Generalkapitel der Kongregation von der Verkündigung
in der Abtei Sint Andries / Brugge  6.-13. September 2004
 

Die Kongregation von der Verkündigung entstand 1920, als sich die Abteien Maredsous und Keizersberg (Löwen) von der Beuroner Kongregation trennten. Die Gründe dafür gehören in den Zusammenhang der Folgen des Ersten Weltkrieges. Als drittes Kloster kam Sint Andries Zevenkerken (Brügge) hinzu. Der Gründer, Gerardus van Caloen, war zwar ein Mönch von Maredsous, aber das Kloster war wegen der Tätigkeit in Übersee Mitglied der Brasilianischen Kongregation gewesen. Diese Klöster bildeten zwar eine Belgische Kongregation, aber durch die missionarische Tätigkeit kam es zu Gründungen, die der Kongregation einen internationalen Charakter verliehen: Irland, Afrika, Indien, China, Polen. Weitere Klöster schlossen sich an: Portugal, Trinidad. Für das geistliche Leben der Gemeinschaften behielt die Herkunft aus der Beuroner Kongregation einen wesentlichen Einfluß, allerdings in Verbindung mit einer missionarischen Ausrichtung, die sich in der Seelsorge oder in der Führung von Schulen oder Gästehäusern verdichtete.

Ursprünglich lautete der Titel der Kongregation "Belgische Kongregation der Mönche des hl. Benedikt unter dem Titel der Verkündigung der Seligen Jungfrau Maria". Im Jahr 1967 änderte das Generalkapitel den Namen, um den internationalen Charakter zu berücksichtigen und die Änderung der Bezeichnung des Patronatsfestes am 25. März durch die Liturgiereform aufzunehmen: Congregatio Annuntiationis - "Kongregation von der Verkündigung". Der Titel soll auch etwas von der missionarischen Ausrichtung der Klöster zum Ausdruck bringen. Im deutschen Sprachraum gehört die Abtei St. Matthias in Trier seit 1980 zu dieser Kongregation und die Huysburg als Gründung von Tyniec seit 1972. Als Frauenklöster sind Mitglied die Abtei Maredret/Belgien und das Priorat Sovu/Ruanda. 24 Frauenklöster sind affiliiert. Im ganzen gehören 17 selbständige und 12 abhängige Männerklöster zur Kongregation mit 614 Mönchen.

 Das diesjährige Generalkapitel behandelte die üblichen Änderungsanträge zu den Konstitutionen und entschied über den Status verschiedener Klöster. Im wesentlichen diente es jedoch einem vertieften Gedankenaustausch zur Zukunft der Klöster und der Kongregation. Die Themen, von denen man ausging waren: die Alterspyramide, die Ausbildung und die Solidarität der Klöster miteinander. Die Diskussion nahm dann aber einen anderen Verlauf, als es vorauszusehen war. Die Teilnehmer sprachen über die Situation des monastischen Lebens heute angesichts der Herausforderungen der modernen Gesellschaft, - über die Verantwortung der Mönche, Menschen von heute zu dieser Art des Lebens in der Nachfolge Jesu einzuladen. Ein weiteres Thema war die Beziehung zu den Frauenklöstern und die Zusammenarbeit mit ihnen. Schließlich wurden auch Fragen der Struktur der Kongregation und Methoden der Leitung angesprochen.

Ein Thema wurde zwar immer wieder berührt, aber nicht eigentlich behandelt: die fortdauernde Klerikalisierung des monastischen Lebens. Es war aber nicht zu übersehen, daß dieses Thema auf die Gemeinschaften zukommt, wenn sie sich auf ihren eigentlichen Auftrag im Leben der Kirche sich besinnen wollen.

Zum neuen Präses der Kongregation wurde Abt Ansgar Schmidt von St. Matthias in Trier gewählt.

Ferner ist bemerkenswert, daß die Abtei Egmond in Holland in die Kongregation aufgenommen wurde. Die Klöster der holländischen Kongregation haben nämlich beschlossen, ihren Status als Kongregation zu beenden.  

Ohne Frage bieten die Klöster dieser Kongregation ein buntes Bild, so daß man schon mal von einer "Regenbogen-Kongregation" gesprochen hat. Doch gibt es außer der Herkunft aus der beuronischen Reformbewegung noch manche andere Gemeinsamkeiten: z. B. eine durchweg sehr bewegte Geschichte mit erstaunlicher Überlebensfähigkeit; Bereitschaft, neue theologische Sichtweisen aufzunehmen; Bildung von großen Freundeskreisen und vielfältige Zusammenarbeit mit Laien. Wenn Klöster untereinander in Kontakt treten, kann dies also eine ermutigende Anregung bedeuten. Es ist dies aber nicht so einfach wie bei einer regionalen Kongregation. Auf dem Gebiet gegenseitiger Hilfe, die heutzutage so wichtig ist, ist eine regionale Kongregation sicher im Vorteil.

P. Athanasius Polag, Huysburg