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Markus
W. Hämmerle: Den Weg heute gehen. 150 Jahre Zisterzienser in der Mehrerau Es
war eine kleine Gruppe von Mönchen aus dem Kloster Wettingen im Kanton Aargau
in der Schweiz, die es wagte, in der ehemaligen Benediktinerabtei Mehrerau in
Bregenz Zuflucht zu suchen. Allerdings mußten sie nicht ganz von vorne
anfangen, denn sie betraten uralten monastischen Boden. Das im Bregenzer Wald
gegründete und um 1098 in die "Auen" am Bodensee verlegte und mit Mönchen
aus dem Benediktinerkloster Petershausen in Konstanz besiedelte Kloster sollte
eine wichtige Rolle für die Gegend spielen. Das "Kloster Bregenz, die Au
am See, das Kloster in der Au, wie die Mehrerau bis ins 17. Jahrhundert genannt
wurde, machte das Land fruchtbar, kultivierte, rodete, baute Kirchen und gründete
Siedlungen". (S. 21). In der Reformationszeit durfte es sogar dem
vertriebenen Abt von St. Gallen und etlichen Mönchen Zuflucht bieten. Im 17.
und 18. Jahrhundert wurde "St. Peter in der Au" auch berühmt durch
eine Reihe hervorragender Künstler und Wissenschaftler. Knapp vor der Mitte des
18. Jahrhunderts begann man mit dem Bau einer neuen Klosterkirche und den
dazugehörigen repräsentativen Klosterbauten. Diese Pracht sollte aber nur noch
ein paar Jahrzehnte erhalten bleiben. 1806 erging das königliche bayerische
Aufhebungsedikt. Der Kirchturm wurde von den bayerischen Besatzern gesprengt,
die Kirche abgetragen. Es wurde alles verkauft, was geeignet erschien und die
verbleibenden Gebäude wurden anderen Zweckbestimmungen zugeführt. Das
klösterliche Leben im Kloster Wettingen im Kanton Aargau fand ein Ende, als der
Kanton seine desolaten Finanzen sanieren mußte. Da entdeckte man die Klöster.
So wurden verschiedene Klöster im Kanton Aargau aufgehoben, gingen unter oder
fanden - wie das Kloster Muri im südtirolerischen Gries - eine neue Heimat.
1841 traf nun Wettingen dieses Schicksal. Dem Vorbild Muris folgend sah man sich
nach einem neuen Ort um. Nachdem auch noch andere Interessenten für das
ehemalige Benediktinerkloster Mehrerau vorhanden waren (so die Schwestern von
Sacré Coeur) kam es am 21. März 1854 zur Unterzeichung des Kaufvertrags. Nach
13 Jahren der "Diaspora" konnten die Zisterzienser im Juni 1854 in die
Mehrerau ziehen und wurden von der Bevölkerung begeistert empfangen. Ihnen
fehlte nur etwas Zentrales: die Klosterkirche. Der Bau wurde aber sofort ins
Auge gefaßt, ebenso die baldmöglichste Eröffnung einer Schule. An
diesem Punkt fängt nun die Geschichte des Klosters der Zisterzienser von
Wettingen-Mehrerau, wie sich das Kloster offiziell nennt, an. Diesen vergangenen
150 Jahren wird in verschiedenen Beiträgen von verschiedenen Autoren innerhalb
und außerhalb des Klosters Rechnung getragen. Es ist eine spannende Geschichte
mit Hochs und Tiefs, mit Krisen und Erfolgen, mit Freud und Leid, mit Zweifeln
und Vertrauen. Dazu gehören finanzielle Probleme und Engpässe, aber auch
personelle Schwierigkeiten (Nachwuchssorgen), persönliche Probleme und Schwächen,
drohende Gefahren von innen und außen. (So drohte der Gemeinschaft über längere
Zeit hinaus eine Autobahn, die ganz nahe vorbeiführen sollte.) Da ist aber auch
der je persönliche Lebens-Einsatz so vieler Mitbrüder, aber auch die Hilfe und
der Beistand vieler Menschen, und nicht zuletzt die Vorsehung und der Segen
Gottes. Nichts davon wird verschwiegen. Ein
Beitrag ist der Zisterzienserkongregation von Mehrerau gewidmet, die eine von 13
Kongregationen des Ordens ist, und die sich als Nachfolgerin der ehemaligen
Oberdeutschen und Schweizer Kongregation versteht, und zu der heute weltweit 9 Männer-
und 13 Frauenklöster gehören. Mehrere
Beiträge, die übrigens alle wohltuend kurz gefaßt sind, setzen sich mit der
Mehrerau heute auseinander. Äußerst beeindruckend ist die persönliche
Betrachtung des jetzigen Abtes Dr. Kassian Lauterer, der offen und ohne Beschönigung
den Blick in die Vergangenheit, in die Gegenwart und in die Zukunft richtet. Dem
Gotteslob und der Musik, sowie den Orgeln sind zwei Artikel gewidmet. Mit dem
Bereich der Seelsorge befassen sich die folgen Beiträge, die sich mit der
Jugendseelsorge am Collegium, der Marianischen Kongregation, der Pastoral an der
Klosterpforte und dem Seelsorgedienst des Wallfahrtspriorates Birnau am Bodensee
auseinandersetzen. Einen überzeugenden Dienst leisten die Zisterzienser von
Wettingen-Mehrerau an den jungen Menschen an der Klosterschule, dem Collegium
Sti. Bernardi, den sie zeitgemäß, aber doch verwurzelt in der christlichen
Tradition klösterlicher Schulen gestalten. Im Sanatorium "Maria, Heil der
Kranken", wird bewußt ein Gegenpol gesetzt zu der Anonymität in modernen
Krankenhäusern. Es wird aber nicht verschwiegen, daß dieses Sanatorium immer
wieder auch ein Sorgenkind war. Ein
Kloster ist immer auch ein Wirtschaftsfaktor und muß versuchen, im knallharten
"Geschäft" mitzuhalten. Dazu werden in einem Beitrag Gedanken
gemacht, was ein Kloster in dieser Beziehung in Verantwortung gegenüber der Schöpfung
tun kann und bereits tut. Grund und Boden haben und dazu Sorge zu tragen, Land
zu erwerben und Land zu veräußern, ist eine alte klösterliche Tradition, die
in der Mehrerau bewußt gepflegt und wahrgenommen wird. So zeigt der Blick vom
Pfänder, dem Hausberg von Bregenz, daß die Mehrerau die größte geschlossene
und weitgehend unbebaute Fläche der Landeshauptstadt Bregenz ist, die in ein
noch weitgehend unberührtes natürliches Augebiet übergeht. All
diese Werte werden uns in diesem Buch nahegebracht, kurz und prägnant,
interessant und sympathisch. Nach dem Lesen dieser Beiträge bleibt der Wunsch:
Möge die Geschichte der Mehrerau, die in den vergangenen 150 Jahren so
abwechslungsreich und spannend war, auch in Zukunft - trotz aller Sorgen und
Fragen - eine gesegnete Geschichte sein. P.
Armin Russi, Mariastein |