Ostertagung der Salzburger Äbtekonferenz in Quarten (Schweiz)
10.-13. April 2007
 

Zur Ostertagung der SÄK kamen die Mitglieder, darunter diesmal besonders viele neugewählte Klosterobere, Vertreterinnen der Frauenklöster und aus dem Ausland sowie die Verantwortlichen der benediktinischen Einrichtungen im Tagungshaus Quarten zusammen. 

Die thematische Arbeit stand unter dem Titel „Qualis debeat abbas esse? Ansprüche an das Amt und die Person des Abtes heute.“

Um die Herausforderungen des Abtsamts heute möglichst konkret in den Blick zu nehmen, verzichtete man diesmal auf die Einladung auswärtiger Referenten. Statt dessen wurden „Betroffene“ gebeten, unter vier Perspektiven über ihre eigenen Erfahrungen im Amt zur Versammlung zu sprechen: 

– Persönliche Lebensführung (Abt em. Fidelis Ruppert, Münsterschwarzach)
– Menschenführung (Abt Benedikt Müntnich, Maria Laach)
– Bewahren des Gesamtüberblicks (Abt Bertchtold Müller, Engelberg und Abt Daniel Schönbächler, Disentis)
– Kloster und Außenbeziehungen (Abt Johannes Eckert, München) 

Die Ausführungen der Äbte gaben jeweils den Impuls zu anschließenden Diskussionsrunden in Kleingruppen, wo man sich sehr lebendig und offen austauschte.

Es wurde deutlich, daß die Anforderungen an die Person des Abtes und seine Amtsführung auch und gerade heute viel von den einzelnen Oberen – und von ihren Gemeinschaften – verlangen. Die zahlreichen Ermunterungen, Hinweise, Mahnungen, die Benedikt in seiner Regel dem Abt vorlegt, werden nach wie vor als Hilfen erfahren, müssen aber – wie zu allen Zeiten – stets neu auf die jeweils konkrete Situation angewendet werden.

Der Vorsitzende der SÄK, Abt Benno Malfèr (Muri-Gries), hatte in seiner Einführung zum Tagungsthema das Verhältnis von Abt und Gemeinschaft so gekennzeichnet:

Regere animas et multorum servire moribus (RB 2,31) – Das ist der Traum der Mönche.
Militans sub regula vel abbate (RB 1,2) – Das ist der Traum der Äbte.

Die Realität liegt irgendwo dazwischen – und stellt den Abt, wie die Gemeinschaft und den einzelnen Mönch in eine Spannung, die den Einsatz von Kraft fordert, aber auch Kräfte freisetzt.

Im Lauf der Tagung kamen Belastungen und Defizite zur Sprache, doch ebenso die guten Erfahrungen und die Chancen, die auch ein Klosteroberer für sein eigenes Wachsen als Mensch im Gemeinschaftsleben finden kann. 

Im Regularienteil der Konferenz konnte Sr. Michaela Puzicha (Varensell / Salzburg) wiederum eine äußerst positive Bilanz der Arbeit des Instituts für Benediktinische Studien in Salzburg ziehen. Die angebotenen Kurse sind weiterhin gut besucht. Der im Auftrag der SÄK von Sr. Michaela herausgegebene Band „Quellen und Texte zur Benediktusregel“ konnte druckfrisch auf der Ostertagung vorgelegt werden und wurde von der Herausgeberin inhaltlich erläutert. Darüber hinaus wurden mögliche zukünftige Projekte, etwa ein Kommentarband zum II. Buch der Dialoge, vorgestellt.

Das IBS wird seit seiner Gründung im Jahr 2000 von Sr. Michaela geleitet. Die Mitglieder der SÄK wurden daran erinnert, daß sie mittelfristig in ihre Heimatabtei Varensell zurückkehren wird.  

Abt Lukas Schenker (Mariastein, Schweiz) warb bei den versammelten Oberen um die Freistellung von Mitbrüdern für die Arbeit an den Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige. Die wissenschaftliche Publikation wird seit 1880 von der Bayerischen Benediktinerakademie herausgegeben und ist bisher in 117 Bänden erschienen.  

Rektor P. Paulus Koci (Salzburg) berichtete über Leben und Arbeit im Kolleg St. Benedikt. Nach den Steinerkirchner Schwestern arbeiten dort nun indische Schwestern einer Kongregation mit salesianischer Spiritualität. Von Abt Johannes Perkmann (Michaelbeuern, Österreich) wurde ein neu erarbeitetes Konzept für die Ausbildung am Kolleg vorgestellt.  

Abtprimas Notker Wolf unterrichtete die Tagungsteilnehmer über den Fortgang der Bauarbeiten in S. Anselmo. Für die Aufgaben in Lehre und Forschung, für Sanierung und Unterhalt der Hochschule wurde die „Foundation Benedict for Education“ ins Leben gerufen. Weitere Themen seiner Berichterstattung waren das kirchliche Leben in China und der Großbrand in der Abtei Waegwan. 

Benediktinisches Leben in den Ländern des ehemaligen Ostblocks kam zur Sprache in den Beiträgen von Abt Bernhard Sawicki von Tyniec, Priorin Lucia Wagner (Kommunität Venio) und Abt Marian Eleganti (Uznach, Schweiz). In Tyniec ist man verstärkt bemüht, benediktinische Spiritualität in Polen mehr bekannt zu machen. Die Abtei Uznach hat zwei Mönche in eine neue Cella in Kasachstan entsandt, und die Kommunität Venio bereitet die Gründung eines Klosters in Tschechien vor.
In den vergangenen Jahren konnten vom Ostfond über 3 Mio. Euro an Hilfsgeldern für benediktinische Gemeinschaften bereitgestellt werden. 

Der traditionelle Ausflug führte die Tagungsteilnehmer in die Zisterzienserinnenabtei Wurmsbach bei Bollingen. In der vom Kloster getragenen Impulsschule für Mädchen erhielten sie Einblick in das pädagogische Engagement der Schwestern. Zur Vesper und beim Abendessen waren sie Gäste in der Abtei Uznach. 

Die nächste Frühjahrstagung der SÄK findet vom 25. bis 28. März im Bildungshaus St. Virgil in Salzburg statt. Zur Themenfindung konnten in Quarten Vorschläge eingereicht werden. 

P. Korbinian Birnbacher, Salzburg