"Zwischen den Stühlen"
Magistertagung vom 19. bis 24. Oktober 2007 in Göttweig

Die diesjährige Magistertagung der deutschsprachigen Frauen- und Männerklöster begann am Montagabend, dem 19. November, mit der Vesper in der Göttweiger Stiftskirche. Nach dem Abendessen gab eine erste gemeinsame Runde im schönen Sommerrefektorium der Abtei allen einen Einblick in Planung und Ablauf der Tagung und die Gelegenheit zum Kennenlernen. Das Sommerrefektorium sollte für die ganze Woche unser Tagungsort bleiben. Annähernd 50 Magistri und Magistrae (die feminine Form ist im folgenden immer einschlußweise mitgemeint) aus Österreich, der Schweiz, Deutschland, Ungarn, Tschechien, Südtirol und Jerusalem waren zusammengekommen. Etwa ein Drittel der Teilnehmer war zum erstenmal in diesem Kreis dabei. Sr. Johanna (Varensell) eröffnete die Kennlernrunde originell mit spielerischen Einlagen und sorgte so für eine gelöste Einstiegsatmosphäre.

Die beiden Referenten Dr. Ruthard Ott und P. Meinrad Dufner (Münsterschwarzach) gestalteten die Arbeitseinheiten der folgenden Tage erfahrungsorientiert und interaktiv. Kurze Bewegungseinlagen zwischendurch ließen immer wieder auch die leibliche Dimension zu ihrem Recht kommen.

Die inhaltliche Arbeit begann am Dienstagvormittag mit einer Gruppenarbeit zur lebensnahen Konkretisierung des Themas. Die Fragen und Probleme, welche die einzelnen im Zusammenhang mit ihrer Rolle als Noviziats- oder Junioratsleiter bewegten, wurden auf Kärtchen gesammelt und anschließend vier Bezugsgruppen zugeordnet, mit denen es die Novizenmeister bei ihrer Arbeit zu tun haben. Benannt wurden diese vier Gruppen mit den Sammelbegriffen die Auftraggeber (Abt, RB, Konstitutionen...); die Anvertrauten (Novizen, zeitliche Professen); die Gemeinschaft / Institution und die eigene Person des Magisters. Im Gefüge dieser vier Pole ergeben sich die Spannungsfelder, zwischen denen sich die konkrete Arbeit der Noviziatsbegleitung bewegt. Jedes dieser Bezugsfelder wurde in den Arbeitseinheiten von Dienstag bis Freitag näher beleuchtet.

Als erstes kam die Person des Magisters in den Blick, wobei die notwendige Sorge für sich selbst im Vordergrund stand. In Kleingruppen wurden die verschiedenen Möglichkeiten der Selbstfürsorge und Kräfteerneuerung zusammengetragen und diskutiert. Prägende Erfahrungen konnten anschließend dem ganzen Kreis mitgeteilt werden.

Die "Auftraggeber"
Sehr aufschlußreich war am Mittwoch die Beschäftigung mit den diversen Auftraggebern. In Gruppenarbeit wurden zunächst wieder die möglichen Aufträge gesammelt und jeweils in Form eines knappen Appells notiert. Anschließend wurden diese Appelle in einem Rollenspiel der einzelnen Gruppen miteinander ins Gespräch gebracht. Deutlich kam die Vielfalt und teilweise auch Gegensätzlichkeit der Erwartungen und Forderungen an die Noviziatsverantwortlichen zum Ausdruck, z.B.: "Sorge für Ordnung!" - "Ertrage die körperlichen und charakterlichen Schwächen mit großer Geduld!"; "Diene der Eigenart vieler!" - Sieh zu, daß sich der Novize in die Usanzen der Gemeinschaft fügt!", usw.

Die Position "zwischen den Stühlen", die zum Thema der Tagung gewählt worden war, wurde bei dieser Einheit am deutlichsten erfahrbar. Wichtig wurde für viele Teilnehmer daher das Hören auf das Evangelium als maßgeblichen Auftraggeber, um in der Fülle der Anforderungen das Wesentliche nicht zu überhören.

Die zu Begleitenden
Am Donnerstagvormittag gaben die Referenten dann Gelegenheit, konkrete Fälle und Schwierigkeiten mit den zu Begleitenden vorzustellen und den Rat der Kollegen und der Kursleiter zu hören. Der Nachmittag war einer Übung in Zweiergruppen gewidmet. Jeder durfte sich mit geschlossenen Augen führen lassen und dann selber einen "Anvertrauten" führen. An den dabei gemachten Erfahrungen konnten anschließend alle einander in z.T. poetisch formulierten Texten Anteil geben. Es war eine bewegende Stunde.  

Die Gemeinschaft
Der letzte Tag wandte sich schließlich dem Thema Gemeinschaft als Bezugsgruppe zu. Es ging zunächst darum, das Positive der eigenen Gemeinschaft wahrzunehmen und in einem kleinen Werbetext ins Wort zu bringen. Liebenswertes, Einladendes und Originelles wurde mit viel Phantasie, aber auch mit der gebotenen Ehrlichkeit zusammengestellt. Der Austausch darüber war dann eine große Bereicherung und weitete den Blick für das Besondere der eigenen wie auch der anderen Gemeinschaften.

Die intensive thematische Arbeit der Tagung war für alle, die dabei waren, ein großer Gewinn und ließ die Tage zu einer kostbaren Erfahrung benediktinischer Gemeinschaft auf Zeit werden.

Der Rahmen der Tagung
Die Gebetsgemeinschaft mit den Mönchen, die gute Organisation und Fürsorge der Gastgeber bildete den wohltuenden Rahmen um die Tage. Unvergeßlich wird für alle das köstliche Abendbuffet am Namenstag von Abt Clemens bleiben, das uns die ganze Kunst der österreichischen Küche vor Augen führte und genießen ließ. Führungen durch Kirche, Kaisertrakt und Bibliothek gaben Einblick in die Geschichte und die Kunstschätze des 1083 gegründeten Stiftes. Rein äußerlich legten schon die auf dem Abteigelände vertreten Baustile (Romanik, Gotik und Barock) ein beeindruckendes Zeugnis ab von der langen benediktinischen Tradition Göttweigs, das auch das "österreichische Montecassino" genannt wird.

Wie immer gehörte ein Ausflug in die nähere Umgebung des Tagungsortes zum Programm. In diesem Jahr hatte das Kloster Altenburg, das eine knappe Stunde Busfahrt von Göttweig entfernt liegt, zu einem nachmittäglichen Besuch eingeladen. Den Altenburgern P. Albert und P. Michael gebührt ein besonderer Dank für die spannende Führung, die wir dort erleben durften. Sie vermittelte uns einen Eindruck von der alten und neuen Entwicklung der 1140 gegründeten Klosteranlage. Unter den jetzigen Barockgebäuden wurden die gotischen Vorgängerbauten ausgegraben und zugänglich gemacht. So erlebten wir eine Reise durch die Jahrhunderte, angefangen von der jüngsten Sehenswürdigkeit, dem neu angelegten Garten der Religionen in der Außenanlage, über Kreuzgang, Scriptorium und Klosterküche aus dem 12. bis 14. Jh., bis hin zur grandiosen barocken Schaubibliothek und der Basilika, in der wir dann die Vesper sangen. Diesem Besuch verdanken wir zudem das besondere Erlebnis einer Weinverkostung im Klosterkeller und obendrein ein reichhaltiges Abendessen, das uns für die Rückfahrt kräftig stärkte. 

Zu den Aufgaben der diesjährigen Magistertagung gehörte auch die Neuwahl des Vorstandes. Abt Michel Reepen von Münsterschwarzach und Sr. Johanna Buschmann aus Varensell standen nicht mehr für den Vorstand zur Verfügung. Wiedergewählt wurde Sr Carmen Tatschmurat (Venio). Als neue Mitglieder kamen Sr. Rachel Feller (Tutzing) und P. Andreas Wons (Maria Laach) hinzu . P. Andreas erklärte sich bereit, den Vorsitz zu übernehmen. 

Die nächste Magistertagung ist für den 16. bis 21.11. 2009 in Frauenchimsee geplant. Als Themenkreis wurde vorgeschlagen: "Kampf der Kulturen?": Das Milieu, aus dem die Kandidaten kommen vs. das Milieu des Klosters. Welche Folgerungen ergeben sich daraus für die Berufungspastoral? 

Sr. Bernadette Pruß, Alexanderdorf