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Michaela
Puzicha, Benedikt von Nursia begegnen Seit
die katholischen Christen am 19. April mit Erstaunen den Namen - Benedikt XVI. -
des neugewählten Papstes hörten, ist auch der Heilige dieses Namens für viele
neu in den Blick gerückt. Zwar ist der "Vater des abendländischen Mönchtums"
und "Patron Europas" wahrlich kein Unbekannter, aber es fügt sich
doch sehr gut, daß kurz zuvor in der Reihe "Zeugen des Glaubens" von
Michaela Puzicha der Band "Benedikt von Nursia begegnen" erschienen
ist. Walter
Nigg hat von Benedikt einmal gesagt: "Benedikt ist eine verhüllte Gestalt.
Er trat hinter seinem Werk zurück. Man weiß wenig von ihm, jedenfalls nicht so
viel, wie wir gerne wissen möchten." Wer sich mit der Autorin Michaela
Puzicha dem Heiligen nähert, erlebt eine Denkmalenthüllung - und weiß
hinterher sehr viel. Es
hat in den vergangenen Jahren (eigentlich seit dem Jubiläumsjahr 1980) nicht an
Veröffentlichungen zur benediktinischen Spiritualität gefehlt. Die Frage, was
uns Benedikt heute zu sagen hat, wird häufig gestellt - sogar in Kreisen der
Wirtschaft und des Management. Alle, die so fragen, können in diesem Buch
Antworten finden, der primäre Ansatz ist aber ein anderer: Es geht um Begegnung
mit einem Glaubenszeugen. Statt
mit einem Vorwort beginnt das Buch mit einem "ersten Blick auf Benedikt von
Nursia". Dieser "Blick" macht gleich zu Beginn deutlich, daß die
Gestalt Benedikts nur über ihre Wirkungsgeschichte erschlossen werden kann.
Benedikt begegnen, heißt seiner Mönchsregel zu begegnen und dem Lebensbild,
das Papst Gregor der Große im II. Buch der Dialoge von ihm entwirft. Beide
Zeugnisse erschließt Michaela Puzicha aus profunder Kenntnis der Dokumente und
ihres geistigen Umfelds. Sehr zu begrüßen ist, daß diese Fachkompetenz in dem
nach Umfang und Preis vielen zugänglichen Buch, nicht nur - wie vermutlich
weitgehend bei ihrem Regelkommentar - der monastischen Familie Benedikts zu gute
kommt, sondern einem breiteren Kreis von Interessierten. Dennoch ist das Buch
auch für Mönche und Nonnen (und alle, die es werden wollen) ein großer
Gewinn. Der
erste Teil des Buches erschießt das Leben Benedikts nach der vita Gregors und
macht in einem "geistlichen Porträt" den Menschen sichtbar. Benedikt
begegnet uns als Suchender auf einem Umkehrweg, als Jünger Jesu, der aus dem
Geist der Bergpredigt handelt, als Beter, der unter dem Auge Gottes lebt - kurz:
"Für Gregor verkörpert Benedikt den Menschen, der nach dem Evangelium
lebt, sich ausrichtet an den Weisungen der Bergpredigt und das Grundgebot der
Liebe in vorbildlicher Weise erfüllt" (S. 63). Der
zweite Teil des Buches, in dem die "geistliche Wegweisung" der Regel
dargestellt wird, zeigt, wie eng Leben und Regel zusammengehören und sich
gegenseitig erhellen. Was Benedikt lebte, faßt seine regula in geistliche
Grundsätze. Nach der Darstellung, was eine "Regel" ist und wie das klösterliche
Umfeld zur Zeit Benedikts beschaffen war, werden die verschiedenen Themen
monastischen Lebens in Längsschnitten durch die Regel aufgezeigt, u.a. die
"Führungsrolle der Bibel", Gemeinschaft, Leitung, monastische
Grundhaltungen, "discretio", die Christuszentriertheit der
Benediktregel. Bei diesem letzten Punkt wird die mystische Dimension einer über
weite Strecken nüchternen Lebensordnung berührt. "Das Christusverständnis
und die Christusbeziehung Benedikts sind getragen von der offenkundig persönlichen
Erfahrung eines Menschen, der diesen Herrn (Christus) zum Mittelpunkt seines
Lebens gemacht hat" (S. 157). Hier kommt Benedikt modernen Gotsuchern
besonders nahe. Das
letzte Kapitel befaßt sich mit der "unendlichen Wirkungsgeschichte"
Benedikts und zeichnet komprimiert die Geschichte der Benediktiner nach bis in
die Zeit nach dem II. Vat. Konzil. Wer sich fragt, welche Kraft das
benediktinische Mönchtum über 1500 Jahre lebendig erhalten hat, findet hier
alle Fakten für eine überzeugende Antwort. Wenn
sich das zusammenwachsende Europa auf die Werte besinnt, die es geprägt haben,
kommt es an der gestaltenden Kraft des Mönchtums nicht vorbei. Im Bewußtsein
der Öffentlichkeit sind eher die späteren Epochen, etwa die Klosterlandschaft
des Barock, oder auch Erscheinungen des Niedergangs vor der Reformation oder der
Säkularisation präsent. Die Kenntnis der charismatischen Persönlichkeit
Benedikts und der Benediktusregel - dazu verhilft das Buch von Michaela Puzicha
- machen einsichtig, daß die monastische Lebensform auch heute noch ein
"gerader Weg" ist, auf dem der Mensch zu "seinem Schöpfer
gelangen" kann - und das nicht nur im Kloster. Sr.
Charis Doepgen, Kellenried |