Fort Augustus

Ein schottisches Benediktinerkloster von 1876 bis 1999 

Mitten in den schottischen Highlands, am Südufer des Loch Ness, etwa 54 km südlich von Inverness liegt Fort Augustus. Der Fluß Lochy und der kaledonische Kanal fließen parallel aus dem See. Die Gegend um den Ort ist eine typisch schottische, schwach bevölkerte Landschaft, herb und karg bewachsen. Die riesigen Wiesenflächen sind mit Schafherden bevölkert. Ab und zu trifft man Wanderer an, die für die plötzlich auftretenden und schnell wieder verschwindenden, aber manchmal auch Tage lang dauernden Regenschauer gewappnet sind. Die Landschaft besitzt einen ganz eigenen Charakter. Die Eisenbahnlinie nach Spean Bridge und weiter nach Glasgow ist schon lange aufgehoben und abgebrochen, ein paar Mal täglich sorgt ein Bus für den Anschluß an die große Welt. Fort Augustus ist ein einsamer Ort, außer dem ehemaligen Benediktinerkloster hat die Ortschaft nur ein paar Hundert Einwohner. Ein Ort wie geschaffen für ein Kloster.

Deshalb gründeten 1876 Dom Jerome Vaughan, ein Mönch von Downside und Dom Anselm Robertson, ein früherer Mönch des Schottenklosters Regensburg, ein Benediktinerkloster, genannt St. Benedict's Abbey. Ein ehemaliges Hannoveranisches Fort gibt dem Ort den Namen. Dieses Fort wurde, nachdem es nicht mehr für militärische Zwecke gebraucht wurde, von der Regierung an einen Adeligen, Lord Lovat, aus dem alten Adelsgeschlecht Frasers of Lovat verkauft. Während vielen Jahren wurde das ausgeräumte Fort von verschiedenen Bewohnern benützt, ein Teil davon diente dem Hausherrn als Jagdsitz. 1876 wünschten die Benediktiner der Englischen Kongregation, ein Kloster in Schottland zu gründen. Nachdem ein Kauf zustande kam, wurden Teile dieses Forts, das in einem großen Park mit altem Baumbestand lag, abgebrochen, andere in den Bau des Klosters einbezogen. 1880 waren die Um- und Neubauten so weit gediehen, daß eine feierliche Einweihung stattfinden konnte. Die neugebauten Teile der Abtei sind typische Bauten des 19. Jahrhunderts in englischer Neugotik errichtet, wobei der Bau der Kirche wegen Geldmangels 1893 eingestellt werden mußte, 1914 wieder aufgenommen wurde und nach der Fertigstellung des Chores und der Seitenkapellen ein vorläufiges Ende fand. Erst 1949 wurde mit dem Bau des Schiffs begonnen und in den 70-er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Abteikirche fertiggestellt. Von Anfang an verstand sich Fort Augustus als Nachfolger und Weiterführer der beiden Klöster St. Jakob zu den Schotten in Regensburg (gegründet um 1100) und St. Adrian und Denys in Lambspring, Deutschland (gegründet 1645). Die Gemeinschaften dieser beiden Klöster wurden im 19. Jahrhundert unterdrückt und mußten ins Exil gehen. Bereits 1883 wurde Fort Augustus Abtei und blieb bis 1910 unabhängig von der Englischen Kongregation. Das Kloster blühte. So war es möglich, 1924 in Washington USA eine Neugründung zu machen, welche später zur St. Anselms Abbey wurde. 1926 wurde die Gründung von Downside in Portsmouth, Rhode Island, USA (1919), welche später zur St. Gregory's Abbey wurde, von Fort Augustus übernommen. Zwei Jahre nach der Gründung, 1878 wurde eine Schule mit Internat für 70 Schüler gegründet. Die Schule hatte einen guten Ruf in Bezug auf Bildung und Sport. 1993 mußte sie leider geschlossen werden. Noch 1970 gehörten zur Gemeinschaft 35 Mönche, 25 Patres, 9 Brüder und ein Klaustraloblate. Diese wirkten an der Klosterschule und betreuten vom Kloster aus, aber zum Teil auch in den Pfarreien lebend, die Seelsorge dieses Gebietes.

Nach der Schließung der Schule (1993) suchten die Mönche ein neues Arbeitsfeld und Apostolat: Tourismus. In den vorhandenen Gebäuden richteten die Mönche ein Heritage-Center ein, in dem sie christliche Gruppen aufnahmen für Exerzitien, geistliche Gespräche, spirituellen Austausch mit Besuchern und Touristen, welche auch an den Gebetszeiten teilnehmen konnten. Die Abtei war Gastgeberin für Pfarreigruppen aus ganz Schottland und ganz besonders widmeten sich die Mönche benachteiligten Kindern und Jugendlichen.

Auf der Rückseite des Benediktinischen und Zisterziensischen monastischen Jahrbuchs Englands von 1996 warben sie noch enthusiastisch für diesen Neuanfang mit dem Slogan: A new type of monastic work for the 21st century (Ein neuer Typ monastischer Arbeit für das 21. Jahrhundert). 1996 bestand die Gemeinschaft aus 17 Mönchen: 13 Priestern, 2 Brüdern, einem Novizen und einem Postulanten.

Doch ein paar Jahre später war Schluß. Im Januar 1999 wurde das Kloster geschlossen und die Mönche konnten wählen, ob sie in ein anderes Kloster gehen oder sich einer Diözese anschließen wollten.

Die Gebäude wurden gemäß den Bedingungen des ursprünglichen Übereinkommens an die Familie Fraser zurückgegeben. Diese verkaufte sie jedoch an einen Unternehmer, der dort die Wiederinbetriebnahme des von den Benediktinern begonnenen Heritage-Centers plante. Daraus ist bis heute nichts geworden, die Gebäude sind dem Verfall preisgegeben.

Die Aufhebung dieses schottischen Klosters war wohl nicht zu vermeiden. Trotzdem ist die benediktinische Landschaft um ein sympathisches und vor allem von der Lage her außerordentlich malerisches Kloster ärmer.   

P. Armin Russi, Mariastein