5. Symposium der Benediktinerinnen in Rom 

In Weisheit leiten nach der Benediktsregel, „damit die Starken finden, wonach sie suchen, und die Schwachen nicht davonlaufen ...“ (RB 64,14) 

Unter diesem Leitthema stand das 5. Internationale Symposium der CIB (Communio Internationalis Benedictinarum), das vom 5. bis 15. September in S. Anselmo in Rom stattfand. Etwa 130 Benediktinerinnen waren gekommen: Äbtissinnen, Priorinnen und eine Gruppe junger Schwestern vertraten die etwa 16.000 Benediktinerinnen in aller Welt. Schwestern aus 36 Ländern kamen da zusammen, von Südafrika bis Schweden, Litauen bis Australien, Vietnam bis Mexico und allem, was dazwischen liegt. Außer durch M. Máire Hickey (Dinklage) und Sr. Monica Lewis (Dinklage), die als Moderatorin und Generalsekretärin einen außergewöhnlichen Dienst taten, war die Region 6, die Deutschland, Österreich, die Schweiz und die Skandinavischen Länder umfaßt, mit acht Schwestern vertreten. Hinzu kamen dann noch fünf weitere Schwestern aus dieser Region, die im Staff und Übersetzerinnenteam engagiert waren. Nach S. Anselmo eingeladen hatte bereits zum vierten Mal Abtprimas Notker Wolf. Er und alle Brüder in S. Anselmo taten ihr Bestes, daß sich die Schwestern dort ganz daheim fühlen konnten. 

Das Thema wurde in Vorträgen aus verschiedensten Perspektiven  dargestellt. P. S.M. Selveratnam OMI aus Sri Lanka sprach in vier Einheiten über „Die Zukunft der religiösen Leitung – Eine psycho-spirituelle Perspektive“ und „Die Zukunft geistlicher Leitung. Die Spiritualität von Leitung.“ Sr. Aquinata Böckmann (Rom), die krankheitshalber nicht selber kommen konnte, ließ ihren Beitrag „In Weisheit leiten. RB 64“ von Sr. Pauline Trivino (Rom) vortragen. Äbtissin Joanna Jamieson (England) sprach über „Die Führungsaufgabe – meine Erfahrungen“. Und Sr. Cecile Dwyer (USA) zeigte „In Weisheit leiten aus der Sicht einer amerikanischen Priorin“ auf.

Der Vortrag von M. Máire Hickey am Ende ihrer Amtszeit als erste Moderatorin der CIB, an deren Wachsen und Gestaltung sie seit 1985 zunehmend prägend beteiligt war, hatte sein ganz eigenes und besonderes Gewicht. Geschichte und Biographie, Reflexion und Perspektive, Erfahrung und Vision flossen darin spürbar und zeugnishaft zusammen, wegweisend für alle. 

An den runden Tischen im Plenum brachten die Teilnehmerinnen in den Sprachgruppen oder gemischten kulturellen Gruppen in Austauschrunden eigene Einsichten und Fragen ins Wort und Gespräch.

Sr. Mary McDonald SGS (Australien) und Sr. Elizabeth Brennan SGS (Australien) leiteten in einfühlsamer Weise maßgeblich als Facilitatorinnen durch das Symposium und die Konferenz, so daß Richtung und Ziel nie aus dem Blick gerieten, und doch alles, was kam, Zeit, Raum und Ort fand. 

Zwischen den thematischen Teilen gab es Präsentationenen aus den 19 Regionen, in die die Welt der CIB durch den früheren Abtprimas Viktor Dammertz eingeteilt wurde. Da waren einerseits auf Tischen im Innenhof verschiedenste Texte und Dinge ausgelegt. Da gab es andererseits Lieder (z. B. aus Korea und den USA), Tänze (z.B. aus Brasilien und Polen) und andere Darbietungen.

Die Region 6 hatte als Präsentation und Geschenk für jede eine Landkarte mitgebracht, die Schwestern der Abtei Mariendonk im Auftrag der VBD eigens für diesen Anlaß erstellt hatten. Darauf kann man von Norden nach Süden geordnet und mit Anschriften und Internet-Adressen versehen alle Benediktiner- und Benediktinerinnen-, Zisterzienser- und Zisterzienserinnenklöster finden. Diese in ihrer Schlichtheit sehr klare und informative Karte kann man in der Abtei Mariendonk bestellen. 

Mitte des Symposiums aber war die Feier der Liturgie, tonangebend für jede neue Einheit des Treffens das gemeinsame Gebet, in einer der verschiedenen Sprachen, die wir miteinander zu singen lernten. Sr. Elizabeth Brennan SGS gestaltete die Gebetseinheiten mit gefühlvoller Aufmerksamkeit, so daß, was allem übrigen Tun und Teilen den Grundton gab, nie verloren ging sondern vielmehr in seiner Schönheit offensichtlich wurde. Eine Gruppe junger polnischer Schwestern, die meistenteils die Schola übernommen hatten, Sr. Margret Truman (England), die mit ihrem Orgelspiel Menschen zu begleiten und zu integrieren verstand, Sr. Placida Ramos Lima (Brasilien), die mit der Harfenzither spielend andere Klangräume eröffnete, sie und viele andere trugen lebendig dazu bei, daß die gemeinsame Liturgie Gotteslob und Geschenk für die Mitfeiernden war. 

Die aus meiner Sicht dichteste Liturgie fand aber anderswo statt. Es gab im Rahmen der Tagung gelegentlich zeit für fakultative Besuche oder Ausflüge, z.B. an benediktinische Stätten Roms, nach Subiaco, in eine der Katakomben, nach S. Egidio. Alle gemeinsam fuhren wir einen Tag nach Nursia, pilgerten in die Landschaft, in der Benedikt aufgewachsen war. Wir haben die Landschaft gesehen und die kleine Stadt, die Messe gefeiert und manches miteinander angeschaut. Schließlich fuhren wir in die etwas außerhalb gelegene Kirche St. Scholastika, wo der Überlieferung nach die hl. Scholastika ein klösterliches Leben führte. Die Kirche ist ruinös, scheint kaum noch brauchbar, kein Altar und kein Tabernakel findet sich mehr darin. Die schönen mittelalterlichen Fresken an den Wänden, zum Teil von auch schon verfallenden vorgesetzten barocken Bögen verbaut, sind schadhaft. Hier und da liegen kleine Schutthaufen. Dort haben wir still im Kreis gestanden und in einer Liturgie unsere Profeß erneuert, jede in ihrer Sprache und im gemeinsam gesungenen „Suscipe“. Da lag dann in unverhüllter Schönheit offen, was wir leben können und in der Weite der CIB miteinander teilen dürfen, was über alles mögliche Tun und Versuchen hinausgeht und die Kategorien des Gelingens und Mißlingens weit hinter sich läßt: daß wir als Benediktinerinnen in der Realität von Welt und Kirche stehen und die Hingabe singen. Der hl. Franziskus hatte Gottes Auftrag gehört, eine verfallene Kirche wiederaufzubauen, und er hat sich mit seinen Händen ans Werk gemacht. Unser kostbarster Dienst ist es vielleicht, einfach dazustehen und in Kirche und Welt das Lied nicht verstummen zu lassen, daß die Hingabe Gottes und die Hingabe des Menschen aufklingen läßt. Es ist ein Geschenk dabei umeinander zu wissen, – das in der CIB zu teilen. 

Wer übrigens nachsehen möchte, wer zu dieser CIB wo dazugehört, kann das nun aktualisiert im von den Schwestern der Kommunität Venio in München mit enormem Einsatz neu erstellten „Catalogus 2006 der Benediktinerinnen“ tun, der pünktlich zum Symposium fertiggestellt wurde und der in S. Anselmo zu beziehen ist. 

Der erste und letzte Tag waren dann Tage der CIB-Konferenz, in der die 22 Delegierten die anstehenden Themen besprachen. Besonderes Gewicht kam dabei dieses Mal den Wahlen zu.

M. Máire Hickey und die Mitglieder des Administrativrates Sr. Judith Ann Heble (USA), Sr. Sonia Wagner SGS (Australien), Sr. Dolores Hong (Korea), M. Theodora Ntuli (Südafrika) und M. Jolanta Rzoska (Polen) schieden aus dem Dienst und standen z. T. für eine Wiederwahl nicht mehr zu Verfügung.

Der neugewählte Administrativrat der CIB setzt sich nun folgendermaßen zusammen:

Sr. Judith Ann Heble (USA) als Moderatorin,
M. Vera Lúcia Pareiras Horta (Brasilien) als Assistentin,
M. Theodora Ntuli (Südafrika) und M. Teresa Paula Dias Perdiago (Portugal) als gewählte Mitglieder des Rates. Hinzu kommen noch als ernannte Mitglieder M. Zoe Davis (England) und Sr. Clare Condon SGS (Australien). 

Mit Dankbarkeit für dieses Treffen und das wunderbare Netzwerk, das die CIB schon geworden ist, und mit guten Wünschen und Hoffnungen für das nächste Wegstück verabschiedete man sich. Da konnte auch Abtprimas Notker wieder dabei sein, der in den Tagen zuvor als einer der Hauptkommentatoren des Bayerischen Rundfunks und der ARD beim Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland engagiert war.

Die Benediktinerinnen in der ganzen Welt haben allen Grund weiterzugehen, durch alles Leben weiter zu pilgern. Das war auf diesem Symposium als Erfahrung und als Vision spürbar. 

Priorin Johanna Domek, Köln-Raderberg