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„… und das
Wort ist Fleisch geworden“ Vom 17.-24 Juli 2004 fand in der französischen Abtei La Pierre-qui-Vire
ein Treffen junger Nonnen und Mönche der Kongregation von Subiaco statt. Zu diesem Jahrestag lud die Abtei La Pierre-qui-Vire Nonnen und Mönche,
deren ewige Profeß nicht länger als zehn Jahre zurückliegt, zur Teilnahme an
der Feier in Vézelay ein. So trafen sich 8 Schwestern und 13 Brüder aus den
europäischen Klöstern der Kongregation zu den Tagen der Begegnung unter dem
Titel „Suche den Frieden und jage ihm nach“ (RB
Prol 17 = Ps 35,15). Die Teilnehmer Wichtiges Element war der Austausch und das gegenseitige Kennenlernen
der Teilnehmer aus den
verschiedenen Klöstern. Die Tage wurden eingeleitet mit einem Vortrag zur
Geschichte der Kongregation von Subiaco vom ehemaligen Abtpräses Denis Huerre.
Er gab einen einführenden Blick in die Geschichte der Kongregation. Ausführlich
stellten sich die Teilnehmenden gegenseitig ihre Gemeinschaften vor. Dadurch
entstand ein buntes Bild von den 17 vertretenen Gemeinschaften aus sieben europäischen
Ländern (Schottland, Belgien, Niederlande, Deutschland, Frankreich, Italien und
Spanien). Besonders deutlich wurde die ambivalente Vielfalt allein in den europäischen
Provinzen der in allen Erdteilen vertretenen Kongregation: Einerseits kann der
Austausch unter den verschiedenen Weisen benediktinisches Leben konkret
auszugestalten, bereichern, andererseits ist die Suche nach dem Gemeinsamen in
der Kongregation eine bleibende Herausforderung. Schließlich soll ein
internationaler Klosterverbund keine amorphe Ansammlung verschiedener Klöster
sein. Die vielen Gespräche am Rande und die ungezwungenen Kontakte mit der
Gemeinschaft von La Pierre-qui-Vire, die einen Eindruck von der Offenheit und
Vielfalt benediktinischen Lebens gaben, waren wichtige Elemente des
gegenseitigen Kennenlernens. Das Thema Der Tag zum Tagungsthema „Suche den Frieden“ wurde durch einen
profund ausgearbeiteten Vortrag von Abt Hugh Gilbert (Pluscarden
Schottland) und eine Begegnung mit dem Altvater der Regelauslegung, P. Adalbert
de Vogüé, eingeleitet. P. Adalbert beeindruckte uns
junge Teilnehmer durch seine Persönlichkeit
und seine tiefe Regelkenntnis. Die Impulse bildeten den Ausgangpunkt für den
Austausch in Kleingruppen. Hier kamen im lebhaften Gespräch vor allem die alltäglichen
Situationen zur Sprache, in denen der klösterliche Frieden noch vertieft werden
kann. Themen waren die Suche nach Möglichkeiten der correctio
fraterna, das Miteinander von alten und jungen Schwestern bzw. Brüdern oder
Konfliktpunkte in alternden und kleiner werdenden Gemeinschaften. Der Themenschwerpunkt „Europa“ wurde mit Vorträgen von Augustin
de Romanet, Berater des französischen Präsidenten
und von Abtpräses Bruno Marin (Rom) eingeleitet. Augustin de Romanet
stellte Herausforderungen und Probleme europäischer Politik vor und forderte
von den Orden und den benediktinischen Gemeinschaften einen Beitrag zur Suche
nach einer gemeinsamen europäischen Zukunft. Abtpräses
Bruno Marin skizzierte seine Ideen zur Rolle der Klöster beim Aufbau Europas. Der
anschließende Austausch zeigte, daß es – auch wenn Europa selten in
Gemeinschaften thematisiert wird – eine Vielzahl an faktischen Kontakten und
kleinen Beiträgen zu einer größeren europäischen Verbindung in
den Kommunitäten gibt. Gerade innerhalb der kleiner werdenden katholischen
Kirche in Europa gewinnen internationale Begegnungen an Gewicht. Besonderes
Augenmerk sollte deshalb schon in der monastischen Formation auf den Erwerb von
europäischen Sprachen gelegt werden, sowohl von Seiten der Oberen als auch auf
Seiten der Mönche und Nonnen selbst. Wie wichtig wenigstens das passive Verständnis
der Sprachen ist, wurde während der Tagung immer wieder deutlich. Schön ist
es, wenn Kommunikation über die Grenzen der Sprache hinweg funktioniert, noch
schöner ist aber die Erfahrung, bei gelegter Grundlage schnell in andere
Sprachen hineinzuwachsen!
Die Orte Zwei Tage waren dem Besuch des nahe gelegenen Städtchens Vézelay
gewidmet: Ein eher touristischer Besuch sowie die Teilnahme an der Wallfahrt für
den Frieden. Der touristische Aufenthalt begann mit einer eindrucksvoll
schlichten Eucharistiefeier in der ersten franziskanischen Gründung
Frankreichs, La Cordelle, einer kleinen Kapelle, an der Bernhard von Clairvaux
vor 960 Jahren zum Kreuzzug aufrief. Weitere Programmpunkte waren der Besuch der
romanischen Basilika von Vézelay und ein erstes Gebet und eine Begegnung mit
Schwestern und Brüdern der Gemeinschaft von Jerusalem. Dieser neuen
Gemeinschaft, 1974 gegründet und inzwischen an sieben Orten besonders. in
Frankreich präsent, ist der Dienst an der Basilika in Vézelay anvertraut. Die
Schwestern und Brüder sorgen sich besonders um eine stilvolle Feier der
Liturgie, um den Dienst an den Pilgern und um Führungen durch die Kirche. Die Wallfahrt selber begann mit der Vigilfeier am Vorabend des Festes
der Hl. Maria Magdalena, die in Vézelay verehrt wird. Der eigentliche Festtag
war geprägt von einer Prozession von La Cordelle zur Basilika. Bei einer Statio
wurden bewegende Zeugnisse von P. Rouin Leblanc, Mönch
von La Pierre-qui-Vire und Hans Pollert, einem
ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen vorgetragen, jeweils in französischer und
deutscher Sprache. Dabei wurde ein großer Erinnerungsbogen geschlagen von den
Erzählungen vom deutsch-französischen Krieg 1870 über die beiden Weltkriege
und die vielen kleinen und großen Zeichen der Versöhnung, die dazu führten,
daß sich unsere jüngere Generation keine Sorgen mehr um einen Krieg zwischen
Nationen in Westeuropa machen muß. Eine festliche Eucharistiefeier mit den
Bischöfen Patenôtre (Erzbischof von Sens-Auxerre)
und den Vorsitzenden von Pax Christi Frankreichs und
Deutschlands, Marc Stenger und Reinhard Marx, wurde von der Gemeinschaft von
Jerusalem, den Mönchen von La Pierre-qui-Vire und der Pfarrgemeinde Vézelay
vorbereitet und gestaltet. Anschließend fand auf dem Gelände der Basilika ein
Fest des Friedens statt. An dem Festtag nahmen mehrere tausend Menschen teil,
darunter einige Gruppen aus Deutschland. Die
Mönche von La Pierre-qui-Vire haben in ihrer großzügigen Gastfreundschaft
einen wertvollen Beitrag zur Verbindung der Kongregation von Subiaco geleistet.
In ihrer stilvollen Liturgie wurden die Muttersprachen der Tagungsteilnehmer vom
Schwedischen bis zum Katalanischen integriert, so daß die Katholizität auf
ganz eigene Weise erfahren werden konnte. Zum
Abschluß soll der Vergleich eines Teilnehmers aufgegriffen werden: Bei den
Tagen der Begegnung ist wirklich das Wort Fleisch geworden: Was vorher nur Namen
von Klöstern und Mitbrüdern und-schwestern im Ordenskatalog waren, ist bei
dieser Tagung als lebendige Realität erfahrbar geworden. Fr. Antonius Kuckhoff, Kornelimünster |