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Georg
Holzherr, em. Abt von Einsiedeln, Die Benediktsregel. Eine Anleitung zum
christlichem Leben. Der vollständige Text der Regel übersetzt und erklärt,
6., völlig überarbeitete Auflage; Paulusverlag, Freiburg Schweiz 2005.
452 S. gebunden; € 29,-; ISBN 3-7228-0635-6.
Nach
25 Jahren legt der inzwischen emeritierte Abt von Einsiedeln seinen
Regelkommentar in einer überarbeiteten Fassung vor.
Die Neuausgabe ist umfangreicher als die alte, was weniger daran liegt, daß der
Text des eigentlichen Kommentars sehr viel länger wurde als daran, daß die
Einführung erweitert wurde. Sie wurde durchgesehen und ergänzt, vor allem der
zeitgeschichtliche Hintergrund wurde differenzierter dargestellt.
So ist das jetzige Kapitel 3 "Mönche und ihr Schrifttum vor
Benedikt" sehr viel umfangreicher als die Vorgängerversion und bietet eine
Fülle von Material, dasselbe gilt für 4.3. "Im kirchen-politischen Kräftefeld
des 6. Jahrhunderts". Hier hat man einen Überblick, der kurz zusammengefaßt
das Wesentliche sagt und die Hinzunahme weitere Bücher überflüssig macht.
Angenehmer ist auch das Erscheinungsbild des neuen Buches. Es hat einen festen
Einband, was sich für ein häufig benutztes Buch empfiehlt, das man in
Fadenheftung gut aufschlagen kann, wenn man damit arbeiten will.
Die Fußnoten müssen nicht mehr mühsam am Ende des Buches gesucht werden,
sondern finden sich unten auf jeder Seite, was ebenfalls die Benutzung
wesentlich erleichtert.
Die Regelkapitel sind durch fettgedruckte Kurzzusammenfassungen gegliedert, die
manchmal vielleicht etwas belehrend klingen, für die tägliche Arbeit mit dem
Kommentar aber hilfreich sind. Der Text wird damit gut und übersichtlich
gegliedert. Dagegen ist der lateinische Text, der zu Beginn jedes Kapitel in
einer relativ kleinen Schrift gedruckt steht, überhaupt nicht gegliedert. Man
hat den Eindruck, daß der Abt nicht ernsthaft damit rechnet, daß seine Leser
diesen Text zu Rate ziehen, was aber manchmal durchaus zu empfehlen wäre. Denn
die Übersetzung wurde auch überarbeitet, und man sollte sie vergleichen,
einerseits mit der früheren Fassung, andererseits mit Übersetzungen, die
gewohnt sind. Nur so wird man auf bestimmte wichtige Nuancen aufmerksam.
Der
Kommentartext wurde in dieser neuen Auflage gründlich überarbeitet, wie der
Abt selbst im Vorwort bezeugt. Die
Regelforschung hat sich weiter entwickelt, und so hatten manche Hypothesen, die
der Abt in der früheren Fassung vorgebracht hatte, keinen Bestand.
Dagegen kann man immer neue Zeugnisse aus der Kirchenväterzeit finden, die das
Denken Benedikts in einen größeren Zusammenhang stellen. Solche Zeugnisse
werden in der neuen Ausgabe noch ausführlicher zitiert, was den Text der Regel
am besten erklärt und auch Anfragen an die heutige Praxis ermöglicht. Zu
bemerken ist auch die gute sprachliche Form besonders bei den Texten der Frühen
Kirche, die damit leichter in ihrer Aktualität wahrgenommen werden können.
Am Schluß des Buches finden wir neu eine inhaltliche Gliederung und ein überarbeitetes,
d.h. auf den neusten Stand gebrachtes Literaturverzeichnis. Im
Stichwortverzeichnis wundert man sich manchmal etwas über die ausgewählten
Begriffe: Amputieren, Anawim, Du-Anrede (hier geht es nicht um das Duzen im
Kloster, sondern um die Anrede des Lesers im Singular z.B. im Prolog), Zustrom
(hier geht es um Gäste), Hektik (ist das an dieser Stelle 48,24 gemeint?).
Insgesamt
bietet der Kommentar eine gute Ergänzung zum Regelkommentar von Sr. Michaela
Puzicha (Salzburger Äbtekonferenz) und gehört in jede Klosterbibliothek. Ob
eine Gemeinschaft, die eine frühere Auflage besitzt, die Neuausgabe unbedingt
anschaffen muß, kann natürlich bezweifelt werden, da der eigentliche Kommentar
zwar durchgesehen und korrigiert, aber nicht ganz wesentlich verändert wurde. Für
die Vorbereitung von Regelkonferenzen ist die Neuausgabe allerdings sehr viel
angenehmer, da man nicht mehr ständig vor und zurückblättern muß, Äbtissinnen
und Äbten, Novizenmeisterinnen und Novizenmeistern sei eine Anschaffung daher
als Arbeitserleichterung empfohlen.
Sr.
Theresia Heither, Mariendonk
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