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Einhundert Jahre Kloster Tutzing Voll
Dankbarkeit feierten die Missions-Benediktinerinnen von Tutzing Ende Juli ein
Jubiläum: Vor hundert Jahren hatten sich die Schwestern von ihren Mitbrüdern
in St. Ottilien getrennt und waren in ihr neu errichtetes Mutterhaus in Tutzing
gezogen. Wenn der Abschied damals sicherlich schmerzlich war, so sollte die
weitere Entwicklung beider Gemeinschaft zeigen, daß es ein Schritt ein Schritt
in die richtige Richtung war. Und nach einhundert Jahren konnten Brüder und
Schwestern miteinander in Eintracht und Freude feiern. Drei Tage lang
dauerte das Fest: Am Sonntag (1. August) feierten wir ein großes Fest mit der
Gemeinde Tutzing und am Freitag (30. Juli) mit unseren MitarbeiterInnen aus den
verschiedenen Einrichtungen. Der eigentliche Festtag war Donnerstag, der 29.
Juli 2004, der Tag des damaligen Umzugs. Viele Gäste aus nah und fern waren zum
Mitfeiern gekommen. Der Missionsbenediktiner und emeritierte Bischof von
Augsburg, Dr. Viktor Josef Dammertz, zelebrierte zusammen mit vielen Geistlichen
den Festgottesdienst. In seiner Predigt ging er unter Bezug auf das
Tagesevangelium der „heiligen Freunde Jesu Marta, Maria und Lazarus“ darauf
ein, daß es erst im Jahr 1900 möglich wurde, daß Kongregationen von aktiv tätigen
Ordensfrauen als gültige Form des gottgeweihten Lebens förmlich anerkannt
wurden. Doch sei das nicht ohne weiteres auf die monastischen Gemeinschaften übertragbar
gewesen. Marta habe hier mit ihrem besorgten Wirken nicht selbstverständlich
einen Platz neben Maria und ihrem Hinhorchen auf Jesus gehabt. Es sollte deshalb
noch lange Jahre dauern, bis die Missions-Benediktinerinnen von dem Verdacht
befreit wurden, keine echten Benediktinerinnen zu sein. Heute, so meinte er, sei
das kein Thema mehr. Das konnte man augenscheinlich auch an den Festgästen
sehen, unter denen sich viele Benediktinerinnen und Benediktinern von Rom bis
Alexanderdorf befanden. Nach einem
Sektempfang fand ein Festakt im schönen Saal des Pfarrheims statt, wo wir
gastfreundlich Aufnahme fanden. Priorin Sr. Hedwig Willenbrink begrüßte voll
Freude die vielen Gäste und dankte ihnen für ihr Mitfeiern. Generalpriorin M.
Irene Dabalus, die mit ihrem gesamten Generalrat zur Feier von Rom gekommen war,
erläuterte in ihrem Referat den geschichtlichen Hintergrund des Festes.
Anschließend wurden einige Grußworte gehalten, darunter von Abtprimas Notker
Wolf. Aufgrund seiner großen rhetorischen Begabung und spannenden Erzählweise
konnte der Festredner Prof. Dr. P. Elmar Salmann (Rom) – trotz
fortgeschrittener Zeit – die Zuhörer mit seinem Festvortrag fesseln. Er
sprach zum Thema: „Von der Mission zum weltoffenen Zeugnis – Christentum als
Minderheit und prophetische Präsenz“. Er wies auf die gewaltigen Wandlungen
des Christlichen in den letzten Jahrzehnten hin, und ging dabei auch auf die Veränderungen
des Missionsgedankens ein. Keiner von uns wolle, so führte er aus, missioniert
werden oder gar Objekt der Bekehrung sein. Heute müsse ein anderer Stil gelebt
werden. Als Alternative legte er einen xenologischen Stil nahe. „Das heißt
ein Stil, in dem wir erschlossen sind für das Fremde, zunächst einmal in uns
selbst. ... Und was wäre heute oft fremder als ein ernstgenommenes
Christentum.“ Er meinte weiter, daß, wenn sich die Kirche selbst ernst nehme
– also nicht sage: „Es ist alles glatt“ – nehme sie auch andere wahr und
ernst. Indem sie den Glauben nicht aufzwinge, könne sie strenger mit sich
selber sein und glaubwürdiger als Prophet vor den Toren draußen sein.[1]
Nach
dem Festakt gab es in einem Festzelt, das im Klosterhof aufgestellt war, ein
festliches Mittagessen. An den Nachmittagen der drei Festtage konnten unsere Gäste
eine Ausstellung über die Geschichte der Gemeinschaft besichtigen und eine neue
Festschrift gab Aufschluß über die Geschichte des Priorats. Sehr beliebt waren
Führungen durch die ansonsten nicht zugänglichen Räume des Klosters. In der
Halle fanden eine Tombola, ein Basar mit selbstgefertigten Artikeln und ein
Eine-Welt-Verkauf mit Produkten aus unseren auswärtigen Missionen, wie Schmuck,
Tücher und Schnitzereien regen Zuspruch. Der Erlös daraus kam einigen
Projekten zugute, über die an diesen Tagen auch informiert wurde: ·
Secondary School
in Peramiho, Tanzania: Wichtig ist die Ausbildung junger Frauen in Afrika, doch
können die Schülerinnen das Schulgeld zumeist nicht bezahlen. ·
Ein drängendes
Problem ist trotz des Friedens die medizinische Versorgung von Kindern und
Aidskranken in Angola ·
Schließlich
wurde ein Straßenkinderprojekt in Brasilien unterstützt. Um
auch von der künstlerischen Seite einer Gemeinschaft ein wenig zu vermitteln,
fand an zweien der Tage ein Wandelkonzert statt, das sich vom Kapitelsaal über
den Statioflur in die Kapelle hinzog. Abends bot ein musikalisch reich umrahmtes
Theaterstück Gelegenheit zur Besinnung, dem der Text „Das Tanzfest des
Gehorsams“ von Madeleine Delbrêl zugrunde lag. An allen Tagen sangen wir
gemeinsam mit den Gästen die Vesper in der neu gestalteten Klosterkirche, die
rechtzeitig zum Jubiläum in neuem Licht erstrahlte und dankten unserem Gott für
die Geschichte unserer Gemeinschaft und den schönen Tag. Schaut man die gegenwärtige Situation im Priorat Tutzing an, so sind wir derzeit 142 Schwestern in bald nur noch fünf Gemeinschaften. Vieles hat sich in den zurückliegenden einhundert Jahren gewandelt. War es damals eine Zeit der Expansion und des Aufbruchs in alle Welt, so erleben wir derzeit in Deutschland eine Phase, in der wir weniger Schwestern werden und Werke schließen und Gemeinschaften auflösen müssen. Ein Beispiel: Kurz vor unserem Jubiläum in Tutzing „feierten“ wir in Meschede-Olpe ein großes Abschiedsfest: voll Dankbarkeit für die vergangenen 70 Jahre, aber doch mit großer Trauer, daß wir diese wichtige Aufgabe mangels Schwestern nicht mehr fortführen können. Ende September werden dort die letzten Schwestern endgültig fortziehen. Doch wir sehen hier in Deutschland auch viele wichtige Aufgabenfelder und es ist für uns eine reizvolle Herausforderung zu überlegen, wo wir evtl. neu einsteigen. Sr. Ruth Schönenberger, Tutzing
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