|
Ein Projekt zwischen Kloster und Welt: Ein Jahr „Wohnen unterm Klosterdach“ „Was tust du, um einen Menschen zum Glauben zu führen?
Ich lasse ihn ein Jahr bei mir wohnen.“ (Cyrill von Alexandrien) Immer wieder im Laufe der letzten Jahre erreichten uns Anfragen von jüngeren Frauen, die nach einer Form des (begrenzten) Mitlebens mit unserer Gemeinschaft suchten. Als dann im dritten Stock unseres Nebenhauses gleichzeitig die beiden Dachwohnungen frei wurden und zur Renovierung anstanden, beschlossen wir, für Frauen, die ihr geistliches Leben vertiefen und die benediktinische Spiritualität kennen lernen wollen, ein Wohnprojekt zu beginnen. Die beiden unmittelbar nebeneinander liegenden Dreizimmerwohnungen wurden zu fünf Einzelzimmern und einem Erkerzimmer als Gemeinschaftsraum mit Küche ausgebaut. In der Ausschreibung hieß es: Wir bieten „die Möglichkeit, den Rhythmus unseres benediktinischen Lebens kennen zu lernen und zu entdecken, was davon für den eigenen Weg fruchtbringend werden kann. … Wir wollen uns einüben in das, was der heilige Benedikt meint, wenn er vom ‚bei sich wohnen’ spricht“. Elemente des Jahres waren u. a.: Möglichkeit der Teilnahme
an unserem Stundengebet, der Eucharistiefeier und verschiedenen geistlichen und
kulturellen Veranstaltungen, gemeinsame Abende mit geistlichen Impulsen und das
Angebot zu Einzelgesprächen. Zu dritt haben wir das Projekt begleitet, Sr. Lucia, Sr. Dorothee und Sr. Carmen. Nach Vorgesprächen und einem Auswahl-Wochenende begannen Anfang September 2006 fünf junge Frauen eine auf elf Monate befristete Wohngemeinschaft. Für zwei war es auch der Anfang des Studiums der Theologie, für eine der Ausbildung zur Kunsttherapeutin, eine startete in das Berufsleben als Sozialpädagogin und die fünfte war bereits mitten im Studium (Philosophie und Theologie). Alle wollten sich darin erproben, in diesem Jahr „Gott nichts vor(zu)ziehen“. Wie das genau in ihrem jeweiligen Leben aussehen sollte, war noch zu entdecken. Wir trafen uns regelmäßig etwa alle vier Wochen zu einem
Gesprächsabend, „unterm Dach“ oder bei uns. Zu berücksichtigen war, daß
die ersten beiden Semester des Theologiestudiums bzw. der Ausbildung zur
Kunsttherapeutin sehr dicht sind, daß viele Gedanken, Impulse, und Wissensstoff
zu verarbeiten sind, so daß relativ wenig Raum für Zusätzliches bleibt. Auch
entstanden intensive neue Kontakte im Rahmen von Studium und Ausbildung, es
fanden sich Menschen, mit denen die drängenden Lebensfragen ebenfalls immer
wieder diskutiert wurden. Eine tragende Säule in all diesen neuen Eindrücken
wurde für die meisten das Chorgebet. Am 31. Juli 2007 ging diese Zeit zu Ende. Vieles ist geschehen, Schönes und Schwieriges. Zwei haben sich in den vergangenen Monaten ganz unserer Gemeinschaft angeschlossen und ein Postulat begonnen. Drei gehen andere Wege, haben jedoch darum gebeten, noch ein Jahr „unterm Dach“ wohnen zu können. So wird die Wohngemeinschaft noch etwas weiter gehen. Für eine hat sich die Frage nach Partnerschaft gestellt, eine fand neben dem Studium einen Bereich des ehrenamtlichen Engagements mit Obdachlosen, eine andere sucht verstärkt nach einem Kreis innerhalb der Kirche, in dem sie sich engagieren kann. Wir sind dankbar, daß wir den Frauen für ihren Weg in
dieser Zeit des Aufbruchs unseren benediktinischen Rahmen bieten konnten. |