Nr. 130 - Dokumentation

Foundation Benedict 
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ne erste Übersicht
 

Am 18. März 2007 wurde in Luzern die Foundation Benedict nach Absprache mit dem Abtprimas Dr. Notker Wolf und seinem Rat gegründet.  

Gründung, Sitz und Aufsicht

Die Foundation Benedict ist eine gemeinnützige Stiftung nach Schweizerischem Recht. Sie hat ihren Sitz in der Schweiz (Im Hof, St. Leodegarstrasse 6, 6006 Luzern) und steht unter Kontrolle der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht in Bern.

Als Revisionsstelle waltet die BDO Visura in Luzern. 

Zweckbestimmung und hauptsächliche Destinatäre[1]

Der Zweck der Stiftung ist die Förderung gemeinnütziger Tätigkeiten in den Bereichen Wissenschaft, Forschung, Bildung, Kultur und Denkmalpflege, sowie die Unterstützung von humanitären und sozialen – insbesondere auch ökologischen – Bestrebungen.  

Besonders fördert die Stiftung gemeinnützige Tätigkeiten und Projekte jener Menschen und Organisationen, welche sich an der Regula Benedicti orientieren. Dazu gehören Gemeinschaften und Klöster verschiedenster christlicher Bekenntnisse (anglikanische, reformierte,…) sowie rund 1 100 katholische Benediktinerklöster in allen Erdteilen mit rund 25 000 Männern und Frauen; allein diese Häuser unterrichten über 150 000 Studentinnen und Studenten, betreiben zahlreiche Jugendbildungsstätten, Alters- und Pflegeheime, Spitäler und andere Soziale Einrichtungen auf der ganzen Welt. 

Speziell fördert die Foundation Benedict die gemeinsamen Aufgaben der Destinatäre, also die  Hochschule der Confoederatio Benedictina, Sant’Anselmo in Rom, Programme zur Aus- und  Weiterbildung der Ausbildner und Führungskräfte, sowie den interreligiösen Austausch und qualifizierten Dialog der Benediktinerinnen und Benediktiner mit den andern Religionen. (DIM – dialogue intermonastique). 

Es ist nicht Aufgabe der Stiftung, eigentliche Kultuszwecke zu fördern. Diese Verantwortung tragen die jeweiligen Gemeinschaften selbständig. 

Steuerliche Behandlung

Die Foundation Benedict ist für Einkommen und Vermögen von den Steuern befreit; Zuwendungen und Spenden zu Gunsten der Foundation Benedict können in der Schweiz je nach geltendem kantonalem Recht im Rahmen von normalerweise 20% des steuerbaren Einkommens abgesetzt werden.  

Organisation

Der Stiftungsrat ist das oberste verantwortliche Organ der Foundation Benedict; er besteht aus 9 Personen und wird präsidiert von a. Regierungsrat Dr. Hugo Waser, Stansstad.

Nebst dem jeweiligen Abtprimas der Benediktiner und seinem Vicarius hat auch der Rettore Magnifico der Benediktinerhochschule Sant’Anselmo ex officio Einsitz im Stiftungsrat. Die restlichen 6 Mitglieder des Stiftungsrates kommen aus unterschiedlichsten Berufen und wohnen in verschiedenen Ländern Europas; sie sind auch konfessionell gemischt. Bis anhin ist erst eine Frau im Stiftungsrat vertreten. Die heterogene Zusammensetzung des Stiftungsrates sorgt für möglichst breite Abstützung und hohe Kreativität dieses Gremiums – sie ist auch ein Beleg dafür, daß Anträge kompetent und transparent beurteilt werden sollen.

Der Stiftungsratsausschuß ist zusammen mit dem Geschäftsführer lic. phil. Beat Nägeli, Sarnen, für die operativen Geschäfte verantwortlich.

Der Delegierte des Stiftungsrates, P. Markus Muff, vertritt die Stiftung bei Dritten und betreut die strategische und operative Tätigkeit der Stiftung im Auftrag des Stiftungsrates. 

Strategische Ausrichtung

Sie Stiftung hat eine vierfache strategische Ausrichtung.  

Sie dient als Informationsplattform für die Anliegen des Benedikt von Nursia und der diesem Gedankengut verpflichteten Menschen und Organisationen, vor allem der Benediktinerklöster und ihrer gemeinsamen Aufgaben. 

Die Foundation Benedict baut eine effiziente Organisation auf, welche Mittel beschafft und verwaltet um das Stiftungskapital zu äufnen und den umfassenden Stiftungszweck immer besser zu erfüllen. Nebst der Mittelbeschaffung ist die Vermittlung von Dienstleistungen und Expertenwissen ein weiteres langfristiges Engagement. 

Die Förderung von Wissenschaft, Forschung, Bildung und Studium ist ebenfalls ein zentrales Anliegen. Die Gewährung von Studienbursen an minderbemittelte Studierende (Männer und Frauen der ganzen Welt, unabhängig von ethnischer Herkunft, Religion und politischer Zugehörigkeit), die Errichtung und Finanzierung von Lehrstühlen (chair-endowment), sowie Beiträge an bestehende oder neu aufzubauende Studienprogramme sind eine wichtige Aufgabe der Stiftung. 

Die Jahrtausende alte Tradition benediktinischer Lehre und klösterlicher Lebensformen hat – nicht nur in Europa – einen enormen Reichtum an Architektur, Kunstwerken, Handschriften, Musikalien und andern kulturellen Zeugnissen geschaffen. Der professionelle Unterhalt, die Pflege, Sanierung und Restaurierung dieser Werke sind der Foundation Benedict ein großes Anliegen; die Weiterführung der Benediktinischen Kultur mit Mitteln und Ausdrucksformen  unserer Zeit soll bewußt gefördert werden. 

Um ihre strategischen Ziele zu erreichen, ist die Foundation Benedict auf die Mitarbeit und finanzielle Unterstützung vieler Menschen und Institutionen angewiesen. 

Nebst dem Stiftungsrat als oberstem Organ wird ein advisory-board aufgebaut; die Mitglieder dieses Gremiums machen sich mit dem Gedankengut von Benedikt von Nursia vertraut. Sie unterstützen die Ziele der Stiftung in einem oder in mehreren strategischen Feldern durch persönliche Dienstleistungen oder durch Finanzierungen und / oder regelmäßige Spenden. Sie setzen ihre Beziehungen ein, damit die Stiftung ihren Zweck langfristig und nachhaltig erfüllen kann.

Ein dem breiten Publikum geöffneter Kreis ist der Verein „Freunde Benedikts“. Dieser Verein soll das Gedankengut des Benedikt von Nursia kenntnisreich und friedlich verbreiten. Zentrale Grundsätze der benediktinischen Regel könnten so vermehrt zur Basis einer christlichen Lebensführung werden. Damit ist ein ökumenisches Anliegen verbunden; Benedikt geht es im 6. Jahrhundert noch nicht um konfessionelle Differenzierung sondern um ein „Leben des Menschen im Angesicht Gottes“.
Die „Freunde Benedikts“ tragen mit einem Jahresbeitrag die Aufgaben der Stiftung auch materiell mit. 

Positionierung und Arbeitsweise

Foundation Benedict – Verbreiterung bestehender Solidarität 

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Solidarität unter den Katholischen Benediktinerklöstern gewachsen. So finanzieren vermögende Gemeinschaften oftmals Anliegen von Häusern aus Schwellenländern; auch übernehmen Klöster Europas und Nordamerikas häufig zusätzliche kostspielige Aufgaben zum Wohl aller. Doch  diese Hilfen kommen an Grenzen – nicht zuletzt wegen mangelndem Nachwuchs in den westlichen Ländern. 

Spezielle Einrichtungen zur Förderung dieser Solidarität sind bereits geschaffen worden. So fördert z.B. die AIM (Aide Inter-Monastères) von Paris aus die menschliche und materielle Solidarität innerhalb der katholischen Klöster; der „Fondo Accademico“ (Schweiz) finanziert die akademische Ausbildung in Rom mit. Die „Saint Benedict Educational Foundationt“ in Amerika stellt vor allem Mittel für die Hochschule in Rom zur Verfügung. Über Subsidien und Solidaritäts-zahlungen beteiligen sich die Klöster an den gemeinsamen Aufgaben. Alle diese Einrichtungen sind vorwiegend innerbenediktinische Werke, welche die zwischenklösterliche Solidarität fördern. 

Neu an der Arbeitsweise der Foundation Benedict ist, daß sie vermehrt Dritten und Außenstehenden eine Plattform für Hilfe und Unterstützung der „benedictina“ bietet; sie versteht sich als subsidiär tätige Stiftung, welche die bereits funktionierende innerbenediktinische Solidarität stärkt und verbreitert.

Die Verbreiterung der Solidaritätsbasis wird notwendig, weil gemeinnützige Werke der Benediktinerinnen und Benediktiner oft nur weitergeführt werden können, wenn zusätzliche Finanzen von Dritten in diese Arbeit mit einfließen.

Die Benediktiner sind von ihrer Regel her gehalten, ihren Lebensunterhalt durch ihre eigene Arbeit zu finanzieren.
Die Foundation Benedict wird also nicht die Lebenshaltungskosten der Klöster abdecken, sondern sinnvolle gemeinnützige Werke unterstützen: zum Wohl von Hunderttausenden von Menschen auf der ganzen Welt.  

Die Foundation Benedict finanziert gemeinnützige Werke im Sinne des Stiftungszweckes, wenn diese von den Gesuchstellern selbst geplant, durchgeführt und dokumentiert werden. Die Stiftung prüft eingehende Gesuche hinsichtlich Notwendigkeit und Kompatibilität mit dem Gedankengut des Benedikt von Nursia. Sie kann Gesuche mit eigenen Mitteln unterstützen oder diese mit einer Empfehlung an Dritte weiterleiten.
In Einzelfällen kann die Stiftung eigene Projekte realisieren.
 

Prinzip der Subsidiarität

Die Subsidiarität ist in jedem Fall wichtig und unterstützt den Gedanken der Autonomie der einzelnen Gemeinschaften und Klöster.

Die Katholischen Benediktiner sind organisiert in 20 Kongregationen; auch die Katholischen Benediktinerinnen haben sich vor einigen Jahren in der Vereinigung CIB (Communio Internationalis Bene-dictinarum) zusammengeschlossen. Gemeinsam vertritt die Confoederatio Benedictina diese Menschen und Häuser; sie wird repräsentiert durch den Abtprimas.  

Die Einzelinitiative und Selbständigkeit bestehender Klöster oder Organisationen soll durch die Arbeit der Foundation Benedict nicht konkurrenziert werden. Viel eher fördert die Foundation Benedict gemeinsame Projekte und Anliegen aller Klöster und verstärkt damit die bereits mehrfach bestehende Solidarität unter den Gemeinschaften; sie kompensiert z.B. ausfallende oder reduzierte Solidaritätsbeiträge armer Klöster an bestehende gemeinsame Verpflichtungen und Aufgaben. 

Erste Projekte der Foundation

Im Vordergrund stehen zur Zeit vier wichtige Projekte.  

Die Organisation der Foundation und die Vernetzung mit verschiedenen Institutionen und Partnern muß vorangetrieben werden. Gezielte Öffentlichkeitsarbeit in allen Medien soll die Foundation bekanntmachen und die wichtigen Ziele gut kommunizieren. Entsprechende Materialien sind zu erarbeiten; Medienauftritte müssen organisiert werden.

Die Gesamtkosten für diese Tätigkeiten werden in einer ersten Tranche mit 400 000 Euro beziffert. 

Das denkmalpflegerisch streng geschützte Gebäude von Sant’Anselmo, Sitz des Abtprimas in Rom, ist in Teilen gefährdet. Der neuromanische Bau aus dem Jahr 1887 muß dringend einer Revision und einer Sanierung in Etappen unterzogen werden.

Im Mai 2006 stürzte ein Teil des Daches oberhalb des Haupteinganges der Badia Primaziale ein und gefährdete Passanten. Untersuchungen haben ergeben, daß weitere Teile gefährdet oder stark reparaturbedürftig sind. Etliche Stellen der Dächer sind leck, und eindringendes Wasser zerstört die unten liegende Bausubstanz.

Die Gesamtkosten für die Sanierung der Außenhaut (Dächer, Fassaden und Fenster) wird auf ca. 4,5 Mio Euro geschätzt. 

Ein Stiftungskapital soll aufgebaut werden für die Schaffung eines Chair Georg Holzherr Regula Benedicti und Leitungsaufgaben“. Der ehemalige Abt des Benediktinerklosters Einsiedeln hat eine hervorragende, kritisch kommentierte Ausgabe der Regel des Benedikt von Nursia erarbeitet. Er verbindet wissenschaftliche Präzision mit großer  Führungserfahrung. Dieses in seiner Art einmalige Wissen soll weiteren Generationen von  Studierenden und Führenden zu Verfügung gestellt werden. Dazu ist die Schaffung eines Lehrstuhls am Monastischen Institut der Benediktinischen Hochschule vorgesehen. Die jährlichen Kosten für Löhne, Verwaltung, Lehre und Forschung betragen ca. 120 000 Euro. Sobald die Finanzierung auf zehn Jahre gesichert ist, kann mit dieser Forschungs- und Lehrtätigkeit in Zusammenarbeit mit Abt Dr. Georg Holzherr begonnen werden.

Minimales Endowment: 1,2 Mio Euro;  langfristig benötigtes Kapital um den Lehrstuhl aus den Zinsen bezahlen zu können:  4 Mio  Euro (bei rund 3 Prozent Nettozinsen). 

Studienbursen

Viele der rund 450 Studierenden an der Hochschule der Benediktiner sind selbst nicht Benediktiner. Nur etwa 20 Prozent der Studierenden gehören dem „Orden“ an. Für manche Studierende aus Schwellenländern sind Studienkosten in Europa fast nicht finanzierbar, auch wenn die Kosten an Sant’Anselmo – im Vergleich zu andern Europäischen Hochschulen – sehr günstig ausfallen.

Das von der Hochschule Sant’Anselmo angebotene Studienprogramm ist vor allem für Studierende geeignet, welche eine Spezialausbildung (nach dem Diplom) in denjenigen Disziplinen suchen, die exklusiv angeboten werden. Dazu gehören Liturgie, Monastische Studien und Geschichte der Theologie.

Studienbursen für ein Jahr decken die anfallenden echten Gesamtkosten für Studium und Lebenshaltung ab. Sie betragen 17 000 Euro. Pro Jahr braucht es rund 20 Studienbursen. 

Diese vier Projekte werden in den nächsten Monaten und Jahren für die Stiftung eine wichtige Aufgabe sein. Dazu kommen manche andere, auch kleinere Vorhaben.
Für jedes Projekt sind eigene Dokumentationen zu erarbeiten. 

P. Markus Muff, Engelberg (Schweiz) / Rom
Director Development for Europe

Office Rome


[1] Personen, die Leistungen der Stiftung empfangen können.