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Jahrestagung 2004
des Abt-Herwegen-Instituts Maria Laach "Vom
Ernst der Liturgie in der Freiheit des Spiels" lautete das Thema, das sich
das Abt-Herwe-gen-Institut für seine Jahrestagung vom 24.-26. September in
Maria Laach gewählt hatte. Bereits 1918 überraschte Romano Guardini die
Katholiken Deutschlands in seinem Büchlein "Vom Geist der Liturgie"
mit der These, daß Liturgie "Spiel" sei. In einer späteren Auflage
lieferte er ein neues Kapitel nach: "Vom Ernst der Liturgie". Spiel
und Ernst schließen sich, wie er meint, nicht aus. Nun ist Liturgie aber
gebunden, einmal an "Rubriken", an Vorschriften des Verhaltens und in
der Wahl der Texte und Gesänge, mehr aber noch an ihre ureigene Sache, an die
Botschaft Gottes und die glaubend-preisende Feier seiner uralten und doch je
neuen Heilstaten, an die Gabe, die Gott selbst kraft des Heiligen Geistes in
Jesus dem Christus ist. Daher stellt sich die Frage: Wie kann Liturgie Spiel
sein, wenn Spiel doch nur aus erlebter Freiheit ersteht und Freiheit braucht? Dieses
Problemfeld stellte der Prior des Klosters Maria Laach, P. Petrus Nowack, in
seiner Begrüßung vor. Der Vorsitzende des Abt-Herwegen-Instituts, Prof. Werner
Weidenfeld, (München) hob hervor, daß Spiel zwar eher nach Freizeit und Spaßgesellschaft
klingt, in Wahrheit aber wirkliche Freiheit bedeutet, da es weder praktischen
Zwecken noch ökonomischen Zwängen unterliegt. Im Kult schließlich vor Gott
ins Spiel zu treten, das ist Liturgie. Der
Begriff der Freiheit war denn auch Leitbegriff der Tagung, so vor allem im
Referat von Frau Dr. Gunda Brüske (München, Fribourg) "Der Mensch spielt
nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist." (Friedrich Schiller,
Das Spiel und die Freiheit des Menschen) Von der Anthropologie ausgehend ist
Spiel zweckfreies Handeln, kann der Einübung bestimmter Haltungen dienen, z.B.
Gelassenheit oder Demut, schafft Abstand vom alltäglichen Dasein und
Gemeinschaft zwischen Menschen. Durch das Spiel ersteht innerhalb des Ganzen von
Welt ein eigener Daseinsbereich, zeitlich und räumlich abgegrenzt, von eigenen
Regeln bestimmt, anders als das alltägliche Dasein und zwar im Sinne des
Unwirklich-Wirklichen. Diese Momente berühren sich mit dem, was man im
allgemeinen als sakral bezeichnet, daher hat das Spiel eine besondere Nähe zum
Kult. Theologisch
zeigt sich die von Gott geschaffene Welt als Spielfeld der göttlichen Weisheit
(Weish 8,30 f). Zwar ist die Freiheit des Menschen nach dem Sündenfall
pervertiert, doch ist die durch Kreuz und Auferstehung geschenkte Erlösung
Anfang und und bleibender Grund neuer Freiheit sowie je neue Ermächtigung zur
Realisierung des Menschseins im Modus des Spiels. Das geschieht am
vollkommensten im hl. Spiel der Liturgie. Es ist Teil des kulturellen Gedächtnisses
der Kirche, in ihm übt sich der feiernde Mensch in die geschenkte Existenzform
des erlösten Menschen ein. Diese
Gedanken führte Prof. Jürgen Bärsch, Eichstätt, in seinem Referat "Ist
Liturgie Spiel?" mit historischen und theologischen Betrachtungen fort.
Durch ihren ausgeprägten Gedächtnischarakter besitzt die Liturgie als
Symbolfeier in "sinnenfälligen Zeichen" (SC 7) eine innere Nähe zum
darstellenden Spiel, wie es denn auch in der dramatischen Entfaltung der
Osterfeier in Jerusalem seit Ende des 4. Jh. oder in der Abbildung des Heils
durch ein die historische Szenerie ausschöpfendes Rollenspiel der
mittelalterlichen Liturgie des Westens (Osterspiel) zum Ausdruck kommt. Die
stark handlungsbezogenen Ereignisse von Passion und Auferstehung drängen ja zum
Nachvollzug und damit zur historisierenden Sicht des Heilsgeschehens. Erst
Odo Casel (1886-1948) vollzieht den Schritt von der mittelalterlichen
Vorstellung vom sakramentalen Element als werkzeuglich-instrumentale
Heilsmaterie zum altkirchlichen Gedanken der sakramentalen Actio als handelnde
Repräsentatio des Paschamysteriums Christi: "Jede heilige Handlung ist
also zugleich ein heiliges Schauspiel, und dies Schauspiel ist unter dem
Schleier des Symbols die realste Wirklichkeit" Im
letzten Vortrag fragte P. Angelus Häußling "Wie ‚spielt'
Liturgie?" und antwortete mit drei Beispielen: 1.
Das Vaterunser. Jesus tritt als Lehrer auf, der sagt, was gilt: "Vergib uns
... wie auch wir vergeben"; die Jünger hören. Das greift die Liturgie am
Schluß von Laudes und Vesper wie in einem Spiel auf (RB 13,12 ff.): Der Abt
steht für Jesus den Lehrer, die Brüder hören, sind die anderen Spieler, die
sich durch ihre Antwort binden. So geschieht Heil, Tag für Tag. 2.
Am Sonntagmorgen wird in den Klöstern das Canticum aus Dan 3 gesungen. Alles,
was in der Welt ist, soll Gott loben und preisen für die wunderbare Rettung aus
äußerster Not. Mit diesem Lied wird unsere Situation charakterisiert: Wir im
Todesschicksal werden gerettet, wenn wir Gott bekennen. Der Sonntagmorgen ist
die Zeit der Rettung. 3.
Kurz nach Beginn des Hochgebetes singt die Gemeinde dreimal "Heilig",
den Ruf der Serafim angesichts der Gotteserscheinung in Jes 6. Jesaja wurde
gerettet, indem Gott seine Lippen mit glühender Kohle reinigt. Durch das
Paschamysterium sind auch wir gerettet und dürfen - wenngleich bedroht - vor
dem Angesicht Gottes das "Sanctus" singen, denn "heute ist die
Erde zum Himmel geworden" (Chrysostomus). So
wurde deutlich, daß Szenen der Heilsgeschichte, derer spielend gedacht wird,
als Paradigmen Bedeutung für das eigene Leben haben. Detlef
Jankowski |