Drittes Symposium Ordenstheologie in Würzburg

Die Studiengruppe „Theologie des Ordenslebens“ hatte zum dritten Mal zu einem „Symposium Ordenstheologie“ eingeladen, das sich thematisch der grundlegenden Identität des Ordenslebens in einer gewandelten Zeit zuwenden wollte. Die Tagung fand vom 9. bis 11. Februar im Exerzitienhaus Kloster Himmelspforten im Würzburg statt. Die herzliche Gastfreundschaft und gute Organisation, die uns dort begleitete, gab der Tagung einen äußerst ansprechenden Rahmen, zu dem auch das klösterliche Ambiente des gut ausgebauten ehemaligen Zisterzienserinnenklosters seinen Teil beitrug. Mit 150 Teilnehmenden, Ordensleuten verschiedenster Gemeinschaften, mehreren Ordensreferenten der Bistümer und einigen interessierten Gästen, war die Kapazität des Hauses voll ausgeschöpft (ein Teil der Übernachtungen mußte nach Kloster Oberzell „ausgelagert“ werden). Höchst eindrucksvoll und anschaulich erlebbar war die bunte Vielfalt des Ordenscharismas mit und ohne Habit in dieser Kurzzeit-Gemeinschaft.

Die Studiengruppe Ordenstheologie, die sich nach und nach mit verschiedenen Referaten dem Publikum vorstellte, hatte ein dichtes, anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm vorbereitet, das die Zeit zwischen Freitagnachmittag und Sonntagmittag mit reichlich thematischer Arbeit füllte, aber auch das gemeinsame Gebet einbezog. Nach der Begrüßung durch die Leiterin der Gruppe, Sr. Dr. Margareta Gruber OSF, gaben Sr. Christine Rod MC, Sr. Dr. Melanie Wolfers SDSnov und P. Dr. Hans Schalk CSsR unter dem Titel „Herkunft ist die Zukunft“ eine erste Hinführung zu den inhaltlichen Schwerpunkten. Es sollte darum gehen, die gegenwärtige Realität von Ordensleben innerhalb der gewandelten gesellschaftlichen Verhältnisse wahrzunehmen, Spannungsfelder zu erkennen und sie als glaubende, reflektierende und reife Menschen aufzunehmen, um von daher die Zukunft im Rückgriff auf die „basics“ des Ordenslebens neu zu gestalten. Als diese „basics“ hatten die Mitglieder der Studiengruppe – in einem längeren Prozeß des gemeinsamen Austausches, wie sie selber zu erkennen gaben – drei Wesenselemente herausgearbeitet, die dann auch als Leitmotive über der Tagung standen: Weihe – Gemeinschaft – Sendung (oder lateinisch: consecratio – communio – missio). Mit diesen Grundbegriffen war eine umfassendere, und vielleicht auch tiefer reichende Sicht von Ordensleben aufgezeigt, als sie die sogenannten drei evangelischen Räte markieren können. Gehorsam, Ehelosigkeit, Armut wurden demgegenüber als Gestaltungsprinzip verstanden, nach welchem die Ordensleute consecratio/communio/missio leben, näherhin als die Christus-Struktur solchen Lebens. Darüber hinaus begreift sich Ordensleben zugleich als prophetisches Zeichen gegen Tendenzen zu Ökonomisierung, Konsumzwang und Sexualisierung unserer Gesellschaft und für die Möglichkeit der Ganzhingabe in Zeiten weitverbreiteter postmoderner Oberflächlichkeit und Beliebigkeit. Deutlich herausgestellt wurde auch die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil neugewonnene Erkenntnis, daß Ordensleben lediglich eine Verleiblichung des christlichen Geistes unter anderen ist, nicht höher zu bewerten, sondern nur anders. Wie in jeder Lebensform gibt es auch hier ein magis (objektiver Vorzug) und ein minus (objektiver Nachteil). In diesem Bewußtsein gilt es für die Ordenschristen, ihr (subjektives) magis zu leben und damit Gottes persönlichem Ruf zu folgen.

Die Vorträge von P. Dr. Stefan Kiechle SJ und Sr. Dr. Anneliese Herzig MSsR vertieften diesen theologischen Ansatz von Ordensleben auf je eigene Weise. Während Prof. Dr. Hans Zollner SJ in Anlehnung an die von E. Erikson benannten Entwicklungsstufen menschlichen Lebens aus psychologischer Sicht typische Spannungsfelder aufzeigte, denen Ordensleute heute ausgesetzt sind, und Lösungsmöglichkeiten andeutete. Seine Ausführungen waren durch die lebensnahen Beispiele besonders anschaulich und gut nachvollziehbar. Als Fazit formulierte er realistisch und hoffnungsvoll zugleich: Das Mögliche leben und trotzdem die Visionen nicht vergessen. Die beiden Komponenten dieses Diktums griffen in umgekehrter Reihenfolge die Vorträge des Samstagnachmittag noch einmal auf: Prof. Dr. Mirjam Schambeck sf sprach über die Gottessehnsucht als Motiv und Horizont des Ordenslebens und Prof. Dr. Paul Rheinbay SAC thematisierte die praktische Logik der Lebensvollzüge: „Wie es halt so läuft...“ Im Anschluß an die Vorträge war meistens Gelegenheit zu eigenen Stellungnahmen der Zuhörer bzw. zur Vertiefung des Vorgetragenen in kleineren Gesprächsgruppen.

Für die monastischen Gemeinschaften, die mit ca. 11 VertreterInnen präsent waren, boten die drei als Wesenselemente des Ordenslebens ausgemachten Charakteristika consecratio – communio – missio weitreichende Identifikationsmöglichkeiten. Vor allem waren hier viele Chancen gegeben, eigene Gesichtspunkte aus einer Form von Ordensleben, das sich nicht explizit auf die drei evangelischen Räte beruft, mit ihnen zu verknüpfen. Immer wieder wurde beispielsweise die Gemeinschaft / communio als eine Wirklichkeit bestimmt, die als solche zeichenhaft ist und aus sich heraus eine Sendung erfüllt, die jedem spezifischen Sendungsauftrag einzelner Gründungen vorausliegt. Ordensleben ist zuerst Lebensform, ja Lebenskunst und erst in zweiter Linie auf bestimmte Aufgaben in Kirche und Welt hingeordnet. Und nur als bewußt gepflegte Lebenskunst hat es wohl Aussicht zu überleben.

Einige Impulse aus der monastischen Tradition vermittelte ausdrücklich einer der Workshops, die am Samstagnachmittag zu vielfältigen Themen angeboten wurden. Frau Dr. Claudia Kunz, Geschäftsführerin der Kommission der Deutschen Bischofskonferenz für Orden und geistliche Berufe und selbst mehrere Jahre Mitglied in einem monastischen Säkularinstitut, gab unter dem Stichwort „Ordensleben als Lebenskunst“ eine ausgezeichnete Einführung in die monastische conversatio morum als umfassende Lebensgestalt des Mönchtums. Der monastische Lebenswandel umfaßt nach ihren Darlegungen sowohl ethisch-aszetische als auch ästhetische Elemente und verlangt die aktive Gestaltung und Pflege der Umgebung genauso wie die Sorge um die Wandlung und Bekehrung des eigenen Lebens in Richtung auf die Vollendung der menschlichen Person. Den TeilnehmerInnen, die zumeist nicht-monastischen Gemeinschaften angehörten, boten sich daraus viele Anregungen zu einem ganzheitlichen Blick auf ihr eigenes Ordenscharisma, wie das intensive Gespräch im Anschluß an den Impuls von Frau Dr. Kunz zeigte.

Am Sonntag vormittag rundeten zwei Beiträge die Thematik des Symposiums ab. Prof. Dr. Joachim Schmidl ISch bündelte in seinem Referat die Ergebnisse der Tagung und gab auch Einblick in die Resultate der verschiedenen Workshops. Daran schloß sich ein „Expertengespräch“ mit Prof. Dr. Walter Schaupp (Universität Graz), Prof. Dr. Margit Eckholt (Hochschule Benediktbeuern) und Dr. Claudia Kunz an, die als „Fremdpropheten“ aus der Sicht von Nicht-Ordensmitgliedern wohlwollende und kritische Gesichtspunkte zur gegenwärtigen Ordenskultur ansprachen. Die Themen reichten von der Wahrnehmung postmoderner Lebensstile über Gender- und Ausbildungsfragen bis zur Frage der Einbindung in die kirchlichen Gegebenheiten vor Ort. Den Abschluß bildete die gemeinsame Eucharistiefeier in der Kapelle des Exerzitienhauses.

Da aufgrund der großen Nachfrage nicht alle Teilnahmewilligen zu diesem Tagungstermin aufgenommen werden konnten, gibt es einen Wiederholungstermin für das Symposium im Forum Vinzenz Pallotti in Vallendar vom 30.8. bis 1.9. 1007. Weitere Interessierte daran sind herzlich willkommen und können sich anmelden bei forum@pthv.de oder telefonisch unter 0261-6402-249.

Sr. Bernadette Pruß, Alexanderdorf