Berichte

Ostertagung der Salzburger Äbtekonferenz in Salzburg, St. Virgil
25.-28. März 2008
 

Insgesamt 59 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich zur diesjährigen Ostertagung der Salzburger Äbtekonferenz im Zentrum der Erwachsenenbildung der Erzdiözese Salzburg St. Virgil.

Als neue Mitglieder der Konferenz begrüßte Abtpräses Benno Malfèr Abt Rhabanus Petri von Schweiklberg, Abt Friedhelm Tissen von Kornelimünster sowie Prior-Administrator Basilius Sander von Weingarten.

Wie in den vergangenen Jahren nahmen auch zahlreiche Gäste als Berichterstatter oder Beobachter an der Tagung teil. 

Thema der diesjährigen Zusammenkunft war der umfassende Bereich der Ausbildung, der unter zwei Aspekten in Referaten und Gesprächsgruppen beleuchtet wurde:

1. Die Herausforderung für jede Klostergemeinschaft durch Neueintritte
2. Das konkrete Studium der Theologie

Ausgangspunkt waren die Ausführungen des Vorsitzenden zur Historie des Studienorts Salzburgs, der auf dem Weg zur Gründung der SÄK nach 1945 eine wesentliche Rolle spielte. 

Zum ersten Schwerpunkt gab Dr. Jürgen Barthelmes, (Deutsches Jugendinstitut e. V., München) den Tagungsteilnehmern einen Überblick darüber, „Was Jugendliche heute bewegt“. Lebensgefühl und Lebensgestaltung junger Menschen richtet sich immer nach den Gegebenheiten der jeweiligen Zeit. Heute gibt es unter den Jugendlichen ein großes Bedürnis nach Sicherheit – materiell, bildungsmäßig, beruflich, aber auch emotional und sozial.

Eine „Rennaissance der Religion“ konnte der Referent nicht feststellen, erstaunlicherweise aber ein Anwachsen der Wertschätzung für die Institution Kirche. 

P. Andreas Wons (Maria Laach) überschrieb seinen Vortrag mit „Kommt einer neu und will das klösterliche Leben beginnen“. Er zitierte zunächst einen Text von P. Emmanuel von Severus (Maria Laach) aus dem Jahr 1948. Dessen Erfahrungen mit dem Noviziat in den Nachkriegsjahren sind auch heutigen Verantwortlichen nicht fremd. Aus der damals herrschenden allgemeinen Unsicherheit der Neueintretenden und ihren fehlenden Grundlagen zieht P. Emmanuel den Schluß, daß jeder Novize individuelle Begleitung braucht. Ausbildung ist der gesamte Prozess des Mönchwerdens, eben Schritte des Katechumenats im Sinne einer Taufspiritualität. Deshalb handelt es sich hier auch um die ganzheitliche Formation, ein ganzes Leben lang!

Unter Bezugnahme auf die Siemens-Milieu-Studie, die im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz erstellt wurde, erinnerte P. Andreas an die Herkunft heutiger Kandidaten für das Klosterleben aus sehr unterschiedlichen Milieus. Er skizzierte drei Typen von religiösen Menschen: 1. regelmäßig praktizierende Glaubende

2. Pilger, das sind in Bewegung geratene Religiöse (Patch-work-Religion, Taizè, Weltjugendtage), 3. Konvertiten:

a) Übertritt von einer ererbten Religion in eine neue
b) von einer areligiösen Vergangenheit in eine religiöse Zukunft
c) von einer äußeren Religiösität in eine innere / wesentliche.

Bei allen drei Richtungen ist Religion im Wachsen begriffen, die um Aufnahme Bittenden sind wesentlich suchende Menschen. Die Frage ist, ob sie in den Klöstern Annahme und Verstehen finden und sich mit ihren Erfahrungen in die Identität der Gemeinschaft einbringen können. 

Zum „konkreten Studium der Theologie“ referierten Prof. Dr. Gregor M. Hoff (Salzburg) unter dem Thema „Theologie heute: Von wem … für wen“, Studiendekan P. Dr. Patrick Weisser (Einsiedeln) mit der Frage nach dem „Theologiestudium im benediktinischen Kontext“ und Prof. Dr. Rudolf Pacik (Salzburg) zum Studium der Theologie an der Universität Salzburg in der Gegenwart. 

Abtprimas Notker Wolf nahm wie in jedem Jahr die Gelegenheit wahr, die Anwesenden über die augenblickliche Situation  in S. Anselmo und der gesamten Konföderation zu informieren. Im September 2008 findet in Rom der Äbtekongreß mit der Wahl des Abtprimas statt. Im Jahr 2009 werden die Ämter des Prior und des Rektors in S. Anselmo neu besetzt werden müssen.

Die finanzielle Situation der Hochschule bleibt angespannt, läßt in ihrer Entwicklung aber für die zukünftigen Vorhaben, vor allem die nötigen Sanierungsmaßnahmen, hoffen. 

Für das kulturelle Begleitprogramm mußten die Tagungsteilnehmer diesmal keine großen Entfernungen zurücklegen, sondern konnten sich ganz den vielfältigen Möglichkeiten der Stadt Salzburg widmen. Sie besuchten das Stift Nonnberg, wo sie von Äbtissin Perpetua Hilgenberg durch die geschichtsträchtigen Hallen mit ihren Kunstschätzen geführt wurden. Festspielpräsidentin Dr. Helga Rabl-Stadler begrüßte die Gruppe persönlich im Faistauer-Foyer, von wo aus die interessierten Gäste, in zwei Abteilungen geteilt, die drei Festspielhäuser besichtigten.

Auch in der Erzabtei St. Peter gab es Interesantes zu sehen. Erzabt Edmund informierte im Rahmen einer Kirchenführung über die neuesten Grabungsergebnisse im Klosterbezirk. Nach der Feier der Vesper mit dem Konvent waren alle zum reichhaltigen Abendbufett eingeladen. 

Fragen, Ideen und Vorschläge zur konkreten Gestaltung der Ausbildung neuer Mitglieder, vorgetragen von Erzabt Jeremias Schröder (St. Ottilien), bildeten am letzten Tag der Zusammenkunft einen Übergang in den Alltag der Äbte und Oberen. Sie sind in ihren jeweiligen Gemeinschaften dafür verantwortlich, daß die Nachkommenden eine ihren Möglichkeiten und Bedürfnissen entsprechende Formation erhalten. 

P. Korbinian Birnbacher, Sekretär der SÄK, Salzburg