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Tagungsbericht der Theologischen Sektion der
Bayerischen Benediktinerakademie
P. Dr. Gabriel Heuser (Wechselburg), derzeitiger Dekan
der Theologischen Sektion der Bayrischen Benediktinerakademie, lud vom 29. April
bis 1. Mai 2004 zu einer Arbeitstagung auf den Heiligen Berg Andechs ein. In
drei Einheiten wurde das Thema: "Liturgiefähigkeit - in unseren
Gemeinschaften" bedacht.
Dabei behandelte Prof. Dr. Richard Schaeffler (München) das Thema:
"Liturgie - Sprechen an den Grenzen des Sagbaren, Handeln jenseits des
Machbaren". Prof. Dr. Andreas Odenthal (Fulda) sprach über: "Der
heutige Mensch zwischen Symbolbedürftigkeit und Liturgiefähigkeit", und
Sr. Dr. Carmen Tatschmurat (Venio/München)
stellte die Frage: "Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden
(RB 43) - eine paradoxe Vorgabe in Zeiten der Individualisierung?".
Prof. Schaeffler untersuchte die Liturgiefähigkeit am umfassendsten. Ausgehend
von Grundlagenproblemen der Sprach- und Handlungstheorie zeigte er Elemente des
spezifisch religiösen Sprechens und Handelns auf, wobei er vor allem die
Implikationen bei der Anrufung des Namens Gottes entfaltete. Von diesem
individuellen Sprechen und Handeln ausgehend bedachte er die speziellen
Aufgaben, die für das rechte Feiern der Liturgie notwendig sind.
Prof. Odenthal sah einen Ansatz für die Symbolfähigkeit in der
Tiefenpsychologie gegeben, wobei er die Grunderfahrung des Schutzes und die Befähigung
zur Befreiung als entscheidende Grundkonstanten herausstellte. Diese beiden
Grundkonstanten finden sich in der Liturgie im Paschamahl und beim letzten
Abendmahl. Seine These: "In der Liturgie der Kirche werden diese
Heilsereignisse aktualisiert, aber so, daß sie zu ‚symbolischer Erfahrung'...
werden können."
Sr. Carmen ging auf Grund soziologischer Analysen davon aus, daß heute viele
Menschen durch die Individualisierung, verstanden als Freisetzung sozialer
Bindungen, liturgieunfähig sind.
Als Benediktinerin, deren ganzes Leben eigentlich Liturgie ist - Liturgie als
explizites Tun im Stundengebet, in der Eucharistiefeier und in anderen religiösen
Vollzügen und als implizites Tun als Gottesdienst, der alle Lebensvollzüge
umfaßt - stellte sie die Frage, wie für solche Menschen Liturgiefähigkeit
aussehen könnte. Ihre Antwort lautete: Einheit können wir nicht mehr
herstellen. Jeder bringt seine Individualität mit. Dazwischen bleiben Freiräume.
Aber es geht in der Liturgie um die Unterbrechung des Zurückbiegens auf sich
selbst.
Liturgiefähigkeit - in unseren Gemeinschaften. Nachdenkenswerte Antworten
wurden gegeben, viele Fragen blieben offen. Insgesamt ein bereichernde Tagung.
P. Dr. Theodor Lutz, Ottobeuren
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