorholt. Die Anstöße aus der Regel Benedikts sind überarbeitete Konferenzen, die Abt Bruno über die Jahre seinen Mönchen gehalten hat. Dabei ging es ihm um zweierlei: Den Text ernst zu nehmen und genau hinzuschauen; dann aber auch darum, aktuelle Bezüge herzustellen und so die Regula in ihrer Bedeutung für die Menschen von heute zu erschließen. Oder mit den Worten des Autors: „Sinn der nachfolgenden Gedanken ist es, weniger zu belehren als vielmehr zu begleiten, vor allem aber zu einer persönlichen Auseinandersetzung mit der Regel und Gegenüberstellung ihrer Weisheit und Erfahrung mit unseren eigenen Anfragen heute anzuregen.“ (S. 17) Wenn man selbst über Jahre an der Erarbeitung eines wissenschaftlichen Regelkommentars (an bescheidener Stelle) mitgearbeitet hat, gibt es natürlich Lieblingsstellen, zu denen man eine besondere Meinung entwickelt hat. Ich habe einige dieser Stellen nachgeschlagen und war bisweilen enttäuscht, weil Fromme diese Verse nicht so interpretiert hat, wie ich sie verstehe, oder schlichtweg beiseite gelassen hat. Z. B. sagt er nichts über die opprobria (RB 58,7), in deren Zusammenhang das heute nur noch schwer vermittelbare Wort von den „Verdemütigungen“ fällt. Dabei geht es hier um die niedrigen Dienste, die für den freien Mann als unehrenhaft galten. Auf dem Hintergrund von RB 35 wären die opprobria als eine wesentliche Kategorie der Christusnachfolge bei Benedikt durchaus auch für das aktuelle Verstehen fruchtbar zu machen. Aber mit dieser Art von Besserwissen allein wird man dem Buch nicht gerecht. Es will ja gerade nicht vollständig sein. Die Bemühung um Vollständigkeit führt beim Leser leicht zur Langeweile. Langweilig sind Abt Brunos Gedanken aber auf keiner Seite. Auch dort nicht, wo man sich selbst schwer tut, aus einem Regelkapitel geistlichen Honig zu saugen, etwa bei den liturgischen Anweisungen oder den Strafkapiteln. An das Kapitel über die Alten und Kinder (RB 37) knüpft der Autor Gedanken über das Zusammenleben der Generationen im Kloster an, die durchaus anregend und vertiefend sind. Noch ein Wort zur Gestalt des Buches: Jede Seite ist in
zwei Spalten aufgeteilt. In der inneren schmaleren ist auf grauem Hintergrund
und in etwas kleinerer Schrift die Übersetzung der Salzburger Äbtekonferenz
abgedruckt, in der äußeren der Kommentar. Es eignet sich bestens für die tägliche
gemeinsame Regellesung, wie ich es in einem Kloster bei Tisch erlebt habe. Äbte
und Äbtissinnen sowie Magistri und Magistrae werden es gern bei der
Vorbereitung ihrer Regelkonferenzen konsultieren. Aber es ist natürlich auch für
die persönliche Lesung durchaus geeignet. Ich denke hier auch an unsere
Oblaten. |