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Klosterprojekt
„Neue Energien“ in der Abtei Münsterschwarzach
Aus Anlaß ihres 100-jährigen
Bestehens (Gründung der Gemeinschaft in St. Ludwig im Jahr 1901) wollte unsere
Gemeinschaft ein Zeichen setzen. Der Freund von Abt Fidelis,
Franz Alt, hielt dem Konvent einen Vortrag über regenerative Energien. Mit
Hilfe von Rudolf Disch, einem Architekten aus Freiburg, entwickelten wir die
Vision, innerhalb von zehn Jahren unsere gesamte Energie aus regenerativen
Quellen der Umgebung zu erzeugen. Abt Fidelis und P. Anselm
erarbeiteten in einem Grundsatzpapier die spirituelle Dimension dieser Vision
und ihre benediktinische Verwurzelung. Kriterium für einen spirituellen
Menschen ist nach Benedikt, wie behutsam er mit den Dingen dieser Welt und wie
achtsam und ehrfürchtig er mit den Menschen umgeht. Wir wollten diese
benediktinische Spiritualität konkret in unseren Umgang mit der Energie hinein
übertragen. Mit der Einweihung der
Biogasanlage am 2. Juni 2007 setzten wir einen wichtigen Meilenstein bei der Erfüllung
der Vision, alle Energie aus regenerativen Quellen zu beziehen. Von Anfang an war uns
wichtig, dieses Vorhaben als spirituelle Aufgabe zu verstehen. Wir wollten die
Mahnung des hl. Benedikt, achtsam mit allen Dingen des Alltags umzugehen und sie
als heilige Altargefäße zu behandeln (RB 31,10; 32,4) konkret im Bereich der
Energiegewinnung umsetzen. Mit der Nutzung alternativer und erneuerbarer
Energien möchten wir dazu beitragen, behutsam mit der Schöpfung umzugehen und
auch den kommenden Generationen eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen. Wir
stehen damit in der Tradition benediktinischer Klöster, die im Mittelalter
immer „nachhaltig“ gewirtschaftet haben. Und uns war klar, daß der achtsame
Umgang mit der Schöpfung verbunden sein muß mit der Ehrfurcht vor dem
Menschen, die uns Benedikt in seiner Regel lehrt. Es war uns auch bewußt, daß
der finanzielle Einsatz für ein umweltgerechtes Wirtschaften keine schnellen
Gewinne bringt. Das Ökoprojekt ist daher für uns nicht nur ein
wirtschaftliches, sondern immer schon ein spirituelles Projekt. Wir haben
versucht, in der Kleinschrift „Benediktinische Schöpfungsspiritualität“
die spirituelle Grundlage unseres Vorhabens zu darzulegen. Und wir haben in
unserer Öffentlichkeitsarbeit (Homepage, Zeitungsartikel, Führungen vor Ort
und Vorträge) dafür geworben, selbst aktiv zu werden beim umweltgerechten
Wirtschaften und beim schonenden Umgang mit der Schöpfung. Wir gründeten einen eigenen
Ökorat, den P. Prior Christoph leitet, der von seiner Ausbildung als
Elektroingenieur das nötige Fachwissen mitbringt. In diesem Rat wirken nicht
nur Mitbrüder, sondern auch Angestellte und Lehrer am Egbert-Gymnasium mit. Im
Jahr 2001 gaben wir einem Ingenieurbüro den Auftrag, eine Energiebilanz zu
erstellen. So wurden alle Gebäude der Abtei auf ihren Energieverbrauch hin
untersucht. Daraufhin entwickelten wir einen Plan, wie wir nach und nach unserem
Ziel der Energieeinsparung und der Energiegewinnung aus regenerativen Quellen näher
kommen können. Die Bilanz unseres Ökoprojektes
sieht nach sieben Jahren folgendermaßen aus: REGENERATIVE STROMERZEUGUNG – Die Wasserkraft, die
schon kurz nach Gründung der Abtei genutzt wurde, deckt ca 4% des Strombedarfs. WÄRMEENERGIE AUS BIOMASSE – Die Holzenergiezentrale
(Holzhackschnitzel) deckt ca 85% der Heizenergie. ENERGIEEINSPARUNG – Durch Gebäudesanierungen
in den letzten Jahren wurden 5% der Heizenergie gespart. Im Jahre 2007 können wir
den CO2-Ausstoß auf unter 5% gegenüber dem Durchschnitt der 90er
Jahre senken. Doch wir sind mit unserem Ökoprojekt
noch nicht zu Ende. In den nächsten Jahren werden wir bei der Sanierung der Gebäude
immer auch den Aspekt der Energieeinsparung berücksichtigen. Wir haben unsere
Abteibetriebe auf umweltgerechtes Wirtschaften zertifizieren lassen. Die
Abteibetriebe wurden 2007 in den „Qualitätsverbund Umweltbewußter
Handwerksbetriebe“ aufgenommen. Eine wichtige Aufgabe wird sein, unseren
Fuhrpark umzurüsten, damit der CO2-Ausstoß auch dort vermieden oder
zumindest verringert wird. Dort stehen wir allerdings erst am Anfang. Unsere Gemeinschaft hat in
den letzten sieben Jahren in vielen Gesprächen ein neues Bewußtsein für
umweltgerechtes Wirtschaften entwickelt. Es war uns wichtig, daß unser Ökoprojekt
eine geistliche Grundlage hat. Wir wollten unsere Verantwortung für die Schöpfung
wahrnehmen und so wie die Klöster des Mittelalters Vorreiter sein beim
behutsamen Umgang mit den Dingen und bei der Ehrfurcht und Verantwortung für
die Menschen. Wir spürten, daß dabei zuerst die eigenen Denkweisen und
Gewohnheiten in Frage gestellt wurden. Es ist nicht damit getan, daß wir nun
eine stolze CO2-Bilanz vorweisen können. Es geht weiterhin um eine
Sensibilisierung jedes einzelnen und der Gemeinschaft für die Umsetzung
benediktinischer Spiritualität in unsere Zeit, gerade auch in unserem
wirtschaftlichen Gebaren und in unserem Umgang mit den Menschen und mit der Schöpfung. P. Anselm Grün, Münsterschwarzach |