|
|
Die Marientöchter, Paulina Mariadotter.
Werkzeug des Herrn
Aus dem Schwedischen übersetzt von Dr. Helga Halbwachs
208 Seiten, geb., 26 Fotos
ISBN 3-901297-12-x
Preis € 13,- (zzgl. Porto)
Bestellungen an: Salterrae Schriftenapostolat, 2041 Maria Roggendorf 34, Österreich
1997 wurde im Heliga Hjärtas Kloster der
schwedischen Marientöcheter (Mariadöttrarna) die Kirchweihe gefeiert und damit
der äußere Aufbau des neuen Klosters zum Abschluß gebracht. Neun Jahre zuvor
war diese Gemeinschaft zur katholischen Kirche konvertiert. Sie war aus der
lutherischen Marienschwesternschaft erwachsen, die in Schweden, Dänemark und
Finnland jeweils eine Niederlassung hatte. Die Entwicklung zur katholischen
Kirche hin war nur möglich, weil die Gründerin der Schwesternschaft, Paulina
Mariadotter (1903-1985), ein zutieftst ökumenisch geprägter Mensch war.
Wer war Paulina Mariadotter? – Gunvor Norrman, wie ihr ursprünglicher Name
war, arbeitete zunächst als landwirtschaftliche Gehilfin. Aus eigener
Initiative gründete sie ein Heim für die Wiedereingliederung straffällig
gewordener Mädchen. 1938 legte sie zusammen mit mehreren Lehrerinnen und Schülerinnen
ihren Willen ausdrücklich in die Hand Gottes. Es entstanden neue Heime, und
neue Schwestern kamen hinzu. Die Gemeinschaft wuchs: Von Südschweden ging es
nach Dänemark, von dort weiter nach Deutschland (Insel Sylt und Trier).
Paulina wußte sich von Gott angesprochen. Sie wollte besonders die Frauen ihrer
evangelisch-lutherischen Kirche zur Verherrlichung Gottes aufrufen. Es war die
Zeit nach dem 2. Weltkrieg, in der viele Menschen orientierungslos waren. Auf
ihrem geistlichen Weg war sie ganz gefordert. So überrascht es nicht, wenn von
schweren Krankheiten berichtet wird. In aller Dunkelheit gibt es manchmal Licht.
1949 schrieb sie von einer lichtvollen Christusbegegnung, in der sie von ihm
selbst mit seiner Mutter Maria verbunden wurde. Von nun an nannte sie sich
Paulina Mariadotter und war überzeugt, daß sie eine Botschafterin Marias in
ihrer schwedischen Kirche sein sollte.
Seit 1964 waren die lutherischen Marientöchter in Vadstena. Schwestern aus
Trier und Kollund hatten sich dort zu gemeinsamem Leben zusammengefunden, unter
ihnen Paulina Mariadotter. Sie leitete die Schwestern an, die Schätze der
Eucharistie, des Bußsakraments und der Marienverehrung neu zu entdecken, in
einer Zeit, in der dies in der schwedischen Kirche Unverständnis und Befremden
hervorrufen mußte.
Der entscheidende Impuls zur Konversion der Schwestern des heutigen Heliga Hjärtas
Klosters war die intensive Beschäftigung mit der Regel Benedikts. 1976 legte
Sr. Birgitta, die heutige Priorin des Heliga Hjärtas Klosters, der übrigen
Schwesterngemeinschaft ihre Überlegungen zum Anschluß an die lebendige
Klostertradition der katholischen Kirche vor. Für Paulina war diese für alle
Schwestern auch schmerzliche Entwicklung keine Trennung, sondern in gewisser
Weise eine Vollendung ihres Lebenswerkes. Gemeinsam erlebte die Gemeinschaft der
Marientöchter die offizielle Anerkennung der Rechtmäßigkeit kommunitären
Lebens durch die schwedisch-lutherische Bischofsversammlung. 1988 wurde die
Gruppe um Sr. Birgitta in die katholische Kirche aufgenommen.
Für benediktinische Gemeinschaften wird es interessant sein, den Weg der
Mitschwestern in Vadstena von seinen evangelischen Anfängen her mitzuverfolgen.
Mit dem vorliegenden Buch gibt die erste Generation einer noch jungen Kommunität
ein Selbstzeugnis ihrer bewegten und bewegenden Geschichte. Von daher kann ein
eher „charismatischer“ Umgang mit dem großzügig zitierten Quellenmaterial
verständlich sein, der für Leserin und Leser die Verfolgung der vielen Orts-
und Personennamen manchmal erschwert. Die Ereignisse werden ohne tiefer
greifende Reflexion aneinandergereiht, so daß eine klare Entwicklungslinie
nicht ganz leicht zu erkennen ist. Eine exakte Zeittafel könnte hier Abhilfe
schaffen.
Der Weg der Marientöchter geht weiter – in
der evangelischen und in der katholischen Kirche. Die im deutschen Sprachraum
wohl erste ausführliche Veröffentlichung zu ihrer Geschichte könnte ein Anstoß
zu weiterer, präziserer Aufarbeitung der vorhandenen Zeitzeugnisse sein.
Sr. Luitgard Große, Alexanderdorf
|