Offizielle Anerkennung der Communio Internationalis Benedictinarum und Streiflichter von der Konferenz der CIB in Assisi und vom Äbtekongreß in Rom 2004„Eine
Benediktiner-Kongregation scheint in gewissem Sinne unvollständig, scheint
ihrer Aufgabe in der Kirche nicht voll zu genügen, solange nicht neben den Söhnen
auch die Töchter des heiligen Ordensvaters sich befinden, anregend,
erbauend...“, so Abt Placidus Wolter OSB 1890. Dies
war gesagt vor mehr als hundert Jahren zur Eröffnung des 3. Generalkapitels der
Beuroner Kongregation.[1]
In dieser Kongregation hat man seit langem zu einem fruchtbaren Miteinander von
Männern und Frauen gefunden. Wie aber sieht weltweit die offizielle Situation
der Benediktinerinnen aus, wie steht es um die Beziehungen zwischen
Benediktinern und Benediktinerinnen? Heute, 2004, stehen wir an einem
Wendepunkt. Es
bedurfte einer langen Zeit der Vorbereitung und vieler vorsichtiger kleiner
Schritte, aber nun ist es so weit: Auf dem Äbtekongreß 2004 in Rom (20.-29.
September) erhielt die Communio Internationalis Benedictinarum (CIB) die
offizielle Anerkennung durch die in Rom aus aller Welt versammelten Äbte (über
200). Mit überwältigender Mehrheit gaben sie dem von Abt Richard Yeo
(Downside) in Zusammenarbeit mit Äbtissin Joanna Jamieson (Stanbrook)
erarbeiteten Votum ihre Zustimmung. Die CIB hat nun einen offiziellen Platz
innerhalb der Confoederatio Benedictina. In der Lex Propria, dem Eigenrecht der
Benediktiner von 1985, sind ab jetzt auch die Institute, Kongregationen und Föderationen
des weiblichen Zweigs des Benediktinerordens aufgeführt, die Beziehungen
zwischen der CIB und der Konföderation in den Nummern 7-9 berücksichtigt. Dies
ist für die Entwicklungsgeschichte ein markanter Einschnitt. Benediktiner und
Benediktinerinnen sind nun, wie Abt Richard es mit einem eindrücklichen Bild
erläuterte, „unter einem Schirm“, dem Schirm und Schutz der Confoederatio,
wenn auch nicht gleichberechtigt, so doch mit einem eigenen Platz.[2] Zunächst
zur Konferenz der CIB-Delegierten.
Die Gruppe traf sich auf Einladung von M. Giacinta Soverino vom 16. bis 20.
September 2004 in S. Giuseppe, der Benediktinerinnenabtei in
Assisi. Eine
großzügige Gastfreundschaft machte die Tage zu einem wahren Erlebnis. Die nach
dem Erdbeben 1997 für längere Zeit evakuierten Schwestern waren inzwischen
wieder in ihr renoviertes Kloster zurückgekehrt und boten uns nun ideale Möglichkeiten
zu tagen. Zu tagen nicht nur in unserer Gruppe der 23 Delegierten, sondern sie
ermöglichten darüber hinaus ein Zusammenkommen mit Benediktinerinnen
verschiedener italienischer Klöster. Die in Sydney begonnenen Bemühungen um
Verständnis an der Basis für die CIB, ihre Aufgaben und Ziele, konnten hier
fortgesetzt werden. In den Stunden, die die italienischen Benediktinerinnen mit
den Delegierten verbrachten, kamen beide Gruppen einander näher. Hier, in der
„Stadt der Versöhnung und des Friedens“, hätte kein Thema besser passen können
als das gewählte. Margaret Malones Vortrag vom Vorjahr in Sydney „Suche den
Frieden und jage ihm nach“ (vgl. MI 116, S. 24ff) war Grundlage dieses Gesprächs.
Das Thema der Versöhnung setzte sich für die Delegierten in einem Podiumsgespräch
fort. Fünf Schwestern (aus Europa, Afrika, Südamerika, den Vereinigten Staaten
und einer internationalen Gemeinschaft) gaben kurze Statements ab über Möglichkeiten
für Frieden und Versöhnung, Erfahrungen aus dem eigenen Kloster oder
Erfahrungen von Versöhnung in der Geschichte, die erst nach langen Jahrzehnten
möglich geworden waren. So erzählte M. Irene Dabalus, Generalpriorin der
Missions-Benediktinerinnen von Tutzing, von einer Versöhnungsfeier in Tanzania,
wo 1905 fünf Missionare und Missionarinnen ermordet worden waren, jetzt aber
eine Feier stattfand, in der der derzeitige afrikanische Bischof und ein Ältester
jenes Stammes, der damals die Tötung zu verantworten hatte, gegenseitig um
Vergebung baten, der Bischof für die Fehler der Missionare, der Stammesälteste
um Vergebung für die Mörder. Die
mittelalterliche Stadt Assisi – viele der CIB-Delegierten erlebten sie zum
ersten Mal – lud zu einer Begegnung mit Franziskus ein. Wir sahen sein
Geburtshaus, wir beteten an seinem Grab (auf polnisch und englisch) um Segen für
unsere Klöster. Wir feierten in San Francesco in einer ruhigen Kapelle, der
„Capella della Pace“, Gottesdienst. Viele besuchten S. Maria degli Angeli
(Portiunkulakapelle) und S. Damiano, das Klösterchen der hl. Clara. Etwas
Besonderes war die mit der Gemeinschaft der Clarissen am Grab der Heiligen in
Santa Chiara gebetete Vesper. Die
Äbtissin von S. Giuseppe bot der CIB in ihrem Kloster Räume für ein
CIB-Sekretariat an. Wie dankbar sind wir dafür, nachdem sich die Pläne eines
Sekretariats in S. Anselmo zerschlagen oder zumindest auf lange Zeit hin
verschoben haben. Der
Finanzbericht und die sich anschließenden Diskussionen zeigten, daß mit den
vorhandenen Geldmitteln zwar sehr verantwortlich umgegangen wird, daß aber
dringend neue Sponsoren gefunden und weitere Geldquellen erschlossen werden müssen,
damit die CIB ihre Arbeit in Zukunft gut fortführen kann.[3] Im
Jahr 2006 (7.-14.9.) soll wieder ein von der CIB angebotenes Symposium rund
hundert Benediktinerinnen aus aller Welt in Rom vereinen. Die Vorbereitungen
laufen. Thematisch wird es um den geistlichen Führungsstil gehen. Der
interessante Bericht der Moderatorin, M. Máire Hickey (Dinklage) zeigte, welche
Fortschritte die noch junge Organisation der CIB im letzten Jahr machen konnte
– auch im Hinblick auf eine rechtliche Struktur der CIB – und wie sehr die
Kommunikation innerhalb des Netzwerkes der Frauenklöster benediktinischer Prägung
zugenommen hat. „Die CIB ist dafür da“, meinte M. Máire,
„benediktinischen Nonnen und Schwestern in der ganzen Welt bei der Suche nach
spezifisch benediktinischen Antworten zu helfen“ auf Fragen wie „Was bewirkt
der Heilige Geist heute in gottgeweihtem Leben? Wie können wir das erkennen,
beschreiben und vergegenwärtigen? Zu welchen Quellen und zu welchen neuen Wegen
führt uns dieses gottgeweihte Leben, das neu im Entstehen ist?“[4] Die
Fahrt von Assisi nach Rom ermöglichte noch Kurzbesuche bei drei italienischen
Benediktinerinnenklöstern, in Bastia, in Trevi und in Norcia. Sr. Lucia Wagner, Venio [1]
Beuron,
1863-1963. Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Erzabtei St.
Martin. Hrsg. von Virgil Fiala. 1963, S. 129. [2] Näheres dazu im
CIB-Rundbrief Oktober 2004, der auf der Website der CIB
(www.benedictines-cib.com) auf englisch, auf der Webite der VBD
(www.benediktinerinnen.de) auf deutsch zu finden ist, aber auch direkt
bestellt werden kann als Kopie oder Mail über Sr. Lucia Wagner OSB,
Kommunität Venio, Döllingerstr. 32,
D-80639, e-Mail: wagner@kommunitaet-venio-osb.de. [3]
Konto: Benediktinerinnen C.I.B., Konto 1051203, Bank für Sozialwirtschaft Köln
(BLZ 370 205 00); für Überweisungen aus dem Ausland: D-50968 Köln, IBAN:
DE82 3702 0500 0001 51203; BIC: BFSWDE31. [4] Vgl. das UISG/USG-Arbeitspapier 2004. |