Benediktinerinnen vernetzen sich -
Vom Wachsen der Communio Internationalis Benedictinarum (CIB)
 

Ich sehe vor mir das Bild eines Netzes, das zusammengeknüpft wird. Viele, viele Fäden werden nebeneinander gelegt und an vielen Stellen miteinander geknüpft. Es gibt sehr viel Raum zwischen den einzelnen Fäden, denn es ist ein Netz und nicht ein gewobenes Tuch. Und jeder Faden ist mit vielen anderen Fäden geknüpft. Es gibt dicht verwobenen Flächen aber auch weniger dicht verwobene. Für die Brauchbarkeit des Netzes ist nur wichtig, dass alle Fäden genügend eingeflochten sind, um größere Löcher zu vermeiden. 

Wenn hier vom Treffen der CIB Delegierten die Rede ist, dann sprechen wir auch von einem benediktinischen Netz, das geknüpft wird. Das Netz wird auf zwei Ebenen geknüpft.  Es gibt ein Kern, der Kreis der Delegierten, und es gibt die Regionen, deren Vertreterinnen die Delegierten sind.  

Eine Weise, um das Knüpfen des Netzes an der Basis zu fördern, geschieht durch einen Besuch der CIB Delegierten in einer der Regionen. Dieses Mal war die CIB Konferenz zu Gast bei den Benediktinerinnen von Region 7, in Polen. Auf vielfache Weise wurde die Begegnung mit der Region gestaltet. Gerade diese Vielfalt hat sehr geholfen, dass für jeden das Richtige da war und ein vielschichtiges Gewebe an Beziehungen entstehen konnte.
So war es möglich viel über diese Region zu erfahren. Zur Vorbereitung auf das Treffen wurden Stellwände mit Bildern und Grundinformationen über die verschiedenen benediktinischen Häuser, auch über die verschiedenen in Polen vorhandenen Kongregationen aufgestellt.  Oblaten hatten auch ein Film über diese 18 Häuser gedreht und der Text wurde mit Rücksicht auf die Gäste ins Englisch übersetzt. Landkarten von Polen mit den benediktinischen Häusern in verschiedenen Farben eingezeichnet, wurden an alle Teilnehmerinnen verteilt, so daß es möglich war, auch bei den von uns vielleicht nicht aussprechbaren Namen sich doch einiges einzuprägen. Die rege Beteiligung vieler Schwestern, nicht nur Oberinnen und nicht nur für einen Tag und trotz Schwierigkeiten mit der Sprache – aber nonverbal lässt sich auch vieles sagen – machte die Begegnung sehr lebendig.  Es fiel auf, dass in dieser Region alle benediktinischen Lebensformen, die der  moniales, der sorores, der Oblatinnen, (die ein ganzes Dorf verwandelt haben) intensiv miteinander in guter Beziehung stehen. Es gibt sehr junge Gemeinschaften mit viel Leben und viel Nachwuchs und es gibt alte Gemeinschaften, die kostbare Gebäude und Traditionen geerbt haben, die aber jetzt alt und klein geworden sind. Alle haben in den Kriegen, die Polen in den letzten 100 Jahren heimgesucht haben, viel gelitten und viel verloren. Aber die christliche Liebe zwischen ihnen ist wach und sie teilen ihre Sorgen. 
Die Gelegenheit wurde genutzt, um auch untereinander Beziehungen weiter zu knüpfen, besonders auch mit Schwestern aus den Nachbarländern. Dazu gehören nicht nur Litauen und Ukraine, sondern auch Kroatien und Deutschland. Die Neutralität dieser ungewöhnlichen Zusammenkunft machte Neues möglich. 

Dann gibt es auch die Ebene der 24 Delegierten aus aller Welt. Auch hier muss das Netz weiter geknüpft werden. In diesem Jahr konnten leider fünf Regionen aus verschiedenen Gründen ihre Delegierten nicht schicken. Die Delegierte aus Region 19, Indien und Sri Lanka, war ganz neu in diesem Kreis und die Delegierte aus Region 4, Großbritannien und Irland, (bis diesem Sommer war sie stellvertretende Delegierte ihrer Region) war nur einmal bei einem Symposium dabei gewesen. Das Knüpfen des Netzes auf dieser Ebene bekommt seine Dynamik aus der Regelmäßigkeit der Treffen und die Kontinuität der Beteiligung. Anders als beim männlichen Gegenpart (die Präsides-Synode) gibt es bei den Frauen Delegierte aus Afrika, Asien und Australien. Durch sie werden Kulturen und Denkmodelle hineinbezogen, die den Blickwinkel der westlichen Welt überschreiten.  Auch strukturell gibt es im Kreis der Benediktinerinnen eine viel größere Vielfalt an Ausdrucksformen des benediktinischen Charismas als bei den Männern.  Die Integrationsfähigkeit der Frau ist hier angesprochen und angesagt. Es ist eine Sache des Wachstums und der Zeit. Um den Reichtum dieser Vielfalt zu integrieren, hat es sich gezeigt, daß neben Austausch über wichtige Fragen auch gemeinsam gelebte Tage von großem Wert sind. 

Es gibt ein Kern von Delegierten, die seit vielen Jahren dabei sind. Durch ihre Beständigkeit wird es möglich, neue Teilnehmerinnen zu integrieren. Die schwesterliche Atmosphäre, die über die Jahre gewachsen ist, kann dann auch die Neuen einbeziehen und sie mittragen. In dieser Atmosphäre bekommt das gemeinsame benediktinische Charisma klare Konturen und das Wesentliche tritt immer mehr hervor. Hier ist eine gute Werkstatt, um die Fragen unserer Klöster über den Auftrag der Benediktinerinnen in einer sich wandelnden Welt gemeinsam anzugehen. Die jährliche CIB-Konferenz ist ein Raum, wo das gemeinsame Hören auf den Geist Gottes eingeübt wird und wo Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit wachsen können.  

Sr. Monica Lewis, Dinklage