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Wende im Selbstverständnis der Missionsbenediktiner Die
Missionsbenediktiner von St. Ottilien werden ihre Aktivitäten in Europa
intensivieren. Zu diesem Ergebnis kamen die Teilnehmer (sechs Äbte und rund 40
Mitbrüder aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Spanien) in einer
kongregationsinternen Tagung vom 28. bis 30. Oktober in Würzburg. Erzabt
Jeremias Schröder sieht in diesem Entschluß eine „echte Wende“ im
Selbstverständnis der Missionsbenediktiner. Die „Monastischen
Informationen“ fragten ihn nach Motiven und Perspektiven für den
eingeschlagenen Weg. Die Fragen stellte
Sr. Philippa Rath (Eibingen). Das Interview wurde geführt von Thomas Gampl
(Pressestelle der Missionsbenediktiner). Herr Erzabt, die
Missionsbenediktiner von St. Ottilien haben angekündigt, künftig ihre Aktivitäten
in Europa zu intensivieren – was steckt hinter dieser Initiative? Erzabt Jeremias Schröder: Bisher
war unsere Kongregation stark auf Afrika und Asien ausgerichtet. Aber vor dem
Hintergrund einer veränderten Situation in Deutschland mit Priestermangel,
verwaisten Pfarreien und wegbrechenden kirchlichen Strukturen scheint eine
Neubesinnung sinnvoll. Wir sind seit langem in unserer europäischen Heimat tätig.
Aber in Würzburg hat sich unsere Kongregation erstmals darüber Gedanken
gemacht, wo wir unsere Ressourcen in Europa gemeinsam sinnvoller einsetzen können. Hat Papst Benedikt
mit seiner Namenswahl, die ja durchaus Programm ist, Sie zu diesem Entschluß
beflügelt? Erzabt Jeremias Schröder:
Nein. Wir haben uns zwar sehr über die Namenswahl Benedikts XVI. gefreut,
aber die Initiative zu unserer Tagung in Würzburg reicht zeitlich
weiter zurück. Ihre Kongregation trägt
den Namen „Missionsbenediktiner“ – was bedeutet diese Wende für Ihr
eigenes Selbstverständnis und für die Geschichte Ihrer Kongregation? Erzabt Jeremias Schröder:
Das ist eine Neubesinnung, aber keine "dramatische" Wende. Wir
werden weiterhin Missionsbenediktiner bleiben. Allerdings nehmen wir bei unseren
Aktivitäten jetzt auch Europa und Deutschland bewußter in den Blick. Im Grunde
versuchen wir den Slogan „Deutschland – Missionsland“ ernst zu nehmen. Wie würden Sie vor
diesem Hintergrund den Begriff „Mission“ heute definieren? Erzabt Jeremias Schröder:
Mission bedeutet Zuwendung der Kirche zur nichtchristlichen Welt. Was sagen Ihre jungen
Klöster und Gemeinschaften in Afrika, Asien und Lateinamerika zu Ihren europäischen
Ambitionen? Erzabt Jeremias Schröder:
Die afrikanischen Mitbrüder, die bei der Tagung in Würzburg dabei waren,
haben mir hinterher gesagt, daß die Ergebnisse sie stark motiviert hätten, ihr
eigenes Selbstverständnis zu überdenken. Ihnen sei bewußt geworden, daß
Mission keine Einbahnstraße ist. Es besteht nicht nur aus dem Aufnehmen fremder
Missionare; auch die einheimisch gewordenen afrikanischen Klöster haben einen
missionarischen Auftrag in ihrem jeweiligen Umfeld. Zugleich sollen sie dazu
beitragen, daß ihre Ortskirche selber wieder eine missionarische Kirche wird,
die über die eigenen Grenzen hinausblickt. Stehen wir vor einer
historischen Wende, die künftig Missionare aus Ländern der Dritten Welt verstärkt
zu uns nach Europa führt? Erzabt Jeremias Schröder:
Das ist ja schon der Fall. Im Bistum Augsburg etwa gibt es bereits rund 100
indische Priester. – Aber bei unserem Projekt geht es nicht vorrangig darum,
ausländische Missionare nach Deutschland zu holen. Die Frage ist vielmehr: Wie
können wir unsere eigenen Ressourcen besser nutzen. Wie stellen Sie sich
konkret Ihre zukünftige Missionsarbeit in Europa vor? Erzabt Jeremias Schröder:
In Würzburg ist uns klar geworden, daß zum Beispiel unsere Schulen und
Bildungshäuser wichtige missionarische Funktionen haben. Wir wollen unseren
Einsatz dort intensivieren. Vor allem geht es darum, die ausfransenden Ränder
des kirchlichen Lebens zu erreichen. Also jene, die bisher nur eine lose
Verbindung zur katholischen Kirche haben. Sind unsere Klöster
wirklich ein tragfähiges Gegenmodell zum in die Krise geratenen
Territorialprinzip der Gemeinden? Erzabt Jeremias Schröder: Ja. Es gibt in der Kirchengeschichte schließlich genügend Beispiele dafür, daß Klöster diese Rolle übernommen haben. Denken Sie nur an das irische Mönchtum oder an die Rolle, die Klöster bei der Evangelisierung Osteuropas gespielt haben. |