Arbeitsgemeinschaft der Benediktineroblaten tagte in St. Ottilien

Vom 29. Mai bis 01. Juni 2007 tagte in der Erzabtei St. Ottilien die Arbeitsgemeinschaft Benediktineroblaten. Insgesamt 93 Oblatenrektoren, -rektorinnen und Oblaten aus 35 Benediktiner- und Zisterzienserklöstern hatten sich im renovierten Exerzitienhaus zu der alle zwei Jahre stattfindenden Tagung eingefunden. Das Thema lautete: „Vom Wissen zum Glauben, vom Glauben zum Leben – Lebensgestaltung im Geist der Benediktsregel“.

P. Michael Vollmerich aus Ettal begrüßte als Vorsitzender die Teilnehmer und moderierte die Versammlung. Klaus Optenhövel (Oblate der Abtei Gerleve) gab eine Einführung in das Thema, das dann in drei Impulsreferaten mit Gruppenarbeit aufgeschlossen wurde. Immer wieder geht es den Oblaten um die Frage: Wie kann ich den persönlichen benediktinischen Weg ganz praktisch mit Leben erfüllen, die eigene Spiritualität vertiefen?

Regeltagebuch

Eine bemerkenswerte Hilfe stellte Sr. Philippa Rath (Eibingen) in ihrem Referat „Regel-Tagebuch: ein persönlicher Weg zum Kennen- und Leben-Lernen der Regula Benedicti“ vor. In ihr heißt es im Prolog „Höre und erfülle“. Das erfordert Offenheit und Bereitschaft. Die Kenntnis der Heiligen Schrift und der Regel sind unverzichtbar für jene, die in der Nachfolge Christi stehen. Dem Lesen muß das Verstehen folgen. Da sich viel Zeitbedingtes in Schrift und Regel findet, bieten Kommentare und Quellenbücher gute Hilfe. Schließlich soll das Lesebuch zum Lebensbuch werden, es bietet Weisung und Orientierung für den täglichen Aufbruch. Manchmal finden sich begnadete Seelenführer, die Hilfe leisten. Die Praxis schilderte Sr. Philippa in sieben Schritten: 

Zu bestimmter Zeit und an bestimmtem Ort die Regel zur Hand nehmen und zu Beginn in einem kurzen Gebet um Gottes Hilfe bitten.

Dann den Tagesabschnitt als Ganzes langsam und laut lesen. Überlegen, welches der Kernsatz dieses Regelabschnitts ist, diesen in das Regel-Tagebuch schreiben und notieren, was der hl. Benedikt mit diesem Abschnitt zum Ausdruck bringen wollte.

Den Text in aller Stille ein zweites Mal lesen, sich Zeit nehmen und ihn „verkosten“. Was spricht in besonderer Weise an oder fordert heraus? Gedanken darüber aufschreiben (Ermutigung, Trost, neue Erfahrung), dabei ehrlich sein – vor Gott und sich selbst.

Den Tagebuch-Eintrag mit einem Gebet, feststehend oder frei formuliert, wie es aus der Betrachtung erwachsen ist, beenden.

Noch einen Augenblick der Stille halten und sich dann dem Alltag zuwenden.

Die Erfahrung lehrt, daß das Führen eines Regel-Tagebuchs den aktuellen Bezug der Regel Benedikts zum eigenen Leben ermöglicht, Kraft, Ausdauer und Ruhe verleiht, Lebenswenden zur Heilung bringt und Gott und den hl. Benedikt näher bringt. 

Ehrfurcht und Achtung im Alltag

P. Claudius Bals (St. Ottilien) wählte für sein Impulsreferat „Ehrfurcht und Achtung vor Gott und voreinander“ den Ort des täglichen Chorgebets, das Chorgestühl der Mönche in der Abteikirche. In der Betrachtung der Fensterrosetten im Mönchschor versuchte er an das „Fascinosum Gottes“ heranzuführen. Die Segmente voller Licht strömen zur Mitte, in ihr ist die Unerschöpflichkeit Gottes versinnbildlicht, aus Ihm geht alles Licht hervor und kehrt zu Ihm zurück. So ist auch der Mensch zu verstehen, als Ebenbild Gottes, und „es geht um den bleibenden Appell, die unermeßliche, göttliche Tiefe der Seele beglückend zu erfahren.“ Wer aus dieser Erkenntnis lebt und handelt, kann auch den anderen ehren und versuchen, ihm gerecht zu werden, selbst jenen, der mir Unrecht und Böses widerfahren läßt. Denn „Gott entläßt keinen Menschen aus seiner Liebe. Der göttliche Ursprung ist unzerstörbar und bleibt auch erhalten, wenn der Mensch in seiner Hinwendung zum Bösen sich und andere zerstört.“ Auch wir werden lieben können, wenn wir das Licht Gottes in uns tragen. 

Lectio Divina

Mit dem Referat „Lectio Divina – Beten und Leben mit der Heiligen Schrift“ kam eine Oblatin der evangelischen Communität Casteller Ring zu Wort, Pfarrerin Sabine Zorn. Ausgehend von persönlichen Erfahrungen und Praktiken evangelischer Gemeinden im Umgang mit der Heiligen Schrift stellte sie vor, was die Regula Benedicti unter geistlicher Lesung versteht (Deo vacare – meditari – legere) und stellte dann den praktischen Weg zur Schriftlesung vor, wie er heute zumeist vorgeschlagen wird: Vorbereitendes Gebet, lautes Lesen des Textes unter Einbeziehung der Vorstellungskraft und der Sinne, wiederholtes Lesen, um die Textstelle zu finden, die mich besonders anspricht und herausfordert, verweilen bei dieser Textstelle und Betrachtung im Gegenüber zu Gott, achten auf das, wohin es mich führt, Dankgebet und notieren, was mir wichtig geworden ist. Hier wurden die Parallelen zum Umgang mit dem Regel-Tagebuch, wie ihn Sr. Philippa aufgezeigt hatte, sehr deutlich.

Das Ziel der Schriftlesung soll die Begegnung mit dem fleischgewordenen Wort Gottes, mit Jesus Christus sein: „Wir lesen die Heilige Schrift nicht, um ein besserer Mensch zu werden, sondern um Gott zu begegnen“ (Anselm Grün).

Oblatinnen und Oblaten bedürfen für die Übung der Lesung im nichtklösterlichen Alltag eines eigenen Transfers; dazu rechnen die geschützte Zeit, die Regelmäßigkeit, der bestimmte Zeitrahmen, der bestimmte Ort und der bestimmte Text. Die Referentin schloß mit einem unbekannten Gedicht von Paul Gerhardt, dessen 400. Geburtstages in diesem Jahr gedacht wird und der zur Bibellesung u.a. schreibt:    

„Gottes Wort, das ist’s vor allen,
So uns, wenn das Herz erschrickt,
Wie ein kühler Tau erquickt,
Daß wir nicht zu Boden fallen.
Wenn die ganze Welt verzagt,
Steht und siegt, was Gott gesagt.“ 

Die ganze Tagung wurde bestimmt von den gemeinsam gestalteten Eucharistiefeiern am Morgen und von den Gottesdienstzeiten des Gastklosters, sie verlief äußerst harmonisch und bot vielerlei Gesprächs- und Begegnungsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Oblatengemeinschaften.

Erzabt Jeremias Schröder von St. Ottilien richtete ein Grußwort an die Tagungsteilnehmer.

Dr. Hubert Desloch von der Associatio Benedicti warb um gegenseitiges Kennenlernen und Arbeit an einer Communio  Europaea in christlicher Tradition.

Frau Dr. Schmidt-Sommer berichtete über das Archiv der Arbeitsgemeinschaft, das in Beuron eingerichtet ist.

Dazu gab es einen Rückblick auf den 1. Weltkongreß der Benediktineroblaten 2005 in Rom sowie Hinweise auf die Präsenz der Oblatengemeinschaften auf dem Katholikentag 2008 in Osnabrück.

Ein Höhepunkt waren zweifellos die Exkursion zur ehemaligen Reichskartause Buxheim und die dort in der Brüderkapelle gefeierte gemeinsame Vesper. 

Detlef Jankowski