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Jahrestagung der Salzburger Äbtekonferenz (SÄK) in
Seeon 13.-16. April 2004
Zu ihrer traditionellen Jahrestagung in der Osterwoche
kamen die Mitglieder der Salzburger Äbtekonferenz in diesem Jahr im ehemaligen
Benediktinerkloster Seeon (Oberbayern) zusammen.
Aus der bewegten Geschichte dieses Ortes nach der Aufhebung durch die Säkularisation
(1803) ergab sich für die Tagungsteilnehmer durchaus der passende Rahmen für
die Beschäftigung mit der Thematik der gemeinsamen Tage: "Claustrum et
missio". Schon die Begrüßung durch den Präsidenten des oberbayerischen
Bezirkstags, Franz Jungwirth, ließ Berührungspunkte und gemeinsame Anliegen
von Kloster und "Welt" deutlich werden. Die Einbindung in die Kirche
wurde durch den Besuch von Erzbischof Kothgasser (Salzburg) unterstrichen.
Weitere Gäste waren Abtprimas Notker Wolf, Erzabt Asztrik (Pannonhalma), Abt
Marek (Tyniec) und Prior Prokop (Brevnov). Von den Frauenklöstern des deutschen
Sprachraums waren Äbtissin Ursula Schwalke (Alexanderdorf), Priorin Lucia
Wagner (Venio) für die VBD, Äbtissin Bernarda Meile (Glattburg) und Priorin
Margrit Jegerlehner (Wikon) für die Schweizer Benediktinerinnen vertreten.
Zwei Referate beleuchteten
verschiedene Aspekte des Tagungsthemas und stellten konkrete Erfahrungen vor,
die wiederum Anregungen zu Gespräch und Weiterdenken gaben. P. Ludwig Ziegerer
(Mariastein) ging in seinem Vortrag "Das Kloster und sein Umfeld:
Alternative des Claustrums" von den Erfahrungen seiner eigenen Gemeinschaft
in den vergangenen 30 Jahren aus. Mit der 1971 erfolgten Aufgabe der Schultätigkeit
der Mönche in Altdorf sammelte sich der Konvent wieder geschlossen in
Mariastein. Dort wurde nach Wegen gesucht, das monastisch-liturgische Leben im
Sinn des Konzils für die Menschen, die zum Kloster kommen, fruchtbar zu machen.
Die Wallfahrt zum Marienheiligtum bietet in Mariastein den Pilgern die Möglichkeit,
mit der Mönchsgemeinschaft in Kontakt zu kommen und bei der Mitfeier klösterlicher
Gottesdienste an ihrem Alltag teilzunehmen. Hier und im Zuge der
Wallfahrtsseelsorge erfahren sie, daß sie mit ihren Anliegen Auf- und Annahme
im Kloster finden. Die Brüder sehen sich dabei vor der Herausforderung, das,
was sie den Gästen mitteilen, auch wirklich zu leben. Die Kennzeichen des
gesellschaftlichen Lebens unserer Zeit, von P. Ludwig mit den Stichworten
"Kommunikation", "Individualismus" und "Sexualität"
umrissen, treffen schon längst auch auf die Klöster zu. Es gilt daher, sich
einer offenen Auseinandersetzung zu stellen. Den Benediktinern ist dafür mit
dem habitare secum eine hilfreiche und anspruchsvolle Richtung gewiesen.
P. Johannes Jung (Wien) widmete sich in seinem Referat
"Das Kloster und sein Umfeld: Der Auftrag zur Missio" der Betrachtung
des Spannungsfeldes von Klausur und apostolisch-missionarischem Wirken. Die
Frage nach der Gewichtung von beidem findet sich bereits bei Benedikt und hat
unsere Klöster durch die Jahrhunderte beschäftigt. Die Gemeinschaft des
Claustrums ist an sich schon eine Weise von Verwirklichung des Sendungsauftrags
der Kirche.
Nach der RB 66 soll "alles Notwendige" im Klosterbereich vorhanden
sein, so daß die "Mönche nicht draußen herumlaufen" müssen, um
ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Heutige Interpretation zählt zu diesem
Notwendigen nicht nur die Erfüllung materieller Grundbedürfnisse. Das Kloster
ist der Raum, in dem die Gemeinschaft und der einzelne sich entfalten auf dem
Weg zu Gott. Die Gestaltung des Gottesdienstes und der Arbeit bedarf daher großer
Aufmerksamkeit. Ist der Mönch fest in der Gemeinschaft verwurzelt und im
Claustrum "zu Hause", hat er ein geistliches Fundament für das Wirken
nach außen. Gerade eine Gemeinschaft wie die des Schottenstifts in Wien, mitten
in einer Großstadt mit ihren Chancen und Defiziten, erfährt, daß die Befähigung
zum "Hinausgehen" aus dem beständigen "Hineingehen" erwächst.
Für die Bestimmung des konkreten Maßes ist die Kraft der discretio notwendig.
Auf diesem Grund ist es möglich, auch "Aufwand für Unproduktives" zu
betreiben. Die Frucht missionarischer Arbeit bleibt ein Geschenk Gottes.
Die Impulse beider Referate wurden am Donnerstag in vier
Gesprächsgruppen aufgenommen und diskutiert. Bei der anschließenden
Zusammenfassung im Plenum kamen verschiedene konkrete Aspekte zur Sprache, die
klösterliches Leben heute mitbestimmen: die Nutzung der modernen Medien; die
Wahrnehmung, daß zur missio auch die Kulturgüter und wirtschaftlichen Möglichkeiten
eines Klosters gehören; die Thematik Pfarrseelsorge bis hin zu konkreten Hilfen
für Gäste beim Chorgebet.
Begegnung und persönlicher Austausch, die auf der
Tagung einen hohen Stellenwert haben, konnten sich, abgesehen von den
Arbeitspausen, auch entfalten bei einem Besuch in der nahe gelegenen Abtei
Frauenwörth (Chiemsee). An die Begrüßung durch Priorin Benedikta Frick
schlossen sich eine kenntnisreiche und kurzweilige Führung durch die alt-ehrwürdige
Frauenabtei und die gemeinsame Feier der Vesper an. Mit dem anschließenden
Abendessen endete der Besuch des Inselklosters.
Ein wichtiges Element der Ostertagung ist stets die Information über aktuelle
Entwicklungen in den Klöstern und ihren Einrichtungen. Abtprimas Notker
berichtete über den aktuellen Stand der Sanierungsarbeiten in S. Anselmo, die
sich nach dem über einhundertjährigen Bestehen als sehr umfangreich erweisen.
Mit weiteren Nachrichten aus der benediktinischen Familie lenkte er den Blick
der Teilnehmenden über den deutschen Sprachraum hinaus.
Die Verantwortlichen zentraler benediktinischen Bildungseinrichtungen - P.
Rektor Albert Schmidt (S. Anselmo), P. Rektor Maximilian Bergmayr (Kolleg St.
Benedikt, Salzburg), P. Theodor Köhler (Präses des päpstlichen
philosophischen Instituts, Salzburg), Sr. Michaela Puzicha (Institut für
benediktinische Studien, Salzburg) - konnten in ihren Berichten eine insgesamt
positive Bilanz ziehen.
Die Jahrestagung der SÄK mit ihren Beratungen über
konkrete aktuelle Fragen machte, über die Beschäftigung mit dem Tagungsthema
hinaus, im ganzen erneut deutlich, daß die benediktinischen Klöster ihren
Auftrag in der Welt und für sie wahrnehmen und um seine Erfüllung bemüht
sind.
P. Korbinian Birnbacher, Salzburg
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