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Berichte 6. bis 9. April 2010 Das Motto der diesjährigen Ostertagung der SÄK lautete „Gesundheit und Krankheit im Kloster“. Abtpräses Benno Malfèr konnte als Vorsitzender der SÄK insgesamt 56 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Schloß Hirschberg, dem Bildungshaus der Diözese Eichstädt, begrüßen. Ein erster, ursprünglich nicht vorgesehener Programmpunkt am Ankunftstag war ein Gesprächsabend mit Dr. Manfred Lütz (Köln), der über die Thematik Pädophilie und in diesem Zusammenhang auch über die wissenschaftliche Entwicklung der letzten 40 Jahre berichtet. Da zahlreiche Klöster von Missbrauchsfällen betroffen sind, ging er auch auf allfällige Fragen der Äbte ein. Hinsichtlich der Täterfrage gibt es nur sehr wenige Experten: Hans-Ludwig Kröber (Berlin), Norbert Leygraf (Essen) und Friedemann Pfäfflin (Ulm). Weiter betonte Lütz, daß zwischen Pädophilie und Homosexualität unterschieden werden muß. Wurde ein sexueller Übergriff angezeigt und ist er erwiesen, dann muß einerseits mit dem Opfer in einer Atmosphäre der Akzeptanz gesprochen werden. Doch sollte andererseits unbedingt auch der Täter eingebunden werden, indem man ihn in erster Linie moralisch, und nicht nur juristisch in die Pflicht nimmt. Leider gibt es bei Pädophilie keine Sicherheit. Haben Fachleute eine solche festgestellt, ist wegen der Rückfallgefahr eine lebenslange Kontrolle notwendig. Therapeutische Angebote dürfen nicht unter Zwang gemacht werden. Umgekehrt muß aber auch klar sein, dass Verbrechen bestraft gehören. Am ersten Arbeitstag dann gab der Vorsitzende eine Einführung aus der Sicht der Regel Benedikts, die den Abt auch als Arzt skizziert. Schwächen und Krankheit im Kloster sind so alt wie das Mönchtum selbst. Es gibt in Gemeinschaften auch ein Sich-in-Krankheit-Flüchten, und es treten Süchte als Formen von Krankheit auf. Der RB geht es vornehmlich um das rechte Maß. Letztlich geht es aber um die Verheißung der Heilszeit. Manfred Lütz: Lebens-Lust Nach dieser Einführung durch den Vorsitzenden begann Manfred Lütz seinen fulminanten Vortrag „Lebenslust – über Risiken und Nebenwirkungen der Gesundheit“. Durchaus schnippisch formuliert er einleitend: „Gesund ist eine Person, die nicht ausreichend untersucht wurde“. Mit Karl Kraus sagt er, dass die „häufigste Krankheit die Diagnose“ sei. Gesund ist aber ein Mensch wirklich, wenn er mit seinen Krankheiten anständig leben kann (Aristoteles). Hans Gadamer spricht von der „Verborgenheit der Gesundheit“. Alle Phänomene der Religion finden sich auch im Gesundheitswesen. Die Gesundheitsreligion ist die teuerste und mächtigste Religion der Welt. Wir leben in einem totalen Gesundheitsüberwachungsstaat. Gesundheit ist ein hohes Gut, aber nicht das höchste Gut. Demosthenes war sprachbehindert, Homer blind, Beethoven taub, Steven Hawkins total gelähmt: Alle haben sie Großartiges geleistet! Das Leben ist einzigartig, nichts kann man wiederholen. Das spricht gegen die heutige Video-Mentalität, die glaubt, alles wiederholen zu können. An „Heiltümern“ (aber auch an Kunstwerken wie dem Isenheimer Altar oder an Mozarts Laudate Dominum aus den Vesperae solemnes) kann man gesund werden. „Um gesund zu sein, muss man der Welt zustimmen.“ Burkard Ellegast: Die Verantwortung des Abtes Über „Erfahrungen eines langgedienten Abtes“ in der Verantwortung für die kranken Mitbrüder referierte Abt em. Burkard Ellegast (Stift Melk): Nach der RB begegnet man besonders in den Kranken und den Gästen Christus. Cellerar und Infirmar tragen deshalb in besonderer Weise mit dem Abt dafür Verantwortung. Es gibt Mitbrüder, die wirken gesund, sind aber schwer krank. Es gibt Krankheiten, von denen man nichts weiß. Es gibt in Klöstern „U-Boote“. Süchte sind verbreitet: Computer, Alkohol, Spielsucht etc. Kurze, aber regelmäßige Besuche des Abtes bei den Brüdern sind wichtig, genauso wie eine Atmosphäre des Vertrauens in Ehrlichkeit und Offenheit. Krankheit verformt, läßt einen Menschen ganz anders werden. Die Gesunden können den Kranken die Sorgen nehmen und ihnen die Gewißheit geben, dass man sie nicht fallen lässt. Um vom Kranken nicht „aufgefressen“ zu werden ist eine Supervision gut. Auch regelmäßiges Schriftgespräch und Aussprechen von Emotionen helfen, Leid geduldig zu ertragen. Bei aller Sorge darf aber nicht vergessen werden: Wer sorgt für die Gesundheit des Abtes? Wunibald Müller: Zum Verhältnis von Heiligkeit und Gesundheit In seinem Vortrag „Ist Heiligkeit Gesundheit oder macht Heiligkeit krank? Gesundheit und Krankheit im Kloster“ legte Wunibald Müller Wert auf eine ganzheitliche Spiritualität, die Seele, Geist und Leib einschließt. Daraus ergibt sich die Frage nach einer Spiritualität, die Gesundheit und Heiligkeit fördert. Ganzheitliche Spiritualität nimmt leibliche und psychische Befindlichkeiten wie Stress, Entspannung, Bewegung, Schlaf, Träume wahr und lässt sie zu. Der Sexualität kommt als einer Lebenskraft besondere Bedeutung zu. Auch im offenen Gespräch über die eigenen Bedürfnisse und Schwierigkeiten vollzieht sich Menschlichkeit. Die Einzelnen und die Konvente tragen Verantwortung dafür, dass das spirituelle Leben sich ganzheitlich und heilsam entfalten kann. Berichterstattung Auch im Gespräch mit Abtprimas Notker Wolf am zweiten Arbeitstag ging es zunächst um die Missbrauchsthematik. Es wurde deutlich, wie wichtig schnelle und umfassende Information ist, um den Anfragen aus der Öffentlichkeit angemessen gerecht werden zu können. Abtprimas Notker dankte den betroffenen Klöstern für ihre Unterstützung in Sachen Information. Wie in jedem Jahr berichtete er über die verschiedenen personellen Veränderungen in Sant’ Anselmo, über das Leben im Kolleg und an der Hochschule. Vor allem die Renovierung des Hauses bereitet immer wieder Sorgen. Sr. Michaela Puzicha (Varensell
/ Salzburg) berichtete über die Arbeit des Instituts für benediktinische Studien
in Salzburg: Die seit zehn Jahren regelmäßig angebotenen Kurse haben sich
etabliert und sind kontinuierlich ausgebucht. Die TeilnehmerInnen kommen aus
unterschiedlichen Kreisen: Novizen, Novizenmeister, Äbte, Laien, etc. Alle
bringen ihre Fragen mit aus einer Welt, die nicht religionsfreundlich ist. Abt em. Emmeram Geser von
Metten berichtet über die Tätigkeit der Liturgischen Kommission der SÄK: Ausflug Zunächst besuchten die Mitglieder der SÄK am Donnerstagnachmittag die Abtei St. Walburg in Eichstätt. Äbtissin Franziska empfing die Gruppe und gab ihr eine charmante Führung am Grab der heiligen Walburga. Nach einem kleinen Orgelkonzert ging es zu Fuß durch die Stadt in den Dom, wo nach einer sehr sachkundigen Führung die Vesper mit Begleitung durch den Eichstätter Domorganisten gesungen wurde. Schließlich wurde von den Mönchen von Plankstetten zu Abendessen und gemeinsamem Tagesausklang mit der Komplet geladen. Jahresversammlung Am dritten Arbeitstag sprach zu
Beginn der Jahresversammlung der SÄK Priorin Irene Gassmann (Fahr) als 1.
Vorsitzende der VBD ein Grußwort. Rektor P. Paulus Koci berichtete über den Umbau des Kollegs St. Benedikt in Salzburg. Ein Teil des Hauses wird künftig als Haus St. Benedikt gewerblich genutzt werden. Nach längerer Diskussion der verschiedenen Argumente beschlossen die Mitglieder der SÄK mehrheitlich eine gemeinsame Erklärung „Zum respektvollen Umgang mit Geschädigten sexuellen Mißbrauchs in unseren Klöstern“. Desgleichen tauschte man sich über das Für und Wider eines gemeinsamen Entschädigungsfonds für Mißbrauchsopfer aus. Wichtiger als Geldzahlungen seien die ehrliche Aufarbeitung und das Gespräch mit den Opfern, wodurch die Ernsthaftigkeit der Bemühungen der betroffenen Gemeinschaften am glaubwürdigsten zum Ausdruck käme. Ungewöhnlich schnell und eindeutig wurde das Thema für die nächste Ostertagung formuliert: „Kloster und Medien. Treten unsere jungen Mitbrüder ins Kloster ein oder in eine IT-Community?“ P. Korbinian Birnbacher, Salzburg
Symposium der Bayerischen
Benediktinerakademie Im vorliegenden Beitrag wird die inklusive Sprache konsequent durchgehalten. Zugunsten einer besseren Lesbarkeit hat sich die Redaktion erlaubt, im folgenden Text darauf zu verzichten. Es ist selbstverständlich neben der einen auch die andere Form zu denken. Das diesjährige Symposium der Theologischen Sektion der Bayerischen Benediktiner-Akademie stand unter dem Thema „Klöster als Stätten der Glaubensvermittlung und Katechese“. 20 Teilnehmende hatten sich dazu im geschichtsträchtigen Augustinerkloster in Erfurt eingefunden. Regionalbischöfin Elfriede Begrich begrüßte als „Hausherrin“ die Runde mit herzlichen Worten und erinnerte an die monastische Prägung Martin Luthers an diesem Ort, die über Jahrhunderte in der evangelischen Tradition weitgehend verdrängt oder gar abgelehnt worden sei. Erst die Neugründung evangelischer Kommunitäten nach dem 2. Weltkrieg führten langsam zu einer Neubewertung. Der historische Kreis hat sich vor gut zehn Jahren geschlossen, als eine Gruppe von Schwestern des Casteller Rings ihr benediktinisches Leben im Augustinerkloster begann. Ihr Gebet, ihre Präsenz und ihr Engagement in der Klosterstube, bei Kirchenführungen und im Seminarbetrieb verleiht dem Augustinerkloster, das heute als Bildungshaus der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands genutzt wird, ein zeitgemäßes Klosterprofil. Die Stadt Erfurt im Zugehen auf die Walpurgisnacht und die Maidemonstrationen bildete für die Ausführungen von P. Athanasius Polag (Huysburg), Sr. Ruth Schönenberger (Tutzing) und Prof. Dr. Peter Zimmerling (Universität Leipzig) einen adäquaten Hintergrund. Denn es ging in allen Beiträgen um die Menschen von heute, die sich in einer Welt eingerichtet haben, die Gott los geworden ist. Herausforderungen in
Ostdeutschland – Erfahrungen im Kloster Huysburg Welche Strategien legt eine solche Zeitanalyse nahe? P. Athanasius faßt sie in vier Punkten zusammen: 1. Zeit zum Hören. Das Kloster muß ein Ort sein, an dem Menschen immer und immer wieder ihr Leid, erlebtes Unrecht, das Böse in ihrer Biographie erzählen können. Die große kommunikative Herausforderung an den Mönch ist es, dieses Leid auszuhalten, auf Erklärungsversuche zu verzichten und mit dem / der Sprechenden[1] in der Gegenwart Gottes auszuharren. Eine solche „biographische Seelsorge“ setzt eine große Reife der eigenen Persönlichkeit des Mönchs voraus. 2. Persönliche Symbole finden, die über den Alltag hinausgehen, um bei dem Einzelnen die Deutungsfähigkeit zu aktivieren. Solche Symbole müssen eine gewisse Unbestimmtheit haben, d.h., sie können verschiedene Situationen aufnehmen. Als Beispiel ist die Wiederentdeckung des Pilgerns. Das Pilgern gibt dem Einzelnen die Möglichkeit der Annäherung, ohne bereits eine Verbindlichkeit einzufordern. Persönliche Symbole und Riten können auch der Ratlosigkeit im Umgang mit Konflikten begegnen und an eine gestufte Teilnahme am Gottesdienst heranführen. 3. Gesprächsfähigkeit fördern. Als besondere Herausforderung benennt P. Athanasius die Sprache, die der Hörfähigkeit der Menschen angepaßt werden muß. Unser religiöses Sprechen muß sich dem Härtetest unterziehen: Ist das, was ich formuliere, für mein Gegenüber verständlich? Wenn nicht, welche Verständnishilfen kann ich geben? Wie kann ich das, was mir wichtig ist, so formulieren oder auch konzentrieren oder auch reduzieren, daß der hörende Mensch dadurch bereichert wird? Mit deutlichen Worten fordert P. Athanasius eine neue Entschlossenheit zur Armut in unseren Klöstern ein. 4. Befähigung von Freundeskreisen wird von kleiner werdenden Gemeinschaften und dem höheren kommunikativen Zuwendungsbedarf Einzelner gefordert. Gute Erfahrungen werden auf der Huysburg mit ausgebildeten Kirchenführern gemacht. Solche Kirchenführungen bieten die Chance, christlich Substantielles in einer auf die jeweilige Gruppe abgestimmten Weise zu vermitteln. Die Beteiligung von Menschen, die dem Kloster nahe sind, sollte dabei nicht als ehrenamtliches Engagement verstanden werden, sondern in der Betonung der Taufamtlichkeit eine existentiellere Deutung finden. Überhaupt ist die Entwicklung eines neuen Taufbewußtseins, das sich unabhängig vom Klerus versteht, auch für Pfarrgemeinden ein wesentliches Überlebenskriterium. „Entschlossenheit zur Armut“, „ein entbehrungsreiches Tun“, „ Herausforderung zur Askese“ stehen dabei der Erwartungskultur von Mönchen und Nonnen in einem Kloster entgegen und muß somit von allen als ein primär geistliches Problem verstanden und angegangen werden. „Seelsorge auf neuen
Wegen“ Gemeinschaftlich gelebter
Glaube als Zeichen 1. Gemeinschaft bewirkt Selbsterkenntnis: Gemeinschaft bietet die Chance, aus der Illusion über das eigene Selbst hinauszufinden und auf dem Weg der Selbsterkenntnis vorwärts zu kommen. Der Nächste, der mir als Frommer oder Sünder begegnet, wird mir zum Stein des Anstoßes auf dem Weg der Selbsterkenntnis und kann helfen, Immunbarrieren zu überwinden. So gedeutet wird christliche Gemeinschaft zum Freiraum zur Selbsterkenntnis, deren Ziel immer die Annäherung an Christus ist. 2. Gemeinschaft ist ein Lernfeld für die Würde des Anderen. Christliche Gemeinschaft lebt vom gegenseitigen Respekt, der eine Atmosphäre des Angenommenseins und der Freiheit schaffen kann. Biblisches Vorbild ist darin Jesus Christus selbst, der die Kategorie des Einzelnen entwickelt hat. Dies wird besonders auch in seinen für seine Zeit untypischen Begegnungen mit Frauen erkennbar. Die Christusbeziehung ist immer eine individuelle Beziehung, die in die Gemeinschaft der Christusbezogenen mündet. Je näher man dem Anderen kommt, umso näher kommt man dem göttlichen Geheimnis jedes einzelnen Menschen. 3. Gemeinschaft ist der Motor der Persönlichkeitsentwicklung. Nachreifung der Persönlichkeit wird in einer selbstoffenbarenden Nähe zum Anderen ermöglicht. Im gegenseitigen Zutrauen und der Herausforderung durch gestellte Aufgaben, kann Gemeinschaft zu einem Resonanzboden für Begabungen werden. 4. Gemeinschaft ist eine Schule der Nächstenliebe. Das Leben in Gemeinschaft erfordert vom der Einzelnen aus der Selbstverschlossenheit herauszutreten. Nur so kann christliche Gemeinschaft zu einem Gegengewicht gegen die „Versachlichung menschlicher Beziehungen in einer materialistisch geprägten Umwelt“ werden. 5. Gemeinschaft ist Raum der Seelsorge. Ausgehend von dem Zitat von Dostojewski „Es gibt Zeiten, in denen man jemanden braucht, zu dem man hingehen kann“ stellt Prof. Zimmerling die christliche Gemeinschaft als Vorbild dar, in der Menschen, die Gemeinschaft erlebt haben, Anstifter neuer Gemeinschaften werden können. Das Pfarrhaus und das Kloster ist der Typus solcher Gemeinschaftserfahrungen. 6. Gemeinschaft als Raum von Alltag und Fest. Das Teilen des Alltags und das Herausheben besonderer Ereignisse qualifizieren das gemeinschaftliche Leben im christlichen Kontext. Alltag und Fest dienen der Vermittlung von Glaubensinhalten. Glaubensvermittlung ist unmittelbar abhängig von der Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen. Diese wiederum ist Resultat eines christusbezogenen Lebens in Gemeinschaft. Herausforderungen für
Kommunitäten heute Das Thema der Veranstaltung hatte sich zum Schluß hin ganz im Sinne der von P. Athanasius eingeforderten Entschiedenheit zur Armut gewandelt: Klöster können nur in dem Maße Stätten der Glaubensvermittlung und Katechese in einer differenzierten, multioptionalen und gottvergessenen Kultur werden, in dem sie Stätten der Seelsorge mit einer ausgeprägten Persönlichkeitsbildung und dem Profil des „Bleibens“ nach innen und mit heilender Wirkung nach außen werden. Sr. Ulrike Soestrup, Dinklage
Tagung der Cellerarinnen in
Engelthal Die Jahrestagung der Cellerarinnen-AG fand in diesem Jahr bei den Mitschwestern in der Benediktinerinnen-Abtei Kloster Engelthal statt. In zweifacher Hinsicht stellte sie eine Premiere dar: Die AG traf sich zum ersten Mal in Engelthal, und es war die erste Gruppe, die das alte Refektorium der Kommunität als Vortragssaal nutzen konnte. Nach intensiven Jahren des Planens und Bauens kam die Gruppe sozusagen an einen Ort, der von Bautätigkeit noch warm war. Und diese Gelegenheit wurde gerne genutzt, um sich über das Warum und Wozu eingehend zu informieren. Doch zunächst stand am Abend des Anreisetages nach allseits herzlicher Begrüßung der Punkt Formalia auf dem Programm. Einige Schwestern hatten kurzfristig absagen müssen, so daß schließlich 26 Benediktinerinnen, Zisterzienserinnen und Karmelitinnen in Engelthal zusammenkamen, von denen vier zum ersten Mal mit dabei waren. Erster Arbeitstag: Kloster Engelthal in Vergangenheit und (baubewegter) Gegenwart Am nächsten Morgen fand sich Äbtissin Elisabeth Kralemann gerne bereit, der Gruppe einen Überblick über Geschichte und Gegenwart ihres Klosters zu geben: Von der Notwendigkeit einer Neugründung durch das Mutterkloster Herstelle. 1962 wurden 20 Schwestern unter dem Wahlspruch „Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, höre auf seine Stimme!“ (Ex 23,20f) nach Engelthal ausgesandt. Mit dem inneren ging der äußere Aufbau einher. Man kann sagen, daß die Abtei Kloster Engelthal von einer dreifachen Verbundenheit geprägt ist: Als benediktinische Gemeinschaft ist sie eingebunden in die Beuroner Kongregation, an zisterziensischem Ort weiß sie sich ältester Traditionen verpflichtet und als lebendiges Glied des Bistums Mainz bringt sie sich in die Ortskirche ein. Nach M. Elisabeth bestritten den Rest des Tages Sr. Caterina Görgen (Engelthal), zusammen mit dem im Kloster tätigen Hausmeister, Herrn Gurb. Intensiv mit allen Planungs- und Durchführungsmaßnahmen vertraut, konnten sie den interessierten Cellerarinnen mit einem Wechsel aus Vortrag, Bildpräsentation und Hausführung einen Eindruck davon vermitteln, was in den vergangenen Monaten auf der „Baustelle Engelthal“ geleistet worden ist – und was noch aussteht bis zur Vollendung. Ausgangspunkt aller Maßnahmen war die Sanierungsunwürdigkeit von Süd- und Westflügel des Klosters. Ein geschlossener, von keinem Küchenbetrieb gestörter Kreuzgang konnte geplant und realisiert werden. Es gelang zudem, die Neubauten wieder an die Stelle der Vor-Vorgängerbauten zu setzen, was im Hinblick auf die Wasserführung im Gelände (Wasseradern) sehr bedeutsam ist. Ein gesünderes Bauklima entstand. Da Neubau- und Sanierungskosten vom Bistum Mainz als Immobilien-Inhaber übernommen werden, die laufenden Unterhaltskosten aber von der Gemeinschaft selbst zu tragen sind, war von Anfang an auch ein umfassendes Energiekonzept mit im Blick. Die Nutzung von Regenwasser für die WC-Spülung konnte schon bei der Renovierung des Gästehauses im Jahr 2000 realisiert werden. Im Neubau gelang es zudem durch Wärmetauscher auf eine Warmwasserzirkulation zu verzichten. Da die Gemeinschaft keinen Waldbesitz hat und auch kein Gasanschluß vorhanden ist, kam zur Beheizung nur folgende Vorgehensweise in Betracht: Isolierung der vorhandenen Bausubstanz, wo immer sinnvoll, Optimierung der bestehenden Heizungsanlage (Heizöl), Besserung des Nutzerverhaltens und – für den Neubau – Erdwärmenutzung! Ob letzteres an einem bestimmten Ort überhaupt in Frage kommt, läßt sich im Internet anhand von hydrogeologischen Landkarten recherchieren. In Engelthal ist dies der Fall. Definitive Gewißheit brachte ein Erdwärmemachbarkeitsgutachten, das rund 1.500,- € kostete und von der Stiftung finanziert wurde. Da die Vorlauftemperatur der acht Bohrlöcher mit je 140m Tiefe zu Tage geförderten Wärme nicht mehr als etwa 45° C erreicht, kommt die Installation von Heizkörpern nicht in Betracht, sondern das Legen von Fußbodenheizung. Übrigens wird im Sommer dem System Wärme wieder zugeführt. Die Sonden haben eine Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren, die Pumpen von rund 20 Jahren. Mit der Amortisation der gesamten Anlage ist nach etwa 15 Jahren zu rechnen. Die Realisierung des Projekts verursachte Kosten von rund 100 000 €. Nicht zu vergessen sind der ökologische Gartenbau, der aktive Naturschutz (große Fledermauspopulation!) und die Bewußtseinsbildung aller Beteiligten. Schließlich ist für Christen grundlegend, daß die (Um-)Welt Gottes Schöpfung ist! Zweiter Arbeitstag: Büroorganisation – Finanzen – Rechtliche Fragen Herrn Dr. Thomas Kellner aus Koblenz referierte am Vormittag über Büroorganisation für kleinere Gemeinschaften. Organisation ist eine nicht zu unterschätzende Dienstleistung innerhalb einer Körperschaft. Grundfunktionen eines Büros wurden systematisch dargestellt, eine Arbeitsplatzbeschreibung sehr empfohlen. Nur wer effektiv arbeitet, d.h. die richtigen ( = zielführenden) Dinge macht, kann auch effizient sein, d.h. die richtigen Dinge mit so wenig Aufwand wie möglich tun. Nachmittags widmete sich Herr Westinger, Justiziar aus dem Haus der Orden, zunächst einer ganzen Reihe von Einzelfragen: dem kassenindividuellen Zusatzbeitrag, um den auch wir Ordensleute nicht herumkommen, der steuerlichen Identifikationsnummer, der Besteuerung von Rentenzahlungen, den Rahmenverträgen bei der WGKD und der Sozialversicherungspflicht von RentnerInnen. Dann ging es in einem großen zweiten Block um Betreuungsrecht. Hier ist zu unterscheiden zwischen der Patientenverfügung, die dem Arzt verbindliche Anweisungen gibt, der Betreuungsverfügung, mit der ein Betreuer-Wunsch kundgetan werden kann, und der Vorsorgevollmacht. Letztere sollte unbedingt je einmal für das Außen- und für das Innenverhältnis abgefaßt werden. Dritter Arbeitstag: Solidarwerk der Orden Erstmals konnte P. Georg Scholles OFM (Euskirchen) im Kreis der Cellerarinnen begrüßt werden. Er ist seit 2005 Vorsitzender des Solidarwerkes der Orden in Deutschland e.V. (gegr. 1991) und verstand es sehr gut, auf ebenso verständliche wie grundlegende Weise den Sinn und die Funktionsweise dieser Solidargemeinschaft darzustellen. Am 31.12.2008 umfaßte sie 309 Mitgliedsgemeinschaften. Für diese erbringt sie gegenüber dem Staat den Nachweis, daß Versorgung in alten und kranken Tagen gewährleistet ist, und daß die Gewährleistung gesichert ist. Nur so ist die grundsätzliche Rentenversicherungsfreiheit von satzungsmäßigen Mitglieder geistlicher Genossenschaften in Deutschland aufrecht zu erhalten. Am Freitag galt es dann, sich mit der aufs Neue gemachten guten Erfahrung zu verabschieden, daß nicht nur ähnliche Sorgen verbinden, sondern viel Verständnis und Hilfsbereitschaft da ist. Was an Offenheit und Vertrauen im Kreis der Cell-AG in den letzten Jahren gewachsen ist, läßt viel Dankbarkeit zurück! Die nächste Tagung wird von 23.
bis 27. Mai 2011 in der Zisterzienserinnenabtei St. Marienthal stattfinden. Dann
soll es um Aktuelles aus dem Bereich Recht und Soziales gehen, um den Umgang mit
Presse und Medien und um das kirchliche Arbeitsrecht. Auch eine Exkursion nach
St. Marienstern ist geplant. Abschluss der Generalsanierung des Kollegs St. Benedikt Nach eineinhalbjähriger Bauzeit wurde am 23. Juni 2010 die Vollendung des erneuerten Kollegs St. Benedikt in Salzburg feierlich begangen. Das Pontifikalamt in der Stiftskirche von St. Peter zelebrierte der Präses der Österreichischen Benediktinerkongregation Abt Christian Haidinger (Stift Altenburg). Die Segnung des Gebäudes nahm der Erste Assistent der Österreichischen Benediktinerkongregation, Abt Johannes Perkmann (Stift Michaelbeuern) vor. Das Kolleg St. Benedikt ist das Studienhaus der Österreichischen Benediktinerkongregation in Salzburg. Seit seiner Errichtung im Jahre 1926 leben hier in einer klösterlichen Lebensordnung vor allem Benediktiner aus dem Deutschen Sprachraum, die an den Universitäten Salzburgs studieren. Seine Errichtung knüpfte bewußt an die einstmals blühende Benediktineruniversität aus der Barockzeit an, die im Jahre 1810 geschlossen worden war. Heute wird das Kolleg von einem Rektor geleitet. Neben zehn Benediktinern studieren hier derzeit zwei Augustiner Chorherren, zwei Zisterzienser, ein Prämonstratenser, ein syrisch-orthodoxer Priester sowie drei Laien. Den Haushalt besorgen seit 2006 indische Schwestern der Sisters of Sacred Sciences. Im Rahmen der Generalsanierung wurde in einem Teil des alten Kollegs das Haus St. Benedikt errichtet. Es führt die alte Tradition der Gastfreundschaft fort und bietet Pensionsgästen während des Jahres die Möglichkeit mitten in der Altstadt in modernen Gästezimmern zu übernachten. Für die Errichtung des Kollegsgebäudes zwischen Erzabtei St. Peter und dem Festspielhaus und in Nachbarschaft zu den Franziskanern wurde seinerzeit der bekannte Bauhausarchitekt Peter Behrens gewonnen, dessen klare und einfache Strukturen auch heute noch das Bild des Baukörpers bestimmen. Zusammen mit dem Halleiner Bildhauer Jakob Adlhart gestaltete er die expressionistische Eingangshalle, die von einem überlebensgroßen Kruzifix beherrscht wird. Unter die schweren Deckenbalken geduckt, stellt dies Kunstwerk eindrucksvoll dar, daß Christus der eigentliche Träger dieses Haus ist. Nach gut achtzig Jahren wurde das Gebäude einer umfangreichen Sanierung unterzogen, um den modernen Erfordernissen zu genügen. Alle Zimmer wurden mit Naßzellen versehen, ein Aufzug wurde eingebaut und die gesamte technische Anlage erneuert. P. Paulus Koci, Salzburg |