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8.
Junioratswerkwoche der Beuroner Kongregation Zum
Thema "Die benediktinischen Gelübde" fand vom 9. bis 14. August 2004
die achte Junioratswerkwoche der Beuroner Männerklöster in der Abtei Neuburg
statt. Am Neckar trafen sich 16 Junioren sowie die Novizenmeister P. Andreas
Wons (Maria Laach) und P. Ansgar Stukenborg (Nütschau). Die Woche war von P.
Andreas vorbereitet worden, als Referenten begleiteten uns Mutter Elisabeth
Kralemann (Engelthal) und Abt Franziskus Heereman (Neuburg) durch die von Vorträgen,
Gruppenarbeit und Austausch gut gestalteten Tage. Nach
einem ersten Kennenlernen und einer Einstimmung in das Thema am Anreisetag
behandelte Mutter Elisabeth am ersten thematischen Tag die stabilitas. Dabei
ging sie zunächst auf das heutige Gelübde-Verständnis ein. Das Leben
vollziehe sich in Gegensätzen, die nicht einfach negativ als Widersprüche
verstanden werden könnten, sondern vielmehr Spannungspole darstellten. Uns sei
es aufgegeben, diese Spannungen auszuhalten, die richtige Balance zu halten. Im
Ganzen betrachtet dürften die Gelübde nicht aus ihrem dynamischen Verständnis
und ihrer Ausrichtung auf die Beziehung zu Gott und den Menschen als eines
existentiellen Reifungsweges herausgelöst werden. Von
der Antike führte Mutter Elisabeth über das frühe Mönchtum u. a. zu
Bonifatius und endlich auch zu Thomas Merton. In Gruppen wurde das Verständnis
der stabilitas nach der Heiligen Schrift, der Benediktusregel und dem
Directorium Spirituale erarbeitet. Bei
der Beschäftigung mit der conversatio morum bezog sich Mutter Elisabeth nach
der Darstellung der geschichtlichen Entwicklung auf Viktor Dammertz: Wie keines
der anderen Gelübde sei gerade dies Versprechen auf Entfaltung und Fortschritt
angelegt. Es sei das wichtigste Versprechen, da alle Werte, die das Leben des Mönches
ausmachten, darin enthalten seien. Von der Wortbedeutung des Versprechens
conversatio morum suorum (RB 58,17) - das ja oft mit "klösterlicher
Lebenswandel" übersetzt wird - gehe es um einen Lebenswandel der Sitten,
der sich in einem entsprechenden Verhalten ausdrücke. In
einem psychologischen Ansatz, der sich auf die Erkenntnisse Fritz Riemanns
("Grundformen der Angst") stützte, konnte das Thema
"Wandel" noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet werden
und fand in der Aufgabenstellung des Versuchs der eigenen Einordnung in das
Schema der vier Grundkräfte einen guten, persönlichen Abschluß. Abt
Franziskus gestaltete den zweiten Teil der Werkwoche mit den Themenschwerpunkten
Profeß und dem dritten Gelübde, dem Gehorsam. Er unterzog die Profeß zunächst
einer anthropologischen - Entscheidungen seien im Leben unumgänglich, Freiheit
könne sich nur unter dem Risiko der Verbindlichkeit realisieren - und
biblischen Fragestellung. Unter der Verbindlichkeit des Bundes Gottes mit den
Menschen werde die Freiheit des Menschen definiert. Gott selbst mache sich zum
Garanten des neuen Bundes. Der Mensch erfahre sich immer wieder in seiner
Schwachheit, verlasse er sich auf sich selbst, falle er aus dem Bund heraus.
Gemeinsam mit Abt Franziskus erarbeiteten wir die Voraussetzungen und Elemente
der Profeß, schließlich die Profeß als Rechtsakt. Der
Gehorsam müsse im Zusammenhang mit der stabilitas und der conversatio morum
gesehen werden. Die Aufforderung Benedikts im Prolog "So kehrst du durch
die Mühe des Gehorsams zu dem zurück, den du durch die Trägheit des
Ungehorsams verlassen hast." (RB Prol 2) habe eine fundamentale
heilsgeschichtliche Bedeutung. Jesus Christus hat den vollendeten Gehorsam
geleistet, der so von den Menschen nicht vollbracht werden kann. Er tut den
Willen des Vaters. Wir seien aufgefordert diese Haltung Christi in unseren
Alltag hineinzuholen, etwa in der Bereitschaft zu den opprobria (RB 58,7). Es
gehe um ein Hineinwachsen in die Grundhaltung Christi, um eine Gleichgestaltung
in Hingabe und Gehorsam. Wichtig sei dabei zu betonen, daß Gehorsam und Liebe
nicht voneinander zu trennen seien. Neben der Arbeit in Kleingruppen kam die
Kreativität mit dem Abfassen eines eigenen Gehorsamskapitels zum Tragen. Die
gute Arbeitsatmosphäre fand ihre Entsprechung und Unterstützung in den
abendlichen Rekreationen, an denen auch Mutter Elisabeth und Abt Franziskus
regelmäßig teilnahmen, wie auch im Ausflug in das nahegelegene Speyer, wohin
uns der gebürtige Speyerer P. Norbert Bosslet aus Neuburg mit großem
Engagement begleitete. Im Zentrum stand die Besichtigung des Kaiser- und
Mariendomes. Der
Neuburger Konvent trug durch Sorge, Gastfreundschaft und Freundlichkeit zu einem
Gutteil zum Gelingen und positiven Nachklang der Werkwoche bei. Br.
Elija Pott, Nütschau |