|
„Gottes Haus für uns
Menschen“ – Jubiläum in Maria Laach Von Juni bis August begingen die Mönche von Maria Laach in
einer Reihe von Feiern den 850. Jahrestag der Weihe ihrer Abteikirche. Ein Blick in die Geschichte 1093 wurde die Abtei als Hauskloster vom Pfalzgrafen bei
Rhein gegründet und der Grundstein für die Kirche gelegt, etwa 60 Jahre später,
am 24. August 1156, die halbfertige Kirche vom Trierer Erzbischof geweiht. Es
dauerte nochmals 70 Jahre, bis die Kirche dann mit ihrer Vorhalle vollendet war. Die Gründung ging vom kurz zuvor gegründeten
cluniazensischen Kloster Affligem in Brabant (in der Nähe Brüssel gelegen)
aus, das im Herrschaftsbereich des Pfalzengrafen lag. So gehörte Laach als
einziges Kloster im Rheinland zum cluniazensischen Klosterverband und die Kirche
wurde nach den prächtigen Bauvorstellungen von Cluny errichtet. Durch „drei Wunder“ ist das Münster in seiner ursprünglichen romanischen Bausubstanz ganz und gar unversehrt bis heute erhalten geblieben. 1. Die Errichtung der Kirche dauerte von 1093 bis etwa 1230, so daß man am Münster die gesamte Entwicklung innerhalb des romanischen Baustils entdecken kann, von der ottonischen Frühromantik bis zur staufischen Spätromantik. 2. Durch die großzügige Stiftung des Pfalzgrafen wurde aufwendig gebaut. Als der pfalzgräfliche Sitz immer weiter nach Süden verlegt werden mußte und schließlich über verschiedene Etappen nach Heidelberg gelangte, gehörte die Abtei das ganze Mittelalter hindurch zu den wenig begüterten Klöstern, so daß die finanziellen Mittel fehlten, in späteren Jahrhunderten grundsätzlich umzubauen. Armut war in diesem Fall ein Segen. 3.
Die Aufhebung erfolgte im August 1802. Es gelang aber nicht, Kirche und
Kloster zu veräußern, so daß die Gebäude unangetastet blieben. Die Kirche
wurde 1815 preußischer Staatsbesitz, und der Staat sorgte in der Zeit der
Romantik für eine umfassende Sanierung. 1892 konnte Maria Laach schließlich
von Beuron aus wieder besiedelt werden. Feierlichkeiten zum Jubiläum Der 850. Jahrestag der Weihe stand unter dem Leitwort:
„Gottes Haus für uns Menschen“. Rund um das Jubiläum wurden acht besondere
Festtage begangen. Einen ökumenischen Akzent hatte die Feier am 3. Juli mit
den Seelsorgern unserer Region. Der Superindentent des Kirchenkreises Koblenz,
Markus Dröge, hielt einen Vortrag mit dem Titel: Freundschaftlich anders sein
– Neue Chancen in der Ökumene der Pofile. „Wir sind dabei“, so Dr. Dröge,
„uns umzuorientieren von der Konvergenz-Ökumene hin zur ‚Ökumene der
Profile’ … Die Konvergenzökumene war getragen von der Hoffnung, daß sich
die Kirchen wie auf langsam zusammenlaufenden Linien quasi automatisch annähern
… Heute spüren wir: Es gibt Bereiche, in denen wir anders sind und zur Zeit
auch anders bleiben wollen, ja uns sogar profilieren wollen: Amtsverständnis,
Kirchenverständnis, Herrenmahl.“ Dr. Dröge warb dafür, „die Ökumene der
Profile freundschaftlich zu gestalten“. Am 6. Juli war der Tag für die Klöster unserer Beuroner
Kongregation und unserer benediktinischen und zisterzienischen Nachbarklöster.
Abt Bruno Fromme O.Cist. (Himmerod) sprach über sein Buch „Der Liebe zu
Christus nichts vorziehen. Anstöße aus der Regel des hl. Benedikt“. Seine
Ausführungen waren sehr persönlich gehalten und beeindruckten gerade deshalb.
In der Vesper hielt der Abt von Bursfelde, Herr Prof. Dr. Joachim Ringleben,
Dekan der Theologischen Fakultät Göttingen, die Predigt. Bursfelde wurde im
gleichen Jahr wie Laach gegründet (1093). Laach gehörte später der Bursfelder
Union an und stellte drei Mal deren Präses. Am 15. August feierten wir unser Patrozinium. Unsere
besonderen Gäste waren Mitglieder der Aktion „Kellerladen e.V. Initiative für
gemeinsame Arbeit“ im Kölner Stadtteil Bilderstöckchen, einem sozialen
Brennpunkt, wo unser Br. Lukas Ruegenberg schon seit vielen Jahren arbeitet. Der
Kellerladen organisiert seit langem Hilfstransporte, in den letzten Jahren für
ein Behindertenheim in der Westukraine. Einige Brüder aus unserem Kloster
unterstützen diese Aktivitäten und begleiten sie. Zwei orthodoxe Geistliche
der russisch-orthodoxen Kirche, die wir in der Ukraine kennen gelernt hatten,
gaben dem Tag seine besondere Prägung. Vater Michail hielt im Amt und in der
Vesper die Predigt. Für den 24. August, den eigentlichen Kirchweihtag, hatten
wir unsere Angestellten und ehemaligen Mitarbeiter eingeladen. Es war der Tag
des Goldenen Priesterjubiläums von P. Maternus und P. Valerius und des
Silbernen von Abt Benedikt. Am 27. August war dann die größte Feier mit vielen Ehrengästen,
darunter der Präsident des Deutschen Bundestages, Dr. Norbert Lammert, und
unser Ministerpräsident Kurt Beck. Die Eucharistiefeier unter dem Vorsitz
unseres Trierer Bischofs Reinhard Marx wurde vom SWR live übertragen, ebenso
der anschließende Festakt. Dr. Norbert Lammert ging in seinem engagierten
Festvortrag „Mitten
in dieser Welt. Die Kirche in der Zeit, die Zeit in der Kirche“
vom Eingangssatz der Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils aus:
„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen heute, besonders der Armen
und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger
Christi.“ Mit Nachdruck erinnerte der Präsident an das Mitwirkungsrecht der
Laien in der Kirche. In diesem Zusammenhang setzte er sich kritisch auseinander
mit dem Ausscheiden der katholischen Schwangerenkonfliktberatung aus dem
Konfliktberatungssystem der Bundesrepublik Deutschland, das er persönlich für
einen schweren Fehler hielt. Zum Thema der Ökumene sagte er: Die Unterschiede
zwischen den christlichen Konfessionen „wollen mir im Kontext der gemeinsamen
Aufgaben und Herausforderungen nicht hinreichend relevant erscheinen, um die
Trennung weiter zu rechtfertigen und aufrechtzuerhalten“. Wieder im Rückgriff
auf das Konzil rief Lammert die Pflicht der Kirche in Erinnerung, „nach den
Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten“. Am 8. September folgte der Ordenstag unseres Bistums. Etwa
300 Teilnehmer wurden gezählt. Am 14. September kamen die Ordensleute aus dem
Bistum Trier mit ihrem Bischof Felix Genn, der aus der unmittelbaren Nähe
Laachs stammt. Beides waren schöne Feste, geprägt von einer heiteren und
geschwisterlichen Atmosphäre. Abgeschlossen wurde die Reihe der Feiern mit dem „Tag der
offenen Tür“ am 16. September. Schätzungsweise 7000 Menschen kamen an diesem
Tag zu uns. Sanierungsmaßnahmen Schon im Vorfeld auf unser Jubiläum ist unser
Kirchenvorplatz durch die finanzielle Zuwendung unseres Freundeskreises neu und
sehr nobel gestaltet worden. Auch die Finanzierung der Renovierung der Vorhalle
der Kirche, des Paradieses, konnte der Freundeskreis zusagen. Es wurde von vielen ausdrücklich betont, daß unsere
wunderbare Kirche mit dem Kloster für sie wirklich „Gottes Haus für uns
Menschen“ ist. P. Ambrosius Leidinger, Maria Laach |