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Nach einem vielzitierten Sprichwort kann Gott auf
krummen Linien gerade schreiben, wovon nicht zuletzt die Geschichte mancher Klöster
Zeugnis gibt. Dies gilt auch für die Gründungsgeschichte der Benediktinerinnen
vom Hlst. Sakrament in Trier. Als sie vor 150 Jahren ihr Kloster im Trierer
"Gartenfeld" eröffneten, war das benediktinische Leben in Preußen
durch die Säkularisation ausgelöscht. In Trier brach 1802 mit der Aufhebung
der Frauenabtei St. Irminen und der Männerabteien St. Matthias, St. Maximin,
St. Martin und St. Maria ad Martyres eine reiche benediktinische Tradition ab.
Doch vom letztgenannten Kloster aus sollte eine "krumme Linie" ein
halbes Jahrhundert später über Umwege zu einem Neubeginn benediktinischen
Lebens in der Römerstadt führen. Von seinem Abt Placidus Mannebach hatte ein Mönch
dieser Abtei, P. Johann Jakob Koch, 1797 den Auftrag erhalten, das von den französischen
Revolutionstruppen enteignete und zum Verkauf angebotene Klostergut Scharzhof
bei Wiltingen, in dem mehrere Mönche vor den heranrückenden Revolutionstruppen
Zuflucht gefunden hatten, auf seinen Namen zu ersteigern, um wenigstens diesen
Besitz zu retten. Koch, der in der Pfarrei Wiltingen seelsorglich tätig war,
erfüllte den Auftrag, heiratete aber wenige Jahre danach seine Haushälterin
und vertrieb seine früheren Mitbrüder aus dem Weingut, das er für sich
behielt. Als seine Tochter Clara von der Geschichte ihres Elternhauses erfuhr,
entschloß sie sich, die Tat ihres Vaters möglichst wieder in Ordnung zu
bringen. Sie verkaufte ihren Erbanteil am Scharzhof an das Domkapitel und erwarb
mit dem Geld 1853 im noch kaum bewohnten Trierer Stadtteil Gartenfeld ein großes
Haus mit Garten, das sie dem Bischof Wilhelm Arnoldi zur Gründung eines
Klosters zur Verfügung stellte. Bischof Arnoldi wandte sich an die
Benediktinerinnen von St. Nicolas de Port bei Nancy in Frankreich, die dem von
Mechtilde de Bar 1653 in Paris gegründeten Ordensinstitut der Benediktinerinnen
vom Hlst. Sakrament angehörten. Am 25. März 1854 eröffneten drei Schwestern von St.
Nicoals de Port in der Moselstadt das erste Kloster des Ordensinstituts auf
deutschem Boden. Die Verantwortung für die Gründungsgruppe
übernahm M. Mélanie André. Die junge, rasch wachsende Gemeinschaft
verdiente sich ihren Lebensunterhalt durch Waschen und Bügeln von Kirchenwäsche
einiger Pfarreien und betrieb etwas Landwirtschaft. Mit der Wahl von M. Mélanie
zur Priorin wurde 1869 das Kloster selbständig. Bereits sechs Jahre später mußten
die Schwestern infolge der Kulturkampfgesetze Preußen jedoch wieder verlassen.
Sie fanden in einem unbewohnten Seitentrakt des Elisabetherinnenhospizes in
Bettemburg (Luxemburg) notdürftig Unterkunft und siedelten 1883 in ein großes
Bauernhaus im nahegelegenen Peppingen über, das sie erwerben und nach ihren Bedürfnissen
umbauen konnten. Sobald die preußischen Gesetze es zuließen, kehrten
einige Schwestern 13 Jahre nach der Vertreibung in das Trierer Kloster zurück,
das nun den Namen "Kloster Bethanien" erhielt, wobei Peppingen weiter
als Kloster bestehen blieb. Allerdings war Clara Kochs Grundstück durch die
1875 erzwungenen Abtretungen an die "Königliche
Eisenbahngesellschaft" für den Bau einer Bahntrasse viel kleiner geworden,
so daß der Lebensraum der stets wachsenden Gemeinschaft empfindlich eingeschränkt
war, ganz abgesehen von den Belastungen durch den Lärm der Züge und die
verpestete Luft, die den Klostergarten praktisch unbrauchbar machten. Schwere
Krankheiten waren die Folge. Nach vielen Schwierigkeiten gelang es erst 1920,
ein großes Anwesen in Kürenz bei Trier zu kaufen, wo ein neues Kloster
errichtet wurde, das die Nonnen im Mai 1922 besiedelten.
Neben Chorgebet und Anbetung widmeten sich die
Schwestern hauptsächlich der Landwirtschaft und der Paramentenstickerei. Trotz
großer materieller Schwierigkeiten erlebte der Konvent unter der Leitung von
Priorin M. Gabriela Schönenberger in den 20er und 30er Jahren bis zum Beginn
des Zweiten Weltkrieges eine fruchtbare Zeit, in der das monastische Leben sich
entfalten und festigen konnte. Mit dem Ausbruch des Krieges wurde der Alltag der
Klostergemeinschaft mit neuen Zerreißproben konfrontiert. Die befürchtete
Enteignung durch die Nationalsozialisten blieb dank der Armut des Hauses aus,
doch gegen Ende des Krieges mußte ganz Trier zwangsevakuiert werden. Die
Benediktinerinnen fanden mit ihrem Vieh im Moselort Wintrich großzügige
Aufnahme. Als besonders schweren Einschnitt erlebten sie in dieser Zeit die
Nachricht von der völligen Zerstörung ihres leerstehenden Klosters, das bei
der Bombardierung Triers vom 2. Februar 1945 schwer getroffen worden war. Sobald
es wieder möglich wurde, kehrte die Gemeinschaft nach Trier zurück, wo die
Vinzentinerpatres den Nonnen eine Etage ihres Hauses überließen. Von dort aus
brachen die Schwestern vier Jahre lang mit ihren Handwagen täglich ins
benachbarte Kürenz auf, wo sie ihre Felder bestellten, den Schutt wegräumten
und das Kloster unter Anleitung teils eigenhändig wieder aufbauten. 1949
konnten sie endlich in ihr geliebtes Kloster Bethanien wieder einziehen. Nur langsam erholte sich der Konvent von den Strapazen
des Krieges und des Wiederaufbaus. Bald standen erneut Aufbrüche ganz anderer
Art an. Unter der Leitung von Priorin Gertrudis Buchheit bekam der klösterliche
Alltag durch die Erneuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils und der neuen
Konstitutionen ein neues Gesicht. Äußerlich wurden die Veränderungen
besonders auffällig durch die Entfernung der Gitter in den Sprechzimmern und in
der Kapelle und durch die Neugestaltung der Kapelle im Geist des Konzils. 1964
übernahm der Konvent die Hostienbäckerei der Schwestern vom Guten Hirten in
Trier. Daraufhin wurden große Teile des Ackerlandes und die Weinberge an die
Bischöflichen Weingüter verpachtet. Ein kleines Holzhaus im Klostergelände
ließen die Nonnen in den siebziger Jahren als Begegnungshalle einrichten, um
Treffen mit Gruppen von Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen besser zu ermöglichen.
Nicht so sehr die stabilitas loci als vielmehr das immer
neue Aufbrechen und Suchen prägten stark das Leben der Trierer
Benediktinerinnen, die im Laufe ihrer Geschichte sieben Mal von Ort zu Ort
ziehen mußten. Die heutigen, besonders durch Nachwuchsmangel bedingten
Schwierigkeiten sind auf den ersten Blick anderer Art, jedoch geht es gerade
heute ebenfalls um immer wieder neu gewagten Aufbruch und beharrliches Suchen.
Wohin der Weg geht, weiß niemand. Aber die Gemeinschaft sieht sich mitten in
dem großen Umbruch, der das "wandernde Gottesvolk" in Europa zur Zeit
umtreibt. Durch Solidarität im Gebet sowie durch das Mitgehen mit den Menschen
auf der Suche nach Orientierung - ein Weg, der für viele durch Einsamkeit und Wüste
führt , versuchen die Kürenzer Benediktinerinnen, der Erfahrung von Gottes
Gegenwart unter den Menschen heute den Weg bereiten zu helfen.
Am 25. März 2004 feierten die Schwestern in einem
Pontifikalamt mit Bischof Dr. Reinhard Marx und einer anschließenden Begegnung
im Rekreationsraum des Klosters zusammen mit etwa 30 geladenen Gästen ihr Jubiläum
und dankten Gott für den Weg, den er mit ihnen bis heute gegangen ist und
weiter gehen wird. Sr. Mirijam Schaeidt, Trier |