Tagung der Cellerarinnen - AG in Lichtenthal / Baden-Baden vom 14. bis 18. Juni 2004

Die diesjährige Cellerarinnen-Tagung fand in der Zisterzienserinnen-Abtei Lichtenthal statt, wo die 45 Teilnehmerinnen herzlich aufgenommen wurden, einen Einblick in die Geschichte der seit 1245 bestehenden Abtei nehmen und beim gemeinsamen Abschlußabend die Äbtissin und die Mitschwestern näher kennenlernen konnten. Als Grablege der badischen Markgrafen überstand das Kloster Lichtenthal die Jahrhunderte ohne Unterbrechung oder Auflösung. In einer Tonbildschau und bei Führungen durch Kirche und Klausur konnten die Tagungsteilnehmer dies und vieles andere mehr erfahren und sehen. 

Inhaltliche Themenschwerpunkte der Fortbildung waren in diesem Jahr:

1. Vermögensanlagen für Ordensgemeinschaften: Referentin Frau Christa Plathen, Leiterin des Bereichs Vermögensanlage bei der Bank für Sozialwirtschaft, Köln
Vorgestellt wurden die verschiedenen Vermögenswerte:
Barvermögen, Immobilien, Kunstgegenstände, Versicherungen, Edelmetalle, Wertpapiere.
Die derzeitige Ertragssituation, Chancen und Risiken der verschiedenen Kapitalanlageklassen und verschiedene Anlagekonzepte bis hin zu Kriterien für ethisch-ökologische Anlagen wurden übersichtlich dargestellt und schließlich in einem Kapitalmarkt-Ausblick zusammengefaßt. 

2. Immobilienmanagement: Referent Herr Jürgen Weissgärber, Dipl. Kaufmann, Mitglied der Geschäftsleitung der "Aachener Grundvermögen Kapitalanlagegesellschaft mbH"

Themenbereiche seiner Ausführungen waren: Immobilienzyklus, Immobilienbewertung, Berechnung des Ertragswertes und des Sachwertes einer Immobilie, Umgang mit Maklern, Bewertungsaspekte von Fondsanlagen bzw. direkter Anlage... 

3. Wie immer bei Tagungen dieser Art ist der Austausch miteinander über gleiche oder ähnliche Probleme des Alltags für alle Teilnehmerinnen wohl die intensivste Zeit und so war der Nachmittag: "Aus der Praxis - für die Praxis" angefüllt von vielen verschiedenen Fragen und Lösungsvorschlägen.

Beispiele: Externe Wirtschaftsprüfung, Versicherungsrechtliche Fragen im Zusammenhang mit der Aufnahme älterer Kandidatinnen, Berechnung des "Stundenlohns" für Ordensmitglieder, Probleme und erste Erfahrungen mit der Praxisgebühr und der Rückerstattung, Zuzahlungsbefreiung für chronisch Kranke, Fundraising, Auslandsrechnungen, Controlling-Seminare ...

Angekündigt wurde ein Betriebsvergleich für den Gästebetrieb, der von einer Arbeitsgruppe (u.a. Bruder Stephan, Münsterschwarzach) vorbereitet wurde und der den Cellerarinnen zugeschickt und empfohlen wird. Die anonymisierten Zahlen werden verglichen und das Ergebnis wird ausgewertet und interpretiert zur Verfügung gestellt. 

4. Ein Vormittag wurde von P. Dr. Benno Kuppler, SJ (München) gestaltet unter dem Thema: "Zwischen geistlichem Beruf und Professionalität: Die Cellerarin und 'ihr' Unternehmen". In sehr engagierter und abwechslungsreich gestalteter Art war dies zunächst eine Übersicht über allzu viele mögliche Themen, die einer vertiefenden Beschäftigung bedurft hätten, wie auch für eine kommende Tagung dann gewünscht wurde. Einzelne Stichworte waren z. B: Arbeit und Wirtschaft, Abt: Manager oder Seelenführer, Gott in allen Dingen finden, Schlüsselkompetenzen, eigene Bedürfnisse entdecken, Kommunikation, Loslassen und Abschiednehmen, Arbeitssucht und Burnout, biblische Gestalten und Haltungen zum Nachdenken, Führungskräfte-Eigenschaften, Mitarbeiter als interne Kunden, Anerkennung als Vitamin der Arbeit, Kritik als Wachstumshormon der Arbeit, vom Überleben zum Leben, Kirchen-Marketing, Selbstmanagement, Alles auf einen Blick... 

5. Der letzte Nachmittag stand unter der Frage, die wohl in allen Gemeinschaften von Interesse ist und sehr unterschiedlich beanwortet werden kann: "Wie bringen wir die Zahlen für unsere Konvente zum Sprechen?"

Sr. Oliva aus Herstelle stellte in einem Kurzreferat mit Folien sehr übersichtlich dar: Einnahmen und Ausgaben, Gewinn- und Verlustrechnung, Überblick über Kloster und Betriebe, "Kopfquote", Einnahmequellen.

Sr. Martina aus Köln-Raderberg trägt einmal jährlich einzelne Schwerpunkt-Themen vor und zeigte uns in ihrem Statement einige Folien, in denen sie diese eindrucksvoll dargestellt hatte: Aufwendungen im Vergleich mit Vorjahren, Rücklagen, Spendenempfang und Spendengaben, Wasser-, Gas- und Strom-Verbrauch über 10 Jahre im Verhältnis zur Preisentwicklung...  

6. Als Geistlichen Impuls stellte Sr. Martha aus Oberschönenfeld eine Bildbetrachtung unter das Thema: "Maria und Martha - aus der Mitte leben", in der sie die Spannung, die in der biblischen Darstellung, im Bild der beiden Schwestern und im eigenen Leben erfahrbar wird, positiv deutete und zeigte, wie sehr jede der beiden der anderen als notwendige Ergänzung bedarf und nur so die eigene Erfüllung in der Bejahung der anderen finden kann. 

Für das kommende Jahr wurde die Gruppe der Cellerarinnen in das neue Gästehaus nach Herstelle eingeladen. 

Sr. Benedikta Esser, Mariendonk