Noviziatsschulungstage 2004 in Hübingen 2004

Ende Januar diesen Jahres fanden wieder die regelmäßigen Noviziatsschulungstage in Hübingen statt. Wir waren 35 Schwestern aus 13 nach der Regel Benedikts lebenden Gemeinschaften katholischer und auch evangelischer Tradition, zusammengekommen aus Klöstern in Deutschland, Schweden, der Schweiz und den Niederlanden.
Wohl kaum eine Noviziatsveranstaltung findet zu Hause freudigere Anteilnahme. Mit der Tradition seit 1969 ist Hübingen für viele Mitschwestern ein Meilenstein der eigenen monastischen Kindheit. Jedes neue Treffen stärkt also nicht nur die Verbindung der Noviziate untereinander, sondern wirkt auch generationsübergreifend verbindend innerhalb der einzelnen Konvente.
So ist es vielleicht für alle schön zu hören, daß das Feriendorf bis auf weiteres fortbesteht, trotz bedrohlicher Sparvorhaben des Bistums. Die Hausleitung hat der langjährige Hausmeister, Herr Krumm, übernommen. Er ist sehr bemüht und kommt seinen „Stammgästen“ wo immer möglich entgegen. Über die Wintermonate wird der Betrieb allerdings eingestellt werden müssen.

Die Noviziatsschulungswoche in Hübingen lebt von der Begegnung. Und auch das zweite Standbein, die inhaltliche Auseinandersetzung mit einem Thema, dient letztlich dem Anspruch, sich im gemeinsamen Tasten auf dem noch neuen monastischen Lebensweg fruchtbringend und bereichernd zusammenzufinden.
In diesem Sinne waren wir gesegnet mit unserem Referenten P. Andreas aus Gerleve, der uns thematisch durch die Tage führte mit Vorträgen zur Lectio Divina. Er weitete uns den Blick in einem Bogen über das sich im Laufe der Geschichte wandelnde Verständnis der Schriftlesung und die sich wandelnde praktisch gelebte Ausübung, über Stellenwert und Gestalt von Schrift und Lesung der anderen großen Buchreligionen sowie einer ausführlichen Betrachtung des Johannesevangeliums, dem es ja besonders um das „Wort“ geht.
In zwei Kleingruppeneinheiten ging es ganz praktisch um die täglichen Fragen des Alltags mit der Heiligen Schrift, um Zeitmanagement, Ablenkungen oder Wahl des Ortes.
Das Besondere am Vortrag von P. Andreas war, daß es ihm nicht darum ging, Antworten auf Fragen zu geben. Vielmehr blieb er selbst Fragender, der uns Anteil nehmen ließ an seinen langjährigen Versuchen, Ordnung zu bringen in alles, was für ihn um ein Leben aus der Heiligen Schrift kreist. Die Vermittlung von Wissen(-swertem) stand im Dienst der Entwicklung von Kategorien zur eigenen Selbstverantwortung. P. Andreas hat uns zu Fragen verholfen und Lust und Ideen vermittelt, ihnen nachzugehen.

In der Mitte der Zeit genossen wir einen Ausflug in die Zisterzienserabtei Marienstatt, wo uns Abt Thomas freundlich begrüßte und uns P. Paulus zur Seite gab, um uns ausführlichst Haus und Hof zu zeigen.
Allgemein haben wir alle in diesen Tagen eine wunderbare Erfahrung von Gemeinschaft gemacht. Es ging nicht um Profile, was ja immer die Gefahr des gegenseitigen Abgrenzens birgt. Es blieb aus, daß Unterschiede trennend Wege verstellten. Innerlich war man ausgerichtet auf ein „Wir“, und gelebt wurde als Grundlage allen Tuns vor allem die Freude daran ... in der Tiefe der Liturgie und des vertraulichen Gesprächs wie im seichten Wasser von Kichern und Abwaschen, bis hin zu schönstem Blöd-Sinn am letzten gemeinsam begangenen Abend, einem Gütesiegel der Freiheit, in der wir uns in unserem „Wir“ zu bewegen wagten.
Gebe Gott, daß das Gemeinschaftsbildende nicht Zufall war und individuell bedingt, sondern der Geist der Zukunft der benediktinischen Großfamilie, die sich grundlegend und vorrangig aneinander freut, einander stärkt und sich reich weiß ob der Vielfalt an Entstehungsgeschichten und Werdegängen, Traditionen und neuen Aufbrüchen ... ut unum sint.  

Sr. Maria Behrendt, Dinklage