Berichte
 

Priorat der Benediktinerinnen von der hl. Lioba
Kloster St. Gabriel

Bald ein Jahr nach unserer Übersiedlung von Bertholdstein nach St. Johann b. Herberstein (zum 1. Advent 2008) beginnen wir nach einer Zeit des Einlebens und Fußfassens, unsere Wurzeln langsam aber stetig in das neue, uns zugedachte Erdreich einzusenken. Vom ersten Moment an wurden wir von der Bevölkerung herzlich aufgenommen. Derzeit sind wir dabei, das Miteinander mit der Pfarrgemeinde auszubauen (gemeinsames Feiern von Gottesdiensten, Bibelrunden, Exerzitien im Alltag), ebenso auch die Kooperation mit dem Haus der Frauen – Erholungs- und Bildungszentrum der Diözese Graz-Seckau: Grundkurs Benediktinische Spiritualität, Mitgestaltung bestehender Angebote, Übernahme kleiner Dienste.  

Sr. Maria Krauss, St. Johann b. Herberstein


17. Tagung der Arbeitsgemeinschaft Benediktineroblaten
St. Ottilien 2. - 5. Juni 2009
 

Die Teilnehmerzahl an der diesjährigen Tagung der Arbeitsgemeinschaft Benediktineroblaten (ARGE) erreichte einen neuen Rekord: Mehr als 90 Brüder und Schwestern der verschiedenen Gemeinschaften aus Deutschland, aber auch von der Dormitio in Jerusalem und aus Pannonhalma, kamen in St. Ottilien, dem bewährten Tagungshaus, zusammen. Unter Anleitung von Sr. Michaela Puzicha (Varensell / Salzburg) waren sie eingeladen „Das Gottesbild in der Regula Benedicti“ zu betrachten und darüber in Austausch zu treten.

Wie immer bildete die Feier der Tagzeiten mit den Mönchen in der Klosterkirche den Rahmen der gemeinsamen Tage. Die barocke St. Ottilienkapelle war wie in den vergangenen Jahren der Ort der Eucharistiefeier – und allmorgentlich bis auf den letzten Platz besetzt.

Nach einer Annäherung an das Thema am Abend des Anreisetags, war der Mittwoch ganz der thematischen Arbeit gewidmet. Mit jeweils einem Impulsreferat am Vor- und Nachmittag legte Sr. Michaela Grundthemen der Regel Benedikts vor, aus denen Quellen der Spiritualität und der Erfahrungen Benedikts ersichtlich wurden. Der erste Satz ihrer Ausführungen: „Der Gott der Regel Benedikts ist Christus“ mag manchem Zuhörer unvermittelt provokant geklungen haben. In ihren engagierten Referaten und den folgenden Gruppenarbeiten zum Thema bekamen die Tagungsteilnehmer die Möglichkeit, der Wahrheit dieser Aussage auf die Spur zu kommen und über die Gestalt der eigenen Gottes- bzw. Christusbeziehung nachzudenken.  

Ein feststehender Programmpunkt der ARGE-Tagung in St. Ottilien ist auch eine Oblatenrektoren-Konferenz. Dazu trafen sich die betreffenden Brüder und Schwestern am Abend des Mittwochs, um die Kandidatenliste für die Vorstandswahlen in der Mitgliederversammlung am folgenden Tag zu erstellen. Außerdem wurde über den Stand der Vorbereitungen für die Rektorenkonferenz 2010 auf dem Jakobsberg informiert.  

Die Mitgliederversammlung der ARGE wird aktuell von den (anwesenden) Oblatengemeinschaften der einzelnen Klöster gebildet, die bei Abstimmungen jeweils mit einer Stimme sprechen, unabhängig von der Anzahl der teilnehmenden Vertreter.

Zu Beginn erfolgte am Vormittag des Donnerstags der Tätigkeitsbericht des Vorstands für den Zeitraum 2005 bis 2009. Neben Planung und Durchführung der Tagungen in St. Ottilien und auf dem Jakobsberg wurde von der Einrichtung der „Zentralen Homepage der Arbeitsgemeinschaft Benediktineroblaten“ – www.benediktineroblaten.de – berichtet. Frau Dr. Schmidt-Sommer informierte über die Übergabe des ARGE-Archivs an Herrn Stefan Blanz (Beuron) und legte allen Anwesenden ans Herz, für die Weiterführung des Archivs Sorge zu tragen.

Erstmalig gab es beim Katholikentag 2008 in Osnabrück eine Präsenz von Benediktineroblaten im Rahmen einer „Benediktinischen Ora-et-labora-Alltagswerkstatt“ in Zusammenarbeit mit Schwestern und Brüdern verschiedener benediktinischer Klöster auf dem Gelände der Benediktinerinnen von Osnabrück. Diese Erfahrung bestärkte die Beteiligten in ihrer Wahrnehmung des zunehmenden Wunsches der Oblaten nach neuen Wegen für die Begegnung und Stärkung der Vernetzung untereinander.

Nach mehrjähriger Arbeit konnte von den drei Autorinnen das Buch „Aufbruch mit Benedikt. Oblaten – Eine christliche Lebensform“ fertiggestellt werden. Zu Intention und Inhalt des Bandes gab es eine kurze Einführung. Das Buch war dann auch gleich am Büchertisch des EOS-Verlags erhältlich, an dem der Verlagsleiter P. Cyrill Schäfer selbst neueste Publikationen anbot.

Weiterhin gab es einen Überblick über die Vorbereitungen zum Zweiten Weltoblatenkongreß vom 2. bis 10. Oktober in Rom zum Thema „Die religiösen Herausforderungen der heutigen Zeit – die benediktinische Antwort“. 

Nach diesen Informationen wurde der Kassenbericht bekanntgegeben, auf den die Vorstandswahl folgte. Hier zeigte sich „Benediktinische Beständigkeit“: Alle Mitglieder des Vorstands, die zuvor von der Mitgleiderversammlung entlastet worden waren, wurden für eine weitere Wahlperiode von vier Jahren gewählt und nahmen die Wahl an. So kann sich die bewährte Zusammenarbeit von P. Michael Vollmerich (Ettal) als Vorsitzendem mit Äbtissin Johanna Mayer (Frauenwörth), P. Basilius Ullmann OCist (Langwaden), P. Martin Kreuzburg (Beuron), Frau Helga Bauer (St. Ottilien), Frau Elke Wittemann (Köln-Raderberg) und Herrn Detlef Jankowski (Maria Laach) fortsetzen.

Die erste Aufgabe des alt-neuen Vorstands ist die Festlegung des Themas der nächsten Tagung in St. Ottilien 2011 und die Gewinung von Referenten. Dafür wurden bei der Mitgliederversammlung Vorschläge gesammelt. 

Der Nachmittag des Donnerstags war dem üblichen gemeinsamen Ausflug gewidmet. In diesem Jahr brach man dazu nach Dachau in die KZ-Gedenkstätte auf. Am Vorabend bestand die Gelegenheit, sich mit einem Dokumentarfilm auf den Besuch dort vorzubereiten. Es stellte sich heraus, daß eine beträchtliche Anzahl von Tagungsteilnehmern auf die Mitfahrt verzichtete, weil klar war, daß die Begegnung mit den Zeugnissen der Vergangenheit im Lager eine große emotionale Herausforderung bedeutete. Diejenigen, die sich auf den Weg machten, hatten zunächst im Gelände Gelegenheit, für sich in Stille zwei Stunden lang dem nachzuspüren, welche Leiden für die Häftlinge mit dem Lagerleben verbunden gewesen waren. Dazu half die umfangreiche Austellung, in die die einzelnen in ihrem je eigenen Tempo Einblick nahmen.

Zur festgesetzten Zeit trafen sich alle am Eingang zum Karmel „Heilig Blut“ am Rand des Lagergeländes. Dort gab die Karmeliterin Sr. Irmengard einen Einblick in die Geschichte dieser Gründung, in das Selbstverständnis der Schwestern, auch, wie jede ihre persönliche Form des Lebens an diesem Ort finden muß. Sie erwähnte, daß die Marienstatue in der Klosterkirche aus dem Dachauer Priesterblock stamme und daß am Karfreitag im Gottesdienst das Kreuz aus der Kapelle des Priesterblocks verehrt würde. Es war bewegend, als Sr. Irmengard auf eine Bitte aus der Gruppe dieses Kreuz aus der Sakristei in die Kirche brachte und zur Vesper auf dem Altar aufstellte. Wir sangen das Abendlob zusammen mit dem Konvent der Karmelitinnen und wurden danach im Beisein der Schwestern auch von der Priorin mit herzlichen Worten begrüßt.

Ein Ausflug in herkömmlichem Sinn war dieser Nachmittag nicht. Gab es auf der Hinfahrt im Bus noch angeregte Gespräche auf einem gewissen Geräuschpegel, so war die Stimmung bei der Rückfahrt eher verhalten. Zurück in St. Ottilien löste sich dies beim gemeinsamen Abendbrot, zu dem man auch wieder mit den Daheimgebliebenen zusammentraf. 

Dieses Zusammensein unter Schwestern und Brüdern, das ungewzungene Gespräch aller mit allen in quasi jeder freien Minute ist stets ein Gewinn und trägt zum Gelingen einer solchen Tagung bei. Entsprechend herzlich waren die Verabschiedungen am folgenden Morgen, die von der Freude über gemeinsam Erlebtes und der Erwartung eines frohen Wiedersehens geprägt waren. 

Sr. Ruth Lazar, Alexanderdorf


Junioratswerkwoche der Beuroner Kongregation
in Seckau vom 3. - 10. August 2009: Ein Erlebnisbericht
 

Bis in den äußersten Süden der Kongregation, ins österreichische Seckau, sind wir alle, die Junioren der Beuroner Benediktiner-Kongregation mit ihren Magistri und Magistrae, den ganzen Tag unterwegs. In Seckau kommen am Montag im Lauf des Abends 20 Junioren nach teilweiser Reise mit Hindernissen zusammen.. Zu meinem weißen Schleier gesellen sich noch vier, und Neele, die auf ihren noch wartet. Von den Frauenklöstern sind Eibingen, Herstelle, Varensell und Fulda vertreten. Die Männer kommen aus Beuron, Maria Laach, Gerleve, Neuburg und Nütschau, 16 insgesamt, also ungewöhnlich viele im Vergleich zu uns sechs Frauen. Mit unseren Magistern zusammen sind wir eine Gruppe von 30 Personen, die nun eine Woche die Abtei Seckau bewohnen darf. 

Die Werkwoche steht unter dem Thema: „Das Leben eines Gesegneten. Der hl. Benedikt in den Dialogen Gregors des Großen“. Abt Johannes von Seckau führt uns durch die Woche und hinein in die Welt der Dialoge. Er erzählt aus eigener Erfahrung: von der Arbeit an den Dialogen in der Übersetzungskommission für eine Neuübersetzung im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz Anfang der 90er Jahre; und er teilt mit uns die Schätze seiner eigenen Überlegungen und Meditationen zu den Geschichten aus Benedikts Leben. Wer sie zunächst als bloße Wundergeschichten, als eher kindlich-naiv abtun wollte, kann sich nun überraschen lassen von der Tiefe und Weisheit, die in ihnen zu finden ist.

Bevor wir aber mit der Arbeit an den Dialogen beginnen, haben wir an unserem ersten Vormittag in Seckau Zeit zum Besichtigen dieser schönen Klosteranlage aus dem 12. Jahrhundert. Abt Johannes und ein spürbar mit dem Kloster verbundener Museumsangestellter führen uns durch die Basilika und die Ausstellungsräume, die im Klostergelände untergebracht sind. Und P. Otmar, der Novizenmeister in Seckau, zeigt uns im Laufe der Tage, immer, wenn sich gerade eine Gelegenheit bietet, weitere Kostbarkeiten: die Bibliothek, das Refektorium, den Glockenturm, den Keller.

Am Nachmittag hören wir dann den ersten Vortrag zu den Dialogen: Einführendes und Hintergrundwissen, das hilfreich ist im Umgang mit so alten Texten wie es die Regel Benedikts und auch die Dialoge Gregors des Großen sind. 

In den darauffolgenden beiden Tagen lassen wir uns durch Abt Johannes immer einige thematisch gruppierte Geschichten wie Bilder vor unserem geistigen Auge malen.

Zunächst den Anfang von Benedikts persönlichem Lebensweg in 5 Geschichten-Ikonen: Da ist die anhängliche Amme; Romanus, der erste Begleiter auf dem Mönchsweg; die Zeit des Rückzugs, weit weg von Menschen und Kirche; Prüfungen und Versuchungen; die Vorübergehende Leitung der Gemeinschaft in Viccovaro – hier werden Themen angesprochen, die jeden jungen Menschen irgendwie betreffen: die Auseinandersetzung mit dem Elternhaus, erwachsen werden, sich lösen von Abhängigkeiten, die den eigenen Weg, die größere Berufung verstellen, das Richtige Verhältnis zur Kirche finden, einen fruchtbaren Umgang mit der eigenen Sexualität lernen, scheitern und neu anfangen.

Die Schilderung der Klostergründung auf dem Montecassino enthält zwei Wegweiser für gelingende Gemeinschaft: die beiden Heiligtümer des Apollon-Tempels und des Venus-Hains, die Benedikt ersetzt und umdeutet. Apollon als Sonnengott steht für das Hoch-Hinaus, das Mehr-sein-Wollen. Benedikt setzt an seine Stelle einen Altar, der Johannes dem Täufer geweiht ist –  Johannes, der von sich sagen kann: Er muß wachsen, ich muß kleiner werden. Die zweite heidnische Gottheit, Venus, ist Sinnbild der Gier, des Mehr-haben-Wollens. Dem setzt Benedikt den hl. Martin mit seiner freigebigen Liebe als Vorbild entgegen.

Ebenfalls den Aufbau von Gemeinschaft thematisieren zwei „Steingeschichten“: ein schwerer Stein liegt im Weg und eine Mauer stürzt über einem Bruder ein. Immer ist es der Segen Benedikts als Kraft und Zuwendung aus seiner eigenen Gottesbeziehung heraus, der rettet, der die Wahrheit sehen läßt und heilt.

In drei Wassergeschichten lassen sich die drei Mönchsgelübde wiederfinden: Ein kleiner Konvent kommt zu Benedikt mit der Klage, daß das Wasserholen für sie zu mühsam und gefährlich sei. Indem Benedikt sie ernst nimmt und nachdem er mit dem Jüngsten, dem kleinen Placidus, über dem Problem eine Nacht betend durchwacht hat, kann er den Brüdern eine Quelle zeigen, so daß sie in stabilitas an ihrem Ort bleiben können. – Ein Gote kommt als Novize und zerbricht beim eifrigen Kampf gegen Dornengestrüpp sein Werkzeug, die Klinge fällt zu allem Unglück ins Wasser. Für Benedikt wird das hineingefallene Erz leicht, er kann es herausholen, zurückgeben und ermutigt den Goten, beharrlich weiterzumachen: conversatio morum. – Die dritte Geschichte zeigt, welcher Segen einem Gehorsam entspringt, der in echter Christusbeziehung gründet. Maurus rettet auf Geheiß Benedikts, gestärkt durch seinen Segen, den ins Wasser gefallenen Placidus und läuft dabei, ohne sich dessen bewußt zu sein, auf dem Wasser.

Daß es gerade Wassergeschichten sind, die die Gelübde malen, wird einsichtig, wenn man das Mönchsleben mit seinen Wegweisern und Verbindlichkeiten als einen Weg der Vertiefung der Taufe betrachtet, als ein Hinabsteigen in die Tiefen des Taufbrunnens.

Wie Benedikt dem Gotenkönig Totila und seinem Waffenträger Riggo, dem habgierigen Goten Zalla und dem von der Weltpolitik niedergedrückten Bischof von Canusium begegnet, gibt uns Weisung für den Umgang mit Menschen außerhalb des Klosters: wertschätzend, aufbauend, liebevoll und behutsam die Wahrheit sehen helfend, mit prophetischer Weitsicht, die aus der klösterlichen Lebensweise erwächst.

Abt Johannes wird mir verzeihen, wenn ich das verrate: Vieles über die Dialoge höre ich schon zum zweiten Mal, weil Abt Johannes uns in Fulda die Jahresexerzitien gehalten hat. Aber ich langweile mich keine Minute, ich kann nicht nur einfach das Gehörte auffrischen, sondern ich kann es neu hören – diese Geschichten können mit mir gehen und in mich hineinwachsen. 

Ein weiterer Tag der Arbeit an den Dialogen gibt all unserer Kreativität Freiraum: Wir lassen uns von den Geschichten über Benedikt inspirieren zu Gedichten, kleinen Szenen, gemalten oder aus der Natur hergestellten Kunstwerken, einer Orgelimprovisation, und einer Litanei, die wir in der Vesper als Fürbitten singen. Und wir sind alle beeindruckt von den vielfältigen Talenten, die zum Vorschein kommen.

Inzwischen ist schon seit zwei Tagen ein besonderer Gast bei uns: Abtpräses Albert Schmidt konnte es einrichten und ein paar Tage mit uns gemeinsam in Seckau verbringen. Wir können ihn löchern mit Fragen zur Kongregation, zu seiner Arbeit und zu seiner eigenen Person, und immer wieder ergeben sich Gelegenheiten für ein persönliches Gespräch, in dem wir oft verblüfft werden, weil Abt Albert nicht selten unsere Namen schon kennt und weiß, woher wir kommen.

Nicht zu vergessen ist auch ein Waldspaziergang, mit dem wir unbedingt auf Abt Albert hatten warten sollen. Der Förster des Klosterwaldes, der mit Abt Johannes mehrmals im Jahr eine Wanderung macht und immer etwas Neues zu zeigen und erklären findet, führt auch uns hörend, riechend, tastend, Ausschau haltend nach etwas Schönem und Bedeutsamem einen wunderschönen Nachmittag lang durch den Wald. 

Inzwischen sind wir in Seckau heimisch geworden, finden unsere Wege durch die wie in wohl jedem Kloster verschachtelten Gänge und haben wahrscheinlich unseren Schlafrhythmus etwas umgestellt – die Abende sind lang, wir lernen uns kennen, erzählen, tanzen mit Abt Johannes Kreistänze, erzählen noch etwas usw. Auch das anders gestaltete Stundengebet wird vertrauter – viel Orgelspiel, dann aber auch schlicht rezitierte Psalmen; es zeugt von der Offenheit unserer Seckauer Brüder, daß sie sich auf vieles einlassen.

Gegen Ende unserer gemeinsamen Woche lassen wir die Dialoge ruhen und nehmen uns Zeit für einen Tagesausflug nach Mariazell. Dieser Wallfahrtsort heißt auch „Das Herz Österreichs“, denn mit ihm fühlen sich nicht nur Christen verbunden; er für einen Großteil der Österreicher ein Stück Heimat – über Glaubensgrenzen hinaus. Wir absolvieren kein spezielles Wallfahrtsprogramm, aber nach Mariazell kann man kaum als bloßer Tourist kommen, ein bißchen Wallfahrer wird man ganz sicher. Auch wenn sich die meisten von uns hier nicht in der Weise heimisch fühlen, wie es vielen Pilgern und besonders den österreichischen geht, so sind wir doch von diesem besonderen Ort berührt.

Auf der Rückreise finden wir noch Gelegenheit zu Abstechern an zwei Orte, die mit Seckau eng verbunden sind: Kloster Neuberg, das einmal fast dem Kloster Seckau bei der Besiedelung vorgezogen worden wäre, und die Pfarrei St. Marein, wo der ursprüngliche Konvent von Seckau seine erste Bleibe fand.

Der folgende Sonntag, letzter Tag vor der Heimreise, verläuft ruhig: Nach der feierlichen Messe mit der Pfarrgemeinde, steht bis zum Mittagessen kein Programmpunkt auf dem Plan. Zeit, nocheinmal in Ruhe die Basilika, die Seckauer Umgebung oder die neuen Kontakte zu genießen. Am Nachmittag lernen wir ein weiteres Stück Österreich kennen: Wir sollen nicht nach Hause fahren, ohne in einer guten Konditorei eine Leckerei gekostet zu haben. Der Sonntag und unsere gemeinsame Woche klingen dann im abendlichen Beisammensitzen in großer Runde aus. Zu unserer großen Freude kommen auch einige Brüder aus Seckau dazu.

Rückreisen muß man meistens nicht erwähnen, aber dies vielleicht doch: Nach dem dritten Umsteigen finden wir unsere reservierten Plätze neben denen der Nütschauer Junioren wieder. Als wir dann beim nächsten Umsteigen gemeinsam mit den Nütschauern auch die Schwestern aus Varensell in unserem Abteil antreffen, sind wir schon gar nicht mehr so erstaunt. Eigentlich könnte es jetzt gleich weitergehen, aber dann steigen wir doch zu zweit in Fulda wieder aus dem Zug aus, nach Hause … 

Sr. Regina Duzy, Fulda


Internationales Kommunitätentreffen
des Ökumenischen Christophorus-Netzwerks in Mirfield

Vom 17. bis 22. August 2009 fand in England das ökumenische Kommunitätentreffen statt, zu dem das CHRISTOPHORUS-Netzwerk im Abstand von drei Jahren einlädt. 36 Schwestern und Brüder aus 21 verschiedenen Kommunitäten und Ordensgemeinschaften waren zur Mirfielder Community of the Resurrection gekommen: anglikanische, katholische, evangelische – englische und polnische, litauische und deutsche. Den weitesten Anreiseweg hatte Sr. Paulina Vanagaite aus Kaunas in Litauen.  

Unter dem Thema „Selig, die Frieden stiften“ (Mt 5,9) richtete sich am ersten Tag der Blick auf den Frieden für sich selbst, am zweiten Tag auf den Frieden für die Gemeinschaft und am vierten Tag auf den Frieden für die Welt. Wir begannen zunächst mit Gruppengesprächen, zu denen Sr. Kanizija Adamczak, Pallotinerin aus Warschau, jeweils passende Bibelstellen ausgesucht hatte.  Dieser Austausch in Gruppen wurde von allen begrüßt und für das nächste Treffen unbedingt wieder gewünscht.

Den Vortrag am ersten Tag hielt Sr. Hedwig Willenbrink (Tutzing / Dresden). Während sie in ihren Ausführungen an den hl. Benedikt mit seinen Erfahrungen des „habitare secum“ erinnerte, gestaltete Prof. Dr. Peter Zimmerling, evangelischer Theologe an der Universität Leipzig, den Vortrag am zweiten Tag mit theologischen Überlegungen zu den inneren und äußeren Aufgaben einer Gemeinschaft. Er erwähnte dabei auch seine Erfahrungen als Mitbegründer der „Offensive junger Christen“. Im Vortrag am vierten Tag ging Dr. John Arnold aus Canterbury auf den Besuch von Erzbischof Ramsey ein, der 1974 zur Zeit des kalten Krieges zwischen Ost und West nach Berlin und Erfurt kam. Dr. J. Arnold begleitete damals den 1988 verstorbenen Erzbischof und erlebte die vorhandenen Spannungen intensiv mit. Seine Ausführungen endeten mit dem Wunsch, daß nach dem kalten Krieg ein „warmer Frieden“ kommen möge.  

Am dritten Tag unternahmen wir per Bus eine Exkursion nach York. In der großen Yorker Kathedrale erhielten wir eine Führung mit zahlreichen Episoden aus der Geschichte des Bauwerkes sowie seinen kostbaren Glasfenstern und nahmen mittags an einem anglikanischen Gottesdienst teil. Die Vesper beteten wir mit dem Priester der koptischen Gemeinde in der Yorker Dreifaltigkeitskirche. Dort wurde auch die örtliche Presse in Gestalt eines Fotoreporters auf uns aufmerksam, denn wir fielen in York auf mit unseren verschiedenen Ordenskleidungen, als wir auf dem Weg zur Kathedrale durch die engen Straßen der Stadt gingen. Alte Stadtpläne zeigen, wie viele Ordenshäuser es im Mittelalter in York gab. Wir befanden uns u. a. auf den Spuren unserer benediktinischen und dominikanischen Vorfahren und konnten mit unserem Besuch bezeugen, daß Gottes Geist bis heute Menschen in Kommunitäten und Orden zur Nachfolge Christi beruft. 

Die Gebetstexte für alle Tage des Treffens, für die Matutin, Mittagshore und Vesper wurden dankenswerter Weise von F. Peter Allan CR in Mirfield mit P. Johannes Lütticken (Trier) und Sr. Aleksandra Zareba OP (Krakow) dreisprachig vorbereitet (englisch, deutsch, polnisch).

Vom Hilfswerk „Renovabis“ kam eine Unterstützung zur Fahrgelderstattung für die polnischen und litauischen Schwestern und Brüder.  

Das nächste CHRISTOPHORUS-Treffen ist für das Jahr 2012 in Polen bei den evangelischen Schwestern in Dziegielow geplant. Bis dahin werden regionale Kontakte zwischen den Gemeinschaften der verschiedenen Konfessionen und Nationen aufrechterhalten. Das bleibt unser Beitrag zum Thema: „Selig, die Frieden stiften“.                                                                                 

Sr. Johanna Schwalbe, Alexanderdorf