Meterikon. Die Weisheit der Wüstenmütter, hg. und übersetzt von Martirij und Andreas-Abraham Thiermeyer, Sankt Ulrich Verlag Augsburg 2004. 

Auch wenn die Frauen aus den Apophthegmata Patrum uns bekannt sind: Amma Theodora, Amma Synkletika und Amma Sarra, so ist doch diese Sammlung, die im Meterikon erfaßt ist, etwas Neues. Das Meterikon gilt als Unikat in der frühen geistlichen Literatur. Im 12. / 13. Jahrhundert wurden die verschiedenen Sammlungen zum ersten Mal zusammengetragen.

Der Autor ist ein Mönch namens Jesaija. Er lebte im 12. / 13. Jahrhundert und schreibt: „Niemand hat bis jetzt versucht, ein solches Buch für die Frauen zu schreiben.“ Auf Bitten der Nonne Theodora, der älteren Tochter Isaaks II. Angelos, Kaiser von Konstantinopel, hat er dieses „monastische Florilegium“ zusammengestellt, ganz in der literarischen Art, wie sie vom 11. bis 13. Jahrhundert üblich war. Dieses Florilegium ist eine ausgewählte Zusammenstellung aus den Apophthegmata Patrum, aus anonymen Spruchsammlungen, aus koptischen und syrischen Sammlungen, so wie aus verschiedenen Viten. Es ist den Übersetzern und Herausgebern sehr zu danken, daß sie uns diese Sammlung zugänglich gemacht haben. Sie gewährt uns einen Einblick in die frühe Form der anachoretischen Lebensweise von Frauen.

Schon die erste Unterweisung des Mönches Jesaija an die hochverehrte Nonne Theodora läßt uns etwas von der inneren Dynamik erfahren, mit der Theodora sich an diesen geistlichen Vater wendet. Er nennt ihren Brief „voll der Leidenschaft für Gott“. Das Suchen der Nonne Theodora verlangt nach einer inneren und äußeren Form, in der sie ihr Leben gestalten kann. Und Jesaija kommt dieser Bitte nach, bis in alle Einzelheiten.

Im zweiten Teil fügt er die Aussprüche der heiligen Asketinnen hinzu und leitet sie durch einen Prolog ein, in dem er diese Sammlung mit einer Blumenwiese des Paradieses vergleicht. Hier finden wir die Aussprüche von Amma Theodora, Amma Sarra, Amma Synkletika, aber auch der hl. Melania und anderer Asketinnen. Diese Sprüche sind immer wieder erweitert durch Unterweisungen des Abba Jesaija und anderer Traditionen.

In einem dritten Teil werden noch einmal Unterweisungen des Mönches Jesaija an die Nonne Theodora angefügt.

Alles in allem: Es ist hier eine Quelle erschlossen worden, die bezeugt, daß Frauen von Anfang an in der asketischen Bewegung gelebt und diese Bewegung mitgestaltet haben. Von dieser Quelle geht eine Kraft und Ermutigung aus, die auch für unsere Lebensgestaltung eine Hilfe sein kann. 

Sr. Pia Luislampe, Dinklage