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Liebe
Freunde, in
dieser Jahreszeit schreibt jedes Kloster eine Jahreschronik. Diesem schönen
Brauch folgend möchte ich Ihnen etwas über unser Leben in Palendriai
berichten. In
den letzten Monaten haben wir viel Schönes erfahren. Ich werde mit einer
Nachricht beginnen, die uns auch eine große Freude bereitet hat. Mitte
September ist ein Junge aus Rußland angekommen. Er war schon bei uns letztes
Jahr und konnte unser Kloster kennenlernen. Diesmal ist er zurückgekommen, mit
dem ausgesprochenen Wunsch einzutreten. Mit Mut hat er angefangen, den von uns
bekannten Weg zu gehen, d. h. mit geeigneten Büchern und mit einem Lehrer lernt
er fleißig die litauische Sprache. Für einen Russen ist es nicht selbstverständlich.
Es sind in Litauen viele Russen, die sich nicht die Mühe gegeben haben, die
Sprache zu lernen. Andere
Freude: Einige Tage später trat ein Student ein. Tomas studierte Jura in
Vilnius ohne Begeisterung. Vor den Ferien begleitete er einmal seinen Bruder in
Palendriai. Dieser wollte Mönch werden. Aber mit der Zeit hat sich die
Situation geändert. Der jüngere Bruder hat sich dem Priesterseminar zugewendet
und der Älteste trat ins Kloster ein. Heute gibt Tomas im Noviziat das schöne
Beispiel des guten Eifers. Diese zwei Berufungen lassen uns sichtbar spüren, daß
Gott an uns denkt und für uns wirkt. Ihm sei großer Lob und Dank. Mehr
und mehr fühlen wir uns verantwortlich für die Menschen in Litauen. Seit
langem haben wir überlegt, wie wir ihnen im geistlichen Leben helfen könnten.
Wir haben verstanden, daß die heutige Situation der Christen in Litauen fast
gleich der Lage der Kirche in Frankreich im vorletzten Jahrhundert ist. Dom
Gueranger, der nach der Revolution das benediktinische Leben in Frankreich
restauriert hat, hatte ein "Liturgisches Jahr" für die Leute in der
Welt herausgegeben. Nach diesem Beispiel haben wir uns entschieden, mit einem Meßbuch
für das kommende liturgische Jahr anzufangen. Dieses heißt "Gyvoji duona
- lebendiges Brot". Ihre Spenden, liebe Freunde, haben diese Herausgabe ermöglicht.
Unser Wunsch ist, daß jeder bei sich die Texte der Sonntags - und Festmessen
meditieren kann. Viele Geistliche haben uns dazu ermutigt, aber wir wissen
nicht, wie dieses Meßbuch "von Palendriai" aufgenommen wird. Ich
empfehle diese Anlage Ihrem Gebet. Sehr
gern hätte ich ein Exemplar an Mutter Äbtissin von Alexanderdorf geschenkt,
aber leider ist sie zu früh gekommen, und vor allem sie war zu kurz bei uns.
Dieses Wiedersehen war trotzdem schön. Zusammen haben wir unsere Etappe in der
Abtei St. Gertrud auf dem Weg nach Litauen vor sechs Jahren in Erinnerung
gebracht. Andere
Besuche aus Deutschland haben wir auch bekommen. Ein Ehepaar aus Obernkirchen
hat einige Tage bei uns verbracht. Aber die Gäste kommen mehr aus der Nähe.
Oder sie kommen nur zum Gottesdienst, oder sie machen Exerzitien im Gästehaus.
Wie es in der Regel des heiligen Benedikt steht, fehlen die Gäste nicht. Jetzt
ist nicht nur im Sommer unsere Kirche sonntags voll. Die
Ausstrahlung von Palendriai war bei dem Feier der österlischen Liturgie
besonders stark. Der
katholische Rundfunk (Paris) hatte uns gebeten, die Liturgie der Kartage und des
Osterfestes zu übertragen. Ein Techniker hatte seine Geräte in der Kirche
aufgestellt und ein Kommentator erklärte alles diskret auf französisch. Wir
hatten ihm die Übersetzung der Texte gegeben, weil wir lateinisch beten und
singen, und weil die Lesungen auf litauisch sind. Diese Übertragung durch
Satellit gab unserem Gebet eine neue Dimension. Aus Frankreich haben wir gute
Reaktionen bekommen. Im
Garten arbeiten wir weiter und fleißig. Wir haben dieses Jahr noch 4000 junge Bäume
gepflanzt, vor allem Kiefern und Birken, die "Hauptbäume" in Litauen.
Der Teich ist sicher schön, aber er ist schöner geworden, seit dem Tag, wo
zwei Schwäne sich niederlassen haben. Leider sind sie uns nicht immer treu und
verschwinden manchmal einige Wochen. Wir wollen sie nicht füttern, daß sie
immer bleiben, weil sie vor dem Winter nicht abfliegen werden. Vor
400 Jahren wurde der Heilige Kasimir heiliggesprochen. Zu diesem Anlaß hat der
Erzbischof von Vilnius das jetzige Jahr "Jahr des Heiligen Kazimir"
verkündet. Wir wollen mit allen Litauern den Heiligen bitten, daß er das Land
besonders unter seinen Schutz nimmt. Durch seine - und Ihre - Fürbitte, liebe
Freunde, hoffen wir auch, daß unser Kloster gut gedeiht. Mit
herzlichen Grüßen Kontaktadresse
in Deutschland ist Pfarrer
Eberhard Kraus, Pfalzstr. 16, D-70374 Stuttgart. Wenn
Sie der Neugründung finanziell helfen möchten, senden Sie Ihre Spende bitte an
Pfarrer Eberhard Kraus, Sonderkonto Benediktiner-Kloster Litauen, 70329
Stuttgart. Konto Nr. 7046270 bei der Landesgirokasse Stuttgart (BLZ 600 501 01). Auf
Anfrage senden wir Ihnen weitere Exemplare dieses Briefes. Auch nehmen wir gerne
Adressen von Personen entgegen, die an der Neugründung interessiert sind. |