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Generalkapitel
der Österr. Benediktinerkongregation
Das Generalkapitel der Österr.
Benediktinerkongregation kommt alle alle drei Jahre zusammen. Vom 16. bis 19.
Oktober 2005 tagte es im Stift Göttweig.
Hauptthema war dieses Mal die Beschlußfassung über die Überarbeitung der
Satzungen. Sie waren 1986 in Kraft getreten und durch Beschlüsse der letzten
Generalkapitel in einigen Punkten bereits modifiziert worden. Zur Vorbereitung
waren im Jänner 2004 alle Mitbrüder in der Kongregation eingeladen worden, in
den folgenden drei Monaten Vorschläge für die Überarbeitung einzureichen.
Eine Arbeitsgruppe, die sich in drei Untergruppen mit monastisch-spirituellen,
kanonistischen und sprachlichen Fragen beschäftigte,führte diese Anregungen
und ihre eigenen Ergebnisse zu einem Arbeitsexemplar zusammen, das als Grundlage
für das Generalkapitel diente. In
diesem Entwurf sind noch stärker als bisher die spirituellen Grundlagen des
benediktinischen Mönchslebens, vor allem das Evangelium und die Regel des
Heiligen Benedikt, herausgearbeitet. Anfang Mai 2005 wurde dieses
Arbeitsexemplar allen Mitbrüdern zur Verfügung gestellt, um in den beiden
folgenden Monaten Gelegenheit zu bieten, Eingaben an das Generalkapitel zu
richten. Dem Generalkapitel lagen also neben dem Arbeitsexemplar der Satzungen
auch die Eingaben (und Vorschläge) aus der Kongregation vor, die über den
Sommer noch durch die Arbeitsgruppe und das Kongregationspräsidium behandelt
worden waren. Diese Vorarbeiten ermöglichten ein zügiges Vorgehen beim
Generalkapitel, das dennoch ausreichend Gelegenheit zur Besprechung einzelner
Fragen und Formulierungen ließ. Und so konnte trotz der zahlreichen notwendigen
Einzelabstimmungen dieser Tagesordnungspunkt abgeschlossen werden.
Für den ersten Tag hatte Abtprimas Notker Wolf seine Teilnahme am
Generalkapitel zugesagt. Das Thema seines Referates lautete „Freiheit durch
Bindung. Eine Herausforderung an unsere Gemeinschaften in der postmodernen
Gesellschaft“. Er betonte, daß er sich mit diesem Fragenkomplex schon lange
beschäftigt, und daß er mit seinen Überlegungen einen geistigen Hintergrund
aufzeigen will, wenn die Österreichische Benediktinerkongregation ihre
Satzungen überarbeitet, die ja eine Form von Bindung darstellen. Er gab einen
Überblick über die geistesgeschichtliche Entwicklung zum Spannungsfeld
individueller Freiheit und institutioneller Bindung, das besonders in der Zeit
der Aufklärung und in der 68er-Bewegung Umbrüche erfuhr. Auswirkungen davon
haben sich auch in den Klöstern niedergeschlagen. Heute sieht er die Chance der
Klöster darin, daß sie helfen können, Werte zu entdecken und zu vermitteln.
Denn die Entscheidung für Werte bildet eine Grundlage für echte innere
Freiheit und ermöglicht erst Gemeinschaft, auch wenn eine solche Entscheidung
wieder Bindung mit sich bringt. Von Werten getragen erschöpfen sich Ordnungen
und Regelungen nicht im Einhalten und Überprüfen von disziplinären
Vorschriften, sondern drängen zur Verwirklichung dieser Werte. Ziel ist
individuelle Freiheit in der Freiheit der Gemeinschaft. Gerade die evangelischen
Räte Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam (in der benediktinischen Ausprägung:
Beständigkeit, klösterliche Lebensführung und Gehorsam) – können als
Zeichen der persönlichen Unabhängigkeit verstanden und gelebt werden.
Bei jedem zweiten ordentlichen
Generalkapitel, also alle sechs Jahre, erfolgen die Wahlen und Bestellungen auf
Kongregationsebene. Davon seien nur die wichtigsten erwähnt: Abt Clemens
Lashofer (Göttweig) wurde als Abtpräses wiedergewählt. Die vier Assistenten
sind: Abt Christian
Haidinger (Altenburg), Abt Bruno Hubl (Admont), P. Ambros Ebhart (Kremsmünster)
und P. Martin Rotheneder (Melk).
P. Franz Schuster, Göttweig
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