Berichte

Ostertagung der Salzburger Äbtekonferenz in Hirschberg

6. bis 9. April 2010

Das Motto der diesjährigen Ostertagung der SÄK lautete „Gesundheit und Krankheit im Kloster“. Abtpräses Benno Malfèr konnte als Vorsitzender der SÄK insgesamt 56 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Schloß Hirschberg, dem Bildungshaus der Diözese Eichstädt, begrüßen.

Ein erster, ursprünglich nicht vorgesehener Programmpunkt am Ankunftstag war ein Gesprächsabend mit Dr. Manfred Lütz (Köln), der über die Thematik Pädophilie und in diesem Zusammenhang auch über die wissenschaftliche Entwicklung der letzten 40 Jahre berichtet. Da zahlreiche Klöster von Missbrauchsfällen betroffen sind, ging er auch auf allfällige Fragen der Äbte ein. Hinsichtlich der Täterfrage gibt es nur sehr wenige Experten: Hans-Ludwig Kröber (Berlin), Norbert Leygraf (Essen) und Friedemann Pfäfflin (Ulm). Weiter betonte Lütz, daß zwischen Pädophilie und Homosexualität unterschieden werden muß. Wurde ein sexueller Übergriff angezeigt und ist er erwiesen, dann muß einerseits mit dem Opfer in einer Atmosphäre der Akzeptanz gesprochen werden. Doch sollte andererseits unbedingt auch der Täter eingebunden werden, indem man ihn in erster Linie moralisch, und nicht nur juristisch in die Pflicht nimmt. Leider gibt es bei Pädophilie keine Sicherheit. Haben Fachleute eine solche festgestellt, ist wegen der Rückfallgefahr eine lebenslange Kontrolle notwendig. Therapeutische Angebote dürfen nicht unter Zwang gemacht werden. Umgekehrt muß aber auch klar sein, dass Verbrechen bestraft gehören.  

Am ersten Arbeitstag dann gab der Vorsitzende eine Einführung aus der Sicht der Regel Benedikts, die den Abt auch als Arzt skizziert. Schwächen und Krankheit im Kloster sind so alt wie das Mönchtum selbst. Es gibt in Gemeinschaften auch ein Sich-in-Krankheit-Flüchten, und es treten Süchte als Formen von Krankheit auf. Der RB geht es vornehmlich um das rechte Maß. Letztlich geht es aber um die Verheißung der Heilszeit.  

Manfred Lütz: Lebens-Lust

Nach dieser Einführung durch den Vorsitzenden begann Manfred Lütz seinen fulminanten Vortrag „Lebenslust – über Risiken und Nebenwirkungen der Gesundheit“. Durchaus schnippisch formuliert er einleitend: „Gesund ist eine Person, die nicht ausreichend untersucht wurde.  Mit Karl Kraus sagt er, dass die „häufigste Krankheit die Diagnose“ sei. Gesund ist aber ein Mensch wirklich, wenn er mit seinen Krankheiten anständig leben kann (Aristoteles). Hans Gadamer spricht von der „Verborgenheit der Gesundheit. Alle Phänomene der Religion finden sich auch im Gesundheitswesen. Die Gesundheitsreligion ist die teuerste und mächtigste Religion der Welt. Wir leben in einem totalen Gesundheitsüberwachungsstaat. Gesundheit ist ein hohes Gut, aber nicht das höchste Gut. Demosthenes war sprachbehindert, Homer blind, Beethoven taub, Steven Hawkins total gelähmt: Alle haben sie Großartiges geleistet! Das Leben ist einzigartig, nichts kann man wiederholen. Das spricht gegen die heutige Video-Mentalität, die glaubt, alles wiederholen zu können. An „Heiltümern“ (aber auch an Kunstwerken wie dem Isenheimer Altar oder an Mozarts Laudate Dominum aus den Vesperae solemnes) kann man gesund werden. „Um gesund zu sein, muss man der Welt zustimmen.“ 

Burkard Ellegast: Die Verantwortung des Abtes

Über „Erfahrungen eines langgedienten Abtes“ in der Verantwortung für die kranken Mitbrüder referierte Abt em. Burkard Ellegast (Stift Melk): Nach der RB begegnet man besonders in den Kranken und den Gästen Christus. Cellerar und Infirmar tragen deshalb in besonderer Weise mit dem Abt dafür Verantwortung. Es gibt Mitbrüder, die wirken gesund, sind aber schwer krank. Es gibt Krankheiten, von denen man nichts weiß. Es gibt in Klöstern „U-Boote“. Süchte sind verbreitet: Computer, Alkohol, Spielsucht etc. Kurze, aber regelmäßige Besuche des Abtes bei den Brüdern sind wichtig, genauso wie eine Atmosphäre des Vertrauens in Ehrlichkeit und Offenheit. Krankheit verformt, läßt einen Menschen ganz anders werden. Die Gesunden können den Kranken die Sorgen nehmen und ihnen die Gewißheit geben, dass man sie nicht fallen lässt. Um vom Kranken nicht „aufgefressen“ zu werden ist eine Supervision gut. Auch regelmäßiges Schriftgespräch und Aussprechen von Emotionen helfen, Leid geduldig zu ertragen. Bei aller Sorge darf aber nicht vergessen werden: Wer sorgt für die Gesundheit des Abtes? 

Wunibald Müller: Zum Verhältnis von Heiligkeit und Gesundheit

In seinem Vortrag „Ist Heiligkeit Gesundheit oder macht Heiligkeit krank? Gesundheit und Krankheit im Kloster legte Wunibald Müller Wert auf eine ganzheitliche Spiritualität, die Seele, Geist und Leib einschließt. Daraus ergibt sich die Frage nach einer Spiritualität, die Gesundheit und Heiligkeit fördert. Ganzheitliche Spiritualität nimmt leibliche und psychische Befindlichkeiten wie Stress, Entspannung, Bewegung, Schlaf, Träume wahr und lässt sie zu. Der Sexualität kommt als einer Lebenskraft besondere Bedeutung zu. Auch im offenen Gespräch über die eigenen Bedürfnisse und Schwierigkeiten vollzieht sich Menschlichkeit. Die Einzelnen und die Konvente tragen Verantwortung dafür, dass das spirituelle Leben sich ganzheitlich und heilsam entfalten kann. 

Berichterstattung

Auch im Gespräch mit Abtprimas Notker Wolf am zweiten Arbeitstag ging es zunächst um die Missbrauchsthematik. Es wurde deutlich, wie wichtig schnelle und umfassende Information ist, um den Anfragen aus der Öffentlichkeit angemessen gerecht werden zu können. Abtprimas Notker dankte den betroffenen Klöstern für ihre Unterstützung in Sachen Information.

Wie in jedem Jahr berichtete er über die verschiedenen personellen Veränderungen in Sant’ Anselmo, über das Leben im Kolleg und an der Hochschule. Vor allem die Renovierung des Hauses bereitet immer wieder Sorgen.  

Sr. Michaela Puzicha (Varensell / Salzburg) berichtete über die Arbeit des Instituts für benediktinische Studien in Salzburg: Die seit zehn Jahren regelmäßig angebotenen Kurse haben sich etabliert und sind kontinuierlich ausgebucht. Die TeilnehmerInnen kommen aus unterschiedlichen Kreisen: Novizen, Novizenmeister, Äbte, Laien, etc. Alle bringen ihre Fragen mit aus einer Welt, die nicht religionsfreundlich ist.
Der Kommentar zu Gregors II. Buch der Dialoge liegt im Wesentlichen vor. Es kann bald an die Drucklegung gedacht werden.
Die Zukunft des Instituts ist offen. Sr. Michaelas Tätigkeit wird nicht unbegrenzt weitergehen. Deshalb werden Gespräche hinsichtlich des Ortes und der Sache mit dem Vorsitzenden der SÄK geführt. 

Abt em. Emmeram Geser von Metten berichtet über die Tätigkeit der Liturgischen Kommission der SÄK:
– Ein Wochenpsalter für Gäste wurde erstellt und ist für 24,80 € in St. Ottilien erhältlich. Außerdem ist der Bd. III des Stundenbuchs neu gesetzt worden.
– Das Messbuch 2000 ist zunächst auf 2010 verschoben worden und jetzt womöglich ad kalendas grecas.
– Die Verifizierung der Antiphonen und Responsorien ist abgeschlossen und ist über die von P. Beda Szukics eingerichtete Homepage: www.muri-gries.ch/SAeKLK zugänglich.
– Alternative Hymnen werden derzeit noch gesammelt.
– Zur Vertonung der Sonntagsantiphonen wurde Kontakt mit Godehard Joppich aufgenommen.
– An der Herausgabe eines Homiliars, d. h. der „Trierer Heftchen in Buchform, arbeitet Äbtissin em. Judith Frey (Varensell).  

Ausflug

Zunächst besuchten die Mitglieder der SÄK am Donnerstagnachmittag die Abtei St. Walburg in Eichstätt. Äbtissin Franziska empfing die Gruppe und gab ihr eine charmante Führung am Grab der heiligen Walburga. Nach einem kleinen Orgelkonzert ging es zu Fuß durch die Stadt in den Dom, wo nach einer sehr sachkundigen Führung die Vesper mit Begleitung durch den Eichstätter Domorganisten gesungen wurde. Schließlich wurde von den Mönchen von Plankstetten zu Abendessen und gemeinsamem Tagesausklang mit der Komplet geladen.  

Jahresversammlung

Am dritten Arbeitstag sprach zu Beginn der Jahresversammlung der SÄK Priorin Irene Gassmann (Fahr) als 1. Vorsitzende der VBD ein Grußwort.

Der Bericht des Vorsitzenden fiel in diesem Jahr kurz aus. Er berichtete vor allem über die Entwicklung der Salzburger Hochschulwoche, die eine Verjüngung erfahren hat. Auch alle anderen Institutionen und Engagements der SÄK werden in solider Kontinuität geführt. 

Rektor P. Paulus Koci berichtete über den Umbau des Kollegs St. Benedikt in Salzburg. Ein Teil des Hauses wird künftig als Haus St. Benedikt gewerblich genutzt werden.  

Nach längerer Diskussion der verschiedenen Argumente beschlossen die Mitglieder der SÄK mehrheitlich eine gemeinsame Erklärung „Zum  respektvollen Umgang mit Geschädigten sexuellen Mißbrauchs in unseren Klöstern“.

Desgleichen tauschte man sich über das Für und Wider eines gemeinsamen Entschädigungsfonds für Mißbrauchsopfer aus. Wichtiger als Geldzahlungen seien die ehrliche Aufarbeitung und das Gespräch mit den Opfern, wodurch die Ernsthaftigkeit der Bemühungen der betroffenen Gemeinschaften am glaubwürdigsten zum Ausdruck käme. 

Ungewöhnlich schnell und eindeutig wurde das Thema für die nächste Ostertagung formuliert: „Kloster und Medien. Treten unsere jungen Mitbrüder ins Kloster ein oder in eine IT-Community?“  

P. Korbinian Birnbacher, Salzburg 

 

Symposium der Bayerischen Benediktinerakademie
vom 29. bis 30. April 2010 in Erfurt

Im vorliegenden Beitrag wird die inklusive Sprache konsequent durchgehalten. Zugunsten einer besseren Lesbarkeit hat sich die Redaktion erlaubt, im folgenden Text darauf zu verzichten. Es ist selbstverständlich neben der einen auch die andere Form zu denken. 

Das diesjährige Symposium der Theologischen Sektion der Bayerischen Benediktiner-Akademie stand unter dem Thema „Klöster als Stätten der Glaubensvermittlung und Katechese“.

20 Teilnehmende hatten sich dazu im geschichtsträchtigen Augustinerkloster in Erfurt eingefunden. Regionalbischöfin Elfriede Begrich begrüßte als „Hausherrin“ die Runde mit herzlichen Worten und erinnerte an die monastische Prägung Martin Luthers an diesem Ort, die über Jahrhunderte in der evangelischen Tradition weitgehend verdrängt oder gar abgelehnt worden sei. Erst die Neugründung evangelischer Kommunitäten nach dem 2. Weltkrieg führten langsam zu einer Neubewertung. Der historische Kreis hat sich vor gut zehn Jahren geschlossen, als eine Gruppe von Schwestern des Casteller Rings ihr benediktinisches Leben im Augustinerkloster begann. Ihr Gebet, ihre Präsenz und ihr Engagement in der Klosterstube, bei Kirchenführungen und im Seminarbetrieb verleiht dem Augustinerkloster, das heute als Bildungshaus der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands genutzt wird, ein zeitgemäßes Klosterprofil.

Die Stadt Erfurt im Zugehen auf die Walpurgisnacht und die Maidemonstrationen bildete für die Ausführungen von P. Athanasius Polag (Huysburg),  Sr. Ruth Schönenberger (Tutzing) und Prof. Dr. Peter Zimmerling (Universität Leipzig) einen adäquaten Hintergrund. Denn es ging in allen Beiträgen um die Menschen von heute, die sich in einer Welt eingerichtet haben, die Gott los geworden ist.

Herausforderungen in Ostdeutschland – Erfahrungen im Kloster Huysburg
Wie ein Kloster mit der gewachsenen Gottlosigkeit der Menschen umgehen kann, führte P. Athanasius am Beispiel der Huysburg in Sachsen Anhalt aus. Pastoraler Ansatzpunkt sind die Lebenskrisen der Menschen, die zum Kloster kommen. P. Athanasius wies auf einen deutlichen Unterschied zwischen west- und ostdeutscher Prägung im Umgang mit Lebenskrisen und Lebensrisiken hin. Menschen der ehemaligen DDR meiden die Auseinandersetzung und reagieren eher mit „partieller Absenkung“, die als fragmentarische Verdrängung verstanden werden kann. Negative Lebenserfahrungen werden „abgesenkt“ und verschwinden „im dritten Keller der Persönlichkeit“. Das gilt sowohl für politische Erfahrungen in der DDR-Zeit, als auch für Lebenskrisen persönlicher Art. Zu verstehen ist diese Strategie aus der Diktaturerfahrung heraus. Das Leben mußte in Partien eingeteilt werden. Eine solche Absenkung und Partialisierung widersetzt sich einer religiösen Deutung von Lebenserfahrung, die ihre Wurzeln in der Freude über das Dasein, in Dankbarkeit und einer engagierten Widerständigkeit im Leid hat.

Es gibt Tendenzen, eine neue „Ökumene“ zu fordern, die das Desinteresse an einer religiösen Lebensdeutung ernstnimmt. Angeblich sind 80 Prozent der ostdeutschen Bevölkerung einem solchen Nicht-Bekenntnis zuzuordnen, während nur ca. 15 Prozent eine neue qualifizierte Nachdenklichkeit mit der Offenheit für eine Rückkehr zur Religion erkennen lassen. Die Mönche auf der Huysburg lassen sich von solchen Zahlen nicht beirren. Immer geht es um den einzelnen Menschen und die Chance, im Gespräch abgesenkte Lebenserfahrungen heraufzuholen. Ansatzpunkt kann dabei das Gute im eigenen Leben sein, das in das Licht einer christlichen Deutung gehoben, einen schrittweisen Zugang auch zu den Fragen von Leid- und Schuldbewältigung ermöglicht. Die Absenkungsstrategie erklärt auch, warum in der derzeitigen Mißbrauchsdiskussion kaum Fälle in Ostdeutschland bekannt sind.

Die Frage, der sich die Mönche stellen, ist: Wie kann die Botschaft von 1 Kor 8,6 heute den Menschen nahegebracht werden, die in einer Gesellschaft aufgewachsen sind, die durch Absenkung ihrer Lebenserfahrungen kein Gespür mehr für die transzendente Intensität eines auf Gott ausgerichteten Lebens haben: „… so haben doch wir nur einen Gott, den Vater. Von ihm stammt alles und wir leben auf ihn hin. Und einer ist der Herr: Jesus Christus. Durch ihn ist alles, und wir sind durch ihn.“

Ein Berührungspunkt kann die Kultur sein. Konzerte und Kunstausstellungen können eine Initialfunktion für religiöse Themen haben. Auf der Huysburg erweisen sich Kirchenführungen als wesentliches Begegnungsforum, bei denen religiöse Deutungsmöglichkeiten wahrgenommen werden können. Nicht selten werden dabei versenkte Erinnerungen angesprochen, wie z.B. religiöse Kindheitserlebnisse oder Begegnungen mit kirchlich engagierten Menschen. P. Athanasius läßt sich von der Hoffnung nicht abbringen, daß die Menschen nicht so religionsvergessen sind, wie oft befürchtet wird. Dabei müssen tradierte Riten und liturgische Formen auf den Prüfstand, wenn sie nicht durch ihre Fremdheit Menschen abschrecken sollen. Nicht selten reagieren sie auf katholische Hochriten mit einer Unterbewertung des Selbst: „Das ist zu hoch für mich“. Diese Menschen brauchen Vorgänge, die mit Kirche zu tun haben, aber undefiniert genug sind, daß sie ihnen einen Zugang ermöglichen.

Welche Strategien legt eine solche Zeitanalyse nahe? P. Athanasius faßt sie in vier Punkten zusammen:

1.   Zeit zum Hören. Das Kloster muß ein Ort sein, an dem Menschen immer und immer wieder ihr Leid, erlebtes Unrecht, das Böse in ihrer Biographie erzählen können. Die große kommunikative Herausforderung an den Mönch ist es, dieses Leid auszuhalten, auf Erklärungsversuche zu verzichten und mit dem / der Sprechenden[1] in der Gegenwart Gottes auszuharren. Eine solche „biographische Seelsorge“ setzt eine große Reife der eigenen Persönlichkeit des Mönchs voraus.

2.   Persönliche Symbole finden, die über den Alltag hinausgehen, um bei dem Einzelnen die Deutungsfähigkeit zu aktivieren. Solche Symbole müssen eine gewisse Unbestimmtheit haben, d.h., sie können verschiedene Situationen aufnehmen. Als Beispiel ist die Wiederentdeckung des Pilgerns. Das Pilgern gibt dem Einzelnen die  Möglichkeit der Annäherung, ohne bereits eine Verbindlichkeit einzufordern. Persönliche Symbole und Riten können auch der Ratlosigkeit im Umgang mit Konflikten begegnen und an eine gestufte Teilnahme am Gottesdienst heranführen.

3.   Gesprächsfähigkeit fördern. Als besondere Herausforderung benennt P. Athanasius die Sprache, die der Hörfähigkeit der Menschen angepaßt werden muß. Unser religiöses Sprechen muß sich dem Härtetest unterziehen: Ist das, was ich formuliere, für mein Gegenüber verständlich? Wenn nicht, welche Verständnishilfen kann ich geben? Wie kann ich das, was mir wichtig ist, so formulieren oder auch konzentrieren oder auch reduzieren, daß der hörende Mensch dadurch bereichert wird?  Mit deutlichen Worten fordert P. Athanasius eine neue Entschlossenheit zur Armut in unseren Klöstern ein.

4.    Befähigung von Freundeskreisen wird von kleiner werdenden Gemeinschaften und dem höheren kommunikativen Zuwendungsbedarf Einzelner gefordert. Gute Erfahrungen werden auf der Huysburg mit ausgebildeten Kirchenführern gemacht. Solche Kirchenführungen bieten die Chance, christlich Substantielles in einer auf die jeweilige Gruppe abgestimmten Weise zu vermitteln. Die Beteiligung von Menschen, die dem Kloster nahe sind, sollte dabei nicht als ehrenamtliches Engagement verstanden werden, sondern in der Betonung der Taufamtlichkeit eine existentiellere Deutung finden. Überhaupt ist die Entwicklung eines neuen Taufbewußtseins, das sich  unabhängig vom Klerus versteht, auch für Pfarrgemeinden ein wesentliches Überlebenskriterium.

„Entschlossenheit zur Armut“, „ein entbehrungsreiches Tun“, „ Herausforderung zur Askese“  stehen dabei der Erwartungskultur von Mönchen und Nonnen in einem Kloster entgegen und muß somit von allen als ein primär geistliches Problem verstanden und angegangen werden.

„Seelsorge auf neuen Wegen“
Sr. Ruth  Schönenberger brachte den Teilnehmenden unter dem Thema „Gehet hinaus in alle Welt – Seelsorge auf neuen Wegen“ ihre Erfahrungen mit der Internetseelsorge als niedrigstschwelliges Angebot für suchende Menschen nahe. Ihr Bogen von der Briefseelsorge des hl. Paulus über die Telefonseelsorge des letzten Jahrhunderts bis hin zur Internetseelsorge mit den unterschiedlichsten Angeboten war für alle nachvollziehbar und öffnete die Bereitschaft, das neue Medium als Instrument einer heutigen Pastoral ernst zu nehmen. Dabei blieben die Unterscheidung zwischen der realen Welt des Alltagslebens und der virtuellen Welt des weltweiten Netzes nicht immer irritationsfrei. Sr. Ruth gehört zu einer kleinen Gruppe von Ordensleuten, die in Funcity – einer virtuellen Stadt, die für viele Internetnutzern zum zweiten, virtuellen Wohnsitz geworden ist – ein Kloster „gegründet“ hat. Hier können Menschen anonym Kontakt zu realen Ordensleuten aufnehmen, mit ihnen beten, ihre Lebens- und Glaubensfragen stellen oder auch einfach mal ein wenig chatten. Hier treffen sie Gleichgesinnte, schließen Freundschaften und – wenn es ernst wird – überspringen sie auch schon mal die virtuelle Grenze und tauchen zu Exerzitien oder persönlichem Kontakt in Tutzing auf – ganz real. Internetseelsorge ist eine Antwort auf die Not vieler Menschen, die in ihrem realen Leben keine seelsorgliche Kontaktstelle mehr kennen und nicht wissen, wo sie in ihrer Einsamkeit und Anonymität mit all ihren Fragen bleiben können. Von den Klosterbewohneren fordert es eine verläßliche Präsenz und Ansprechbarkeit im Netz, ein schnelles Reaktionsvermögen und die Fähigkeit der Unterscheidung der Geister und der Lebenswirklichkeiten von virtuell und real. Die von den Teilnehmenden angefragte stabilitas in congregatione wird von den Funcity-Klosterfrauen und -männern nicht in Frage gestellt. Sie unterscheiden für sich sehr klar zwischen einem Leben in ihrem Kloster und der Präsentation im Internet.

Gemeinschaftlich gelebter Glaube als Zeichen
Prof. Peter Zimmerlings Beitrag unter dem Thema „Geistliche Gemeinschaften als Orte der Persönlichkeitsbildung und der Glaubensvermittlung“ basierte auf seinen siebenjährigen Erfahrungen als Pfarrer in der Lebensgemeinschaft „Offensive Junger Christen“ und der fünfjährigen Zeit als Professor für Praktische Theologie in Leipzig mit dem Schwerpunkt der Ausbildung von PfarrerInnen. Mit einem Zitat von Zinzendorf, dem Begründer der Herrenhuter Brüdergemeinde, stellte Prof. Zimmerling seinen Ausgangspunkt vor: „Gemeinde ist der einzige Beweis gegen Unglauben“. Der gemeinschaftlich gelebte Glaube gilt schon biblisch als sichtbares Zeichen des Reiches Gottes, dessen Zielsetzung das Shalom Gottes, d.h. Gerechtigkeit und Frieden, sich schon hier auf Erden verwirklichen soll und nicht erst in einer zukünftigen Welt. Selbstkritisch merkt Prof. Zimmerling an, daß die EKD die biblische Grundlegung von Orden und geistlichen Gemeinschaften lange nicht akzeptieren wollte. Inzwischen sind sie aber als „Vierte Sozialgestalt der Kirche“ definiert. Für die Weitergabe des Glaubens ist gemeinschaftliches Leben unverzichtbar. Diese Funktion haben in der evangelischen Tradition in erster Linie die Pfarrhäuser übernommen. Martin Luther und seine Frau Katharina von Bora haben aus ihren Klostererfahrungen heraus ihr Pfarrhaus als eine offene Hauskirche gelebt: „Martin Luther hat das Kloster nie verlassen.“ Sie gelten als die „Musterfamilie des Protestantismus“. Das Pfarrhaus ist zur Veranschaulichungsinstanz für Gemeinde geworden. Umso tragischer ist die seit Jahrzehnten zu beobachtende Krise des evangelischen Pfarrhauses. In sechs Dimensionen umschreibt Prof. Zimmerling die spirituelle Wirkkraft christlicher Gemeinschaft:

1.   Gemeinschaft bewirkt Selbsterkenntnis: Gemeinschaft bietet die Chance, aus der Illusion über das eigene Selbst hinauszufinden und auf dem Weg der Selbsterkenntnis vorwärts zu kommen.  Der Nächste, der mir als Frommer oder Sünder begegnet, wird mir zum Stein des Anstoßes auf dem Weg der Selbsterkenntnis und kann helfen, Immunbarrieren zu überwinden. So gedeutet wird christliche Gemeinschaft zum Freiraum zur Selbsterkenntnis, deren Ziel immer die Annäherung an Christus ist.

2.   Gemeinschaft ist ein Lernfeld für die Würde des Anderen. Christliche Gemeinschaft lebt vom gegenseitigen Respekt, der eine Atmosphäre des Angenommenseins und der Freiheit schaffen kann. Biblisches Vorbild ist darin Jesus Christus selbst, der die Kategorie des Einzelnen entwickelt hat. Dies wird besonders auch in seinen für seine Zeit untypischen Begegnungen mit Frauen erkennbar. Die Christusbeziehung ist immer eine individuelle Beziehung, die in die Gemeinschaft der Christusbezogenen mündet. Je näher man dem Anderen kommt, umso näher kommt man dem göttlichen Geheimnis jedes einzelnen Menschen.

3.   Gemeinschaft ist der Motor der Persönlichkeitsentwicklung. Nachreifung der Persönlichkeit wird in einer selbstoffenbarenden Nähe zum Anderen ermöglicht. Im gegenseitigen Zutrauen und der Herausforderung durch gestellte Aufgaben, kann Gemeinschaft zu einem Resonanzboden für Begabungen werden.

4.   Gemeinschaft ist eine Schule der Nächstenliebe. Das Leben in Gemeinschaft erfordert vom der Einzelnen aus der Selbstverschlossenheit herauszutreten. Nur so kann christliche Gemeinschaft zu einem Gegengewicht gegen die „Versachlichung menschlicher Beziehungen in einer materialistisch geprägten Umwelt“ werden.

5.   Gemeinschaft ist Raum der Seelsorge. Ausgehend von dem Zitat von Dostojewski „Es gibt Zeiten, in denen man jemanden braucht, zu dem man hingehen kann“ stellt Prof. Zimmerling die christliche Gemeinschaft als Vorbild dar, in der Menschen, die Gemeinschaft erlebt haben, Anstifter neuer Gemeinschaften werden können. Das Pfarrhaus und das Kloster ist der Typus solcher  Gemeinschaftserfahrungen.

6.  Gemeinschaft als Raum von Alltag und Fest. Das Teilen des Alltags und das Herausheben besonderer Ereignisse qualifizieren das gemeinschaftliche Leben im christlichen Kontext. Alltag und Fest dienen der Vermittlung von Glaubensinhalten.

Glaubensvermittlung ist unmittelbar abhängig von der Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen. Diese wiederum ist Resultat eines christusbezogenen Lebens in Gemeinschaft.

Herausforderungen für Kommunitäten heute
Den drei Beiträgen folgte jeweils eine intensive Diskussion, die schlußendlich in die Frage mündete, wie sich ein zeitgemäßer Seelsorgeauftrag realisieren läßt und mit welchen Ansprüchen an den Lebensstil eines Klosters er verbunden ist. P. Athanasius zeigte die kerygmatischen und diakonalen Koeffizienten eines solchen Seelsorgeauftrags auf und betonte das Lebensbegleitungselement. So kann z.B. die Internetseelsorge oder die Kirchenführung Ansatzpunkte einer seelsorglichen Begegnung sein. Es darf aber nicht beim Ansatz bleiben; sondern die Menschen müssen mit hinein genommen werden in die Dynamik auf Christus zu.  Diese prozeßhafte Begleitung über die Erstansätze hinaus  fordert die Authentizität des Begleitenden. Dem Mangel an „Committment“ in einer Multioptionsgesellschaft, der Scheu vor Selbstfestlegung kann nur mit der Authentizität einer überzeugt gelebten Entscheidung begegnet werden. Das „spirituelle hopping“ (Prof. Zimmerling) kommt nur dort zur Ruhe, wo Menschen die spirituelle Beständigkeit eines gemeinschaftlichen Lebens miterleben können. Das Kloster steht als Modell dafür, wie christliches Leben gelingen kann. Dabei kann die Spannung zwischen dem monastischen Leben nach innen („bleiben“) und dem pastoralen Wirken nach außen („heilen“)  zu einer Überforderung der konkreten, oft kleinen Gemeinschaft werden. „Das, was uns anvertraut ist, überfordert uns“ – wie eine Teilnehmerin es auf den Punkt brachte. In der letzten Austauschrunde überwog die Nachdenklichkeit. Wie kann Persönlichkeitsentwicklung in den von Alltagssorgen vereinnahmten Gemeinschaften initiiert werden? Wie steht es mit der Lesekultur und der Fortbildungsbereitschaft der Mönche und Nonnen? Wie können wir in den Klöstern mit der geistigen Armut in unserer Gesellschaft überzeugend umgehen? Wie können wir zu einem Mentalitätswandel beitragen? Wie gelingt die Ausprägung einer monastischen Eigenkultur und eines einladend christlichen Gemeinschaftsprofils?

Das Thema der Veranstaltung hatte sich zum Schluß hin ganz im Sinne der von P. Athanasius eingeforderten Entschiedenheit zur Armut gewandelt: Klöster können nur in dem Maße Stätten der Glaubensvermittlung und Katechese in einer differenzierten, multioptionalen und gottvergessenen Kultur werden, in dem sie Stätten der Seelsorge mit einer ausgeprägten Persönlichkeitsbildung und dem Profil des „Bleibens“ nach innen und mit heilender Wirkung nach außen werden.

Sr. Ulrike Soestrup, Dinklage 

 

Tagung der Cellerarinnen in Engelthal
3. bis 7. Mai 2010

Die Jahrestagung der Cellerarinnen-AG fand in diesem Jahr bei den Mitschwestern in der Benediktinerinnen-Abtei Kloster Engelthal statt.

In zweifacher Hinsicht stellte sie eine Premiere dar: Die AG traf sich zum ersten Mal in Engelthal, und es war die erste Gruppe, die das alte Refektorium der Kommunität als Vortragssaal nutzen konnte. Nach intensiven Jahren des Planens und Bauens kam die Gruppe sozusagen an einen Ort, der von Bautätigkeit noch warm war. Und diese Gelegenheit wurde gerne genutzt, um sich über das Warum und Wozu eingehend zu informieren.  

Doch zunächst stand am Abend des Anreisetages nach allseits herzlicher Begrüßung der Punkt Formalia auf dem Programm. Einige Schwestern hatten kurzfristig absagen müssen, so daß schließlich 26 Benediktinerinnen, Zisterzienserinnen und Karmelitinnen in Engelthal zusammenkamen, von denen vier zum ersten Mal mit dabei waren. 

Erster Arbeitstag: Kloster Engelthal in Vergangenheit und (baubewegter) Gegenwart

Am nächsten Morgen fand sich Äbtissin Elisabeth Kralemann gerne bereit, der Gruppe einen Überblick über Geschichte und Gegenwart ihres Klosters zu geben: Von der Notwendigkeit einer Neugründung durch das Mutterkloster Herstelle. 1962 wurden 20 Schwestern unter dem Wahlspruch „Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, höre auf seine Stimme!“ (Ex 23,20f) nach Engelthal ausgesandt. Mit dem inneren ging der äußere Aufbau einher. Man kann sagen, daß die Abtei Kloster Engelthal von einer dreifachen Verbundenheit geprägt ist: Als benediktinische Gemeinschaft ist sie eingebunden in die Beuroner Kongregation, an zisterziensischem Ort weiß sie sich ältester Traditionen verpflichtet und als lebendiges Glied des Bistums Mainz bringt sie sich in die Ortskirche ein.  

Nach M. Elisabeth bestritten den Rest des Tages Sr. Caterina Görgen (Engelthal), zusammen mit dem im Kloster tätigen Hausmeister, Herrn Gurb. Intensiv mit allen Planungs- und Durchführungsmaßnahmen vertraut, konnten sie den interessierten Cellerarinnen mit einem Wechsel aus Vortrag, Bildpräsentation und Hausführung einen Eindruck davon vermitteln, was in den vergangenen Monaten auf der „Baustelle Engelthal“ geleistet worden ist – und was noch aussteht bis zur Vollendung. Ausgangspunkt aller Maßnahmen war die Sanierungsunwürdigkeit von Süd- und Westflügel des Klosters. Ein geschlossener, von keinem Küchenbetrieb gestörter Kreuzgang konnte geplant und realisiert werden. Es gelang zudem, die Neubauten wieder an die Stelle der Vor-Vorgängerbauten zu setzen, was im Hinblick auf die Wasserführung im Gelände (Wasseradern) sehr bedeutsam ist. Ein gesünderes Bauklima entstand. Da Neubau- und Sanierungskosten vom Bistum Mainz als Immobilien-Inhaber übernommen werden, die laufenden Unterhaltskosten aber von der Gemeinschaft selbst zu tragen sind, war von Anfang an auch ein umfassendes Energiekonzept mit im Blick. Die Nutzung von Regenwasser für die WC-Spülung konnte schon bei der Renovierung des Gästehauses im Jahr 2000 realisiert werden. Im Neubau gelang es zudem durch Wärmetauscher auf eine Warmwasserzirkulation zu verzichten. Da die Gemeinschaft keinen Waldbesitz hat und auch kein Gasanschluß vorhanden ist, kam zur Beheizung nur folgende Vorgehensweise in Betracht: Isolierung der vorhandenen Bausubstanz, wo immer sinnvoll, Optimierung der bestehenden Heizungsanlage (Heizöl), Besserung des Nutzerverhaltens und – für den Neubau – Erdwärmenutzung! Ob letzteres an einem bestimmten Ort überhaupt in Frage kommt, läßt sich im Internet anhand von hydrogeologischen Landkarten recherchieren. In Engelthal ist dies der Fall. Definitive Gewißheit brachte ein Erdwärmemachbarkeitsgutachten, das rund 1.500,- € kostete und von der Stiftung finanziert wurde. Da die Vorlauftemperatur der acht Bohrlöcher mit je 140m Tiefe zu Tage geförderten Wärme nicht mehr als etwa 45° C erreicht, kommt die Installation von Heizkörpern nicht in Betracht, sondern das Legen von Fußbodenheizung. Übrigens wird im Sommer dem System Wärme wieder zugeführt. Die Sonden haben eine Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren, die Pumpen von rund 20 Jahren. Mit der Amortisation der gesamten Anlage ist nach etwa 15 Jahren zu rechnen. Die Realisierung des Projekts verursachte Kosten von rund 100 000 €.

Nicht zu vergessen sind der ökologische Gartenbau, der aktive Naturschutz (große Fledermauspopulation!) und die Bewußtseinsbildung aller Beteiligten. Schließlich ist für Christen grundlegend, daß die (Um-)Welt Gottes Schöpfung ist! 

Zweiter Arbeitstag: Büroorganisation – Finanzen – Rechtliche Fragen

Herrn Dr. Thomas Kellner aus Koblenz referierte am Vormittag über Büroorganisation für kleinere Gemeinschaften. Organisation ist eine nicht zu unterschätzende  Dienstleistung innerhalb einer Körperschaft. Grundfunktionen eines Büros wurden systematisch dargestellt, eine Arbeitsplatzbeschreibung sehr empfohlen. Nur wer effektiv arbeitet, d.h. die richtigen ( =  zielführenden) Dinge macht, kann auch effizient sein, d.h. die richtigen Dinge mit so wenig Aufwand wie möglich tun. 

Nachmittags widmete sich Herr Westinger, Justiziar aus dem Haus der Orden, zunächst einer ganzen Reihe von Einzelfragen: dem kassenindividuellen Zusatzbeitrag, um den auch wir Ordensleute nicht herumkommen, der steuerlichen Identifikationsnummer, der Besteuerung von Rentenzahlungen, den Rahmenverträgen bei der WGKD und der Sozialversicherungspflicht von RentnerInnen.

Dann ging es in einem großen zweiten Block um Betreuungsrecht. Hier ist zu unterscheiden zwischen der Patientenverfügung, die dem Arzt verbindliche Anweisungen gibt, der Betreuungsverfügung, mit der ein Betreuer-Wunsch kundgetan werden kann, und der Vorsorgevollmacht. Letztere sollte unbedingt je einmal für das Außen- und für das Innenverhältnis abgefaßt werden. 

Dritter Arbeitstag: Solidarwerk der Orden

Erstmals konnte P. Georg Scholles OFM (Euskirchen) im Kreis der Cellerarinnen begrüßt werden. Er ist seit 2005 Vorsitzender des Solidarwerkes der Orden in Deutschland e.V. (gegr. 1991) und verstand es sehr gut, auf ebenso verständliche wie grundlegende Weise den Sinn und die Funktionsweise dieser Solidargemeinschaft darzustellen. Am 31.12.2008 umfaßte sie 309 Mitgliedsgemeinschaften. Für diese erbringt sie gegenüber dem Staat den Nachweis, daß Versorgung in alten und kranken Tagen gewährleistet ist, und daß die Gewährleistung gesichert ist. Nur so ist die grundsätzliche Rentenversicherungsfreiheit von satzungsmäßigen Mitglieder geistlicher Genossenschaften in Deutschland aufrecht zu erhalten. 

Am Freitag galt es dann, sich mit der aufs Neue gemachten guten Erfahrung zu verabschieden, daß nicht nur ähnliche Sorgen verbinden, sondern viel Verständnis und Hilfsbereitschaft da ist. Was an Offenheit und Vertrauen im Kreis der Cell-AG in den letzten Jahren gewachsen ist, läßt viel Dankbarkeit zurück!

Die nächste Tagung wird von 23. bis 27. Mai 2011 in der Zisterzienserinnenabtei St. Marienthal stattfinden. Dann soll es um Aktuelles aus dem Bereich Recht und Soziales gehen, um den Umgang mit Presse und Medien und um das kirchliche Arbeitsrecht. Auch eine Exkursion nach St. Marienstern ist geplant.
Sr. Teresa Böcker, Tettenweis
 

Abschluss der Generalsanierung des Kollegs St. Benedikt  

Nach eineinhalbjähriger Bauzeit wurde am 23. Juni 2010 die Vollendung des erneuerten Kollegs St. Benedikt in Salzburg feierlich begangen. Das Pontifikalamt in der Stiftskirche von St. Peter zelebrierte der Präses der Österreichischen Benediktinerkongregation Abt Christian Haidinger (Stift Altenburg). Die Segnung des Gebäudes nahm der Erste Assistent der Österreichischen Benediktinerkongregation, Abt Johannes Perkmann (Stift Michaelbeuern) vor.  

Das Kolleg St. Benedikt ist das Studienhaus der Österreichischen Benediktinerkongregation in Salzburg. Seit seiner Errichtung im Jahre 1926 leben hier in einer klösterlichen Lebensordnung vor allem Benediktiner aus dem Deutschen Sprachraum, die an den Universitäten Salzburgs studieren. Seine Errichtung knüpfte bewußt an die einstmals blühende Benediktineruniversität aus der Barockzeit an, die im Jahre 1810 geschlossen worden war. 

Heute wird das Kolleg von einem Rektor geleitet. Neben zehn Benediktinern studieren hier derzeit zwei Augustiner Chorherren, zwei Zisterzienser, ein Prämonstratenser, ein syrisch-orthodoxer Priester sowie drei Laien. Den Haushalt besorgen seit 2006 indische Schwestern der Sisters of Sacred Sciences. 

Im Rahmen der Generalsanierung wurde in einem Teil des alten Kollegs das Haus St. Benedikt  errichtet. Es führt die alte Tradition der Gastfreundschaft fort und bietet Pensionsgästen während des Jahres die Möglichkeit mitten in der Altstadt in modernen Gästezimmern zu übernachten. 

Für die Errichtung des Kollegsgebäudes zwischen Erzabtei St. Peter und dem Festspielhaus und in Nachbarschaft zu den Franziskanern wurde seinerzeit der bekannte Bauhausarchitekt Peter Behrens gewonnen, dessen klare und einfache Strukturen auch heute noch das Bild des Baukörpers bestimmen. Zusammen mit dem Halleiner Bildhauer Jakob Adlhart gestaltete er die expressionistische Eingangshalle, die von einem überlebensgroßen Kruzifix beherrscht wird. Unter die schweren Deckenbalken geduckt, stellt dies Kunstwerk eindrucksvoll dar, daß Christus der eigentliche Träger dieses Haus ist. 

Nach gut achtzig Jahren wurde das Gebäude einer umfangreichen Sanierung unterzogen, um den modernen Erfordernissen zu genügen. Alle Zimmer wurden mit Naßzellen versehen, ein Aufzug wurde eingebaut und die gesamte technische Anlage erneuert. 

P. Paulus Koci, Salzburg