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IN WEISHEIT
LEITEN Communio Internationalis Benedictinarum Einführung Es ist eine Ehre für mich, zu Ihnen über ein Thema sprechen zu dürfen,
das unserem Herzen so nahe geht wie der monastische Leitungsdienst. Ich hatte das Privileg meiner Gemeinschaft fast 16 gesegnete Jahre als
Priorin zu dienen und möchte mit Ihnen teilen, was ich in diesen Jahren gelernt
habe, was mich meine Schwestern, mit denen ich diesen Weg gegangen bin, gelehrt
haben. Weil ich in gewisser Weise hier anstelle von Sr. Ruth Fox OSB stehe,
scheint es mir nur fair zu sein, Ihnen auch die Hauptpunkte ihres wunderbar
hilfreichen Buches „Wisdom Leadership“ weiterzugeben. Ruth beginnt damit,
dass sie aufzeigt, wie Jesus Christus die weibliche Weisheit Gottes verkörpert.
Sie führt das fort und sagt: „Wenn Jesus Gottes Weisheit ist, und die Priorin
die Stelle Christi innehat, dann repräsentiert die Priorin Gottes Weisheit im
Kloster“.[1]
Kapitel um Kapitel werden uns dann die praktischen Aspekte monastischer Leitung
in einer Frauengemeinschaft nahegebracht und es wird gezeigt,
was sie in einem weisen Leitungsdienst bedeuten. Ich
kann es Ihnen als Leitfaden nur weiterempfehlen. Aber weil mir die Aufgabe
gestellt wurde, meine eigenen Erfahrungen einzubringen, will ich Ihnen eben nur
empfehlen, Ruths Buch zu lesen, und in meinen eigenen Worten zu Ihnen sprechen. Mission / Vision und Tagesgeschäft Vielleicht ist es die größte Herausforderung für die Priorin eines
nichtklausurierten Klosters, die Balance zu finden zwischen der Sendung und dem,
was aufrechtzuerhalten ist. Weil unsere Nordamerikanischen Gemeinschaften älter
werden und wir an Zahl abnehmen, finden wir uns als Leitung mehr und mehr mit
der Aufrechterhaltung der Dinge des Gemeinschaftslebens befasst: Wer kann diesen
Dienst fortführen? Wer kann Sr. X zu ihrem Arzttermin bringen? Wie lange können
die älteren Schwestern den Abwasch machen? Wie viel Hüte kann eine Person
tragen? Wenn dann noch vielleicht an einem kritischen Arbeitsplatz jemand ausfällt,
kann die Belastung einer Gemeinschaft wirklich enorm sein, bis eine andere Lösung
gefunden ist. Wie sollen wir ein neues Dach finanzieren oder einen neuen Weg? Können
wir eine erfolgreiche Geldbeschaffungskampagne starten, um das nötige Kapital
zusammenzubekommen für einen neuen Anbau an der Schule? Immer weniger
Schwestern stehen in einem Lohnverhältnis und dabei wird unser Budget zunehmend
enger. Das Härteste und das, was am meisten Zeit braucht, sind die Themen, die
mit schwierigen Menschen in unseren Gemeinschaften zu tun haben – zerbrochene,
zerrüttete Menschen, die den Löwenanteil an Aufmerksamkeit seitens der Priorin
brauchen. Es ist schwer mit diesen Lasten, die jeden Tag auf uns zukommen, das
Licht einer Vision wahrzunehmen und doch müssen wir uns dafür einsetzen. Wir müssen
den Sinn für die Sendung lebendig halten, ständig arbeiten an unserer Präsenz
als Benediktinerinnen in unserem Umfeld und unserer Gesellschaft. Wir müssen
unserem Träumen bewusst näher kommen wollen, weil unsere Gemeinschaften sonst,
ohne eine Berechtigung bestehen zu bleiben, sicher untergehen. Um das Charisma lebendig zu halten, verfassen wir philosophische,
missionarische, visionäre Stellungnahmen – sie alle drücken unsere
benediktinischen Werte in Beziehung zu unserer Kultur, unserer Welt, unserer je
eigenen Zeit und unserem je eigenen Ort auf dieser Erde aus. Anders gesagt, wir
haben es gelernt, in einer guten Weise weiterzugehen, aber wir müssen sorgfältig
darauf achten, dass dies ein verinnerlichter Prozess ist und nicht bloß eine Übung,
der wir uns von Zeit zu Zeit unterziehen und deren Ergebnisse man an ein Brett
klemmt. Um den Sinn für die Sendung lebendig zu halten, und um bei unseren
Hoffnungen, Träumen, den Notwendigkeiten und allen Angelegenheiten in richtiger
Weise Prioritäten zu setzen, beschäftigen wir uns mit langfristigen Planungen,
entwickeln Strategien, legen Richtungen fest. Normalerweise geschieht das im
Kontext einer Priorinnenwahl und mit Hilfe einer von außen kommenden
Prozessbegleitung. Weil unsere Wahlen regelmäßig in vier- bis sechsjährigen
Abständen stattfinden, gibt es bei uns immer eine neue oder erneuerte Kraft in
der Leitung und einen regelmäßigen Kreislauf in den Planungen, die uns nach
vorne schauen und „gut vorankommen“ lassen. Ebenfalls haben wir regelmäßige Visitationen und Generalkapitel der Föderation.
Diese geben Richtungen vor, halten uns auf dem Weg und helfen uns, die Qualität
unserer benediktinischen Lebenserfahrung zu überprüfen. Ganz sicher muss man
die Realität der eigenen Situation in Betracht ziehen, und ermitteln wie es
jeweils um die Durchführbarkeit steht und dies auch regelmäßig überprüfen. Die
Verwaltungsanteil in der monastischen Leitung Die Stellung der Priorin ist mit mehr und mehr verwaltungsmäßiger
Verantwortung angefüllt worden. Ich erinnere mich, als ich mir einmal
Visitenkarten machen ließ, hätte ich beinahe statt „Priorin der
Gemeinschaft“ „President of the Cooperation“ angegeben! Da gibt es
Landfragen, Baufragen, Gesetzesfragen und -behauptungen mit denen man sich
befassen muss, ebenso wie die verwaltungsmäßigen Einzelheiten im Kontext der
Werke der Gemeinschaft. In meiner eigenen Gemeinschaft haben wir fünf dazugehörige Werke
und eines, das wir finanziell sponsern. Jedes von ihnen hat seinen
eigenen Laienvorstand. Ich muss persönlich mit sechs Vorständen Schritt
halten, und dabei habe ich den örtlichen Schwesternrat, diözesane
Beratungsgremien oder solche auf der Ebenen der nationalen Bischofskonferenz und
andere Organisationen, denen ich angehöre oder in die ich berufen wurde, noch
nicht mitgezählt. Eine monastische Leitungsrolle kann eine sehr intensive und zeitaufwendige
Beschäftigung sein. Dazu braucht es Wissen, das Sich-auf-dem-Laufenden-Halten,
was Entwicklungen angeht, wie auch das Wissen um die eigenen Grenzen. Die große
Herausforderung bei all dem ist, sich von all diesen verwaltungsmäßigen
Pflichten nicht überrollen und die geistliche Seite des Führens nicht ganz
davon überschatten zu lassen. Zeit für eine Schwester zu haben, kann sich für
eine betriebsame Verwalterin wie eine Unterbrechung anfühlen, statt ein
Geschenk für die monastische Leitungsperson zu sein. Aufgrund unserer äußeren Werke, der Gastfreundschaft mit der wir Gäste
willkommen heißen, und dem Angebot spiritueller Programme für Laien, stehen
wir Schwesterngemeinschaften in unseren Diözesen sehr öffentlich da. Bei der
zunehmenden Tendenz zum Konservativismus in unserer Kirche finden wir uns selbst
oft im Konflikt mit unseren Ortsbischöfen und dem Klerus. Wenn wir Glück
haben, fallen wir nicht auf, aber oft werden wir von unseren diözesanen
Offizialen ignoriert und gemieden und als eine Bedrohung der Kirche angesehen,
statt als der geistliche Schatz wertgeschätzt zu werden, der wir sind. Als
monastische Leitungsfiguren versuchen wir unablässig Verständnisbrücken zu
unserer Ortskirche zu bauen und irgendeine Art von Beziehungen zu unseren
Ortsbischöfen zu schaffen und arbeiten daran Bereiche eines gemeinsamen
Verstehens aufzubauen, während wir
in der Tat sowohl in der Theologie wie in der Praxis auseinander wachsen. Das
Miteinander mit den Laien Ein äußerst segensreicher Aspekt unserer nichtklausurierten
Gemeinschaften ist das hohe Maß von Miteinander mit und die Abhängigkeit von
den Laien. Die Herausforderung, dass wir weniger werden, hat als Segen auch das
mit sich gebracht, dass wir in unserer Fähigkeit, Laien in unsere Werke
einzubeziehen, wirklich gewachsen sind. Vier unserer sechs Werken werden von
Laien geleitet. Wir arbeiten hart
an dem, was wir „Wirksamkeit der
Sendung“ (mission effectiveness) nennen, was bedeutet, unser benediktinisches
Charisma in unseren Werken lebendig zu erhalten, selbst wenn wir nicht persönlich
darin präsent sind. Es ist eine Herausforderung, aber eine sehr aufregende. Ich
glaube, dass wir die Rolle der Laien in unserer Kirche stärken, indem wir ihnen
die benediktinsiche Spiritualität für ihre persönliche Bildung und noch
soviel mehr nahe bringen. Das kann eine wunderbare Beziehung und Partnerschaft
sein. Wir haben ein wachsendes Oblatenprogramm, das meiner Einschätzung nach
seine Quelle in verschiedenen kulturellen Phänomenen hat: – der Tatsache, dass Laien in unsere Werke einbezogen sind
und durch die mission-effectiveness-Programme von der benediktinsichen
Spiritualität lernen, – der großen Gastfreundschaft, die wir üblicherweise anbieten,
besonders in unserer Offenheit für Laien, die an unseren Gebeten und
Eucharistiefeiern teilnehmen, – der Verbreitung von Büchern, die jetzt sowohl von Oblaten wir von
benediktinschen Ordensleuten zur Regel Benedikts geschrieben werden, – der Verfügbarkeit von Informationen auf unseren Websites. Wegen unseres Miteinanders mit Laien ist die Priorin verpflichtet, sich
aktiv im Erkennen und Ausformen der Botschaft, die wir unser Laienpartnern
anvertrauen, zu engagieren. Es ist ein kritischer Bereich für ein Leiten in
Weisheit: immer im Dienst und sich
der Art bewusst zu sein, wie wir das benediktinische Charisma ausdrücken. Die geistliche Seite monastischer Leitung Im Juni 2000 wurde eine der begabtesten benediktinischen Leitungsgestalten
unserer Zeit durch einen Verkehrsunfall aus unserer Mitte gerissen – Sr. Helen
Lombard, die frühere Generalpriorin der Good Samaritan Sisters in Australien.
In der Homilie bei ihrem Begräbnis sagte Michael Casey über Helen, dass: „in
der Leitung, die sie als Obere wahrnahm, die Sorge um eine tiefere Verbundenheit
mit dem Wort Gottes von größter Wichtigkeit war. So viel von dem, was sie tat,
war ausgerichtet auf ein authentisches Wachstum in dieser inneren Jüngerschaft,
die man Weisheit nennt. Helens Vision des religiösen Lebens war ein Kreis von Jüngern
– engagierten Erwachsenen, die sich um das Wort herum versammeln ... Jedes
Mitglied der Gemeinschaft war nicht nur berufen, das Wort Gottes zu empfangen,
sondern auch das Wort Gottes anderen getreu weiterzugeben. Sie sah diese
gemeinsame Jüngerschaft als primäre Quelle der Einheit an und als eine Kraft,
die Absichten zu vollenden, um deretwillen es das religiöse Leben gibt....“[2]
Man musste mit Helen nur kurze Zeit zusammen gewesen sein, um zu wissen,
das Michael Casey’s Worte den richtigen Klang getroffen haben. Für
mich ist sie lange das Beispiel einer monastischen Führerin und eines großen
Herzens gewesen, ein Beispiel der Weisheit und der Hingabe an das Wort. Wir
benediktinsichen Frauen in nichtklausurierten Gemeinschaften werten unsere
kontemplative Tradition sehr hoch. Unsere Kontemplation fließt aus dem Gebet
und der Arbeit, aus der Liturgie und dem Wort – aus einer alles umfassenden
Achtsamkeit. Für mich bedeutet monastische Achtsamkeit, Gottes Gegenwart und
Wirken in allem wahrzunehmen, auf allen Wegen, in jeder Person, die das Leben
mir zuführt. Es ist meine Pflicht als monastische Frau vor allem andern im
Gebet und der Lectio treu zu sein, so dass ich offen sein kann für Gottes
Stimme und mit meinem ganzen Sein dieser Stimme in den Mitgliedern meiner
Gemeinschaft zuhöre. Ein weites Feld der Sorge für eine monastische Leiterin einer
nichtklausurierten Gemeinschaft ist es, die Balance von Gebet und Arbeit für
sich selbst und für die einzelnen Schwestern zu finden. Wenn eine Schwester
einen 8-Stunden-Job außerhalb hat, muss sie ihren eigenen Rhythmus von Gebet,
Mußezeiten und Gemeinschaftszeiten finden. Das ist sehr schwierig. Jedes Jahr
überdenken wir unseren Tagesplan, damit er zu den Zeitplänen der Schwestern
passt. Das Morgengebet haben wir so
früh, wie es für die Schwester, die zuerst das Haus verlässt, nötig ist. Zur
Zeit heißt das, dass der Tag der Gemeinschaft um 6 Uhr beginnt. Wir halten das
Abendgebet nach dem Abendessen, damit mehr Schwestern die Möglichkeit haben,
von der Arbeit zurück zu sein. Wir haben es gelernt, in einem Geist dankbarer
Flexibilität zu leben und ändern unseren Zeitplan an den Wochenenden, in den
Ferien, an Schneetagen, und lassen uns, wenn es geht, im Sommer etwas mehr Zeit
zum Ruhen. Eine gute Praxis, die zu entwickeln ich meine Schwestern ermutige,
ist es, einen, wie wir es nennen „Wüstentag“ oder Einkehrtag für sich
selbst zu nehmen, so dass sie etwas Alleinsein und Ruhe in ihrem betriebsamen
Leben finden können. Alles, was wir als Leiterinnen und Einzelne tun, muss unsere Sendung
widerspiegeln, dass wir unter der Führung des Evangeliums gehen und das heilige
Wort in die Welt tragen durch die Werke und die Gastfreundschaft, durch das
Zeugnis der Gemeinschaft und die Treue zum Gebet. Die Priorin als Gemeinschaftsbauerin Als Priorin trage ich dafür Sorge, dass das Leben der Gemeinschaft, Gebet
und Präsenz in der Gemeinschaft vor den apostolischen Werken Vorrang behalten
und den Lebensstil prägen. Wir müssen einen Gutteil Zeit dafür aufbringen,
die Gemeinschaft und das Netzwerk von Beziehungen in ihr aufzubauen. Ich glaube,
dass unsere Präsenz in Gemeinschaft ein Sakrament ist, basierend auf der
Bindung, die in unserer monastischen Profess zum Ausdruck kommt. In „Wisdom Leadership“, spricht Ruth Fox sehr ausführlich von der
lehrenden Rolle der Priorin, indem sie durch Wort und Beispiel Führung
wahrnimmt. Im Abschnitt „Lehren
durch Beispiel“[3]
– „Teaching by Example“, in dem sie die Wirkung des Beispiels, das die
Priorin gibt, untersucht, sagt Ruth, dass die Priorin „der Rolle des Lehrers
nicht entkommen kann, weil sie die ganze Zeit über lehrt durch ihre Art zu
leben. Die Art, in der die Priorin
ihren Schwestern antwortet ...die ihre Aufmerksamkeit suchen, offenbart ihre
Liebe, ihren Respekt, ihre Sorge um jede Schwester. Ihre frohe, konsequente
Teilnahme an der Liturgie, den Mahlzeiten, den Treffen und der Rekreation lehrt
ihre Schwestern, wie eine monastische Frau sich freut und teilnimmt am
Gemeinschaftsleben. Ihre Freundlichkeit und Geduld in schwierigen Situationen
zeigt die Güte Christi. Ihre Reaktion auf Unterbrechungen und Anfragen lehrt
die Gemeinschaft, wie sie liebevoll aufeinander reagieren sollten. Jedes kleine
Wort, jede winzige Tat ist wie ein kleines bisschen Hefe im ganzen Mehl der
Gemeinschaft.“[4]
Ich interpretiere Ruths Worte in dem Sinn, dass der Glaube der Priorin
den Glauben der Gemeinschaft nährt. In der Praxis hält die Priorin die Mitglieder bei allen nötigen
Zusammenkünften der Gemeinschaft zu einer engagierten Präsenz an – physisch,
geistig und gefühlsmäßig. Eine der Fragen, die im Zugehen auf dieses Symposium gestellt wurden, war
die nach der Kommunikation zwischen Priorin, Seniorat und
Kapitel. Die Priorin muss für die Einzelnen verfügbar sein, dass sie
Zugang zu ihr haben (das ist leichter gesagt in einer Gemeinschaft von 35 als in
einer von mehreren hundert Schwestern). Senioratstreffen stehen regelmäßig auf
dem Plan, in der in unserer Gemeinschaft üblichen Praxis ist das monatlich.
Kapitelsversammlungen werden mindestens einmal jährlich und oft noch häufiger
gehalten. Viele unserer Gemeinschaften haben regelmäßige Zusammenkünfte oder
thematische Gemeinschaftstage zur Bereicherung und als Diskussionsforum der
Gemeinschaft. Wo immer Treffen stattfinden, ist es die Rolle der monastischen
Leitung, die Weisheit aller Mitglieder zu wecken. Vielleicht ist das Klima, das
die Priorin für den Austausch von Gedanken und Meinungen schafft, der
wichtigste Faktor bei der Ermutigung der Mitglieder. Eine weitere wichtige Aufgabe der Priorin ist es,
Führungsqualitäten in der Gemeinschaft zu entwickeln. Ich will dazu
nicht viel sagen, Ihnen nur einen Gedanken anbieten – „monastischer
Instinkt“. Zum ersten Mal habe ich diesen Begriff von Sr. Karen Joseph von den
Benediktinerinnen von der Ewigen Anbetung gehört. Die Entwicklung von Führungsqualitäten
in den Mitliedern der Gemeinschaft bringt mich zu Kapitel 21 der RB über „Die
Dekane des Klosters“. Benedikt verwendet als Kriterium für die Dekane, die
natürlichen Führungsgestalten in der Gemeinschaft, ein gutes, vorbildliches
Leben. Einige würden das ‚den monastischen Instinkt’ nennen. Andere mögen
um sie wissen, als Personen, die mit dem Heiligen Geist kooperieren – weise
Gestalten im Kloster. Mögen sie alt sein oder jung, wir erkennen sie an der
Wahl, die sie jeden Tag treffen, an diesem Instinkt, der sie so deutlich leitet.
Diesen Menschen vertrauen wir verantwortliche Positionen an. Es ist an der Priorin, die Gemeinschaft immer wieder daran zu erinnern,
dass die Treue einer jeden jeder anderen Schwester Mut macht auf dem
monastischen Weg. Wir gehen da gemeinsam. Beziehungen
pflegen Wenn Sie mich fragen würden, was eine Schwester meiner Meinung nach sich
mehr als alles sonst wünscht, würde ich sagen, dass eine jede meiner
Schwestern das Verlangen danach hat, respektiert, geschätzt und gehört zu
werden. Sie wollen darum wissen, dass ihre Meinungen zählen, dass ihre Person
respektiert ist in all ihren Begabungen, dass sie gute Frauen sind, die ihr
Leben in der ihnen bestmöglichen Weise leben, und über all das hinaus, dass
sie von Herzen das Beste für die Gemeinschaft im Sinn haben. Ich bin überzeugt,
dass das für alle Mitglieder meiner Gemeinschaft stimmt.
Es liegt an mir, in allem herauszuhören, wo die Gemeinschaft steht,
welche Weisungen sie wirklich suchen, sie
zu motivieren, sie zu ermutigen, ihre Gaben und das Beste ihrer selbst
hervorzubringen. Die Pflege von Beziehungen erfordert eine ständige Ermutigung der
Gemeinschaft, ihr Leben in einer Haltung von Versöhnung und Vergebung zu leben.
Um ein Wort aus Jesaja zu gebrauchen, ich muss ein „Maurer der die Risse
ausbessert“ (Jes 58,12) sein und die Schwestern aufrütteln, einander
Vergebung und Versöhnung anzubieten. Ich tue das aus meiner eigenen Verwundung
und Verwundbarkeit heraus. Unsere Subpriorin, Sr. Glenna, sagte in einem Gespräch
zur Gemeinschaft: „Wenn ich mich gerade zornig fühle, neidisch, verwirrt,
selbstgerecht oder mich fürchte – und dann immer noch reagiere aus meiner
eigenen Wahrheit heraus und mit Respekt – dann bin ich ein Maurer der Risse
ausbessert. Was für ein Unterschied, wenn einer mit Respekt und Demut handelt!
Was für eine Last ist gehoben, wenn ich meine eigenen Grenzen und meine eigenen
Risse anerkenne.“[5] Ich glaube, dass ein paar
Risse im Gefüge der Gemeinschaft, kleine Brechungen in persönlichen
Beziehungen, wenn man sie unausgebessert lässt, sich möglicherweise ausweiten,
bis die ganze Substanz morsch ist und auseinander fällt. Ich bin überzeugt,
keine äußere Kraft ist imstande, eine Gemeinschaft zu zerreißen – nur von
innen kann eine Gemeinschaft zerfallen. Wie wichtig ist es dann, um das Gefüge
des Gemeinschaftslebens zu stärken, für die monastische Leitung, alle Quellen
der Weisheit wachzurufen, den uns innewohnenden Geist zu erwecken, die Gnade
ihres Amtes wachzuhalten, ihr eigenes Beispiel anzubieten. Meine Erfahrung lehrt mich, dass das größte Geschenk ist, das wir als
monastische Leiterinnen unseren Gemeinschaften geben können, darin besteht, aus
der Vorgabe zu handeln: Die Mitglieder lieben ihre Priorin und lieben einander.
Wenn wir diesen Kreis des Liebens stärken können, so dass die Gemeinschaft
sich selbst in diesem Bild wiederfindet, dann werden sie an ihre Fähigkeit zu
lieben glauben und aus diesem Glauben heraus handeln. Ich persönlich versuche
es so, indem ich immer die Beziehungen zu meinen Schwestern pflege. Ich habe mir
die Namensliste der Mitglieder meiner Gemeinschaft eingeprägt, und jeden Tag
– als ein Teil meiner Lectio – überschaue ich diese Liste und frage mich
selbst, was ich denke, was jede Person macht, und ob meine Beziehung zu ihr
Fortschritte macht. Wem müsste ich mehr Aufmerksamkeit geben? Die lieben (und manchmal gar nicht so lieben) Gesichter
meiner Schwestern sind mir immer vor Augen. Zum
Abschluß Zum Abschluss möchte ich vorschlagen, dass wir uns daran erinnern, dass
wir Menschen sind und der Geist der Weisheit nur durch uns wirken kann, wenn wir
unsere eigenen Gebrechlichkeit anerkennen. So sehr wir auch alles in unserer
Gemeinschaft richtig ordnen wollen, müssen wir doch wissen, wie sehr das ein
unmögliches Unterfangen ist, und wir sollten uns in unserer Amtszeit nicht
darauf konzentrieren. Die Weisheit hat uns zur Leitung in genau dieser Zeit
gerufen, weil die Gemeinschaft die Gaben braucht, die wir in dieses Amt
einbringen, braucht. Wir tun, was wir tun können mit der Energie, dem Glauben,
der Hoffnung, den Rat und der Vision, die uns gegeben ist. Während der ganzen
Zeit die wir im Amt sind, versuchen wir soweit wir nur können, die besten
Menschen zu sein als einfache Benediktinerinnen, denen es geschehen ist, Äbtissin
oder Priorin zu werden, und die auch ihre ganz eigenen Nöte, Schwachheiten,
geistlichen Sehnsüchte und die persönliche Gottsuche pflegen. Möge der Geist von Scholastika und Benedikt uns beseelen, möge der Geist
der Weisheit uns führen, mögen die Mitglieder unserer eigenen Gemeinschaften
uns Mut machen und uns eine Inspiration sein. Übersetzung: Priorin Johanna Domek, Köln-Raderberg [1]
Ruth Fox OSB, Wisdom Leadership: Reflexions on the Ministry of Monastic
Leaders. 2003 Sacred Heart Monastery, Richardton, ND, S. 25. [2] Michael Casey OCSO, Homilie in der St. Mary’s Cathedral, Sydney, Australien, beim Begräbnis von Sr. Helen Lombard SGS im Juni 2000. [3] Ruth Fox, Wisdom Leadership. Kapitel 2, “Wisdom Teacher”, S. 28-29. [4] Ebenda S. 29. [5] Gelnna Smith OSB, in einem Gespräch im St. Benedict’s Monastery, Bristow, Virginia, Juni 2006. |