Freund und Lehrer
Zum Gedenken an Professor Dr. Karl Suso Frank OFM
 

Seine Abschiedvorlesung an der Universität Freiburg am 29. Juni 2000 stellte Professor Dr. Karl Suso Frank OFM unter das Thema: „Der Abschied bei den Kirchenvätern“. Er leitete die Vorlesung ein mit der Bemerkung: „Das Thema blickt nicht auf den letzten, endgültigen Lebensabschied, den Tod ... Ich bleibe eine Stufe darunter bei den Abschieden, die sich mitten im Leben ereignen.“
Ganz unerwartet ist für ihn der Lebensabschied gekommen. Der Freiburger Kirchenhistoriker und Patristiker starb am 4. Januar 2006 völlig überraschend kurz vor Vollendung seines 73. Lebensjahres.

Karl Suso Frank wurde 1933 in Wiblingen bei Ulm geboren. 1952 trat er in den Franziskanerorden ein und begann das Studium der Philosophie und Theologie an der Ordenshochschule der Fuldaer Franziskanerprovinz. Nach der Priesterweihe 1958 setzte er sein Studium an der Universität Münster fort mit besonderer Berücksichtigung der Alten Kirchengeschichte, der Geschichte, Archäologie und Kunstgeschichte. Sein Lehrer Prof. Dr. B. Kötting schätzte ihn hoch nicht nur wegen seiner wissenschaftlichen Brillanz.
Sein Dissertationsthema „Angelikos bios. Begriffsanalytische und begriffsgeschichtliche Untersuchung zum ‚engelgleichen Leben’ im frühen Mönchtum“, mit dem er 1963 zum Dr. theol. promoviert wurde, war richtungsweisend für einen weiten Bereich seiner jahrzehntelangen Forschung zur Geschichte des Mönchtums und den Anfängen der christlichen Askese. Zahlreiche Publikationen auf diesem Gebiet, darunter in mehrere Sprachen übersetzte Standardwerke wie die Geschichte des christlichen Mönchtums, die in 6. Auflage 1996 erschien, brachten ihm internationales Ansehen.
Er wirkte von
1964 bis 1967 als Dozent für Patrologie und Liturgiegeschichte an der Ordenshochschule in Fulda. Er war Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit Studienaufenthalten in Lyon, Rom und Göttingen. Nach der Habilitation 1968 in Münster für das Fachgebiet Alte Kirchengeschichte, Patrologie und christliche Frömmigkeitsgeschichte lehrte er von 1968-1974 als ord. Professor für Alte Kirchengeschichte und Patrologie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. 1974 nahm er den Ruf an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg an, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 lehrte. 

Es kann hier nicht der Ort sein, das gesamte wissenschaftliche Werk und Wirken von Karl Suso Frank zu würdigen. Von besonderer Bedeutung für die Benediktiner sind seine zahlreichen Publikationen zu Themen der frühen asketischen Bewegung, zu Johannes Cassianus, zur Benediktusregel und zu Fragen des benediktinischen Mönchtums, die ihn ausweisen als Kenner frühmonastischer und benediktinischer Spiritualität und Geschichte. Wie kaum mit einem anderen Namen verbindet sich im deutschsprachigen Raum mit dem seinigen die wissenschaftliche Forschung im Bereich des Alten Mönchtums. Den Benediktinern galt er als Autorität für die Erforschung monastischer Themen.
Hilfreich nicht nur für die wissenschaftliche Untersuchung der Benediktusregel und für ein tieferes Verständnis, sondern auch für den praktischen und alltäglichen Umgang mit ihr sind seine Übersetzungen von Grundtexten des Alten Mönchtums, die auf die Benediktusregel eingewirkt haben. Zu nennen sind die Übersetzung der Längeren und Kürzeren Regeln des Basilius von Caesarea (St. Ottilien 1981) und der Magisterregel (St. Ottilien 1989). Mit den beiden Bänden „Frühes Mönchtum im Abendland“ (Zürich 1975) machte er wichtige Texte in deutscher Sprache zugänglich wie z.B. das Büchlein des Augustinus „Über die Handarbeit der Mönche“, die ersten vier Bücher der Institutiones des Johannes Cassian, die Viten der Juraväter. Der Benediktinerorden ehrte seine wissenschaftlichen Bemühungen um das Mönchtum 1992 mit der Aufnahme als außerordentliches Mitglied in die Bayerische Benediktinerakademie. 

Seine benediktinische Neigung hat der Franziskaner P. Suso nie verleugnet. Er begründete sie gern mit dem Hinweis auf seinen Geburtsort Wiblingen bei Ulm mit seinem ehemaligen Benediktinerkloster, das 1093 vor den Toren Ulms als Reformkloster gegründet wurde. Bereitwillig und zuverlässig ließ er sich gewinnen für eine Mitwirkung bei benediktinischen Veranstaltungen und Projekten mit der Bemerkung, den Benediktinern könne er nichts abschlagen. So war er einige Male ein geschätzter Referent bei den benediktinischen Studientagen der VBD in der Abtei Engelthal. Für das monastisch-patristische Curriculum, das von der Beuroner Kongregation in den Jahren 1998 bis 1999 in der Abtei Neuburg angeboten wurde, übernahm er gern einen Themenbereich.
Wegen der Lebendigkeit und geschliffenen Rhetorik seiner Vorträge konnten seine Hörer auch schwierigen wissenschaftlichen Problemen folgen. Er scheute sich nicht, kontroverse Themen anzusprechen und heikle Thesen zu formulieren, wie etwa die Frage nach dem Verfasser der Benediktusregel. In seiner Abschiedsvorlesung widmete er einen langen Abschnitt der Vita Benedikts von Gregor d. Gr. Zuletzt war er bereit, für das IBS in Salzburg beratend mitzuwirken bei der Planung eines Bandes mit Vätertexten zur Benediktusregel.

Am 12. Januar 2006 wurde er in Freiburg zur letzten Ruhe getragen. Die Benediktiner dürfen sich in Dankbarkeit an ihn als Freund erinnern. 

Sr. Michaela Puzicha, Varensell / Salzburg